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Einst lebte ganz im Osten Irlands ein 30-jähriger Mann namens Conor, der seit seiner Jugend auf der Suche nach dem Geheimnis der wichtigsten Wahrheit war. Dieser Conor hatte als Junge im Wald hinter seinem Dorf einen Druiden getroffen. Es war um Mittsommer herum. Der Druide saß unter einer irischen Eiche, die laut den Sagen jene Zeit von Anfang Juni bis Mitte Juli beherrscht. Der alte Mann hatte nach dem Jungen gerufen und Conor war unsicher hinüber gegangen. Der Druide konnte nur noch leise sprechen, Conor musste sich zu ihm hinunter bücken. Er flüsterte ihm ins Ohr, dass ein Geheimnis der wichtigsten Wahrheit existiere, dass nur sehr wenige Menschen auf Erden dieses Geheimnis kennen würden und dass er, Conor, sobald er ins Erwachsenenleben eintreten würde, danach suchen müsse.

Am nächsten Tag war der Druide verschwunden und kein Bewohner der Umgebung hatte je von ihm gehört.

Die gewisperten Worte blieben dem jungen Conor all die Jahre im Kopf und sobald er volljährig wurde, machte er sich auf die Suche, das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit zu finden. Diese Suche sollte alles verändern.

 
 

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Conor verzichtete auf höhere Schuldbildung, auf einen ansehnlichen Beruf, hatte nur kurze Beziehungen und gab mit 17 sogar sein geliebtes Eishockeyspiel auf. Nichts davon vertrug sich mit der aufwendigen Suche nach dem Geheimnis. Conor lebte die ersten Jahre seines Erwachsenenseins von Gelegenheitsjobs, mehr als von der Hand in den Mund nahm er nie ein.

Nachdem er Hunderte von Büchern gelesen hatte, kannte er zahlreiche - angebliche - Geheimnisse. Doch immer war es so, dass sich der Wahrheitsgehalt dieser Geheimnisse nicht überprüfen ließ. Conor erkannte: Mit Büchern würde er nicht das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit erfahren. So ging er in die weite Welt Irlands hinaus.

Immer wieder traf er bei seiner Suche auf Menschen, die behaupteten, das letzte Geheimnis zu kennen. Stets lauschte er dann gespannt ihren Worten, besuchte ihre Predigten, ihre Unterrichtsstunden oder lauschte ihren Reden in den gutbesuchten Pubs der großen Städte. Doch immer wieder wendete er sich irgendwann enttäuscht ab, denn jedes Mal handelte es sich um Lügner, Verwirrte oder vermeintliche Weise, die nur nachplapperten, was ihnen irgendein anderer "Guru" zuvor verkündet hatte.

Einer hatte ihm das ganz offen gestanden. Conor hatte den Weisheitslehrer in einer Kneipe frühabends getroffen. Kurz vor der Sperrstunde und einige Gläser später hatte der "Weise" eine Flasche Whiskey alleine ausgetrunken. Beim Hinausgehen hatte er Conor in den Arm genommen und gelallt: "Du bist ein feiner Kerl, Conörchen, darum geb ich dir einen Rat: Mach es wie ich. Such dir ein esoterisches Buch, schmücke es aus und verkünde eine neue Wahrheit. Dumme findest du überall. Es lohnt!"

Conors Eltern waren schon völlig verzweifelt. Sie meinten, dass er sein Leben verschwenden würde. Wenn er noch älter würde, hätte er bald gar keine Chance mehr in der Arbeitswelt.

Mit Erreichen des dreißigsten Lebensjahres kamen auch bei Conor die Zweifel. Was war das für ein Leben, das er lebte? Sollte er sich nicht langsam eine Arbeit suchen? Endlich ein Studium beginnen? Jagte er einem Phantom hinterher? Doch noch hielt er an seinem Ziel fest. Wenn er die Augen schloss und alles um ihn herum völlig ruhig war, konnte er die gewisperten Worte des Druiden weiterhin hören. Ein wenig würde er noch weitersuchen ...

