Wortschatz von A und O bis Buridans Esel

 

Jedes Wort repräsentiert eine gedankliche Vorstellung und ist somit ein Werkzeug zum Denken. Je mehr Worte wir kennen und anwenden, um so besser ist die Qualität unseres Denkens und unsere Fähigkeit uns mitzuteilen.

ImageZurück geht der Begriff "A und O" auf die Bibel, wo in der Offenbarung zu lesen ist: "Ich bin das A und O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte".

"A und O" sind der erste (Alpha) und der letzte Buchstabe (Omega) des griechischen Alphabetes. Wenn wir heute sagen etwas wäre das "A und O", dann sind wir der Meinung etwas wäre die Hauptsache bzw. das Wesentliche.


Der Ausdruck "ab ovo" ist eine Anspielung auf eines der beiden Eier von Leda und dem als Schwan verwandelten Zeus, aus dem Helena schlüpfte. Hätte Leda das Ei nicht gelegt, wäre Helena nicht geboren worden und Paris hätte sie nicht entführt - der Krieg um Troja wäre nicht ausgebrochen.

"Ab ovo" (wörtl.: vom Ei an) steht für "vom Beginn/Ursprung an" und stammt vom römischen Dichter Horaz (De arte poetica, veröffentlicht 14 v. Chr.). Er beschreibt dort den idealen epischen Dichter als jemanden, der den Krieg um Troja nicht mit dem Zwillingsei beginnt, sondern den Leser gleich mitten in das Geschehen führt.

"Ab ovo" gebrauchen wir zum Beispiel, wenn wir ausdrücken wollen, dass jemand sehr weit ausholt - also von fernen Beginn/Ursprung an (ähnlich: "bei Adam und Eva anfangen").


Der Bettler Lazarus wird nach seinem Tod von Engeln in den Schoß von Abraham getragen, dem ersten Stammvater Israels (Lukas 16, 22). "Abrahams Schoß", als Ort der Sicherheit, Geborgenheit und des Friedens, wurde im neuen Testament zu einer Metapher für das Paradies.

Noch heute sprechen wir von "Abrahams Schoß", wenn wir uns an einem Ort oder in einer Situation sicher und geborgen fühlen.

Jim lobt die neue Großraumlimousine seines Schwagers: "In deinem neuen Wagen fühle ich mich geborgen wie in Abrahams Schoß".


Nach der griechischen Sage tauchte die Meeresgöttin Thetis ihren Sohn Achilles, um ihn unverletzlich zu machen, in das Wasser des unterweltlichen Flusses Styx. Nur die Ferse, an der sie ihn hielt, blieb unbenetzt und daher verwundbar. Später wird Achilles durch Apollo (in der Gestalt des Paris) durch einen Pfeilschuss in ebendiese Ferse getötet. Als >Archillesverse< bezeichnet man heute die schwache, verwundbare Stelle eines sonst tüchtigen Menschen bzw. den -wunden Punkt- einer Person.

Als "Adonis" bezeichnet wir heute einen schönen jungen Mann. In den Gedichten des griechischen Dichters Theokrit (um 305 - 250 v. Chr.) wird er als Liebling der Göttin Venus geschildert.

"Adonis" ist demnach blühend, rosig, achtzehn- bis neunzehnjährig und so flaumbärtig, dass sein Kuss nicht sticht.


Seinen Ursprung hat diese Wendung im Verfahren der Selig- und Heiligsprechungen in der katholischen Kirche.

Bei den sorgfältigen und langwierigen Verhandlungen werden die Verdienste des Verstorbenen geprüft und festgestellt, ob sich seine Verehrung nach seinem Tode lange genug erhalten hatte.

Wenn wir heute sagen, dass jemand den "Advocatus diaboli" spielt, dann bringt dieser alles Belastende (wie der Teufel vor Gottes Thron) als Ankläger vor bzw. legt alles dar, was gegen eine Person oder Sache spricht.


(grch. Unmögliches) Ein "Adynaton" ist eine rhetorische Figur, bei der der Begriff des Unmöglichen umschrieben wird. Das, was als unmöglich betrachtet wird, wird in Bezug zu einer Unmöglichkeit in der natürlichen Ordnung oder in feststehenden Bräuchen gesetzt.

Das "Adynaton" dient der Steigerung, der Bekräftigung und der Nachdrücklichkeit, wie zum Beispiel: "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme." (Matthäus 19, 24).

(NL 07.09.2009)


(grch.) Der Gott Hephaistos schmiedete für den Göttervater Zeus den Schild "Aigis" (Ägis). In der Mitte dieses Schildes war das bedrohliche Haupt der Medusa mit ihren Schlangenhaaren zu sehen, was eine lähmende Wirkung auf die Gegner hatte.

