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Ein Drittel unseres Lebens schlafen wir und dazu gehören ganz wesentlich unsere Träume. Sie sind somit ein essentieller Teil unseres Lebens. Grund genug, sich etwas näher mit diesem spannenden Thema zu beschäftigen.

Welche Bedeutung hat das Träumen für uns? Welche Funktion erfüllen Träume? Was sagen Sie uns? Und wie schaffen wir es, sie besser zu behalten? Träumen wir alle Ähnliches? Können wir sie steuern?

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen habe ich für Sie in 7 Fakten zusammengefasst. Entscheiden Sie, welchen Nutzen Sie aus Ihren Träumen ziehen möchten. Aber eine Sache sollten Sie unbedingt ausprobieren!

"Der Traum ist ein Naturereignis, und es gibt keinen ersichtlichen Grund zur Annahme, dass er eine schlaue Erfindung sei, uns irrezuführen."

Carl Gustav Jung

 
 

Hier nun die 7 faszinierenden Fakten über unsere Träume und was Sie probieren sollten

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Träume helfen Fantasien auszuleben

Für den Pionier der psychoanalytischen Traumdeutung, Sigmund Freud, war die wesentliche Funktion der Träume, dass wir nachts unsere geheimen Wünsche ausleben. Unsere Fantasien tauchen dabei in verfremdeter Form auf, um wenigstens im Traum an unserer Kontrollinstanz im Kopf vorbei zu kommen.

Freud's Theorie wurde lange Zeit kritisiert und von vielen abgelehnt. Träume hätten keine Bedeutung, war jahrzehntelang der überwiegende Tenor der Lehre.

Heute finden Träume wieder mehr Beachtung

Robert Stickgold von der Harvard Medical School sagt zum Thema Träume: "Das Gehirn sichtet im Traum seine Erinnerungen, sortiert und verknüpft sie neu miteinander. Da nicht immer alles auf Anhieb zusammenpasst, kommen dabei häufig bizarre Dinge heraus".

Das Buch "Die Traumdeutung" von Sigmund Freud finden Sie hier kostenfrei auf Gutenberg-DE von Spiegel online.

These: Träume sind nicht nur ein Gewitter unserer Neuronen.

 

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Aus Träumen können wir lernen

Der emeritierte Professor der Harvard Medical School Allan Hobson ist einer der führenden Traumforscher. Er vertritt die Meinung, dass das träumende Gehirn eine virtuelle Realität erschafft, um darin für den Wachzustand zu trainieren. Träume bereiten uns somit auf zukünftige, mögliche Situationen vor.

Weitere hilfreiche Aspekte unserer Träume:

  • Albträume können uns auf belastende Situationen aufmerksam machen. Sie sensibilisieren uns und wir wissen, wo der Hebel für Veränderungen ist. Wird der Stress weniger, werden auch die Albträume weniger.
  • In Untersuchungen wurde bestätigt, dass Menschen, die zum Beispiel in ihren Albträumen durch Prüfungen fallen, diese normalerweise besser bestehen als würden sie es nicht träumen.
  • Experimente zeigen, dass Träume unsere Erinnerungen festigen und neue Einsichten und Ideen hervorbringen können. Während das Gehirn die Informationen des Tages verarbeitet, sucht es nach neuen Zusammenhängen.
  • Manchmal tauchen in Träumen Personen auf, mit denen wir im Streit auseinander gegangen sind. Im Wachzustand dachten wir vielleicht, der Konflikt wäre vergessen oder beigelegt. Aber Träume können uns eines Besseren belehren. Sie zeigen, dass es eventuell Zeit ist, endlich zu vergeben oder sich auszusöhnen.
  • Außerdem sind sich immer mehr Traumforscher einig. Wer nicht träumt, bekommt massive Probleme - der vergiftet quasi bzw. wird verrückt.

 

Wer seine Träume notiert, nimmt sie bewusster wahr und lernt noch mehr aus ihnen.

