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Das Geheimnis von Sherlock Holmes: Der Gedächtnispalast (mit Anleitung)

Der Meisterdetektiv nutzt in der BBC-Serie eine Gedächtnis-Technik, die von den alten Griechen erfunden wurde. Studien legen nahe, dass jedermann mit dieser uralten Technik sein Gedächtnis drastisch verbessern kann. Die Anwendung macht sogar Spaß.

Unten im Text findet sich eine Kurzanleitung als PDF zum Ausdruck.

 
 

 

Der Meisterdetektiv und sein Spitzengedächtnis

Egal in welcher "Version" uns Sherlock Holmes gegenüber tritt: Seit jeher muss der Detektiv aller Detektive zur Lösung seiner Fälle eine Fülle an Detailinformationen blitzschnell aus seinem Gedächtnis abrufen können. So löst Holmes in seinen Fällen Rätsel um Rätsel.

Arthur Conan Doyle, der Erfinder des Meisterdetektivs, machte es sich im 19. Jahrhundert recht einfach: Sein Protagonist nutzte keine komplizierte Technik, er war einfach mit einem übermenschlichen Oberstübchen ausgestattet. 

 

Sherlock Holmes - The Man with the Twisted Lip

 

Der Ur-Holmes und sein Gedächtnis-Dachboden

Doyle lässt Holmes in der ersten Geschichte (Eine Studie in Scharlachrot) zu Watson sagen, dass er sein Gedächtnis als einen Dachboden betrachtet, in dem Erinnerungen abgestellt werden. Der Platz sei natürlich begrenzt. Darum würde er nur sehr selektiv Dinge in seinem Gedächtnis-Dachboden aufnehmen. Nur Informationen, die später von Nutzen sein könnten, würden einen Platz erhalten. Ein Faktum wie "Die Erde dreht sich um die Sonne" schaffte es darum nicht in die heiligen Hallen von Holmes Gedächtnis, da es wohl nie zur Klärung eines Rätsels beitragen würde.

 

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Benedict Cumberbatch als moderner Sherlock Holmes

 

Der moderne Sherlock Holmes und sein Gedächntnispalast

In der heutigen BBC-Serie lassen die Serien-Autoren Holmes stattdessen eine Gedächtnistechnik nutzen, die schon den alten Griechen bekannt war: Den Gedächtnispalast, auch Gedächtnis-Theater genannt, englisch: Mind Palace.

 

Die Legende von der Entstehung der Gedächtnis-Technik

Die Sage von der Erfindung der Methode des Gedächtnispalastes geht auf Simonides von Keos zurück. Er lebte um 500 vor Christus auf der griechischen Insel Keos (heute Kea) und war damit ein Zeitgenosse Buddhas.

Während einer Feier des Skopas verließ Simonides kurz dessen Haus, welches unmittelbar hinter ihm einstürzte. Niemand von den übrigen Gästen überlebte, nur Simonides kam unbeschadet davon.

Aufgrund der Wucht des Einsturzes waren die Leichen schwierig zu identifizieren. Simonides rief sich jedoch die Sitzordnung der Gäste in Erinnerung und konnte auf Basis seiner visuellen Erinnerung anhand des Fundortes an der (ebenfalls zusammengebrochenen) Tafel den unkenntlichen Körpern einem Gesicht und damit einen Namen zuordnen. 

Aufgrund seines Erfolges bei diesem Vorgehen soll er als Erster erkannt haben, dass es Menschen viel leichter fällt, Informationen in einer Reihenfolge aus dem Gedächtnis abzurufen, wenn diese einem visuellen Eindruck zugeordnet sind. 

 

In der “Rhetorica ad Herennium”  aus den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts vor Christus wird diese später als Loci-Methode bekannte Gedächtnistechnik das erste Mal schriftlich erwähnt. Sie dient als Basis unserer Gedächtnispalast-Technik.

Die "Rhetorica" ist zudem die älteste vollständig erhaltene rhetorische Prosaschrift in lateinischer Sprache.

 

 burg schloss alt brunnen qe 564Ihr Gedächtnispalast darf individuell gestaltet sein

 

Der Gedächtnispalast bei Sherlock Holmes: Für jeden Fachbereich ein Experte in petto

Bei Sherlock funktioniert der Gedächtnispalast etwas komplexer als beim Normalsterblichen. Er hat dort neben den Fakten zusätzlich menschliche Koryphäen in den Gedächtnispalast-Räumlichkeiten "geparkt", die ihm bei seinen Rätseln helfen. Hierzu tritt er mit diesen Experten in einen inneren Monolog. Wir erleben dies live im Film.

