verzeihen apix

Nahezu jedem von uns wurde bereits einmal Unrecht angetan oder wir wurden verletzt. Das reicht vom vergessenen Geburtstag bis zum Betrug um das Erbe.

Beleidigt, verletzt, betrogen, nicht beachtet ... das Regal möglicher Verletzungen ist gut gefüllt.

"Doch was tun?"

Es ist menschlich, sich aufzuregen, sich zu ärgern, wütend zu sein. Das Durchleben dieser Emotionen kann helfen zu begreifen und zu reifen. Aber auf Dauer ist das Herumtragen von Wut und Enttäuschung wie ein brennendes Stück Kohle in unseren Händen. Wir erleben weiterhin Schmerzen und sind eingeschränkt in unserer Handlungsfähigkeit.

Es empfiehlt sich, diese Tiefphase aktiv zu beenden. Warum das wichtig ist und wie es möglich ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Persönliche Verletzungen sind kein größeres Problem, wenn die Angelegenheit rasch aus unserem Kopf verschwindet. Doch häufig wird es anders erlebt. Viele tendieren dazu, den Rucksack der Kränkungen immer nochmal in Gedanken durchzugehen. Immer wieder ärgern wir uns darüber und fühlen die Beleidigung bis ins Mark.

"Diese schlechte, böse Welt!"

Folgen des Nichtverzeihens

Diese inneren Schuldzuweisungen, Beschimpfungen und Verdammung der anderen nagen am seelischen Gleichgewicht, rauben unsere Lebensfreude und können sogar zu Erkrankungen führen.

Anspannung, Erschöpfung, Bluthochdruck oder Magenschmerzen sind nur einige Symptome, die eventuell entstehen.

Die Seele leidet und der Körper schreit auf.

Warum verzeihen wir nicht einfach?

Anfänglich ist es okay, nicht gleich alles nachzusehen, nicht umgehend zu verzeihen. Es ist nicht notwendig, die Emotionen zu früh zu stoppen. Es ist hingegen ratsam, achtsam gegenüber den inneren Vorgängen zu sein.

Aber warum vergeben wir nach dieser Phase dem anderen nicht einfach und legen die Sache ad acta?

Dafür gibt es einige Gründe. Wir möchten zum Beispiel, dass "der Verursacher, der Peiniger" nicht ungeschoren davon kommt. Beschimpfen ihn in Gedanken, wollen das vermeintliche Vergehen zurückgeben. Jedoch schädigt uns das nur selbst. Wir haben die schlechte Laune, der andere bekommt von unserem Wunsch ja nichts mit. (Entwickeln Sie aktiv Ihre Persönlichkeit weiter. Werkzeuge zur Persönlichkeitsentwicklung: Entdecken Sie hier die beliebtesten 9 Ansätze der blueprints-Leser)

"Bestrafen wir uns nicht für die Fehler anderer!"

Viele setzen Verzeihen mit Gutheißen gleich

Doch dem ist nicht so. Wir sollten vor allem verzeihen, um es uns leichter zu machen. Denn mit Angst, Wut oder Kränkungsgefühlen schläft es sich nicht angenehm. Wir sind ständig in Gedanken darin verstrickt und bekommen schlechte Laune. Wenn dies zu stark ist und lange andauert, mündet dieses Hadern mit dem anderen nicht selten in einer psychosomatischen Erkrankung.

Verzeihen können wir üben.

Folgendes Vorgehen empfehlen wir:

  • Machen Sie sich die Motivation des anderen beim Disput klar. Wenn Sie es nicht verstehen, fragen Sie nach oder suchen Sie in psychologischen Ratgebern nach möglichen Ursachen solch einer Handlung.
  • Hierbei bekommen Sie eventuell auch Anregungen dazu, was Sie selbst zur Entstehung der Verletzung beigetragen haben.
  • Fragen Sie sich auch: Wann habe ich anderen Schlechtes angetan? Vielleicht sogar Ähnliches?
  • Machen Sie sich klar: "Dieses Verhalten finde ich nicht gut. Ich möchte es nicht abermals erleben." Eventuell schreiben Sie der Person einen Brief, in dem Sie das Fehlverhalten deutlich machen und Ihre Missbilligung ausdrücken. Es ist nicht notwendig, diesen Brief zu versenden. Bereits das Aufschreiben bringt mehr Klarheit.

In vielen Fällen wird das "Verletzt sein" dadurch bereits schwächer.

So könnten Sie weiter vorgehen:

  • Sagen Sie sich: "Ich möchte mit dieser Verletzung abschließen. Sie soll nicht weiter mein Leben belasten. Aus diesem Grunde verzeihe ich dieser Person."
  • Vertiefen können Sie die Wirkung Ihrer Worte, wenn Sie dabei ein Bild dieser Person in Händen halten.
  • Sagen Sie sich: "Ich vergebe XY, mich verletzt zu haben. Er geht jetzt seinen Weg und ich meinen." Anfangs wird hier oft ein innerer Widerstand zu verspüren sein. Wiederholen Sie dieses Vorgehen in dem Fall mehrfach. Mit der Zeit sollte sich der Zustand des Verzeihens einstellen.
  • Unterstützen Sie diesen Satz durch eine aktive Handlung. Schreiben Sie das Vergehen zum Beispiel auf einen Zettel und verbrennen Sie ihn. 

Der Schwache kann nicht verzeihen.
Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.