Die frühen Kulturen verstanden Träume als göttliche Ratschläge und Warnungen. Noch im Mittelalter galten sie als Vorboten künftiger Ereignisse.

 

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Graffiti, Streetart (Anleitung aus Salvatore Dalis Bild "Die zerrinnende Zeit")

 

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Ein Traumtagebuch ist nicht nur spannend

Eine der spannendsten Übungen, die ich vor vielen Jahren begann, war das Notieren meiner Träume. Ob ich meinen Wünschen, meinen Problemen oder neuen Ideen auf die Spur kommen möchte - das Traumtagebuch ist ein Werkzeug meiner Wahl.

Schriftsteller, Erfinder, Wissenschaftler, Künstler etc. nutzen ihre Träume seit langer Zeit.

E = mc2

Albert Einstein soll eine wichtige Erkenntnis seiner Relativitätstheorie geträumt haben. Beim Bergabgehen im Traum soll er festgestellt haben, dass Licht sich immer mit der gleichen Geschwindigkeit bewegt. (E=mc2)

Viele Schriftsteller setzen sich nach dem Aufstehen sofort an den Schreibtisch, denn Träume erzählen von möglichen Welten, die für Leserinnen und Leser zum Abenteuer werden können. Aber auch für andere Künstler ist das interessant. Denken wir an die Werke von Salvator Dali.

Der deutsche Mathematiker und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik, Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799), schrieb zum Thema:

"Ich weiß aus unleugbarer Erfahrung, dass Träume zu Selbsterkenntnis führen."

 

Mein Tipp: Probieren Sie es unbedingt einmal aus. Sie werden Spannendes, Hilfreiches und wahrscheinlich Nützliches erleben.

Anregungen zum Traumtagebuch

Nachdem Sie die Augen morgens aufmachen, fangen Sie umgehend an zu schreiben. Gehen Sie nicht vorher auf Toilette oder machen Sie irgendetwas anderes. Selbst das Umherschauen im Schlafzimmer könnte ablenken.

Sie öffnen die Augen und beginnen umgehend zu schreiben. Fällt ihnen gerade nichts mehr ein, schließen Sie die Augen und versuchen Sie Bilder zu erinnern. Häufig treiben dann kleine Traumfetzen durch ihr Bewusstsein und sie können weitere Notizen machen.

"Denken ist die Arbeit des Intellekts, Träumen sein Vergnügen."

Victor Hugo

 

Träume sind fragil

Sie zerfallen schnell wieder und wir müssen sie umgehend notieren. Sie werden sehen, dass es an (fast) jedem Morgen besser klappt.

Ein lauter, schriller Wecker ist nicht unbedingt hilfreich. Wie Bodennebel in der Sonne lösen sich die Traumsequenzen auf und der Wecker würde das beschleunigen.

Am besten wäre, ohne Wecker aufzuwachen und langsam zu sich zu kommen, während Sie erinnern. Da das die Gefahr des "Verschlafens" in sich birgt, empfehle ich einen langsam lauter werdenden Wecker.

Mittel- und langfristig wird durch das Führen eines Traumtagebuchs die Traumerinnerung gesteigert. Bereits nach wenigen Tagen werden Sie sicherlich die Unterschiede wahrnehmen.

Hier finden Sie eine Übung zum Thema Träume und "Wünsche und Ziele" auf blueprints.de

 

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Träume sind weltweit ähnlich

In einer Studie fanden der US-amerikanischer Tiefenpsychologe und Traumwissenschaftler Calvin S. Hall (1909 - 1985) und seine Kollegen heraus, dass es bemerkenswerte Ähnlichkeiten in der Art und Weise gibt, wie Menschen träumen - und zwar weltweit. Die Untersuchung von 50.000 Traumberichten ergab unter anderem:

  • In Träumen werden Vorstellungen über das Selbst, über Familienmitglieder, über den Freundeskreis und über die soziale Umgebung ausgedrückt.
  • Träume zeigen erlebte Schwächen, die Art der Durchsetzungsfähigkeit sowie das Nicht-geliebt-Sein.