Zum Beispiel in folgender dramatischer Situation: Sherlock wird in "Der letzte Schwur" (Folge 3 von Staffel 3) von Watsons Frau Mary (die in Wahrheit eine Agentin ist) niedergeschossen. Sofort nach dem Eintritt der Kugel sucht er seinen Gedächtnispalast auf und eilt in den Raum mit der Notfall-Medizinerin.

Holmes tritt in den Heilkunst-Raum, in dem die Ärztin bereits auf ihn wartet. Er kann kaum eine Frage stellen, droht ohnmächtig zu werden. Die Medizinerin ruft ihn zur Räson: 

Ärztin: "Ich sagte: konzentrieren!"

Holmes schwankt.

Ärztin: "Ist alles gut und schön mit diesem Gedächtnispalast, aber Sie haben nur 3 Sekunden bei Bewusstsein, um ihn zu nutzen. Also: kommen Sie, was wird Sie töten?"

Sherlock (schwach): "Blutverlust".

Ärztin: "Genau!"

Achtung Spoiler: Wir erfahren im Folgenden, wie Sherlock's Todeskampf in seinem Gedächtnispalast endet.

 

 

Studien zum Gedächtnispalast

Mittlerweile gibt es zum Phänomen der erheblichen Gedächtnissteigerung durch die Anwendung des Gedächtnispalastes eine breite Studienbasis. Grundsätzlich gilt: Menschen können sich sehr gut Bilder merken, wie mehrere Studien belegen

Auch wenn tausende Bilder von Testpersonen nur jeweils wenige Sekunden betrachtet wurden, konnten danach im Schnitt über 80 Prozent korrekt von denen unterschieden werden, die nicht gezeigt wurden. Dies galt auch, wenn diese nicht-gezeigten Bilder nur geringe Abweichungen aufwiesen. 

Eine andere Studie zeigt, dass die Bilder sogar im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden.

Ebenfalls zahlreiche Studien zeigen, dass schon die Loci-Methode das Gedächtnis nachhaltig verbessert. Der Gedächtnispalast ist eine Erweiterung der Loci-Technik und basiert wie diese auf der Verknüpfung von Bild und Information. Dazu gleich Näheres. 

Normalerweise können Menschen sich im Schnitt sieben Zahlen merken, nach dem Training in der Loci-Methode stieg diese Zahl auf 80 bis 90 Zahlen! Dabei hat sich gezeigt, dass Gedächtniskünstler mit ihren Superhirnen ganz normale Menschen sind, die aber diese Memorierungstechniken trainiert haben. 

Der Gedächtnispalast ist - wie gesagt - eine Ausbaustufe der Loci-Technik. Nach sechswöchiger Kultivierung eines inneren Gedächtnispalastes konnten die Versuchsteilnehmer einer Studie die Anzahl der Worte, die sie sich innerhalb kurzer Zeit einzuprägen vermochten, mehr als verdoppeln. Auch vier Monate später war ihr Erinnerungsvermögen signifikant erhöht.

Martin Dresler, ein Neurowissenschaftler der Radboud University, ergänzt: “Wenn man einmal mit diesen Strategien vertraut ist und weiß, wie sie anzuwenden sind, kann man eine hohe Performance aufrecht erhalten, ohne viel zu trainieren.

 

Sherlock's Todeskampf - 2. Teil

Schafft es Sherlock im Film den Blutverlust zu stoppen, den die Ärztin im Kopf des Detektivs als wahrscheinliche Todesursache nach dem Einschuss attestierte? 

Ja, und zwar mithilfe seines Bruders Mycroft. Dieser sitzt in einem anderen Raum des Gedächtnispalastes und findet zusammen mit Holmes - gedankenschnell, als innerer Monolog, wir sind als Zuschauer der Serie wieder live dabei - eine Fallrichtung, welche den Blutverlust stoppt. Holmes fällt so, dass die Kugel beim Aufprall von Home's Körper auf den Boden - wie ein Pfropfen - den Blutaustritt stopft. 

Das war knapp! Ist Sherlock Holmes dadurch dem Tode von der Schippe gesprungen?

