Geschichten und Fabeln auf blueprints.de

Seit Jahrtausenden geben Völker ihr Wissen in Geschichten weiter. Ob der Indianer am Lagerfeuer, der Philosoph in der Wandelhalle an seine Schüler oder die Oma an ihre Enkel.

Die Geschichten auf dieser Seite handeln von Menschen und Tieren auf ihren persönlichen Lebenswegen mit all den möglichen Problemen, Gefahren, Geheimnissen und Erlebnissen. Sie stammen von Schriftstellern aus aller Welt und aus unterschiedlichen Zeiten.

Einige der Geschichten sind von uns erfunden oder auf Basis alter Geschichten neu formuliert worden. Andere Geschichten stammen aus der Feder begnadeter Autoren.

Geschichten können uns erinnern, motivieren, nachdenklich machen oder auf andere Art und Weise bewegen. Bei jeder Geschichte trifft die Idee des Autors auf die Vorerfahrungen, Ideen, Wünsche, Ziele, Sorgen und Ängste des Lesers. Was daraus entsteht, kann somit sehr unterschiedlich sein.

Beim Lesen, Zuhören oder beim Besprechen der Geschichten wünschen wir viel Freude und hilfreiche Erkenntnisse. Aber vorerst noch ein paar Informationen über Fabeln, Anekdoten und Kurzgeschichten.

„Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.“

Jean Paul

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1. Die Fabel 

Fabeln sind in Versform oder Prosa verfasste, kürzere Erzählungen mit belehrender Absicht. Die Hauptrolle spielen zumeist Tiere, aber auch Pflanzen oder fabelhafte Mischwesen, die menschliche Eigenschaften besitzen und auch menschlich handeln.

Besonders häufig kommen in Fabeln der Löwe, der Wolf, die Eule und der Fuchs vor. Die Fabeltiere verkörpern dabei menschliche Charakterzüge. Der Fuchs ist der Listige aber auch arglistige, der nur auf seinen Vorteil schaut. Die weise Eule, die dumme Gans, der mächtige und mutige Löwe, die hinterhältige Schlange oder die kleine, einfache Maus.

Sie merken, dass wir heute auch in der Umgangssprache uns dieser Verbindungen bedienen. Der "Angsthase" oder die "dumme Gans" sind einigen von uns sicher bereits über die Lippen gegangen.

Fabeln wollen eine Wahrheit oder eine Lehre vermitteln. Sie beziehen sich auf alltägliche, menschliche Charakterzüge und wie Gier, Unfairness, Neid oder Eitelkeit, aber auch Hilfsbereitschaft, Mut, Bescheidenheit und andere.

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2. Die Anekdote

Die Anekdote ist ein literarisches Genre, das sich auf eine bemerkenswerte Begebenheit, meist aus dem Leben einer Person bezieht.

Die wichtigsten Merkmale sind: die Pointe, die Reduktion auf das Wesentliche und die Charakterisierung einer oder auch mehrerer Personen.

Der DUDEN beschreibt die Anekdote als kurze, meist witzige Geschichte, die eine Persönlichkeit, eine soziale Schicht, eine Epoche u. Ä. treffend charakterisiert.

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3. Drei Beispiele für Anekdoten

Als sich Mark Twain auf einer Vortragstournee durch Europa befand, verbreitete sich das Gerücht, er sei gestorben. Mark Twain kabelte daraufhin die folgende Richtigstellung nach Amerika: "Nachricht von meinem Tode stark übertrieben."

Der dänische Märchenautor Hans-Christian Andersen zog sich zumeist schlampig an. Einmal fragte ihn ein junger Giftpilz: "Dieses jämmerliche Ding auf Ihrem Kopf nennen Sie Hut?" Andersen blieb gelassen und antwortete: "Dieses jämmerliche Ding unter Ihrem Hut nennen Sie Kopf?"

