Eine Geschichte darüber, wie Unzufriedenheit in Zufriedenheit verwandelt werden kann.

indien palast 250"Hilfe! Wir werden noch wahnsinnig. Es muss etwas passieren." Antonio zog mit beiden Händen an seinen wuscheligen Haaren. Er lebte zusammen mit seiner Frau, den Schwiegereltern und seinen vier Kindern in einer 1-Zimmer-Wohnung in der Altstadt.

"Aber was bloß? Wir können uns keine größere Wohnung leisten." Maria, seine Frau, hob hilflos die Arme.

"Es ist die Hölle. Den ganzen Tag brüllt irgendwer, wir schreien uns an, ich habe mich heute schon dreimal mit deinem Vater gestritten." Antonio blickte stumpf auf den Küchentisch und fuhr mit den Fingern die Holzmaserungen nach. Die kleine Belana, gerade ein Jahr alt geworden, krabbelte zwischen seinen Beinen hindurch.

"Vielleicht weiß der Meister einen Rat?" Seine Frau zog fragend die Augenbrauen hoch.

Antonio wippte abwägend den Kopf hin und her. Wie sollte der weise Mann bei diesem Problem helfen können? Dann schlug er mit der Faust auf den Tisch, die kleine Belana fiel vor Schreck einfach um. "Ich werde gleich hingehen und ihn um Rat fragen. Schaden kann es ja nichts."

Beim Meister

Zu Antonios Überraschung meinte der Alte schon nach kurzer Überlegung, eine Lösung für das Problem zu kennen. "Aber zunächst verspreche mir, genau das zu tun, was ich dir als Lösung vorschlage", forderte der Meister.

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"Ich schwöre", entgegnete Antonio ohne nachzudenken. Konnte der Meister einen Weg weisen?

"Wie viele Haustiere habt ihr?", wollte der Meister wissen.

"Acht. Eine Kuh, ein Kamel und sechs Hühner."

"Schön. Hole alle Tiere sofort in eure Wohnung und lasse sie Tag und Nacht drinnen. In einer Woche sehen wir uns hier wieder."

Antonio öffnete vor Entsetzen den Mund. Aber er hatte geschworen, den Weisungen des Meisters nachzukommen. Wieder daheim angekommen trieb er also unter dem Gezeter und Genörgel seiner Schwiegermutter das Vieh in die enge Wohnung. Die Kinder grölten begeistert.

Nach einer Woche bot Antonio ein Bild des Jammers. Völlig erschöpft schleppte er sich zum Meister. Er hatte den festen Vorsatz, diesen um die Entlassung aus seinem Versprechen zu bitten.

"Meister", rief er schon beim Eintreten, "so geht es nicht weiter. In unserer Wohnung herrscht nicht auszuhaltender Lärm, alles ist verdreckt, es stinkt unerträglich. Meine Frau schläft nur noch auf dem Balkon. Das muss ein Ende haben."

"Geh und treibe die Tiere wieder aus der Wohnung", entgegnete der Meister. "In einer Woche kommst du erneut hierher."

Weitere sieben Tage später war Antonio nicht wiederzuerkennen. Lächelnd fragte der Meister: "Wie geht es dir und deiner Familie nun, lieber Antonio?"

"Ein Wunder ist geschehen, Meister. Seit die Tiere nicht mehr mit uns in der Wohnung leben, ist unser Heim ein Hort der Harmonie. Diese Ruhe, alles ist sauber, keiner schreit mehr herum. Sogar meine Schwiegermutter lächelt. Ich kann gar nicht mehr nachvollziehen, warum ich vor zwei Wochen wegen unserer Wohnung so verzweifelt war."

Nacherzählt von Peter Bödeker

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