Mitnichten. Sofort droht nun als nächste Todesursache ein tödlicher Schock. Wie schafft es Sherlock, diesen zu verhindern?

 

Die Basis: Loci-Methode

Der Gedächtnispalast basiert also auf der Loci-Methode, auch Routen-Methode genannt. Schauen wir uns diese anhand eines bekannten Beispieles an: 

Einkaufsliste in der Haus-Version

In der Haus-/Wohnungsvariante der Loci(=Orte-)-Methode beheimatet jeder Raum ein spezifisches Ding bzw. eine Information, an das/die Sie sich erinnern möchten. Im Falle des Abspeicherns einer Einkaufsliste wären das die einzuholenden Lebensmittel, die jeweils einem Ort zugeordnet werden.

Hierbei wird erwähnte Fähigkeit des Geistes, etwas visuell besonders gut zu memorieren, ausgenutzt. Darum ist es hilfreich, den zu erinnernden Gegenstand auszuschmücken, bevor man ihn in Gedanken in den jeweiligen Raum ablegt. Die einzuholenden Spagetti sind nicht nur eine langweilige Packung Hartweizenstangen, sondern sind als attraktive Mahlzeit angerichtet und dampfen wohlriechend auf einem lecker gefüllten Teller. 

Jedes Lebensmittel hat seinen eigenen Raum und wird darin visuell "geparkt". Im Geschäft gehen Sie dann in Gedanken durch die Immobilie, sehen und erinnern die gesamte Einkaufsliste.

kuh lila 426Die Bilder: Je skurriler, je "merk-würdiger"

Noch ein Beispiel: In seinem Buch "Moonwalking with Einstein" schlägt der Gedächtnis-Experte Ed Cooke vor, sich bei einer Einkaufsliste (hier: Hüttenkäse) Claudia Schiffer in einer Wanne aus Hüttenkäse schwimmend vorzustellen. Eine andere Autorin rät, Milch auf einer Einkaufsliste als eine Kuh, die in einem Becken aus Milch schwimmt, zu visualisieren.

Dabei können als Loci/Orte für die Bild-Erinnerungen 

  • meist: Die eigene Wohnung, Haus, Keller - auch mehrstöckig,
  • eine Straße, der Weg zum Einkaufen oder zur Arbeit,
  • ein Weg durch ein Museum, dessen Ausstellungsgegenstände man kennt,
  • der eigene Körper

genutzt werden. Die Loci-Methode reicht im Alltag für viele kleinere Merk-Aufgaben.

Sie können das gleich mal ausprobieren und testen, die New York Times hat hierfür einen interaktiven Test erstellt.

 

So erschaffen Sie sich einen Gedächnispalast

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burg mittelalter wolken s5 564

1. Raumstruktur des Palastes schaffen

Die Methode des Gedächtnispalastes geht weiter als die Loci-Methode und nimmt als Basis ein prächtiges, weitläufiges und imposantes Gebäude - oft eine schlossartige Welt, die im Endausbau für alle Wissensbereiche genutzt werden kann.

Wie Studien an der Alberta-Universität in Kanada zeigten, funktionieren bekannte Gebäude und Räumlichkeiten, Strecken oder Naturgebiete genauso gut wie erdachte Fantasie-Paläste (auch Höhlengänge, Unterwasserwelten, außerirdische Bauten ...).

 

Wichtig ist, dass den einzelnen Räumen und Plätzen in dem Palast über spezifische (und gerne imposante) Details eine ausreichende Unterscheidbarkeit zu eigen ist. Der Palast muss, wie gesagt, kein Schlossbau sein, ein großes Museum ist dafür ebenso geeignet wie ein Tempel oder eine waldige Umgebung mit prägnanten Wegen und Baumbeständen.

Gehen Sie in Gedanken durch Ihren "Palast", schmücken Sie alles detailliert aus. Hier ein Gemälde, dort eine besondere Uhr oder ein (ausgestopfter) Vogel, ein Geruch nach Zitrone, das Flackern eines Feuers - geben Sie Ihrem Hirn genügend Futter, die Räumlichkeiten als speicherwürdig zu erachten.

Der Palast ist die Basis für Ihr Gedächtnis-Boosting. Achten Sie auch auf Geruch, Geräusch und Lichtstimmung in den Räumen. Aber: Bauen Sie nicht gleich den ganzen Palast für alle Wissensgebiete in einem Zug. Beginnen Sie ganz einfach mit nur einem Thema, einer Etage, einem Raum.

