Aesop - die Fabeln eines Sklaven und Dichters

Aesop war griechischer Sklave und Fabeldichter und lebte um 550 v. Chr. Um ihn ranken zahlreiche Legenden und spannende Geschichten. Er gilt als Begründer der europäischen Fabeldichtung.

Hier eine Sammlung seiner besten Fabel, wobei wir viele davon sprachlich angepasst haben. Eine Fabeln sind sogar vertont. Weitere großartige Quellen sind Wikipedia  und die Sammlung auf Gutenberg.de von Spiegel-Online.

 
 

  • Der mit Salz beladene Esel von Aesop

    Ein mit Salz beladener Esel musste durch einen Fluss, fiel hin und blieb einige Augenblicke behaglich in der kühlen Flut liegen. Beim Aufstehen fühlte er sich um einen großen Teil seiner Last erleichtert, weil das Salz im Wasser geschmolzen war. Langohr merkte sich diesen Vorteil und wandte ihn gleich am folgenden Tage an, als er mit Schwämmen belastet durch eben diesen Fluss ging.

  • Zwei Freunde und ein Bär

    Zwei Freunde gelobten sich gegenseitig, sich in allen Fällen treu beizustehen und Freud und Leid miteinander zu teilen. So traten sie ihre Wanderschaft an.

    Unvermutet kam ihnen auf einem engen Waldwege ein Bär entgegen. Vereint hätten sie ihn vielleicht bezwungen. Da aber dem einen sein Leben zu lieb war, verließ er, ebenso bald vergessend, was er kurz vorher versprochen hatte, seinen Freund und kletterte auf einen Baum. Als sich der andere nun verlassen sah, hatte er kaum noch Zeit, sich platt auf den Boden zu werfen und sich tot zu stellen, weil er gehört hatte, dass der Bär keine Toten verzehre.

    Der Bär kam nun herbei, beleckte dem Daliegenden die Ohren, warf ihn mit der Schnauze einige Male herum und trabte dann davon, weil er ihn für tot hielt.

    Sobald die Gefahr vorüber war, stieg jener vom Baume herab und fragte seinen Gefährten voll Neugierde, was ihm der Bär zugeflüstert habe?

    "Eine vortreffliche Warnung", antwortete dieser, "nur schade, dass ich sie nicht früher gewusst habe."

    Man solle sich nicht mit Menschen einlassen, die ihre Freunde in der Not verlassen.

    Aesop, griechischer Sklave und Fabeldichter, um 550 v. Chr.

  • Der Fuchs und die Trauben (von Aesop)

    Ein Fuchs schlich sich an einen Weinstock heran. Sein Blick hing sehnsüchtig an den dicken, blauen, überreifen Trauben. Er stützte sich mit seinen Vorderpfoten gegen den Stamm, reckte seinen Hals empor und wollte ein paar Trauben erwischen, aber sie hingen zu hoch. Verärgert versuchte er sein Glück noch einmal. Diesmal tat er einen gewaltigen Satz, doch er schnappte nur ins Leere. Ein drittes Mal sprang er aus Leibeskräften - so hoch, dass er auf den Rücken fiel. Nicht ein Blatt hatte sich bewegt. Der Fuchs rümpfte die Nase: "Sie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben." Mit erhobenem Haupt stolzierte er in den Wald zurück.

    Aesop, griechischer Sklave und Fabeldichter, um 550 v. Chr.

    Die Reaktion des Fuchses bezeichnen wir heute als Auflösung von kognitiver Dissonanz. Um dies zu tun, hat der Fuchs drei Möglichkeiten:

    • Er schafft es doch noch, die Trauben zu holen
    • Er erkennt, dass seine Fähigkeiten dazu nicht ausreichen
    • Er interpretiert um (dieses Vorgehen wählt der Fuchs in dem Fall)
  • Der Löwe und das Mäuschen oder: Hochmut kommt vor dem Fall

    maus loewe

    Manchmal vergessen wir durch die zeitfüllenden Herausforderungen des Alltags, was wirklich wichtig ist. Die Geschichte vom Löwen und der Maus zeigt, dass wir im Kleinen achtsam bleiben sollten.

    Ein Mäuschen lief über einen schlafenden Löwen. Dieser erwachte und packte es mit seinen gewaltigen Tatzen.

    "Verzeih mir meine Unvorsichtigkeit", flehte das Mäuschen. "Ich habe dich nicht stören wollen. Schenke mir mein Leben, ich will dir ewig dankbar sein."

    Großmütig schenkte der Löwe ihr die Freiheit und lächelte in sich hinein: "Wie will wohl ein Mäuschen einem Löwen dankbar sein?"

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