Am Stachus in München sprach ein Fremder den Schauspieler und Komiker Karl Valentin an. Er sagte: "Sie, wie weit ist es denn von hier bis zum Hauptbahnhof?" Valentin sagte: "Wenn Sie so weiter gehen wie bisher, sind es noch circa 40.000 Kilometer. Wenn Sie aber umdrehen, bloß fünf Minuten."

Weitere Anekdoten findest du auf blueprints im Bereich "Humor und Anekdoten".

„Je mehr ich las, umso näher brachten die Bücher mir die Welt, umso heller und bedeutsamer wurde für mich das Leben.“

Maxim Gorki

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4. Die Kurzgeschichte

Ihren Ursprung hat die Kurzgeschichte in der amerikanischen Short Story. Wie der Begriff bereits sagt, ist das wesentliche Merkmal die Kürze der Geschichte.

Die Sprache ist zumeist schlicht und ungekünstelt. Die Sätze sind zumeist ebenfalls kurz und der Ton ist oft umgangssprachlich.

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5. Entstehung der Kurzgeschichte

Ein Grund für die Verbreitung bzw. Entstehung des Genres "Kurzgeschichte" hängt eng zusammen mit dem Zeitschriftenwesen im 19. Jahrhundert. Zeitschriften ermöglichten den amerikanischen Autoren bessere Absatzmöglichkeiten als der Buchmarkt. Das Genre Kurzgeschichte entstand.

In der englischsprachigen Literatur waren es zum Beispiel Edgar Allan Poe, F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und William Faulkner, die auch short stories schrieben.

 

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6. Erste Kurzgeschichte der Weltliteratur

Welche die erste Kurzgeschichte der Weltliteratur ist, ist nicht eindeutig zu beantworten. Zwei Geschichten gehören auf jeden Fall in den Kreis der Mitanwärter.

Einige sehen Edgar Allan Poes Kurzgeschichte "Metzengerstein" als die erste Kurzgeschichte an. Sie erschien erstmals 1832 im "Philadelphia Saturday Courier". Die Geschichte handelt von den wohlhabenden, über den Tod hinaus verfeindeten Familien Berlifitzing und Metzengerstein. Zu Poe sehr passend, endet die Geschichte in einem flammenden Inferno.

Andere hingegen denken, dass Washington Irvings Geschichten "Rip Van Winkle and The Legend of Sleepy Hollow" die ersten Kurzgeschichten der Weltliteratur sind. 1820 erschienen die Geschichten als Teil eines Sketch Books.

Wie dem auch sei, Poes und Irvings Kurzgeschichten sind brillant und lesenswert.

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7. Kurzgeschichten in Deutschland

Im deutschsprachigen Raum wurde die Kurzgeschichte erstmals um 1900 aufgegriffen. Hier musste diese moderne literarische Form sich zunächst gegen andere etablierte Kurzformen wie die Novelle, Anekdote und Kalendergeschichte durchsetzen. Eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Kurzgeschichte in Deutschland war die Gruppe 47. Die Gruppe 47 war ein Zusammenschluss von Schriftstellern der Nachkriegszeit. Seit 1950 wird der Preis der Gruppe 47 verliehen - einer der bedeutendsten Literaturpreise der Bundesrepublik.

„Eine gut erzählte Geschichte macht aus den Ohren Augen.“

Chinesisches Sprichwort

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8. Kurzgeschichten heute

2013 wurde die kanadische Schriftstellerin Alice Munro der Literaturnobelpreis verliehen. Das Spannende war, dass ihr Werk ausschließlich aus Kurzgeschichten besteht, was dem Genre Kurzgeschichte weltweit starke Aufmerksamkeit verschaffte.

Das Internet hat zu einem weiteren Aufleben der Kurzgeschichten geführt. Ob die Verbreitung der klassischen Kurzgeschichten auf Portalen wie gutenberg.de bis hin zu Portalen, wo jeder seine Kurzgeschichten veröffentlichen kann, Kurzgeschichten sind beliebter denn je.

