einstellung-mitmenschenWer sich weiter entwickeln will, der sollte seine Einstellung zu sich und zu seinen Mitmenschen immer von neuem auf den Prüfstand stellen, um hilfreiche Anpassungen vorzunehmen.

Tanjas Nackenhaare stellten sich aufrecht, als sie Simone auf der anderen Straßenseite erblickte und sie musste einen leichten Würgreiz unterdrücken. Diese ewig laute, angeberische Zicke, die immer im Mittelpunkt stehen muss. Tanja drehte sich zum Schaufenster und beobachtete Simone, die längst auf dem Weg zu ihr war …

Einstellung auf den Prüfstand

Es gibt Menschen, mit denen wir nicht klarkommen. Erdenbürger, die wir nicht mögen und schon der bloße Gedanke an sie, lässt negative Gefühle aufsteigen. Da wir häufig diese Personen nicht meiden können, weil sie ein Teil unseres sozialen Umfeldes sind, kann es wertvoll sein, seine Einstellung auf den "Prüfstand" zu stellen, um die kraftraubenden Gedanken zu verringern oder abzuwandeln.

Es geht nicht darum, jeden zu mögen. Es geht darum, die eigene Einstellung zu überprüfen, sie gegebenenfalls zu verändern und eventuell etwas über sich zu lernen. So eine Gelegenheit sollten wir beim Schopf packen - auch wenn es gelegentlich schmerzt.

Übung zum Thema Einstellung zu Mitmenschen

Gewähren Sie Recht auf Andersartigkeit

Machen Sie sich bewusst, dass nicht nur Sie dieses Recht haben. Jeder hält sich für besonders, für einzigartig, für ein wenig anders. Und das stimmt ja auch. Gestehen wir es also auch unseren Mitmenschen zu.

Suchen Sie weitere Eigenschaften

Vergegenwärtigen Sie sich bitte nicht nur die störende Eigenschaft des anderen, sondern auch seine guten Seiten. Meist haben Sie diese bis dato nur ausgeblendet oder sie wurden von negativen Eigenschaften überstrahlt. Suchen Sie gezielt nach positiven Charakterzügen.

"O. K., ein wenig laut und aufdringlich ist sie schon, aber sie ist auch selbstbewusst und sagt ihre Meinung. Manchmal wünschte ich, dass ich das auch täte."

Ihr Maßstab ist Ihr Maßstab

Machen Sie sich bewusst, dass Sie genauso hart beurteilt werden könnten, wie Sie es selbst momentan tun.
"O. K., die Kleidung ist nicht mein Geschmack, aber wer bin ich? Der Mode-Papst? Kann ich mir so ein Urteil erlauben?"

Lernen Sie den Schatten kennen

Häufig bemerken wir an Menschen nur unangenehme Eigenschaften, bei denen wir uns noch nicht erlauben, diese Eigenschaften an uns selbst wahrzunehmen. Dies wäre für uns zu schmerzhaft. Der schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung nennt dies unseren Schatten. Er ist der "dunkle Bruder", der mit dem Menschen eine Ganzheit bildet. Im Bereich des Schattens liegen Tendenzen unserer Persönlichkeit, die zwar vorhanden sind, aber noch keinen Ausdruck gefunden haben, oder solche, die unvorteilhaft oder als "sündhaft" gelten, weswegen sie unterdrückt oder nicht wahrgenommen werden.

Wenn ich irgendjemanden als egoistisch einschätze und ablehne, könnte das zum Beispiel darauf hinweisen, dass ich jemanden, der zuerst an sich denkt, als kaltherzig oder verdorben beurteile. Vielleicht haben meine Eltern oder meine Großeltern mir immer eingeimpft "sei hilfreich und gut" oder "Geben ist seliger denn Nehmen". Das kann aber in manchen Rollen zu Problemen führen. Denken wir an einen Selbstständigen, der Probleme damit hat, Geld für seine Leistungen zu nehmen.

Reinigen Sie den Filter

Wenn wir Informationen aus der Umwelt aufnehmen, geschieht dies normalerweise durch "Filter". Je älter wir sind, umso mehr meint mancher zu wissen, wie die Welt funktioniert und die Menschen in unserem Umfeld de facto sind - Filter sind entstanden. Doch leider werden eben diese Filter für uns zur "Wahrnehmungsfalle". Wir nehmen nämlich nur noch bewusst wahr, was unsere Meinung bestätigt.

"Den Herrn Klemper habe ich bereits zum wiederholten Mal am Kaffeeautomaten gesehen. Der ist ein ganz Fauler. Das habe ich schon immer gewusst." (Dass er stets zwei Stunden vor mir ins Büro kommt, weiß ich nicht oder blende ich aus.)

So verfestigt sich unsere Meinung und das scheinbare Wissen um unsere Umwelt. Aus diesem Grund ist es wichtig, die eigene Meinung immer von neuem auf den Prüfstand zu stellen. Zugegeben - Meinungen oder Vorurteile zu verändern ist schwer, aber es ist schaffbar und lohnt sich. Einstein schrieb einst: "Es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein Vorurteil."

Die Hand reichen

Wir lernen Menschen immer nur in Ausschnitten, also in bestimmten Rollen (Teilaspekte der Persönlichkeit) kennen. Es sind Bruchteile der Wahrheit und Teile des Ganzen. Vielleicht versteckt sich in "der ungeliebten Person" ein wertvoller, hilfsbereiter Mensch. Sie hatte nur noch keine Chance es zu zeigen - geben Sie ihr diese Möglichkeit.

"Letztes Wochenende traf ich den Huber bei einem Tennisturnier. Der ist gar nicht so steif und unnahbar, wie ich dachte. Wir haben uns eine ganze Zeit klasse unterhalten. Eigentlich ist der Bernd Huber sogar total nett."

Versuchen Sie zu erkennen, warum Sie jemanden nicht mögen, und machen Sie sich Ihr Leben leichter, indem Sie sich mit anderen und ihren Besonderheiten, Macken und Extravaganzen aussöhnen. Oder durch bewusstes Erweitern Ihrer Verhaltensweisen, um jene, die Sie angeblich an anderen nicht gernhaben (zum Beispiel mal etwas lauter und aufdringlicher sein). Probieren Sie es einmal aus. Denn wie schrieb der irische Dichter George Bernard Shaw:

Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.

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Kommentare  

carpediem
#1 carpediem 2013-08-16 09:04
da gibt es dieses Zitat (weiss leider nicht von wem)
"Es ist wichtiger, Menschen zu studieren, als Bücher."

Manchmal wird aber das Wort "studieren" mit "beurteilen" verwechselt...
Danke für den interessanten Beitrag
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