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Wieder näherte sich die Zeit von Mittsommer. Conor wanderte mit staunenden Augen durch die wilden Karstflächen des Burren. Überall lagen Felssteine herum. Um nicht zu stolpern, hielt er seinen Blick gen Boden gesenkt. Fast hätte er den Alten übersehen, der mit einer Pfeife im Mund auf der Trockenmauer einer Kirchenruine saß und über den weiten Strand zum Meer schaute.

Conor lenkte seine Schritte auf den Alten zu. "Kennt ihr vielleicht einen weisen Menschen in dieser Gegend, der das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit kennen könnte?", fragte er ohne große Hoffnung. Wie vertraut ihm diese Frage mittlerweile war. Irgendwie gehörte sie zu ihm, war Teil seines Lebens.

Weil der Alte nicht antwortete, beschloss Conor, durch die Reste der Kirchenmauern hindurch weiterzuziehen. Solche verfallenen Bauwerke waren in Irland nie weit. Er war schon fast durch einen freistehenden Torbogen geschritten, als ihn ein einzelnes Wort innehalten ließ.

"Vielleicht."

Langsam näherte sich Conor dem Alten. Hatte er richtig gehört? "Wie meint Ihr das? Ihr kennt jemanden?"

Das Grün der Augen des Alten erinnerte Conor an den Schlick, der vereinzelt auf der Sandbank herumlag. Er schaute Conor nicht an, sondern blies mit dem Blick auf das Meer seelenruhig den Pfeifenrauch aus. Der Seewind griff sich den Rauch und löste ihn nach wenigen Metern in Luft auf. Lichtflecke - hervorgerufen aus dem Wechselspiel von Sonne, Wolken und Wind - wanderten über die Felslandschaft.

"Im Burren-Nationalpark, bei den Poulnabrone Dolmen findest du einen Einsiedler, der sich Mauna nennt. Er soll es kennen, das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit."

"Wo genau wohnt dieser Mauna? Kennt Ihr eine Adresse?", wollte Conor wissen.

Doch der Alte schwieg. Sein Blick hatte Conor nicht ein einziges Mal berührt. Er rauchte und ruhte mit den Augen auf der See.

Conor zuckte mit den Schultern, hob seinen Rucksack auf und bedankte sich für die Auskunft. Er hatte auf seiner Suche so viele komische Typen getroffen - ihn wunderte nichts mehr. Aufgeregt lenkte er seine Schritte in Richtung der Dolmen, die er ohnehin schon lange durchwandern wollte. Wahrscheinlich wartete dort wieder einer dieser Hochstapler auf ihn, einer von jenen, die nur zahlungswillige Zuhörer suchten. Aber dieser Name - Mauna - ... er löste ein Kribbeln ihn ihm aus, Erwartung. Könnte es sogar Vorfreude sein?

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Zwei Tage später, der Wind blies heftig über die irischen Felsen des Burren, näherte sich Conor dem Hof von Mauna. Es war nicht einfach gewesen, dessen genaue Lage in Erfahrung zu bringen. Nur selten ließ sich dieser Mauna bei den Menschen der umliegenden Dörfer blicken, aber schließlich hatte Conor einen Einwohner getroffen, der ihm die ungefähre Lage schildern konnte. Merkwürdig fand Conor nur, dass keiner etwas über diesen Mauna zu sagen wusste. Nicht einmal beschreiben konnten ihn die Bewohner der Gegend. Der Pfarrer nicht, der Betreiber des Pubs nicht und auch nicht der örtliche Wächter des Friedens - der Dorfpolizist.

Hier stand Conor nun. Vor ihm lag ein von einer mannshohen Mauer umfriedeter Hof. Inmitten der Mauer verschloss eine breite Pforte, deren Grün schon lange auf einen Neuanstrich wartete, den Zugang. Das umliegende Land war von Kargheit gezeichnet. Sollte dies das Ziel seines langen Suchens sein?