Die Traumforscher dieser Welt zeigen auf, dass es unabhängig von Nationalität, Geschlecht und Kultur Ähnlichkeiten in der Traumwelt gibt. In Amerika oder Australien träumen Menschen ähnliche Geschichten wie in Holland oder Deutschland.

  • Träume sind meist phantasmagorisch. Das heißt, sie wirken spukhaft und irreal. Personen, Orte, Ereignisse und Gegenstände neigen dazu, ineinander zu verschmelzen.
  • Das häufigste Gefühl, das in Träumen erlebt wird, ist Angst.
  • Negative Emotionen und Gefühle sind viel häufiger als positive.

Antonia Zadra und Tore Nielsen sind Traumforscher an der Universität Montreal. In ihrer Untersuchung war "verfolgt werden" mit 81,5 % die Nummer 1.

Ansonsten sind die Klassiker der weltweiten Träume:

  • Wir werden verfolgt.
  • Wir kommen zu spät.
  • Wir sind nackt.
  • Wir erleben den Tod eines Angehörigen.

Träume, in denen es zu sexuellen Handlungen kommt, sollen übrigens relativ selten sein.

 

  • "Träume haben keine göttliche Natur und keine prophetische Kraft, sondern entstehen durch eindringliche Bilder."

    Epikur

 

Klärträume - Luzide Träume

Manche Menschen besitzen die Fähigkeit zu "luziden Träumen". Sie sind sich während des Traums bewusst, dass sie träumen und können diesen zeitweise bewusst steuern. Das kann geübt werden. Eine Möglichkeit endlich zu fliegen, ein Held zu sein ...  

 

 

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Träume haben manchmal eine Bedeutung

Die Interpretation von Träumen steckt in den Kinderschuhen. Auch wenn Freud, C. G. Jung und andere Traumforscher Beachtliches beobachtet und geschrieben haben, so ist die Deutung der Träume immer noch eine Kunst, wo sich Esoterik, Wissen, Vermutung, Hoffnung und Befürchtung verbinden.

Hier einige Quellen, wo Sie nachschlagen könnten:

"Träume können in den Wachzustand hineinschwappen."
Hobson

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Traumlos und traumreich - die Schlafphasen

Während einer Nacht durchleben wir mehrere etwa 90 Minuten lange Zyklen aus Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf.
Der Tiefschlaf ist in der Regel traumlos. In ihm werden die Eindrücke und neue Informationen verarbeitet.

Der REM-Schlaf ist nach den typischen starken Augenbewegungen "rapid eye movement" benannt. In dieser traumreichen Phase sind jene Gehirnzentren besonders aktiv, die unsere Gefühle und Affekte bestimmen. In dieser Phase werden wohl emotionaler Stress und Gefühle verarbeitet.

Je länger der Schlaf dauert, desto länger werden die REM-Phasen. Wir träumen dann relativ mehr.

 

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Manche träumen 20 Jahre ihres Lebens und mehr!

 

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Ein Viertel unseres Lebens träumen wir 

Angeblich träumen wir jede Nacht bis zu sechs Stunden. Das hieße, dass wir 25 % unseres Lebens mit Träumen verbringen. Dass dies nur ein Neuronengewitter sein soll und nichts zu bedeuten hat, wollen viele namhafte Traumforscher (und ich) nicht glauben.

Wir stehen noch am Anfang, die Traumwelt zu entschlüsseln, die Traumerlebnisse für unsere Entwicklung zu interpretieren und zu nutzen.

Aber eins weiß ich: Ich werde weitermachen und probieren, mehr über mich zu erfahren. Selten war eine Persönlichkeitsübung so spannend und so verrückt, wie die Beschäftigung mit den eigenen Träumen - Sie werden sehen: "Großes Kino!"

DAS sollten Sie unbedingt ausprobieren!

 

Dokumentation

 

 

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