Mahatma Gandhi

 

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Zwei Freunde in der Wüste

Zwei Freunde, Roban und Dimos, wanderten in der Wüste. In der Mittagshitze kam es zum Streit um die korrekte Richtung. Im Eifer des Gefechts schlug Roban seinem Freund Dimos ins Gesicht. Entsetzt starrte dieser den Schläger an und zog sich für einige Minuten zurück. Als Dimos wiederkam, nahm er einen Stock und schrieb in den Sand: "Mein Freund Roban hat mich ins Gesicht geschlagen." Danach gingen sie weiter.

Nach mehreren Stunden kam Dimos auf Treibsand und drohte zu versinken. Roban warf sich auf den Boden und befreite ihn unter enormer Anstrengung aus dem tiefen Sand. Für einen Moment sah es so aus, als ober er selbst mit reingezogen würde.

Nachdem Dimos wiederum festen Boden unter den Füßen hatte, ging er zu einem großen Felsen. Er entnahm seinem Rucksack einen Meißel und schlug die folgenden Worte in den Stein: "Heute hat mir mein Freund Roban das Leben gerettet."

Kopfschüttelnd beobachtete Roban, was Dimos dort trieb. "Warum hast du meinen Schlag ins Gesicht von heute Mittag in den Sand geschrieben, die Rettung aber in den Stein gemeißelt?"

Dimos lachte: "Ganz einfach, Freund Roban. Wenn mich jemand verletzt, schreibe ich es in den Sand. Der Wind sorgt schnell dafür, dass dieses Vergehen rasch nicht mehr zu lesen ist. So soll es auch in meinem Geist sein. Genau umgekehrt verfahre ich mit den guten Taten. Diese sollen möglichst lange in meinem Gedächtnis haften. Darum meißele ich sie in Stein."

Nacherzählt, Verfasser unbekannt

 

Sich selbst vergeben

Oben stehende Übungen eignen sich ebenfalls dafür, sich selbst zu verzeihen. Wenden Sie von daher diese Technik gleichermaßen auf eigenes Fehlverhalten an.

Sagen Sie sich zum Beispiel: "Ich sehe ein, dass ich oftmals extrem aufbrausend bin und dabei meine Mitmenschen beleidige. Ich bin trotzdem ein wertvoller Mensch und verzeihe mir."

Im ersten Moment könnten Sie denken: "Na großartig, so macht sich das Ekel die Sache aber leicht. Heißt seine eigenen Pöbeleien auch noch gut." Aber es kommt komplett anders: Sie erkennen die negative Seite an sich. So verdrängen Sie dieses Fehlverhalten nicht mehr, können es ohne Schmerz wahrnehmen. Das ist die Grundlage dafür, in Zukunft ein anderes Verhalten zu zeigen.

Betrachten Sie jede nicht verziehene Verletzung als einen Felsblock, den Sie mit sich rumtragen. Sehen Sie das Verzeihen als einen Akt an, diesen Felsen ablegen zu dürfen. Der Fels bleibt der Fels, aber Sie sind ihn los.

Dabei gilt: Verzeihen, gegenüber sich und anderen, will gelernt sein. Üben Sie es regelmäßig, damit Sie diese Kunst zur richtigen Zeit beherrschen.

Wir sollen immer verzeihen: Dem Reuigen um seinetwillen, dem Reuelosen und unseretwillen.

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

verzeihen umarmung apix

 

Wütend auf die Herdplatte
Bringt es etwas, auf eine Herdplatte wütend zu sein? Nein? Aber Sie sind doch von ihr verletzt worden! Ach, beim Menschen ist das anders, schließlich hat er den freien Willen und mich in vollem Bewusstsein verletzt.

Ja? Dann lesen Sie bitte hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille#Hirnforschung.

Ein Beitrag auf blueprints zum Thema: Mensch ärgere dich (nicht)

Man kommt in der Freundschaft nicht weit, wenn man nicht bereit ist, kleine Fehler zu verzeihen.

Jean de La Bruyère

 

Ausnahmen bestätigen auch hier das Vorgehen

Es gibt Verletzungen, die so nicht in den Griff zu bekommen sind. Beispiele sind sexueller Missbrauch oder häusliche Gewalt. In diesen Fällen sollten wir professionelle, therapeutische Hilfe suchen. Hier werden hilfreiche therapeutische Methoden genutzt, um Verletzungen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten.

"Man möchte sagen, die Menschheit habe die Gebote ihres göttlichen Erlösers vergessen, der uns doch geheißen hat, einander zu lieben und Beleidigungen zu verzeihen, und suche nun ihr größtes Verdienst in der Kunst, sich wechselseitig zu morden." (Aus Krieg und Frieden, Erstes Buch, Leo Tolstoi)

Im rechten Rahmen anwenden

Wie alle unsere Empfehlungen und Ideen, die wir in Artikeln auf blueprints geben, gibt es Grenzen der Anwendung. Sie sollten nicht verzeihen, wenn die zugrunde liegende Verletzung fort besteht.

  • Zum Beispiel dem Mann, der immer und immer wieder seine Frau schlägt.
  • Oder wenn eine gerichtliche Klärung notwendig ist.
  • Oder bei anderen Gründen, wenn eine Aufarbeitung gewünscht und sinnvoll erscheint.

In den meisten Fällen hingegen wird sich eine Lebenserleichterung einstellen, wenn wir aktiv vergeben.

Körper und Seele sind nicht im Gleichgewicht, wenn wir etwas Verzeihenswertes nicht verzeihen!

 

Ihre Erfahrungen

  • Können Sie von Erfahrungen mit dem Verzeihen berichten?
  • Haben Ihnen die obigen Anregungen geholfen?
  • Bitte teilen Sie es uns hier mit.

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