Halten Sie mit Ihren Wünschen nicht hinter dem BergWer seine Bedürfnisse deutlich ausspricht, genießt viele Vorteile. Doch warum fällt es uns oft so schwer, zu dem zu stehen, was wir möchten? Warum taktieren wir, reden um den heißen Brei herum und scheuen den explizit ausgesprochenen Wunsch wie der Teufel die Kirche? Und wie kann ich lernen, meine eigenen Wünsche angemessen durchzusetzen?

Missglückte Kommunikation

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe dafür, dass uns eine förderliche Kommunikation misslingt. Schauen wir auf ein Beispiel aus der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg:

Nehmen Sie einmal an, Ihnen treibt das morgendliche Chaos aus herumliegenden Socken und Schulranzen sowie der unabgeräumte Frühstückstisch die Zornesröte ins Gesicht. Wutentbrannt schleudern wir den anderen Familienmitgliedern an den Kopf, was für unordentliche Chaoten sie doch seien.

Führt das zum gewünschten Erfolg? Meistens nicht. Eher ernten wir Streit wegen "unverschämter Vorwürfe".

 
 

Schauen wir mal, wie der Vorgang im Detail ablief: Wir verspürten Ärger über den nicht abgeräumten Frühstückstisch und die Sachen auf dem Fußboden. Wut loderte auf und veranlasste uns zu einer pampigen Vorhaltung. Die anderen fühlten sich verletzt und wehren sich mit Gegenvorwürfen. Aber Sie haben doch Ihre Bedürfnisse klar ausgesprochen? Vielleicht können Sie zielführender vorgehen ...

Doch zunächst weitere Beispiele:

"Wollen wir uns nächsten Donnerstag auf ein Glas Wein treffen?" Eigentlich spräche nichts gegen den Wunsch Ihrer Freundin, aber momentan fühlen Sie einfach nur das Bedürfnis nach Ruhe. Da Sie ihr aber nicht vor den Kopf stoßen möchten, erfinden Sie eine Ausrede. Schon ein alternativer Terminvorschlag von Ihrer Freundin bringt Sie jetzt in die Bredouille, ganz zu schweigen davon, wenn Ihre kleine Lüge später auffliegen sollte.

Oder schauen wir uns eine alltägliche Arbeitssituation an. Der Chef beauftragt Sie mit der Erstellung eines Dokumentes und gibt Ihnen nur wenige Inhaltspunkte mit auf den Weg. Bei der Texterarbeitung stellen Sie dann fest, dass Ihnen bei manchen Punkten etwas unklar ist. Sie mögen aber nicht nachfragen, um nicht inkompetent oder unsicher zu wirken und fangen einfach an. Das Endergebnis bildet ein Schriftstück, das wahrscheinlich am Ziel vorbei läuft.

 
 

Sie kennen sicherlich viele eigene Erlebnisse, die ähnlich verlaufen. Beliebte Fallen sind:

  • Mein Wunsch könnte unangemessen wirken
  • Ich sollte eigentlich helfen
  • Ich möchte nicht schon wieder bitten
  • Ich bin mir sicher, der andere will genau das Gegenteil von mir

Ein besseres Vorgehen

Man widerspricht oft einer Meinung, während uns eigentlich nur der Ton, mit dem sie vorgetragen wurde, unsympathisch ist.
Friedrich Wilhelm Nietzsche, deutscher Philosoph, 1844 - 1900

In vielen Fällen hilft es, schrittweise vorzugehen.

  1. Stellen Sie sicher, dass Sie die Bedürfnisse Ihres Kommunikationspartners kennen. Fragen Sie lieber einmal zu oft nach, oft täuschen wir uns bei unserer Interpretation.
  2. Halten Sie einen Moment inne, bevor Sie fragen oder antworten.
  3. Werden Sie Ihrer eigenen Bedürfnisse in der Situation gewahr.
  4. Machen Sie sich bewusst, dass Sie die Verantwortung für Ihren Teil der Bedürfnisse tragen, dass der andere diese nicht ahnen kann.
  5. Schildern Sie nun dem anderen Ihre Bedürfnisse in klaren Worten, vermeiden Sie dabei, wo möglich, einen Vorwurf.
  6. Suchen Sie gemeinsam nach alternativen Lösungen, die für beide Parteien tragbar sind.

Natürlich werden Sie nicht immer Erfolg bei anderen erzielen. Aber Sie werden auf jeden Fall mehr Verständnis erreichen. Und oftmals erstaunt feststellen, dass viele Ihrer Probleme nur in Ihrer Einbildung bestanden.

Wie sind Ihre Erfahrungen im Aussprechen Ihrer Bedürfnisse? Können Sie uns weitere Hilfen oder ermunternde Beispiele nennen? Ihr Beitrag ist willkommen.

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