Johannes Lukas Schönlein war Professor für Pathologie in Würzburg. In seinen Vorlesungen betonte er immer wieder, dass ein guter Arzt sich vor nichts ekeln dürfe. Außerdem sei er stets zu genauester Beobachtung verpflichtet.

"Sehen Sie, meine Herren, früher haben die Ärzte den Zuckergehalt des Urins mit der Zunge erprobt. Machen wir es heute auch so." Und er tauchte den Zeigefinger der rechten Hand in ein bereitstehendes Glas voll Urin und leckte anschließend den Finger ab. Die Studenten traten der Reihe nach widerwillig an das Gefäß heran, tauchten aber ebenfalls den Zeigefinger in den Urin und leckten den Finger ab.

Als alle fertig waren, sagte Professor Schönlein: "Ausgezeichnet, meine Herren. Sie haben den Ekel, wie ich bemerke, überwunden. Aber mit der Beobachtung hapert es bei allen doch noch erheblich. Sonst hätten Sie bemerken müssen, dass ich zwar den Zeigefinger in den Urin steckte, aber den Mittelfinger ableckte."

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