worauf hoffen 564

Wir alle hegen Erwartungen an die Partnerschaft, doch wie weit dürfen wir gehen? Ohne eine gewisse Erwartungshaltung würden wir uns nicht nach einem Lebenspartner sehnen. Aber Sie können es sich mit Sicherheit denken, worauf wir hinaus wollen: Zu hohe Erwartungen an den anderen belasten die Beziehung. Wie können wir die Liebe bewahren? Die folgenden fünf Übungen schaffen Klarheit, Verständnis und entspannen das Miteinander.

bp 1

Welche Anforderungen haben Sie an den Lebenspartner?

Gehen Sie als erstes die folgende Liste durch und kreuzen Sie an, welche Erwartungen Sie an Ihre(n) PartnerIn stellen. (Der Einfachheit halber möchte ich ab jetzt nur noch "Partner" schreiben, gemeint sind immer beide Geschlechter.)

Los geht's! Eine gute Partnerschaft bedeutet für mich:

Mein Partner ist mir treu

Der Sex sollte voll befriedigend sein

Mein Partner ist loyal zu mir

Wir haben nur sehr selten Streit

Mein Partner erkennt meine Wünsche, ohne dass ich diese aussprechen muss

Mein Partner schätzt mich trotz meiner Schwächen

Mein Partner vertraut mir

Mein Partner sucht meine Nähe

Wir verbringen viel Zeit miteinander

Mein Partner unterstützt mich

Mein Partner hat die gleichen Lebensziele wie ich

Mein Partner ist finanziell selbstständig

Mein Partner hält sich attraktiv

Mein Partner benimmt sich angemessen in Gesellschaft

Mein Partner sollte sich mir zuliebe ändern

Unsere Beziehung sollte gut laufen, ohne dass wir daran arbeiten müssten

Mein Partner akzeptiert meine Schwächen ohne an mir rumzumäkeln

Mein Partner macht mich glücklich

Übung 1: Diese Liste können Sie individuell erweitern. Bitte denken Sie einen Moment darüber nach, welche weiteren Erwartungen Sie an Ihren Partner stellen. Notieren Sie Ihre Ergebnisse. Bitte lesen Sie erst dann weiter.


 
 

 

 

marienkaefer blatt 564


Falsche Versprechungen in den Medien

Immer wieder lesen wir Tipps und Ratschläge, wie die Liebe von Jahr zu Jahr wachsen kann, der Sex mit jedem Mal leidenschaftlicher und befriedigender wird, die Harmonie in ungeahnte Höhen emporsteigt.

Und in der Realität begegnen wir dann unserem Partner.

Die ersten Monate der Verliebtheit verlaufen wunderbar. Doch dann beginnt die Zeit, in der unsere hohen Erwartungen und Hoffnungen nicht mehr erfüllt werden.

Wir reagieren enttäuscht und aggressiv.

Durch den Druck von Erwartungen des Lebenspartners fühlen wir uns schlecht oder falsch. Oft mündet es auch in eine unbewusste Abneigung gegen den anderen. Auseinandersetzungen münden im Streit. Da dieser normale Prozess gesellschaftlich gern tabuisiert wird, fragen wir uns: "Was machen wir falsch?" Oder: "Muss ich mir einen neuen Partner suchen?"

Wird uns bei den Schilderungen der idealen Beziehung eventuell etwas vorgegaukelt, was es gar nicht gibt? Gibt es alternative Ansätze?

