Was haben immer mehr Bauern, Hausfrauen und Spitzenmanager gemeinsam? Das Gefühl der völligen Erschöpfung - totale Hoffnungslosigkeit! Burnout heißt es dann lapidar. Doch was bedeutet das?

Lesen Sie hier, wie Sie Burnout rechtzeitig erkennen und vorbeugen können.

Definition BurnOut

"Unter Burnout (engl.: to burn out = ausbrennen) verstand man früher die negativen Folgen der beruflichen Überbeanspruchung mit gemütsmäßiger Erschöpfung, innerer Distanzierung und anschließendem Leistungsabfall. Oder - wie es früher beschrieben wurde - ein "Stresssyndrom der helfenden und heilenden Berufe" bzw. auf einen kurzen Nenner gebracht: "Die Folgen von schlechten Bedingungen, unter denen viele gute Leute beruflich tätig sind".

Inzwischen handelt es sich um ein komplexes Beschwerde- bzw. Leidensbild mit differenzierten Phänomenen, das zwar immer mehr Betroffene belastet, aber nur zögerlich Eingang in Wissenschaft und Lehre und damit in Beratung, Klinik und Praxis findet.

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BurnOut - der Symptomkomplex

Nachfolgend eine Kurzfassung der wichtigsten Krankheitszeichen, die auf ein Burnout-Syndrom hinweisen können:

Auf der körperlichen Ebene

Es ist ein weites Feld an Symptomen und Erscheinungen die teilweise alle oder vereinzelt auftauchen: das geht von Schlaflosigkeit und Nackenbeschwerden, über Magen- und Verdauungsbeschwerden. Von Magenproblemen und Kopfschmerzen bis hin zu Gliederschmerzen. Man fühlt sich schlapp, müde und niedergeschlagen. Der Wunsch nach 100 Jahre Schlaf ist gegenwärtig. Auch eine sonderbare,   zunehmende Infektanfälligkeit gehört dazu, meist ständige banale Erkältungen, Schnupfen und Grippeinfekte.

Auf der mentalen Ebene

Eine gewisse Aussichtslosigkeit und ein Schleier von resignativer Unlust liegt über dem gesamten Denken und Dasein. Schwarze Zukunftsszenarien, die man früher nicht kannte schleichen sich fast unmerklich in das sonst sehr positive Denken ein und vergiften den Tag. Und da sitzt genau der Fallstrick. Dieses vollkommen ungewohnte, neue Erleben seiner eigenen Leistungsgrenzen bringt Ärger und Wut darüber, warum das eigene System Mensch nicht so reagiert wie man will, nicht mehr so erfolgreich ist. Kennzeichen eines Burnout-Syndroms ist es, dass  Körper und Geist auf Willensanstrengungen immer schwerer reagieren, und die Energie, die aufgebracht werden muss, um die ungeliebte Handlung auszuführen immer größer wird, und das System so in eine noch tiefere Erschöpfung geführt wird.

Auf der emotionalen und gefühlsmäßigen Ebene

Während früher ein humorvoller Ausdruck mit positiver Lebenssichtweise die Persönlichkeit gekennzeichnet hat, ist jetzt eine Emotions- und Gefühlslosigkeit für das eigene Dasein kennzeichnend. Freude ist verschwunden, an deren Stelle rutscht Angst und Unlust. Die Physiognomie wirkt wie erstarrt, die Mundwinkel hängen und nur geringe Regungen sind sichtbar. Traurigkeit und Tränen, die scheinbar grundlos kommen kennzeichnen die Anbahnung einer Depression.

Auf der sozialen Ebene                

Der Beginn einer Burnout-Krise erscheint also erst einmal von außen positiv. Viele Betroffene gelten in der Tat als sehr aktiv, dynamisch, zupackend, ideenreich, engagiert bzw. geradezu überengagiert: vermehrter Einsatz, freiwillige Mehrarbeit, Eindruck der eigenen Unentbehrlichkeit, das Gefühl, eigentlich nie mehr richtig Zeit zu haben, damit wachsende Verleugnung eigener Bedürfnisse. Eine zunehmende Beschränkung zwischenmenschlicher Kontakte, mit anderen Worten: Viele jener an sich guten Eigenschaften stellen sich bei näherer Betrachtung als Fußangeln, wenn nicht gar als Fallgruben heraus, die zum Burnout führen.