Conor fasste sich ein Herz und klopfte an die schief hängende Eingangspforte.

Nichts rührte sich. War dieser Mauna nicht daheim? Conor schritt um das ummauerte Anwesen herum. Nur wenige Fenster öffneten den Blick hinter die aus grob gehauenen Steinen errichtete Hofmauer. Er meinte, im Inneren das Geräusch einer schließenden Tür zu vernehmen. Conor klopfte noch einmal, lauter.

Nach einer Stunde war noch immer niemand erschienen, Conor in den Hof hineinzulassen. Der Abend dämmerte und Conor überlegte, ob er ins letzte Dorf zurückkehren sollte. Er entschied sich dagegen, vielleicht würde Mauna heute Abend noch heimkehren. Doch auch Stunden später tat sich nichts auf sein Klopfen. Zum Glück war Sommer. Conor kauerte seinen Körper in die Nische am Eingang und übergab sich einem unbequemen Schlaf.

Beim ersten irischen Morgenlicht wurde er unsanft geweckt. Die Tür öffnete sich und Conor fiel schlaftrunken in den Innenhof. "Was in allen ...", begann er empört und rappelte sich hoch. Vor ihm stand grinsend eine verrunzelte Alte mit einem Besenstiel in der Hand. Conor zählte drei übrig gebliebene Zähne. Die Alte legte ihre Hand auf die Spitze des Besenstiels, platzierte ihr Kinn darauf und nuschelte: "Ich habe mir dich jünger vorgestellt. Deine Stimme ist die eines Wales beim Kalben."

Man hatte ihn gestern also durchaus gehört. "Seid Ihr Mauna?", fragte Conor.

Die Alte schüttelte kichernd den Kopf. Ihr Haar saß wie angeklebt unter dem feinen Netz. Sie zeigte mit dem schrumpeligen Finger über den Hof in Richtung einer Tür aus weiß verwittertem Holz. "Er erwartet dich."

Beim Eintreten sah Conor Mauna zum ersten Mal. Der vollbärtige Ire hatte einen Bauch so dick wie eine Ringelrobbe. Er saß zurückgelehnt an einem Schreibtisch und legte in diesem Moment einen dicken Füller zur Seite. Er schien einen langen Brief oder eine Geschichte verfasst zu haben. Mehrere Blätter voll schwarzer Tintenschrift lagen über den Schreibtisch verstreut. Sein Alter war schwierig zu schätzen. In den Vierzigern oder schon über 60 - alles war möglich. Über seinem Kopf leuchtete es merkwürdig. Conor blinzelte mehrmals, bis das Leuchten verschwand.

"Seid Ihr Mauna?", fragte er mit unsicherer Stimme.

"So werde ich seit meiner Geburt gerufen. Was kann ich für dich tun?"

"Kennt Ihr das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit?", kam Conor direkt auf den Punkt.

Mauna ließ seinen Blick eine Weile auf Conor ruhen. Schließlich antwortete er: "Einst stand ich vor meinem Meister und stellte ihm genau diese Frage. Er antwortete mir: Bevor ich dir dieses Geheimnis verrate, musst du drei Jahre schweigen." Maunas Mund verzog sich zu einem Lächeln. Mehr sagte er nicht ...

Conor hob einen Finger und wollte nachfragen, ob Mauna gemeint haben könnte, dass auch er drei Jahre schweigen müsse, um das Geheimnis von ihm zu erfahren. Er verharrte mitten in der Bewegung. Ja, genau das hatte sein Gegenüber gefordert. Conor konnte es an Maunas Augen ablesen. Wieder war dieses Leuchten über seinem haarlosen Scheitel. Conor blinzelte.

"Ich ... ich muss darüber nachdenken", stammelte er verunsichert vor sich hin. Sein Blick suchte das Weite hinter den kleinen Fenstergläsern. Drei ganze Jahre! Wollte er diese Zeit seiner Suche opfern?

