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Unter Mut wird allgemein das "Überwinden von Hemmnissen unter Kenntnis der Risiken und deren Inkaufnahme" verstanden.

Je weniger vorausschaubar ist, was sich in Zukunft ereignet, desto mehr Mut brauchen Entscheider. Sie müssen oft trotz dichtem Nebel mehr Gas geben.

Oft scheint es so, als seien junge Menschen mutiger. Meist aber sind sie eher unwissend oder leichtsinnig. Das gilt auch für Optimisten. Eine optimistische Einstellung ist größtenteils erblich bedingt. Sie ist Teil einer gemeinsamen Disposition zum Wohlbefinden, die auch die Tendenz umfassen mag, bei allem die positive Seite zu sehen. Deshalb sehen die meisten die Welt positiver als sie ist und sich selbst in einem positiveren Bild als angemessen wäre.

Dass dies eine optimistische Selbstüberschätzung begünstigt ist nachvollziehbar. Es erschwert auch, die oft vielfältigen Risiken richtig einzuschätzen, so dass riskante Aktivitäten  gewagt werden. Man könnte sagen: Junge Menschen und Optimisten sind nicht wirklich mutig, sondern eher unwissend. Beide müssen dann oft aus leidvollen Erfahrungen lernen. Diese lassen aus  leichtfertigem Mutigsein, das voraussetzt, dass stets alles gut geht, Vorsicht entstehen. Vorsichtige wissen eher, worauf sie sich einlassen. Doch in Optimismus begründeter Mut wird hoch geschätzt. Menschen und Firmen belohnen diejenigen stärker, die gefährlich irreführende Information bereitstellen, als diejenigen, die die Wahrheit sagen.

"Es ist ja gut gegangen" darf nicht zum Beweis für die Richtigkeit der Handlung werden. Solche Äußerungen lassen eher die Einsicht in die mangelnde Vorsicht erkennen. Reifen solche Einsichten, geht "der Krug nicht so lange zum Brunnen, bis er bricht".

Bei Pessimisten ist die Vorsicht in Richtung Befürchtung überdehnt. Sie tun lieber nichts als etwas möglicherweise Falsches. Mutige wägen ab, bevor sie Risiken eingehen und wagen nur das, was sie bei Kenntnis der möglichen Fakten und Folgen verantworten können. Ein Beispiel aus einem Managementtraining in Australien wird hier hilfreich. Die Teilnehmer hatten die Chance an einem Bungeespringen teilzunehmen. Die meisten sprangen. Nur wenige machten sich Gedanken über die Wahrscheinlichkeit möglicher Risiken. Diese und andere Aktivitäten wurden im Seminar aufgearbeitet. Als ich fragte, wer die "Mutigen" waren, meldeten sich fast 80 % der Teilnehmer. Später hatten wir Gelegenheit den Regenwald zu erkunden. Unser Guide erzählte uns, dass die Aborigines bestimmten Ameisen deren gelben Hinterleib abbeißen, weil dieser sehr viel Vitamin C enthalte. Wer es probieren wolle, dürfe gerne den gelben Hinterleib einer etwa 10 mm langen Ameisen genießen. Dazu trauten sich nur wenige. Nur etwa 20 % der Teilnehmer wollten wissen, wie so ein Ameisenhinterleib schmeckt.

Ist es nun mutiger, an einem Bungeeseil von einem 40 m hohen, mehr oder weniger vertrauenswürdigen Gerüst zu springen oder einer Ameise den Hinterleib abzubeißen? Beides braucht Selbstüberwindung. Bungeespringen möglicherweise weniger, weil positive Erfahrungen aus dem Springen von Sprungtürmen in Freibädern leichtsinnigerweise übertragen werden.

Eines der hilfreichen Ergebnisse der Diskussion war, dass es wichtig ist, aus früheren Erfahrungen Wissen zu "destillieren" und/oder auf die aus der Vielzahl der nicht bewussten Wissensinhalte resultierende Intuition, das "Bauchgefühl", zu "hören". Nur dann kann man im Bewusstsein der Risiken mutig sein. Wer aus Angst, der Bedrohung durch den möglichen Konflikt, nicht entscheidet, sich immer mehr vor Entscheidungen drückt, verkümmert. Für ihn wird entschieden. Fremdbestimmt verläuft dann sein Leben nach den Regeln anderer.