 

Die Bilderwelt der Jäger

Der Gedächtnispalast mag auch deswegen gut funktionieren, weil er unser genetisches Erbe ausnutzt. Die Verknüpfung von Bild und Information soll laut einer Theorie so gut gelingen, weil unsere Vorfahren ihr Wissen in großem Maße mit visuellen Reizen verknüpft haben: An welcher Spur erkenne ich welches Tier? Wie sehe ich, wie das Wetter wird? Wie sieht eine Pflanze aus, die ich essen darf? 

 

 

Nun geht es an die Innenausstattung des Palastes:

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2. Raum visualisieren und mit dem Thema verbinden

Wenn Ihre Merkaufgabe zum Beispiel darin liegt, die Reihenfolge der Planeten zu memorieren, können Sie eine Sonne auf der Tür dieses Zimmers platzieren. Als Innenausstattung des Sternensystem-Raumes bietet sich eine Sternentapete und/oder ein Fernrohr an.

Man kann sogar spezifische Wissensgebäude bauen. Ein Beispiel: Hier findet sich ein Gedächtnispalast, um das komplette Periodensystem zu lernen.

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3. Den Raum mit Wissen füllen

Jetzt kommen wir zum Wissensstoff, den wir uns merken wollen. 

Zwei Schritte sind nötig, um diesen in unserem Gedächtnispalast dauerhaft einlagern zu können:

  • 1. Wissen strukturieren
    Meist ist dies bereits in Form von Listen, Vokabeln etc. gegeben - auch im Studium. Ansonsten müssen wir zunächst die einzelnen Wissensbausteine aus einem Wissensstoff extrahieren und dann strukturieren. Ein Beispiel wäre die Speicherung des Wissensstoffes eines Fachbuches.

  • 2. Wissen verbildlichen
    Nun wird jeder Wissensbaustein (die Einzelinformation: eine Vokabel, ein Teil einer Liste, eine Zahl ...) in ein Bild oder eine Kurzgeschichte umgewandelt, das/die für mich zu dem Wissensbaustein passt. 
    Beispiele: Wenn wir uns den Biologen Herrn Ebers merken und deswegen als Bild vorstellen wollen, bietet sich ein mikroskopierender Eber an. Oder das Wort Fruchtfleisch: 

 fruchtfleisch banane salami p 564

 

Eine Geschichte ausdenken

Geschichten helfen uns beim Memorieren auf dreierlei Weise: 

  1. In einer sehr kurzen Geschichte können mehrere Bilder zu einem Wort verknüpft werden. Beispiel: Das Land Frankreich wird mit dem Eiffelturm visualisiert, vor dem ein typischer Franzose Wein trinkt. 
  2. Dann kann eine Geschichte für das Merken einer Reihenfolge genutzt werden, siehe unten.
  3. Und als drittes führt eine Geschichte dazu, dass wir keinen Baustein unseres strukturierten Wissens vergessen, wenn wir uns diesen im Rahmen des Auftretens in einer ausgedachten Geschichte merken.

Diese Aufgabe beim Bau unseres Gedächtnispalastes macht besonderen Spaß. Ein Wort als Kurzgeschichte und/oder die gesamte Lernliste als eine skurrile Erzählung, in die wir uns auch noch nach Jahren erinnern (wenn wir sie ab und an in Gedanken durchgehen). 

 

Wenn nun das Wissen in Einzelinformationen strukturiert und zu merk-würdigen Bildern visualisiert wurde, werden diese Bild-Informationen an

  • Plätze innerhalb eines Raumes oder
  • in mehreren Räumen unseres "Palastes"

in Gedanken platziert.

 

Ist die Wissens-Reihenfolge wichtig?

Wenn die Reihenfolge des strukturierten Wissens wichtig ist, werden diese über eine einzigartige Route verbunden.