"Könnt ihr vielleicht eine Andeutung machen, worum es sich bei dem Geheimnis handelt?", fragte er Mauna, der seelenruhig mit vor dem Bauch gefalteten Händen zu ihm herübersah.

"Leider nein, Conor, aber du darfst gerne die Kammer hinter der Küche nutzen und für einige Tage unser Gast sein. Lasse dir Zeit mit deiner Entscheidung."

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So kam es, dass Conor das Haus von Mauna bezog. Schon nach einer durchwachten Nacht in der kleinen Kammer stand sein Entschluss fest: Er würde das Wagnis eingehen. Auf die drei Jahre vergeblichen Suchens kam es nun auch nicht mehr an.

Die Formalitäten waren schnell geklärt. Conor würde die Jahre des Schweigens bei Mauna im Haus leben. Er würde das Gebäude und den Hof sauber halten, die das Anwesen umgebende Mauer ausbessern und den Garten bestellen. Dafür würde er freie Kost und Logis erhalten.

Am nächsten Morgen begann Connor zu schweigen.

Er verlebte die Zeit in diesem abgelegenen Hof in klösterlicher Zurückgezogenheit. Mauna schien ebenfalls nicht viel vom Reden zu halten. Bis auf die wenigen Worte, die er mit der Alten wechselte, welche ihnen das Essen vorkochte, war kein Laut von ihm zu hören. Die Alte, die sie auch mit Lebensmitteln aus dem Dorf versorgte, war in das Schweigegelübde eingeweiht und sprach Conor in den drei Jahren nicht einmal an. Sie fand aber eine eigene Ausdrucksweise, ihre Zufriedenheit mit Conor's Fleiß Ausdruck zu verleihen. So fand er immer, wenn er der Alten Gemüse aus dem Garten in die Küche brachte, am Abend darauf ein Stück Schokolade in Form eines Marienkäfers auf seinem Kopfkissen.

Aber diese Form der Kommunikation funktionierte auch anders herum. Die Alte hatte einige Hausregeln mit einem Eifelturm-Magneten am Kühlschrank befestigt. Darauf fand sich unmissverständlich die Empfehlung, man möge die Schuhe vor dem Betreten der Küche mit Hauspuschen austauschen. Conor kam in den ersten Wochen hin und wieder dieser Direktive nicht nach, weil er sich "nur kurz" einen Kaffee rausholen wollte. An solchen Tagen bestand die Suppe zur Hälfte aus Zwiebeln. Conor hasste Zwiebeln.

Dem künftigen Geheimnisträger der wichtigsten Wahrheit fiel das Schweigen in dieser heimeligen und friedlichen Umgebung meistens nicht schwer. Er hatte schon zuvor auf seinen Wanderungen vielem entsagt. Die Zeit hier bei Mauna schien da nur eine konsequente Fortsetzung dieses Weges. Und doch war alles ganz anders.

Jeden Tag dachte er an das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit. Was würde ihm Mauna wohl offenbaren? Manchmal erschien ihm das Ende der Schweigezeit unendlich fern.

Das Schweigen führte bei Conor dazu, dass er seine Tätigkeiten ruhiger und mit Achtsamkeit ausführte. Beim Ausbessern der Mauer achtete er auf die vielfarbigen Muster der Steine, ihre Vertiefungen, ihre Risse, wie sie sich anfühlten, wenn man mit dem Finger darüber strich. Auf dem Feld hinter dem Haus lernte er unzählige Varianten des irischen Windes kennen. Er lauschte den unterschiedlichen Tönen, spürte ihn auf der Haut mal als wuchtigen Druck und mal als liebkosendes Streicheln. Mal roch er das Salz des Meeres in der Luft, mal schmeckte er den fein abgeschliffenen Granit der Felsen darin. Das Geräusch der Harke auf der steinigen Erde war nicht nur ein Laut, der Klang füllte ihn völlig aus, wenn er sich voll auf das Harken konzentrierte.

