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Kaum auf der Welt, wird diese, liegend und später sitzend, mit den Augen, den Ohren, der Nase, dem Mund den zwei Händen und zwei Füßen erkundet. Es ist beeindruckend, mit welcher Intensität ein Säugling, weitgehend vorurteilsfrei, Informationen sucht und aufnimmt. Für das Leben lernen - alles steht unter diesem Motto. Lernen, was wie wirkt. Was erfahren wird, beeinflusst die späteren Wahrnehmungen. Viele Umweltreize dienen dem, was wir gemeinhin "Erziehung" nennen, was das Kind irgendwo hinziehen soll, wo man es gerne hätte (um selbst keine Probleme zu haben). So bilden sich seine (Überlebens-)Programme.

Irgendwann ab dem achten Monat kann das Kleinkind aufstehen, ab dem zwölften Monat gehen. Das Kind merkt schnell, dass es nicht möglich ist mit beiden Beinen gleichzeitig zu gehen. Es merkt, dass ein Standbein notwendig ist, wenn man mit einem Spielbein tasten - und das Suchen mit den Händen ergänzen will. Schon früh lernt das Kind, dass es beim Greifen nach Neuem auf die Nase fällt, wenn dies nicht aus einem festen Halt geschieht. So vergrößert das Kind - eingebremst durch Gebote und Verbote - seine Welt. Es lernt sich zu ekeln und zu genießen, zu funktionieren und wird, wenn es sich nur noch traut das zu tun was es darf, zum braven Kind.

Kaum vom Stehen gelöst und Gehen gelernt, soll es wieder stehen - geistig - zu dem was es getan hat. Seine Ausweichmanöver, das Heranziehen von Erklärungen, so kreativ und interessant diese auch sein mögen, werden meist nicht toleriert. Dabei wäre es so wichtig, dass ein Kind das, was sich ereignet hat und zu dem es jetzt "stehen" soll, erklären darf, um aus dem Verstehen anderer Standpunkte neue Handlungsmöglichkeiten zu lernen.

Etwas er-fahren oder be-griffen zu haben, ist das Ergebnis von Bewegung, genauso wie wenn man etwas durch-geht und sich so ent-wickelt. Wer immer auf einem festen Standpunkte verharrt, kann das nicht. Oft wird dann Sturheit als Charakter geadelt. Zu viel Sturheit löst Schicksal aus, das zu Bewegung zwingt. "Mit beiden Beinen im Leben stehen" ist dann hilfreich, wenn ab und zu eines davon bewegt werden kann, um Alternativen zu erkunden.

Zu etwas stehen ist gut, treu zu sein ebenfalls, so lange die Beziehung stimmt und Geben und Nehmen ausgewogen sind. Dann ist es einfach zu etwas zu stehen und treu zu sein. Stimmt die Beziehung nicht mehr, muss neu entschieden werden. Beziehung braucht Zu-trauen. Kann dem/der Anderen zu-getraut werden, dass er/sie positiv zur Beziehung beiträgt? Gibt es dafür Hinweise? Ver-trauen fragt so nicht. Ver-trauen ist blind und bildet die Basis für Enttäuschungen, den zwangsläufigen Folgen von Täuschungen. Wer lernen will sagt nicht "der hat mich ent-täuscht", sondern "ich habe mich ge-täuscht", sucht die Ursachen welche die Täuschung ausgelöst haben und lernt. So werden Wahrnehmungs- und Beurteilungsfehler bewusst und künftig verhindert - eine wichtige Voraussetzung für das Erkunden neuer Möglichkeiten, damit das Spielbein nicht gleich wieder im Matsch versinkt.

Wer seine Stelle, seine Aufgaben, seine Tätigkeiten, seine Lebensumstände verändern will, braucht zunächst Klarheit über die Situation. Idealerweise sammelt er Zahlen, Daten und Fakten, die er in Bezug zu seinen Werten und Zielen positiv oder negativ bewertet. Je mehr die negativen Bewertungen überwiegen, desto dringender wird eine Veränderung. Gibt die Bewertung Anlass zum Nachdenken, empfiehlt es sich die Stabilität des Standbeins zu sichern und im übertragenen Sinne das Spielbein zu aktivieren. Das meint offen zu sein für Chancen, auf diese zuzugehen und sie zu ergreifen. Trifft dann das eigene Können auf eine Chance, kann der Suchende von Glück sprechen und sein Standbein nachziehen.

Weglaufen löst Probleme fast nie. Dabei gibt es weder Stand- noch Spielbein. Flucht ist ungeordnet, teilweise panisch. Sie dient dem Zurückweichen vor einem Feind, Angreifer, Gefahr oder einer Katastrophe und dem möglichst schnellen Erreichen eines sicheren Ortes. In nicht lebensbedrohenden Situationen empfiehlt es sich, aus der Situation so lange zu lernen, das Spielbein zu aktivieren und dann zu nutzen, wenn die Möglichkeit gegeben ist, die unangenehme Situation zu verlassen und eine neue, bessere zu erreichen.

Wer lernt, braucht sich nicht verbiegen zu lassen. Er verbiegt sich selbst! Das ist den lieben Mitmenschen meist unangenehm. Wer Standpunkte verlässt, um neue Wege kennenzulernen und neue Meinungen vertritt, wird oft als unzuverlässig erlebt. Wahrscheinlich wünschen viele Partner einander deshalb "bleib so wie Du bist". Sie könnten hinzufügen: dann brauche ich mich nicht zu verändern.

Es ist nicht leicht, Glaubenssätze, die einem seit frühester Kindheit beigebracht, manchmal sogar eingebläut wurden, zu verlassen. Wer loslässt verliert zunächst etwas Halt. Sei es, dass ihn seine Mitmenschen kritisch beobachten oder er selbst unsicher wird. Deshalb ist es wichtig, das "eine Bein" so zu stabilisieren, dass es hält.
Das geschieht indem der Suchende erklärt, weshalb er nach neuem Halt Ausschau hält, weshalb er nach Chancen greifen will, weshalb er versucht einen anderen/neuen Weg zu gehen. Als Ergebnis kann er fast immer auf Hilfe hoffen.

Schon im dann oft gehörten "vergiss nie, wo Du herkommst", ist die Erlaubnis, das Spielbein zu bewegen, enthalten. Wer so neue Schritte ausprobieren darf, kann loslassen ohne sich gleich wieder mit etwas oder jemanden einzulassen. Er braucht nicht zu befürchten, dass er fallen gelassen wird. Im Gegenteil, er erfährt Rat und Hilfe.

Wer wieder wie ein Kind neugierig, interessiert und offen wird, die vielen Chancen erkennt und bereit ist ihnen die Hand zu reichen, mag bedauern, nur zwei Beine und zwei Arme zu haben. Vielleicht finden wir Oktopusse auch deshalb so interessant, weil sie mit acht Armen, die unabhängig voneinander handeln, ihre Welt erkunden können. Kein Wunder, dass diese intelligenten Meeresbewohner deshalb schon 550 Millionen Jahre überlebt haben.

Wer sich aber traut, nicht mehr mit beiden Beinen, steif im Leben oder zu etwas zu stehen was ihm nichts mehr gibt, wer loslassen und offen sein kann, findet auch mit einem Spielbein und zwei Armen Chancen und Lösungen für Situationen, bevor Probleme und Konflikte entstehen.

Zum Autor

Horst Rückle ist Berater und Mentor des blueprints Team. Aus seiner über 35-jährigen Erfahrung als Trainer, Coach und Unternehmer steuert er als blueprints Autor Inhalte und Artikel bei.

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