Fünf Liebeslügen

Einen breiten Raum nehmen sexuelle Erwartungen in der Partnerschaft ein. Michael Mary sieht in seinem Buch "5 Lügen, die Liebe betreffend" fünf verbreitete Liebeslügen:

  1. Partnerschaftslüge: Partnerschaft und Sexualität gehören zusammen, sie sind untrennbar miteinander verbunden
  2. Liebeslüge: Liebe und Sexualität gehören untrennbar zusammen.
  3. Erlösungslüge: Man braucht nur den richtigen Partner zu finden, dann sind alle Bedürfnisse - ganz gleich ob geistiger, emotionaler und erotischer Natur - miteinander dauerhaft zu erfüllen.
  4. Techniklüge: Befriedigende Sexualität in der Partnerschaft erfordert das Wissen um ihr Funktionieren und Beherrschen ihrer Techniken.
  5. Partnerlüge: In der Partnerlüge machen die Partner einander die ideale Beziehung vor.

Er verwirft alle traditionellen Partnerschaftsregeln und nennt die Zufriedenheit in der Beziehung als Kriterium einer gelungenen Partnerschaft. Diese sei individuell unterschiedlich und müsste entsprechend selbst herausgearbeitet und danach in der Partnerschaft etabliert werden.

 
 


Was ist ein vernünftiges Maß an Erwartung?

Wir stellen also fest, dass nicht alle unsere Erwartungen an die Partnerschaft erfüllt werden. Es scheint sogar so weit zu gehen, dass sich bestimmte Wünsche widersprechen, zum Beispiel Vertrautheit versus einer Leidenschaft, die nur aus dem Neuen heraus entsteht.

Darüber hinaus neigen wir dazu, unsere Anforderungen an den Partner als völlig gerechtfertigt anzusehen. Das ist normal, nötig, muss so sein, darf nicht anders sein, ist keineswegs überhöht etc.

Gemeinsame Interessen sind eine gute BasisDoch was sind vernünftige Erwartungen? Ansätze zu allgemeingültigen Regeln lauten:

  • Eigenschaften, die ein lebenswertes tägliches Miteinander ermöglichen
  • Erwartungen, die sich nicht von einem in der Praxis unbekannten Romantisierungsideal herleiten
  • Erwartungen, die für unsere Zufriedenheit in der Partnerschaft unabdingbar sind
  • Erwartungen, welche die Entwicklung der eigenen Person, der des Partners und der Beziehung einbeziehen

bp 2

Übung 2: Haben Sie eine Liste Ihrer Erwartungen an den Partner zusammengestellt? Streichen Sie jetzt alle Punkte bis auf die, welche

  • vom Partner erfüllbar sind, ohne dass er ein anderes Wesen werden müsste,
  • Ihnen besonders wichtig sind und
  • berechtigterweise vom Partner kommen sollten und nicht eher durch Sie selbst (z. B. kann der Partner Sie nicht glücklich machen).

Prinzipiell sollte man nicht versuchen, den Partner nach den eigenen Vorstellungen zu formen. Verhaltensweisen und Eigenschaften, die als zutiefst unangenehm oder abstoßend erlebt werden, sollten verbunden mit dem Wunsch auf Veränderung angesprochen werden dürfen. Förderlich für die Atmosphäre des Gespräches ist es, wenn Sie hierbei grundlegende Akzeptanz und Wertschätzung des Partners durchscheinen lassen (siehe unten). So vermeiden Sie eine unnötige Trotzreaktion.

Ziehen Sie in Betracht, dass sich der Lebensgefährte nicht verändern möchte. Es wird schwierig, auf Dauer eine befriedigende Partnerschaft zu führen, wenn sich die Partner in

  • Lebenszielen
  • ethischen Maßstäben
  • politischer Ausrichtung
  • religiösen Fragen
  • Freizeitgestaltung
  • Fragen der Kindeserziehung

zu sehr voneinander unterscheiden. In diesen Punkten sollte im Sinne einer langjährigen Harmonie weitgehend Einigkeit herrschen. Auch wird eine befriedigende Partnerschaft ohne ausreichend gemeinsam miteinander verbrachter Zeit schwierig umzusetzen sein.

bp 3

Übung 3, wenn Sie momentan Single sind: Erstellen Sie eine Liste von Eigenschaften, die Ihr Traumpartner auf jeden Fall erfüllen sollte. Lassen Sie unerfüllbare Supermann- oder Traumweib-Vorstellungen außen vor. Diese Wunsch-Kennzeichen klopfen Sie gleich bei Ihrem nächsten Date ab.