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9. Anekdoten und Geschichtenbuch vom blueprints Team

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Wie nützlich Anekdoten doch sind. Lockere mit ihnen ernste Themen auf - oder bringe andere zum Lachen - zeige Probleme aus neuen Perspektiven. Nutze die Kurzgeschichten für deine Argumentation in Gesprächen und belebe deine Sprache und dein Schreiben damit. 

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10. 100 Kurzgeschichten, Geschichten, Fabeln und Anekdoten

Nun viel Freude beim Lesen der Kurzgeschichten, Geschichten, Fabeln und Anekdoten auf blueprints.de:

Der Floh und der Hammel

Allzu leicht denken wir, dass etwas anderes für uns besser wäre als das, was wir gerade haben. Doch wie auch der Floh in der folgenden Geschichte müssen wir uns auf unvorhergesehene Folgen gefasst machen.

Ein Floh, der im geschorenen Fell eines Hundes wohnte, vernahm eines Tages den angenehmen Geruch von Wolle.

"Was ist denn das?" Der Floh machte einen Sprung und bemerkte, dass sein Hund auf dem Fell eines Hammels eingeschlafen war.

"Welch ein Pelz ist das gegen den meines Hundes?!" sprach der Floh. "Er ist dicker und weicher, und vor allem ist er sicherer. Da besteht keine Gefahr, dass mich die Krallen und Zähne des Hundes erwischen und töten. Außerdem wird das Hammelfell sicherlich wohnlicher sein."

Ohne weiter nachzudenken wechselte der Floh seine Behausung.


Ein vor Jägern fliehender Fuchs fand, nachdem er lange in der Wildnis herumgelaufen war, endlich einen Holzhacker und bat denselben inständig, ihn doch bei sich zu verbergen. Dieser zeigte ihm seine Hütte, worauf der Fuchs hineinging und sich in einem Winkel versteckte. Als die Jäger kamen und sich bei dem Manne erkundigten, so versicherte dieser zwar durch Worte, er wisse nichts, deutete aber mit der Hand nach dem Orte hin, wo der Fuchs versteckt war. Allein die Jäger hatten nicht darauf geachtet und entfernten sich sogleich wieder. Wie nun der Fuchs sie fortgehen sah, ging er wieder heraus, ohne etwas zu sagen; und als der Holzhacker ihm Vorwürfe machte, dass er ihm, durch den er doch gerettet worden sei, keinen Dank bezeuge, drehte sich der Fuchs nochmals um und sprach: "Ich wüsste dir gerne Dank, wenn die Werke deiner Hand und deine Gesinnung mit deinen Reden im Einklange ständen."

Die Fabel geht diejenigen an, die zwar die Rechtschaffenheit im Munde führen, durch ihre Handlungen aber das Gegenteil an den Tag legen.  

Aesop, griechischer Sklave und Fabeldichter, um 550 v. Chr.


Eine Ballade von Ernst Moritz ArndtUnd die Sonne machte den weiten Ritt um die Welt,
Und die Sternlein sprachen: "Wir reisen mit
Um die Welt";
Und die Sonne, sie schalt sie: "Ihr bleibt zu Haus!
Denn ich brenn euch die goldnen Äuglein aus
Bei dem feurigen Ritt um die Welt."
Und die Sternlein gingen zum lieben Mond
In der Nacht,
Und sie sprachen: "Du, der auf Wolken thront
In der Nacht,
Lass uns wandeln mit dir, denn dein milder Schein,
Er verbrennet uns nimmer die Äugelein."


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Seit etlichen Monaten ging Virgo täglich an einem Hang vorbei, an dem ein Mann eine Mauer baute. Tagein, tagaus sah er ihn Steine von den Feldern holen, sie wie Puzzleteile aufeinander zu stapeln und deren Sitz zu prüfen. Schritt für Schritt wuchs die Mauer, die er zum Hang hin ständig mit schwerer, lehmiger Erde auffüllte. Langsam entstand so ein kleines Plateau.