Zweimal ging Conor in seiner Schweigezeit auf Wanderung und durchstreifte die Küste Nordirlands abseits der üblichen Wanderrouten. Er wollte vermeiden, jemanden auf seiner Reise zu begegnen. Hin und wieder sah er in der Ferne weibliche Wesen und er merkte, dass etwas in ihm gerne seine Schritte dorthin lenken würde. Aber da er nicht sprechen durfte - was sollte dabei herauskommen? Was, wenn er sein Gelübde brechen würde? War es das Risiko wert? Wie gerne würde er sich wieder einmal menschlicher Nähe erfreuen. Weiblicher Nähe. Doch es gelang ihm von Mal zu Mal rascher, solche schmerzhaften Gedanken einfach abklingen zu lassen.

Dennoch: Die Reisen der Schweigezeit waren von eindrücklicher Intensität. Durch das äußere Schweigen und die monotone Tätigkeit des Wanderns wurde es in seinem Kopf still und klar. Die äußere Umgebung, die Geräusche, die Gerüche, die Nuancen des Sonnenlichtspiels - manchmal erfasste er alles ohne störende Gedanken oder Sorgen. Es gab immer längere Phasen ganz ohne Gedanken. In ihm breitete sich eine große, ganz friedliche Freude aus.

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Schließlich war es soweit. Drei Jahre lang war kein Wort über Conors Lippen gekommen. In aller Frühe stand er auf und verharrte vor dem Spiegel. Was würde heute geschehen? Wie wird es sein, wenn er das erste Wort aussprechen wird? Wie würde das Geheimnis sein Leben verändern? Würde er dieses tiefe, innere Wohlgefühl wieder verlieren? Würde er dort draußen - im normalen Leben - überhaupt wieder Fuß fassen können?

Die wichtigste Frage aber, jene Frage, die ihn nun über 20 Jahre lang begleitete, lautete: Was ist das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit? Gleich würde er es erfahren.

Vor der Tür Maunas hob er die Hand zum Anklopfen. Er zögerte bei gekrümmtem Zeigefinger und hielt den Atem an.

"Komm herein, die Tür steht dir offen."

Conor atmete aus und schob unter lautstarkem Ausatmen die Tür auf. Jetzt würde er das Geheimnis erfahren!

Mauna saß wie gewohnt hinter seinem Schreibtisch. Mit einem Lächeln blickte er ihm entgegen. Wie immer musste Conor mehrfach blinzeln, um das Leuchten über Maunas Kopf zum Verschwinden zu bringen.

"Verr...", Conor musste sich räuspern, "... verratet Ihr mir nun das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit?" Es war ungewohnt, nach drei Jahren die eigene Stimme wieder zu hören. Conor empfand es so, dass seine Worte nur langsam im Raum verklangen.

Mauna lächelte. "Ich sage dir nun die Worte meines Meisters, als ich nach drei Jahren Schweigens genau diese Frage an ihn richtete. Er formulierte wortwörtlich: Ich kenne kein Geheimnis der wichtigsten Wahrheit, aber als ich damals zu meinem Meister kam und ihm diese Frage stellte, ließ er mich auch drei Jahre schweigen. Zudem nahm er mir das Versprechen ab, genauso beim jedem zu verfahren, der mich nach dem Geheimnis der wichtigsten Wahrheit fragen würde."

Conor starrte Mauna mit offenem Mund an. Mauna lächelte immer noch. Aber diesmal wirkte es voll tiefen Mitgefühls. Conor erkannte eine Spur Unsicherheit in den Augen des Bärtigen.

Eigentlich hätte Conor jetzt eine Aufwallung von Enttäuschung und Wut bei sich erwartet. Doch er spürte weiterhin diese tiefe innere Ruhe, die ihn jetzt schon so lange begleitete. Müsste er nicht gefrustet sein? Verärgert?