Auf der beruflichen Ebene

Hohe Arbeitsbelastung; schlechte Bedingungen im Beruf; Zeitdruck oder zu großes Pensum in einem zu eng gesteckten Zeitrahmen mit schlechtem Projektmanagement; schlechtes Betriebsklima, rauher Umgangston; wenig tragfähige Beziehungen zu den Mitarbeitern, wachsende Verantwortung, Nacht- und Schichtarbeit, vor allem dort, wo man sich nicht arbeitsphysiologischen Erkenntnissen anpassen will, unzulängliche materielle Ausstattung des Arbeitsplatzes und des Arbeitsumfeldes, schlechte Kommunikation unter allen Beteiligten, zu geringe Unterstützung durch den Vorgesetzten, wachsende Komplexität und Unüberschaubarkeit der Arbeitsabläufe.

Die Welt wird unübersichtlicher, man sieht Gefahren wo keine sind, unzureichender Einfluss auf die Arbeitsorganisation, Hierarchieprobleme, Verordnungs- und Anordnungsflut (gestern neu, heute zurückgenommen, morgen modifiziert usw.); Termin- und Zeitnot, unpersönliches, bedrückendes oder intrigenbelastetes Arbeitsklima, Mobbing, ständige organisatorische Umstellungen, ohne die Betroffenen in Planung und Entscheidung mit einzubeziehen oder gar zu fragen, bei Misserfolgen aber natürlich verantwortlich zu machen; zunehmende, immer neue, rasch wechselnde Anforderungen am Arbeitsplatz; zuletzt die wachsende Angst vor Arbeitsplatzverlust.

5 Phasen: Der Verlauf des Burnout

Nach und nach wird das Überengagement auch durch eine sich langsam, aber unerbittlich ausbreitende Erschöpfungsphase gleichsam ausgebremst und verlangsamt: Jetzt drohen verminderte Belastbarkeit, wachsende Stimmungslabilität und vor allem eine bisher nicht gekannte Erholungsunfähigkeit. Die Betroffenen werden müde und schlapp, z. B. im Sinne einer eigenartigen, alles durchdringenden Mattigkeit (wie sie nebenbei das höhere Lebensalter generell kennzeichnet), in Fachkreisen auch als Tagesmüdigkeit bezeichnet.

Am Ende drohen sogar rasche Erschöpfbarkeit und schließlich regelrechte Kraftlosigkeit - alle Kräfte sind dahin. Dazu kommt ein sonderbares Phänomen, nämlich "müde, matt und abgeschlagen" nach außen, innerlich aber unruhig, nervös und gespannt, mitunter sogar reizbar und gelegentlich aggressiv. So etwas hat man in früheren Zeiten sehr passend als "reizbare Schwäche" bezeichnet.

... am Ende:

Das ganze Burnout-Dilemma mündet schließlich in einen Endzustand, der durch Resignation, Entmutigung, verringerte Frustrationstoleranz, leichte Kränkbarkeit, Niedergeschlagenheit, schließlich sogar durch Minderwertigkeits- und Versagensgefühle einher geht. Die Sichtweise der Betroffenen wird pessimistisch, ja von Negativismus oder Fatalismus geprägt - sie erkennen diese Menschen angesichts ihres früheren Auftretens kaum wieder.