Eine Reihenfolge merken: 4 Vorschläge 

  1. Den Raum in Uhrzeiten aufteilen (12 Uhr wäre der Tür gegenüber) und die zu erinnernden Informationsbilder hängen jeweils an den Stellungen der Zeiger im Raum. Das Video unten im TAB "Erdzeitalter" bei den Beispielen nutzt dieses Vorgehen.
  2. Indem die bildlichen Informationen wie gezeigt eine Geschichte bilden, die sich in dem Raum abspielt.
  3. Alternativ kann man eine immer gültige Reihenfolge in den Räumen festlegen: Von links nach rechts, von unten nach oben. 
  4. Weiterhin ist es möglich, sich eine feste Reihenfolge an Gegenständen zu merken, die eine Reihenfolge im Raum repräsentieren: Jeder Raum hat rechts ein Trampolin - der erste bildhaft umgesetzte Wissensbaustein hüpft herum. Daneben steht ein Sessel, in dem ...

Andere bauen ihre Gedächtnispaläste so, dass ein Themengebiet ein ganzes Stockwerk einnimmt und sich hinter jeder Tür nur wenige (eventuell nur eine einzige) Information(en) zu finden sind/ist. Auch dies ist eine Route mit Reihenfolge.

 

 

Gedächtnispalast - Beispiele für das eigene Training

Zitate

Mit allen Sinnen - der Bach aus Feuer

Wie gesehen ist es hilfreich, lebhafte, besondere und, wenn möglich, emotionale Bilder für die Abspeicherung zu nutzen, wenn Sie sich einen Gedächtnispalast erschaffen.

Wenn man sich Zitate von Ludwig Feuerbach merken möchte, könnte der Raum von einem Bach aus Feuer durchzogen sein. 

Denken Sie dran: Mit allen Sinnen! Wie mag es in diesem Raum riechen, welche Schatten werden vom Flussfeuer auf die Wände geworfen?

Mit dem "Feuer-Bach" werden dann die Bilder der Zitate verknüpft. Nehmen wir den folgenden Ausspruch von Feuerbach:

"Die echten Schriftsteller sind Gewissensbisse der Menschheit." 

Hier könnte sich ein typischer Schriftsteller (Bild: Brille, Stift hinterm Ohr, Jacket ...) am Bach des Feuers wärmen (wie riecht es?) und dabei abwechselnd schreiben und einem Menschen ins Genick beißen.

Daneben empört sich jemand darüber ... es folgt ein Bild für das nächste Zitat.

Ihre Bilder und Loci sollten ausgefallen sein, damit diese sich leichter und länger einprägen. Sie sollten aber nicht ins bizarre abgleiten, denn bizarr wird wieder schwieriger memoriert.

Wie können wir uns eine Geschichte besser/leichter merken?

Generell gilt: Die Bilder und Abläufe in einer Geschichte sollten merk-würdig sein. Gut funktionieren hierfür vier Erzähl-Elemente:

  • Wenn die Bilder lustig sind.
  • Wenn die Bildgeschichte seltsam ist.
  • Wenn Gewalt und Zerstörung ins Spiel kommt.
  • Wenn eine sexuelle Komponente in der Handlung auftritt.

besser merken sexuell 4 564Bild Maske und Frau: Welche Information könnte sich hinter diesem Bild verbergen?

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4. Das Gedächtnispalast-Training: Loci und Route abspeichern und üben

Ihr Wissen ist strukturiert, der Raum im Gedächtnispalast gebildet und die Informationen sind an Punkten im Raum (die Loci) platziert? Wunderbar!

Nehmen Sie sich nun einen Moment Zeit, den Raum, die Loci im Raum und die Bilder von den zu merkenden Informationen in ihr Gedächtnis zu brennen. Ergänzen Sie Töne, Gerüche und haptische Reize, wenn diese Ihnen für eine spätere Erinnerung hilfreich erscheinen.

Bei Bedarf kombinieren Sie alles - wie gezeigt - zu einer Geschichte oder merken sich die Reihenfolge auf eine der anderen Weisen.

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5. Das Wissen abrufen: Die Route im Palast abgehen

Wenn die Informationen nun wieder abgerufen werden müssen, z. B. bei einer Rede oder in einem Test, gehen Sie vorher einige Male in Gedanken die entsprechende Route durch den Raum oder das Stockwerk in Ihrem Gedächtnispalast ab.

 

Zusatz-Nutzen eines Gedächtnispalast

Ein weiterer Vorteil der Gedächtnispalast-Technik: Man erhält einen Überblick über das Wissen, was man sich merken will. 

Und ebenso wertvoll: Wenn ich vor einem Raum stehe und partout nicht weiß, was da drin ist, dann habe ich eine Gedächtnislücke erkannt. Dem ist auch so, wenn beim Memorieren meiner Wissens-Geschichte eine Inhalts-Lücke auftritt.

