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Überfordert - ausgebrannt"Du könntest mehr leisten!", "Ich erwarte von Ihnen", "Sie bringen tolle Voraussetzungen mit", solche Forderungen und Lob sind bei selbst unsicheren Schülern, Mitarbeitern und Sportlern oft der Anlass dafür, dass sie nicht mehr nach den eigenen Grenzen suchen bzw. diese ungeprüft akzeptieren und sich stattdessen überfordern oder resignieren.

"Wenn mir das meine Eltern bzw. mein Chef zutrauen, habe ich mich vielleicht in mir selbst getäuscht und muss mich nur mehr anstrengen!", könnten Folgerungen sein, zumal diese oft noch durch Sprüche wie: "Man muss nur wollen!" verstärkt werden.

Anstrengung ohne Begabung ist wie eine Last ohne Stütze. Kein Statiker würde ohne die Zahlen, Daten und Fakten der künftigen Last eine Stütze berechnen und zum Bau freigeben.

In der sogenannten (Personal-)Entwicklung und im unkontrollierten Leistungssport sind Belastungen ohne Stütze oft die Regel. Gegen jede Selbsteinschätzung und Vernunft werden Leistungen gefordert und Aufgaben übernommen, die statt Lust auszulösen, im überforderungsbedingten Frust enden. 20 bis 30 Prozent aller Berufstätigen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben am Burnout-Syndrom! Und angeblich laufen 70 Prozent der Marathonläufer am Rande der körperlichen Gefährdung!

Es gibt aber auch Ausnahmen!

Erst kürzlich sagte mir ein Bereichsleiter eines Konzerns, der vom Vorstand (wie so oft auch hier ohne vorherige Analyse) als Vorstandsaspirant gehandelt wurde: "Bevor ich nicht weiß, was auf mich zukommt und ob ich das kann, mache ich das nicht!"

Weniger Selbstverantwortung ist oft auf anderen Unternehmensebenen zu beobachten. Als Arbeiter zum Teamleiter, von da zum Abteilungsleiter und weiter zum Bereichsleiter befördert zu werden, mag dem eigenen Image (und dem Image der Familie) so sehr schmeicheln, dass angebotene Positionen ohne Überlegen angenommen werden. Die Falle ist dann zugeschnappt und die höhere Anforderung wird oft mit mehr Zeit und mehr Einsatz, statt mit mehr Wissen und Können beantwortet.

Wer unter Druck gerät, schüttet mehr Cortisol und Adrenalin aus. Dadurch wird Blutzucker freigesetzt und Eiweiß abgebaut, Dopamin flutet den Körper, das Herz pumpt, der Puls ist beschleunigt, die Atemfrequenz steigt, das Adrenalin jagt bis in die Fingerspitzen, der ganze Körper ist in Alarm, der Betroffene arbeitet unter "höchster Drehzahl!"

Wenn keine Begabungen heraus-gefordert werden können, entsteht zwangsläufig
Über-forderung. Werden erste Anzeichen der Überforderung registriert, gibt es zwei Möglichkeiten: Schnell (nach-)lernen was jetzt gebraucht wird oder zurück in die frühere Tätigkeit.

Ideal wäre es, wie bei fachlichen Berufen, vor der Ausübung einer Tätigkeit zu lernen, was später gefordert wird: Geselle und Meister zu sein! Was allerdings bei Handwerksberufen üblich und richtig ist, wird bei Berufen, bei denen die Beziehungsfähigkeit und die Sozialkompetenz gefordert sind, so konsequent fast nie und in systematisch ineinandergreifenden Seminaren nur selten praktiziert.

Was man nicht gelernt hat, kann man nicht können! Das weiß jeder begabte Maler, Sänger, Redner u. a. Anfangserfolge werden deshalb richtigerweise mit Studien und Lernen untermauert.

Nicht so bei Führungskräften und Verkäufern. Sie werden oft regelrecht verheizt oder verheizen sich in Unkenntnis ihrer Möglichkeiten selbst. Wer in den Rollen Führungskraft oder Verkäufer vorwiegend Verhaltensweisen zeigt, die ihn als Fachmann auszeichneten, ist nicht in die neue Rolle hineingewachsen. Er kann den "Summen der in diesen Positionen erwarteten Verhaltensweisen" nicht entsprechen.

Je länger das Missverhältnis von Erwartungen zum Können andauert, desto mehr baut sich Disstress auf. Abreagieren und erhöhen der körperlichen Fitness mögen einige Zeit helfen, wirkliche Lösungen sind es genau so wenig wie Ausgleichssport und das Befriedigen der weinenden Seele mit Konsum.

Hinter der nach außen aufrecht erhaltenen Stärke wachsen seelische Spannungen und psychosomatische Prozesse. Können diese nicht mehr verborgen werden, ist es wie bei einem Ball, der unter Wasser gedrückt wird: Sobald die Kraft nachlässt, flutscht der Ball hoch. Die Krise zeigt sich als oft letzte Chance zur Veränderung.

"Weiter so …" und "Man muss nur wollen …" helfen nicht. Ehrliche Selbstanalyse mit den Fragen‚ will ich was ich tue und tue ich was ich will, welche Möglichkeiten der Verwirklichung meiner Ideale bzw. meiner Begabungen habe ich u. a., müssen spätestens jetzt beantwortet werden. Idealerweise hilft dabei ein wirklicher Freund oder ein Coach.

Erst dann kann der Geforderte mit lächelnder Mine sagen: "Ja, ich kann mehr leisten" und "Sie dürfen gerne viel von mir erwarten!"

Zum Autor

Horst Rückle ist Berater und Mentor des blueprints Team. Aus seiner über 35-jährigen Erfahrung als Trainer, Coach und Unternehmer steuert er als blueprints Autor Inhalte und Artikel bei.

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