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Kurz geantwortet: so viel wie sie schaden. Sie helfen, wenn sie mit den Strukturen der Persönlichkeit übereinstimmen und zur Entwicklung bewusst gewordener Potentiale beitragen. Sie schaden dann, wenn sie unkritisch ohne Abgleich übernommen werden. 

Dann wirken sie oft wie Betonplatten: sie unterdrücken alles, was sich darunter regen will.

Es ist, als ob ein Ball unter Wasser gehalten werden soll. Das braucht viel Kraft und sobald der Druck nachlässt, flutscht er nach oben. Lebendigkeit, der Wechsel von Polarität, wird damit regelrecht und mit viel Energie verhindert.

 

Während übernommene Dogmen fremdbestimmt sein lassen, können selbst entdeckte, erfahrene Glaubenssätze hilfreich sein. Sie stammen sozusagen aus "eigener Erfahrung". Diese Benennung bietet die Gelegenheit auch das Wort Erfahrung kritisch zu betrachten. Es benennt Geronnenes, Verankertes, Festgefahrenes, Festsitzendes. Da im Leben nie die gleichen Situationen zweimal oder mehrmals auftreten, hilft die einmal gemachte Erfahrung, ihrer statischen Eigenschaft wegen, nur wenig. Was hilft, ist das aus dem Erfahrenen generierte Wissen um das in der Situation Wahrgenommene, das Verarbeitete und die daraus abgeleiteten Folgerungen. So kann eine neue Situation mit dem Wissen aus früheren Situationen verglichen und geprüft werden, welche Handlungen jetzt erfolgreich wären.

Schicksal, das - "Heil, das geschickt wird" bzw. vom ohne Expertenhilfe nicht bewusstseinsfähigen Teil des Bewusstseins - herbeigeführt wird, soll und kann solche Ent-wicklungsprozesse auslösen. Werden diese verhindert oder mit "Betondecken-Glaubenssätzen" zugedeckt, erzwingt das Leben neue Lernsituationen: so lange, bis der Sinn begriffen und Lernen als "Verzicht auf Bisherigkeit" genutzt wird. Leben wird so zu einem finalen Prozess der Selbstfindung.

Wenn wir die Summe der Glaubenssätze als Charakter benennen, erschrecken wir wahrscheinlich über dessen Definition als "das von außen Aufgedrückte, Eingefurchte". Die Identifikation mit fremdbestimmten Glaubenssätzen führt dann oft zu der Ausrede "so bin ich eben". Die Resignation, die aus solchen Äußerungen spricht, fordert Schicksal geradezu heraus, getreu der Formel: Charakter plus Zeit ist Schicksal!

Wer aber Glaubenssätze überprüft, fremdbestimmte "über Bord" wirft, sich selbst sucht und findet, kann in diesem Prozess zunächst als unzuverlässig erlebt werden. In der Pubertät und der späteren Midlife-Crisis sind solche Prozesse systemimmanent und die frühe und oft letzte Chance "sich selbst" zu werden. Schon Erich Kästner sagte: "Man kann sich auf einen Standpunkt stellen, aber man sollte sich nicht darauf setzen."

Wer Glaubenssätze überwindet, könnte mit Michelangelo, als er gefragt wurde wie er seine wunderschönen Skulpturen erschaffe, antworten: "Ich schlage nur weg, was nicht dazu gehört".

 

Zu prüfende Glaubenssätze ... ... und deren mögliche Folgen:
Vergiss nie wo du herkommst ...

... dann brauchst du dich weniger damit zu beschäftigen wo du hin willst.

Schuster, bleib' bei Deinen Leisten ...

... dann brauchst du keine Chancen zu nutzen.

Bleib so, wie du bist ...

... das erspart dir das Entwickeln Deiner Potentiale.

Man muss nur wollen ...

... dann wirst du ohne zu trainieren Olympiasieger

Ohne Fleiß kein Preis ...

... wozu dann noch Intelligenz trainieren?

Denke positiv ...

... dann brauchst du aus dem Negativen nichts mehr zu lernen.

Entwickle eine Strategie und halte durch ...

... dann kannst du den Wandel vergessen.

Arbeite an Deinen Schwächen ...

... wer das tut, wird nur weniger schwach!

Lasse Dich davon leiten, was andere von Dir wollen ...

... dann brauchst du nie Verantwortung für dein Tun und Lassen zu übernehmen.

Delegiere Verantwortung ...

... und wer bezahlt?

Sei menschlich ...

... dann brauchst du deine Führungsrolle nicht wahrzunehmen.

 

Vielleicht sind einzelne Glaubenssätze schon so tief verankert, dass sie zu dogmatischen oder sektiererischen Handlungen zwingen. Dann ist professionelle Hilfe bei der Lösung, der Erlösung erforderlich.

Wer dauerhaft seinen Täuschungen unterliegt, kann oft nicht einmal mehr durch die sich einstellenden Enttäuschungen geweckt werden. Der Grund für die Enttäuschung wird dann bei anderen gesucht. Statt "ich habe mich getäuscht" und daraus zu lernen, entsteht dann die Ausrede "der/die hat mich enttäuscht". So wird die Ursache auf andere projiziert - oder, um es mit einer afrikanischen Weisheit auszudrücken: "Kennt man die Bäume nicht, behandelt man sie alle wie Feuerholz".

Zum Autor

Horst Rückle ist Berater und Mentor des blueprints Team. Aus seiner über 35-jährigen Erfahrung als Trainer, Coach und Unternehmer steuert er als blueprints Autor Inhalte und Artikel bei.

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