Conor beschloss, dass er über diese Antwort einige Zeit nachdenken müsse. Er verbeugte sich vor dem Hausherren und trat an die Tür. Mauna folgte und hielt ihn an der Schulter zurück. Conor drehte sich ihm nicht zu, sondern hielt den Blick gen Boden gesenkt. Mit einem Nicken deutete er an, dass Mauna sprechen möge.

Dieser sagte: "Ich habe noch eine Bitte an dich, Conor. Bitte denke in Ruhe darüber nach: Wenn dich in Zukunft jemand fragt, ob du ihm das Geheimnis der wichtigsten Wahrheit verrätst, dann verfahre bitte genauso mit diesem Suchenden wie ich mit dir. So wie ich es meinem Meister versprach."

Conor hielt seinen Blick weiterhin nach unten gerichtet. Er verharrte. Immer noch ohne sich umzudrehen nickte er, holte seinen Rucksack und verschwand durch das frisch gestrichene Tor, durch das er drei Jahre zuvor in dieses Haus eingekehrt war.

**

Die Alte umklammerte mit den Händen eine dampfende Tasse Tee und blickte durch das kleine Küchenfenster dem langjährigen Gast hinterher. Wenn sie die Augen zusammenkniff, konnte sie trotz des Tageslichts ein Leuchten über Conor erkennen. Sie lächelte.

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Kommentare  

Nassieu-Maupas
#1 Nassieu-Maupas 2016-07-02 08:16
Getretener Quark macht breit, nicht stark.
keine schlechte Geschichte, aber viel zu lang.
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Doris
#2 Doris 2016-07-02 10:13
Auch wenn die Geschichte lang ist... nur wenn wir tatsächlich zur Ruhe kommen, dass alles in uns still ist, werden wir achtsam sein und.genau dann ist man in der GEGENWART. Ich denke, das ist da Geheimnis.
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marotto
#3 marotto 2016-07-03 17:48
Eine Hymne an die Achtsamkeit.
Und die Wahrheit die ich dahinter erkenne ist, sie mit dem kategorischen Imperativ zu beantworten: Die Welt würde tatsächlich anders aussehen wenn wir/alle unsere Dinge entschleunigt und bedacht verrichten würden (Nachhaltigkeit ) im Gegensatz zum Lob der Schnelligkeit und scheinbaren Effizienz (Kurzhaltiigkeit)
Denn bei den effizient arbeitenden leistungsbetont en Menschen vergisst man manchmal: wer kann das 40 Berufsjahre so leben - damit sind auch MÜtter/Eltern mit ihren Familienaufgabe n und der Vereinbarkeit mit Familie und Beruf gemeint.
Zeit für Stille (Atempausen) ist eine Zeit in der etwas reifen kann, sich weiterentwickel n kann.
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Schredder
#4 Schredder 2016-07-04 07:13
@Doris: Genau meine Meinung. Ich war zunächst auch von der Länge der Geschichte angenervt, genau wie Conor bei seine Suche. "Wann kommt denn endlich die Essenz, die wichtige Mitteilung?"
Aber genau durch das lange Lesen("müssen") habe ich einen Gang runtergeschalte t und bin wenigstens diese Zeit aufmerksamer mit mir und dem Tag umgegangen.

Für mich ein Wunder, so lange weitergelesen zu haben.
Deshalb: Danke für diese schöne Geschichte!
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Mag
#5 Mag 2016-07-06 06:12
Die meisten hier beklagen sich über die Länge der Geschichte. Was soll das, können sie nicht mehr lesen? Haben sie nicht mal einige Minuten Zeit für eine schöne Erzählung? So ein Inhalt kann nicht in Bild-Zeitungs-K ürze erzählt werden. Lesen an sich tut doch schon gut! Wie schweigen auch.
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Marc
#6 Marc 2016-07-27 12:14
Am 02. Juli steht im Text: ... mit heute verbleiben noch 183 Tage in diesem Jahr.
Laut meiner Rechnung sind es 184 Tage.

Wünsche dem Blueprint-Team schönen Urlaub.
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