 

Wie kann ich mit meinen Erwartungen umgehen?

Grundsätzlich sollten wir uns unserem Partner gegenüber in Akzeptanz üben, statt spontanen Impulsen des Verändernswollens oder Kritisierens nachzugeben, wenn wir an einer liebevollen Beziehung interessiert sind. Natürlich aufrichtig akzeptieren, also nicht durchscheinen lassen, dass Sie eigentlich ja doch zahlreiche Änderungswünsche hegen. Oder können Sie sich eine Partnerschaft vorstellen, bei der Sie sich nicht akzeptiert fühlen?

Aber in einer Partnerschaft darf natürlich auch einmal eine Forderung gestellt werden:

 

Wünsche angemessen mitteilen

bp 4

Übung 4: Haben Sie die Liste Ihrer Erwartungen erstellt und auf ein sinnvolles Maß wie vorgeschlagen reduziert? Dann vereinbaren Sie ein Treffen mit Ihrem Partner und besprechen Sie Ihre Vorstellungen.

Wir raten, Bedürfnisse offen zu kommunizieren. Hören Sie sich aber offenen Sinnes an, was Ihr Partner dazu zu sagen hat. Vielleicht bringt er angepasste Vorschläge ins Spiel. Heraus kommt hoffentlich ein Kompromiss, mit dem Sie beide gut leben können.

Wünschen Sie, statt zu fordern. Reagieren Sie also nicht mit Erpressung oder Streit, wenn Ihre Forderung nicht erfüllt wird. Versuchen Sie auch zu verstehen, warum Ihr Partner die gewünschte Änderung nicht vornehmen kann oder will.

Besser ist es, sich von Anfang an einen Partner zu suchen, der unseren wichtigsten Ansprüchen genügt. Darüber hinaus kann sich etwas ändern, muss es aber nicht unbedingt ...

bp 5

Übungsvorschlag 5: Wir empfehlen darüber hinaus die folgende Übung: "Miteinander reden - verstehen - Zuneigung aufbauen".

Was sind Ihre Erfahrungen mit den Erwartungen in der Parnterschaft? Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Diesen Beitrag...

Auch interessant

Kommentare  

W. Böhme
#1 W. Böhme 2016-10-18 15:35
Sehr gut, trifft aber meiner Meinung nur auf Ehepaare zu,
Zitieren | Dem Administrator melden
Ismir übel
#2 Ismir übel 2016-11-01 06:26
Wenn es jemand wirklich wissen wollte, wie das Leben funktioniert, sollte er Chuck Spezzano lesen. =)
Zitieren | Dem Administrator melden

Meinung? Ergänzung? Korrektur? Frage? - Dann sind wir für einen Kommentar dankbar!

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Bitte die 2 Buchstaben aus dem Bild hier eingeben:

Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Das war ein Beitrag aus der

GUTEN-MORGEN-GAZETTE

Lesefreude und spannendes Wissen seit über 15 Jahren

Aktuelle Inhalte der Gazette vom 25.03.2017

  • Miss Rose und die Legende vom Jaron-Kobel
  • Zitat der Woche
  • Wort der Woche
  • Anregung für die kommende Woche
  • Kennen Sie den Frühling?
  • Rätsel von Friedrich Schiller
  • Humorige Anekdote
  • Beliebtester Beitrag der Vorwoche

 

Möchten Sie die Gazette jeden Samstag früh kostenlos erhalten? 



(jederzeit mit einem Klick kündbar)

jeden Samstag / kostenfrei / unabhängig

Anregungen durch Sinngeschichten, Fabeln, Artikel ...

Wissen und Wortschatz mit Freude vergrößern

Lesespaß und Humor von Schriftstellern, Philosophen und anderen großen Denkern