Die wunden Hände des Mannes waren geschäftig von früh am Morgen bis spät in den Abend. Virgo war verwundert über den alten Mann, der trotz der schweren Arbeit immer ein Lächeln auf seinem faltigen Gesicht trug.

Doch eines Morgens, auf dem Weg zur Arbeit, blieb Virgo vor der mittlerweile mächtigen Mauer stehen. Das Plateau hinter der Mauer war bereits so groß wie ein Tennisfeld.


autor schreibt hand 7 564

Miss Rose lebte einst bei einem Autor. Dieser war ein berühmter Schriftsteller, alle Menschen kannten seinen Namen. Er hat wunderbare, tief berührende Geschichten geschrieben. Miss Rose hat alle seine Bücher gelesen. Sie will uns aber diesmal den Namen des Autors nicht verraten.

Der Autor erhielt von seinem Verlagsleiter den Auftrag, ein Werk zu schaffen, welches die Herzen der Leser nachhaltig bewegen möge und welches in ihrem Geist eine Ahnung von Weisheit aufkommen lasse.

Nachdem der Autor den Brief mit der Bitte erhalten hatte, blickte er lange auf Miss Rose, die wie üblich neben seinem Schreibtisch unter der Heizung lag.

Miss Rose liebte schon immer diese Plätze an den Öfen der Menschenhäuser.

Dann machte der Autor erst einmal fünf Tage lang nichts, er saß einfach nur da. In dieser Zeit brachte er kein Wort zu Papier …


die alte eisenbahnbruecke a

Tom schmerzte bei jedem Schritt der Magen. Immer wieder blieb er stehen und kaute an seinen Fingernägeln.

Wie sollte er die Drei in Deutsch erklären. Sein Vater wird toben. Seine Mutter wird den ganzen Tag betreten schweigen. Ihn quälte dieses ach so bekannte Bild. Er konnte es nicht mehr ertragen, eine Enttäuschung zu sein. Er war halt nicht so gut wie sein Einser-Bruder.

Er blieb unter der alten Eisenbahnbrücke stehen und blickte wütend nach oben.


Ein Vogelsteller hatte viele Köstlichkeiten geschickt auf seinem Herd ausgebreitet und einen Lockvogel dazugesetzt, der vortrefflich singen konnte

Die Vögel in der Nachbarschaft hörten diesen Gesang, flogen herbei und sprachen: "Was hier für ein Überfluss von Speisen daliegt! Und wie freundlich uns unser Geselle, dem selbst so wohl ist, dazu einlädt! Wir wollen diese Gelegenheit benützen!"

Kaum hatten sie zu fressen angefangen, so fiel das Garn, und sie verloren Freiheit und Leben.

Ein Vogel nur hatte sich entfernt gehalten, und der Lockvogel rief ihm zu: "Wer hat dich allein so klug gemacht, dass du nicht näher kommst?"

"Eine einfache Lehre meines Vaters! - Sohn, sagte er oft, wenn man dir einen Vorteil zeigt, gar so groß und gar so leicht zu erlangen, so hüte dich, denn gemeiniglich liegt Betrug im Hinterhalte."

August Gottlieb Meißner, deutscher Universitätsprofessor, Schriftsteller, 1753 - 1807


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Ein König umgab sich gerne mit Frauen und Männern des Wissens und der Gelehrsamkeit. Selten traf er eine Entscheidung, ohne sich mit ihnen beraten zu haben. Er wollte sicherstellen, richtig und gut zu handeln.