Dies und die daraus erlebten Niederlagen, die das Selbstwertgefühl immer mehr schwächen, können Depressionen auslösen und verstärken.

Mut kann man lernen! Erlernte Hilflosigkeit lässt sich überwinden! Wichtig ist, in kleinen Schritten Erfolgserlebnisse zu sammeln. Wurde jemand als Kind immer wieder gesagt, "das kannst du nicht" oder wurde es zum Beispiel beim Balancieren auf einer Mauer mit dem aus mangelndem Zutrauen begründeten Erschrecken der Eltern konfrontiert, entstand als Folge mangelndes  Selbstvertrauen. Genau umgekehrt verläuft der Weg zu neuem Zutrauen und Selbstwertgefühl: Man sucht und findet zunächst kleine und dann immer größere Herausforderungen, besteht diese und beweist sich, dass man etwas kann.

Manchen hilft es schon, wenn sie ihre Körperhaltung verändern. Mutlose gehen und stehen eher gebeugt mit eingefallenen Schultern und gesenktem Kopf. Der Rat "Kopf hoch" und "aufrecht" kann erste Veränderungen bewirken. Körperhaltung ist Geisteshaltung und umgekehrt!

Sich für erste Erfolge zu belohnen, vergrößert den Mut. Es hilft, wenn das, vielleicht zunächst nur kleine Erfolgserlebnis, genossen wird. Das macht es auch leichter, Misserfolge zu akzeptieren, sie zu analysieren und daraus zu lernen. Sollte Sie jemand loben, fragen Sie was genau er positiv wahrgenommen hat. So wird Lob, das der Definition entsprechend ohne Begründung bewertet, zur Anerkennung indem die Beobachtungen mitgeliefert werden. Nur wer exakte Informationen bekommt, weiß was gemeint ist, kann üben und aus positiven Ergebnissen lernen.

Tadel würde Sie schwächen. Er ist die "unbegründete Negativaussage". Wer auch hier nach den Beobachtungskriterien fragt, erhält Kritik. Dieses, aus dem griechischen "krinein" stammende Wort, sagt, "den Unterschied zeigen". Erst wenn der Empfänger weiß, ob der Feedbackgeber den Unterschied zwischen seiner Erwartung und dem von ihm angenommenen Idealzustand, oder den Unterschied zwischen dem vom Empfänger Gewollten und seiner Idealvorstellung sagt, kann er entscheiden, ob er die Anregung annehmen will. "Mir gefällt nicht …" reicht nicht. Niemand ist auf der Welt, um so zu sein, wie andere ihn wollen.

Zum Mut gehört auch die Antwort auf die Frage: "Will ich das oder wollen das andere von mir?" So kann ein "ich will es" oder "ich will es nicht" entstehen. Wer dann, in Kenntnis der Risiken, etwas anderes will als von ihm gefordert wird, braucht manchmal mehr als Mut: Tapferkeit, die Unerschrockenheit und Stärke im Bestehen von Gefahren oder bei der Überwindung von Angst oder Furcht.

Ob die Handlung dann als Mut, Tapferkeit oder Zivilcourage bewertet wird, ist zweitrangig. Die Definition resultiert aus der Art der zu bestehenden Gefahr. Sie unterscheidet den Mut und die Tapferkeit, wobei das Leben oder ernste Verletzungen riskiert werden, von der Zivilcourage, die im Dienst sozialer Ordnungsideale eigene wirtschaftliche oder gesellschaftliche Nachteile riskiert.

Niemand muss es so weit kommen lassen, dass er erst aus Not, im Sinne von
Not-wendigkeit, mit dem "Mut der Verzweiflung" handeln muss. Alles zu wagen, bis zur Selbstaufopferung, Helden- oder Todesmut sind oft nur die letzten Schritte lang andauernder Hilflosigkeit. Die ersten Schritte und den folgenden Weg mit Vorsicht und Achtsamkeit zu gehen, kann den Mut beweisen, der sich noch hinter der Summe der Erfahrungen, der Wertschätzung der Mitmenschen und dem wachsenden Selbstvertrauen verbirgt.

Zum Autor

Horst Rückle ist Berater und Mentor des blueprints Team. Aus seiner über 35-jährigen Erfahrung als Trainer, Coach und Unternehmer steuert er als blueprints Autor Inhalte und Artikel bei.

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