Das Burnout-Syndrom lässt sich daher in 5 verschiedene Phasen einteilen:

  1. Enthusiasmus
  2. Stagnation
  3. Frustration
  4. Apathie
  5. Burn-Out

Checkliste: Berufliche Einbußen des Burnout-Syndroms

Einige der schwerwiegendsten Konsequenzen aber konzentrieren sich auf den Arbeitsplatz direkt. Natürlich reagiert jeder Mensch anders, aber immer wieder zu hören sind folgende Charakteristika:

  • Desillusionierung;
  • Widerwillen;
  • Entmutigung;
  • Gleichgültigkeit;
  • Schuldgefühle;
  • Ärger;
  • Versagen;
  • negative Einstellung mit wachsendem Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen;
  • ständiges Auf-die-Uhr-Sehen im Job;
  • Fluchtphantasien und Tagträume;
  • Überziehen von Arbeitspausen;
  • verspäteter Arbeitsbeginn, vorverlegter Arbeitsschluss und wachsende Fehlzeiten;
  • Verlust von positiven Gefühlen gegenüber den anderen; deshalb vermehrte Verschiebung von entsprechenden Kontakten - man trifft sich seltener; innerer Widerstand gegen Anrufe und Besuchstermine;
  • heimlich einschleichender Dienst nach Vorschrift;
  • Stereotypisierung von Klienten, Patienten u. a. ("ist doch immer das gleiche, kennen wir schon ...");
  • Unfähigkeit, sich auf die anderen zu konzentrieren, ihnen geduldig zuzuhören;
  • vermehrt tadelnde, negative, reizbare oder gar aggressive Einstellung den anderen gegenüber;
  • Vermeidung von Diskussionen und Austausch mit Mitarbeitern und Vorgesetzten;
  • immer öfter mit sich selbst beschäftigt - autistisch; zunehmend unbewegliche, ja starre Denkkategorien;
  • misstrauischer Widerstand gegen jegliche Veränderungen im Betrieb, manchmal fast wahnhaft anmutende Reaktionen des Betroffenen;
  • damit wachsende Rückzugsneigung und Isolationsgefahr u. a.

Nach außen äußert sich diese verhängnisvolle "Abwehrstrategie" gegenüber der inzwischen ungeliebten Berufsaufgabe oft darin, dass der Kontakt zu Mitarbeitern und Kunden usw. immer mehr vom menschlichen Aspekt weggerückt und zum "Fall" degradiert wird, zum "Vorgang" usw. Das Subjekt sinkt zum Objekt herab - der Mensch kann nicht mehr gesehen werden. Damit erlöscht die innere Beziehung. Die ursprünglich positiven Gefühle werden ins Negative verkehrt. Es kommt zu einer ungewohnten seelischen Verhärtung und schließlich sogar Verflachung des Gemütslebens (bei aber unveränderter oder wachsender Kränkbarkeit des Betroffenen für eigene Belange).

Koautorin Ute-Reingard Schmidt (ColoursWorld - Beratung, Training, Coaching) 

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Kommentare  

Hermann
#1 Hermann 2013-09-21 12:07
Hallo Team,

" Über 70 % der Manager und Mangaerinnen arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche, davon jeder Fünfte sogar über 60 Stunden pro Tag. Dies waren die Ergebnisse einer Kienbaum-Umfrag e im Jahr 2002."

Ein normaler Arbeiter muss machmal noch länger arbeiten :)

Ist bestimmt nur ein Tippfehler.

Hermann
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Michael Behn
#2 Michael Behn 2013-09-21 12:44
Danke für den Hinweis! Das wäre an einem Tag wirklich etwas zu viel! ;-)
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Rainer Folgner
#3 Rainer Folgner 2016-05-10 05:45
ja, das mit den 60 Wochenstunden und mehr habe ich auch gehört. Ich war da auch hautnah mit drin. Insofern kann ich aus Erfahrung sagen, dass in den 60 Wochenstunden nicht wirklich immer gearbeitet wird. Vieles ist auch einfach nur Show.
Beim einfachen Arbeiter ist das aber effektive Arbeitszeit
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Christian
#4 Christian 2017-01-02 17:35
@Hermann: Der Tag hat 24 Stunden, wenn das nicht reicht nehmen wir die Nacht dazu und wenn das immer noch nicht reicht, arbeiten wir über Mittag durch ;-)
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