Eines Tages war ein wohlbekannter Wanderheiliger bei Hofe zu Gast. Bei der abendlichen Tafel konnte es sich der König nicht verkneifen, dem alten Mann eine Frage zu stellen.


fichte apix

Die Abendsonne beschien mit goldenen Strahlen eine riesige Fichte, die an einer felsigen Berghalde stand. Ihr stachliges Laub prangte im schönsten Grün, und ihre Äste waren wie mit Feuer übergossen und glänzten weit sichtbar. Sie freute sich über ihren Glanz und meinte, all diese Herrlichkeit gehe von ihr selbst aus und sei ihr eigener Verdienst, so dass sie eitel wurde. Prahlend rief sie: "Seht her, ihr anderen Gewächse und Geschöpfe, wo erscheint eines in solcher Pracht wie ich edle Fichte? Gewiss, ihr seid zu bedauern, dass euch der Schöpfer nicht schöner geschmückt hat." 

Das hätte sie nicht rufen sollen.


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Hunde machten auch vor Miss Rose nicht halt und sie geriet immer wieder in Situationen, in denen sie flüchten musste. Aber sie machte es stets mit Bedacht und überlegte sich immer, wenn sie sich hinlegte oder neue Gebiete betrat, was der beste Fluchtweg wäre.

Eine Fabel des griechischen Dichters Aesop erinnerte sie stets daran, Vorsicht walten zu lassen. Und die Geschichte geht so:


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Zen-Meister Min-To weinte bitterlich. Sein jüngster Sohn Maru war vom Pferd gefallen. Sein Genick brach, er war sofort tot.

"Warum weint Ihr, Meister?", fragte einer seiner Schüler vorsichtig. "Ihr lehrtet uns doch, dass alles Illusion sei."

"Das stimmt auch", antwortete der Meister, "alles ist Illusion. Doch der Tod eines Kindes ist die Größte aller Illusionen."


vielfalt-einfaltVielfalt sieht man überall, jetzt im Frühling. In jeder Ecke, in jedem noch so unscheinbaren Winkel kann man in der Natur einen Farbklecks entdecken. Jede winzige Nische wird genutzt, um eine ganz spezielle Pflanze hervorzubringen. Keine andere könnte gerade da wachsen, Nährstoff- und Umgebungsangebote lassen nur diese eine zu. Und wie oft erfreut sich der zufällig darauf fallende Blick daran.

Gott sei Dank ist es bei uns Menschen genauso. Noch gehören wir ja zur Natur. Warum fällt es uns dann oft so schwer, unsere Einzigartigkeit zu akzeptieren?


Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm.

Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der alte Großvater hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in einem Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch, und die Augen wurden ihm nass.

Einmal auch konnten seine zitterigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur.

Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus musste er nun essen. Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen.

"Was machst du da?" fragte der Vater. "Ich mache ein Tröglein", antwortete das Kind, "daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin."

Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen an zu weinen, holten den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.

Aus der Märchensammlung der Brüder Grimm, basiert auf Johann Michael Moscheroschs Mahngedicht Kinderspiegel von 1643


Arbeite! (von Émile Zola)Arbeite! Das ist das einzige Gebot auf dieser Welt! Jeder soll seine Aufgabe erfassen und diese soll sein Leben ausfüllen. Es kann eine ganz bescheidene Aufgabe sein, aber sie ist deswegen doch etwas Nützliches und Wertvolles. Es kommt nicht darauf an, worin sie besteht, wenn sie nur da ist und aufrechterhält. Wenn du sie ausführst, ohne das Maß dabei zu überschreiten, gerade so viel als du jeden Tag leisten kannst, dann wirst du gesund und froh leben.

Émile François Zola, französischer Schriftsteller und Journalist, 1840 - 1902


Auf dem Hühnerhof erkrankte der Hahn so schwer, dass man nicht mehr damit rechnen konnte, dass er am nächsten Morgen krähen werde. Die Hennen machten sich daraufhin große Sorgen und fürchteten, dass die Sonne an diesem Morgen nicht aufgehe, wenn das Krähen ihres Herrn und Meisters sie nicht rufe.


 
 

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