Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Dass ohne Regelungen das Chaos regiert, ist allgemein bekannt. Dass oft erst aus dem Chaos Regeln entstehen, Chaos sozusagen die Not-wendigkeit von Regeln bewusst macht, wird weniger beachtet. Wird Chaos nicht aktiv mit Regeln aufgelöst, entstehen Regeln. Ob diese sich daraus bildende Kultur dann zum Wunsch und Wollen der Verantwortlichen passt, ist fraglich.

Veränderungen von Kulturen können - im Gegensatz zu früher, wo Machthaber Regeln formulierten und durchsetzten - kaum noch ohne Beteiligung der Betroffenen geschehen. Hilfreich ist es, wenn von Anfang an aus Betroffenen Beteiligte werden können, dass z. B. in Unternehmen die Mitarbeiter über das künftige Was, Wie und mit Wem und damit über ihr (Arbeitnehmer-)Schicksal mitdiskutieren dürfen.

Die Frage die sich dabei stellt ist, ob Mitarbeiter auch mit bestimmen sollen und damit ob Leitbilder basisdemokratisch entwickelt werden können? Nein ist die klare Antwort. Kürzlich sagte mir eine niedergelassener Zahnarzt in einem Coaching: „Meine Mitarbeiterinnen haben vor Jahren, begleitet von einem Berater, Werte und ein Leitbild entwickelt, das ich damals annehmen „musste“. Inzwischen ist von diesen Mitarbeitern niemand mehr da und ich werde von meinen Patienten immer noch an diesen, von mir gar nicht gewollten, Werten gemessen.“

Wenn es so nicht sein soll, müssen die Verantwortlichen, die Inhaber, die Anteilseigner oder deren Vertreter die gewollten Werte suchen und definieren. Schließlich machen die Werte das Firmenzeichen zu einer wert-vollen Marke. Eine Aufgabe der Führungskräfte und Mitarbeiter ist es dann, zu entscheiden, ob sie sich für diese Werte begeistern können und welche Anforderungen sich daraus ergeben.

Die letztgenannten Schritte werden nur selten konsequent beschritten. Häufig bekommt eine Agentur die Aufgabe ein Leitbild zu formulieren. Ein wertvoll aufgemachtes Dokument wird dann verabschiedet und verteilt. Werden Mitarbeiter darauf angesprochen, antworten sie oft mit „das ist nur so niedergeschrieben“ oder „unsere Chefs halten sich selber nicht daran“.

So sagte mir kürzlich ein Mitarbeiter eines Unternehmens, das sich für „kundenorientiert“ hält: „Das dürfen Sie nicht wörtlich nehmen.“ Dem Unternehmen schien nicht bewusst zu sein, dass „Orientierung“ als „eindeutige Ausrichtung“ definiert ist.

Dass viele Leitbilder nicht ernst genommen werden, die Vertragsdauer der Verantwortlichen oft nicht überdauern, liegt zum großen Teil daran, dass die Auswirkungen der Werte auf die Ebenen der Unternehmenswirklichkeit nicht erarbeitet wurden.

Unternehmen müssen sich fragen: Was bedeuten diese Werte – was fordern diese Werte von z. B. dem Verhalten des Management, dem Verhalten der Mitarbeiter untereinander, dem Verhalten der Mitarbeiter gegenüber Kunden, der Gestaltung der Räume usw. und wie stehen die Werte in der Priorisierung von Ertragszielen und Zielgruppenerwartungen.

Werte führen zu Anforderungen und Beobachtungskriterien – sie beschreiben wie die Anforderungen zu erfüllen sind. Für nicht erfüllte Kriterien müssen Maßnahmen entwickelt und deren Realisierung nach einem vereinbarten Zeitraum kontrolliert werden.

Mit dieser Vorgehensweise lassen sich in ganz kurzer Zeit Mitarbeiterbeurteilungssysteme, Kriterienkataloge für Auswahlverfahren, Regelungen für den Umgang miteinander und mit Außenstehenden, eine lebbare CI, ein wirksames CD usw. erarbeiten.

Dies so sich dann ergebende Durchgängigkeit ist es, die uns Wohlgefühl vermittelt. Oder würden Sie sich wohlfühlen bei einem „Italiener“, dessen Bedienung im Dirndl auftritt, Marschmusik aus den Lautsprechern schallt und Wiener Schnitzel angeboten wird?

Falls dies zu einfach ist: Wertvollen Schmuck würde kaum jemand in Zeitungspapier verpackt verschenken!

Dass im Leitbild oder dessen vertiefender Erläuterung auch Sanktionen genannt sind versteht sich von selbst.

So hilft ein Leitbild, dessen Werte auf allen Ebenen und in allen Bereichen mit Leben erfüllt werden, zur Gestaltung der gewollten Kultur. Daraus werden berechtige Kritik und Anerkennung möglich. Aus „Führen nach Gutsherrenart“, das leider immer noch häufig ist, kann sich dann zielorientierter, wertebestimmter und zielgruppenbezogener Umgang mit mündigen, motivierten Mitarbeitern entwickeln.

Zum Autor

Horst Rückle ist Berater und Mentor des blueprints Team. Aus seiner über 35-jährigen Erfahrung als Trainer, Coach und Unternehmer steuert er als blueprints Autor Inhalte und Artikel bei.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Über den Autor


{introtext} {readmore:Mehr zu Horst Rückle}

Teilen macht Freude:

Wenn Sie nach oben scrollen, finden Sie jeweils den Text markiert, der gerade vorgelesen wird.

Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Auch interessant

Das war ein Beitrag aus der

GUTEN-MORGEN-GAZETTE

Lesefreude und spannendes Wissen seit über 15 Jahren

Aktuelle Inhalte der Gazette vom 21.04.2019

  • Schöne Ostern
  • Gut schlafen - Die 13 Geheimnisse des Kraftspenders Schlaf
  • Zitat der Woche
  • Wort der Woche
  • Ora et labora von Lafontaine
  • Bierbrauerei und Hausfrauen
  • Wo trifft man einen Grubenhund an?
  • Suchen Sie Synonyme für das Wort "Glück"
  • Beliebtester Beitrag der Vorwoche

 

Möchten Sie die Gazette jeden Sonntag früh kostenlos erhalten? 

Wenn Sie unseren Newsletter abonnieren, speichern wir Ihre E-Mail-Adresse und senden Ihnen diesen regelmäßig zu. Beim Öffnen der E-Mail und Anklicken der Links erfolgen statistische Erhebungen. Details dazu finden Sie im Punkt "Newsletter" unserer Datenschutzerklärung. Mit dem Abonnieren erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

Die Abmeldung ist jederzeit möglich, z.B. mit einem Link unten in jedem Newsletter.

jeden Sonntag / kostenfrei / unabhängig

Anregungen durch Sinngeschichten, Fabeln, Artikel ...

Wissen und Wortschatz mit Freude vergrößern

Lesespaß und Humor von Schriftstellern, Philosophen und anderen großen Denkern