 

 

 

Kommen wir zurück zu Sherlock. Ihm droht der tödliche Schock. 3. Teil

Wieder hat Mycroft die Lösung für Sherlock: Er muss etwas in seinem inneren finden, was ihn beruhigt und so das Trauma abmildert. Sherlock eilt dafür in seinem Gedächtnispalast in einen ganz bestimmten Raum. Darin befindet sich: Rotbart. 

Bei Rotbart handelt es sich um den Hund, der Sherlock durch seine Kindheit begleitet hat. Nichts konnte Sherlock damals besser beruhigen, als den großen Hund zu streicheln.

Indem er in Gedanken in seinem Gedächtnis mit Rotbart spielt, verhindert er den todbringenden Schockzustand. 

Doch Sherlock ist noch nicht gerettet: Es treten massive Schmerzen auf. Sherlock muss einen Weg finden, diese zu kontrollieren. Wieder nutzt er einen Raum in seinem Gedächtnispalast ...

 

cicero statue t 400Cicero

Berühmte Anwender des Gedächtnispalastes

Cicero, der antike Rethoriker, nutzte diese Technik, um seine Reden zu erinnern. Er verwandte hierfür ein komplexes architektonisches Konstrukt, um auch in der Reihenfolge der Erinnerungen nicht durcheinander zu kommen.

Mönche und andere Studierende des Mittelalters nutzten die Technik, um verzwickte religiöse Themen und Techniken zu erinnern.

 

Warum wurde die Technik vergessen?

Die Gedächtnispalast-Technik geriet mit der Erfindung des Buchdrucks in Vergessenheit. Man dachte damals: Wozu soll ich mir etwas anstrengend merken, wenn man es doch einfach aufschreiben und bei Bedarf nachlesen kann?

Die Methode kam erst wieder zu Berühmtheit, als die Teilnehmer an Gedächtnis-Wettbewerben diese als primäres Hilfsmittel zum Erinnern von (sehr) langen Reihen verwendeten. Simon Reinhard – mehrfacher Gedächtnis-Weltmeister – konnte so im Jahre 2013 die Reihenfolge von 370 Karten memorieren.

Gedächtnispalast im Buch erläutert (Amazon)

 

 

Wie groß soll der Gedächtnispalast sein?

Das hängt davon ab, wie viel Sie darin abspeichern wollen. Es können am Ende viele hundert Bauabschnitte sein und Sie müssen den Palast natürlich nicht in einem Rutsch erbauen.

Wenn der Palast größer wird, empfehlen Experten, die einzelnen Bauabschnitte oder Etagen mit spezifischen Farben auszustatten. Dies unterstützt die Abgrenzung der Wissensbereiche.

 

Bleiben die Informationen aus dem Gedächtnispalast für immer gespeichert? 

Dies gelingt dann, wenn Sie die Räume regelmäßig besuchen und sich das dort gespeicherte Wissen vergegenwärtigen. Am Anfang ist dies häufiger notwendig, später immer seltener.

 

Teil 4: Sherlock's Sieg

Kommen wir zurück zu Sherlock Holmes Todeskampf in der BBC-Serienfolge "Der letzte Schwur". Gerade suchte er eine Lösung zur Kontrolle seiner massiven Schmerzen. 

Wir als Zuschauer begleiten Sherlock's rasende Suche in seinen weitläufigen inneren Räumlichkeiten. Er landet schließlich in einer Gummizelle zusammen mit einem offenkundig Geistesgestörten. Ein völlig verrückter, der in einer Zwangsjacke steckt. 

Aber der Irre hält Sherlock mit friedlichen Liedern am Leben. Der Meisterdetektiv wiegt sich solange in dessen Armen, bis ihn ein Notarzt - wir treten im Film aus Sherlock's Gedächtnispalast heraus und landen im realen Leben - stabilisiert hat. 

 

Für Ihre Übungen: Gedächtnispalast Anleitung als PDF

Der Aufbau eines Gedächtnispalastes ist kein Hexenwerk und macht sogar Spaß. 

Wir haben für Sie die fünf Schritte (plus die wichtigsten Tipps) zur Erstellung eines Gedächtnispalastes als 1-seitiges PDF zum bequemen Download und Ausdruck zusammengestellt:

 

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