Die übertragene Bedeutung unseres Wortes "Ägide" für "Schirm" bzw. "Schutz", finden wir noch heute in der bildsprachlichen Wendung "unter jemandes Ägide", d.h. unter der Leitung und Verantwortung von jemandem. 

(NL 04.03.2009)


(grch., >Spitze> und >Name<), Das 'Akronym' oder auch Initialwort ist eine Abkürzung, die aus den Anfangsbuchstaben oder -silben einer Wortgruppe gebildet wird und als eigenständiges Wort fungiert. Beispiele: NATO (= North Atlantic Treaty Organization), FBI (= Federal Bureau of Investigation)

(lat., alea iacta est, "Der Würfel ist geworfen worden"), Der Satz geht auf den griechischen Dichter Menander zurück. Angeblich sagte es auch Julius Caesar, als er im Januar 49 v. Chr. mit seinen Truppen den Rubikon überschritt. Caesar war bewusst, dass diese Überquerung einen schrecklichen Bürgerkrieg heraufbeschwor.

Die abgewandelte Formulierung "der Würfel ist gefallen" wird heute gebraucht, um auszudrücken, dass eine Entscheidung gefallen ist und es kein zurück mehr gibt.


Nach 3. Moses 25, 8 ff. wird alle 50 Jahre mit dem Schall der Posaune (hebräisch, >Jobel<) das heilige Jahr angekündigt. Heute noch sagen wir, dass ein Ereignis -alle Jubeljahre wieder- passiert, wenn uns der Zeitraum dazwischen sehr lang erscheint.

Weihrauch, Myrrhen, Kasia, Kinamomon, Ledanon oder Jasmin sind nur einige der Düfte aus Arabien, die in Europa schon lange Verwendung finden.

Zum geflügelten Wort wurde es durch den Ausspruch von Lady Macbeth in Shakespeares "Macbeth" (Act V, Scene 1). Aufgrund schrecklicher Mordtaten langsam dem Wahnsinn verfallend, glaubt sie, dass sie das Blut an ihren Händen nicht mehr abwaschen kann. Lady Macbeth bemerkt: "... All the perfumes of Arabia will not sweeten this little hand." Beziehungsweise "Alle Wohlgerüche Arabiens könnten diese kleine Hand nicht wohlriechend machen."

Heute wird dieser Ausspruch z. B. ironisch auf Personen angewandt, die sich für unseren Geschmack zu stark parfümiert haben.


Die Redewendung "Alles über einen Leisten schlagen" ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Sie bezieht sich auf die Arbeit eines schlechten Schusters, der nicht genau Maß nimmt, sondern seine Schuhe nach feststehenden hölzernen Modellformen, den sogenannten "Leisten" anfertigt.

Wenn wir heute sagen "Alles über einen Leisten schlagen", dann bringen wir zum Ausdruck, dass etwas ungerechtfertigt mit dem gleichen Maßstab gemessen wird bzw. keine Rücksicht auf wesentliche Unterschiede genommen wird.



Die Redewendung "Alles unter Dach und Fach bringen" bedeutet, dass wir etwas erfolgreich abgeschlossen haben.

Die Redewendung leitet sich von der Tatsache ab, dass früher ein Hausbau als fertig betrachtet wurde, wenn Dach und Fachwerk abgeschlossen waren.

(NL 14.09.2009)


(lat. "nährende Mutter") Als "Alma Mater" bezeichnet man heute scherzhaft eine Universität oder Hochschule.

Wenn jemand für etwas beschuldigt bzw. bestraft wird, das er nicht oder nur mit zu verantworten hat, dann muss er "als Prügelknabe herhalten".

Diese Redewendung kommt aus der Zeit, als an jungen Edelleuten die übliche Prügelstrafe nicht vollzogen werden durfte. An ihrer Stelle mussten arme Kinder, die für diesen Zweck "gehalten" wurden, die Schläge auf sich nehmen. Der Schuldige musste als Strafe bei der Prozedur zusehen, die von Rechts wegen eigentlich ihm galt. 


"Methusalem" bezeichnet im Alten Testament den "Urvater". Er soll laut dem Buch Moses 969 Jahre (eigentlich ca. 78 Jahre) alt geworden sein. Der Begriff wurde durch George Bernard Shaws Werk "Back to Methusalah" im internationalen Sprachgebrauch wieder geläufiger.

Heute bezeichnet man auch scherzhaft Personen als "Methusalem", die ein hohes Alter erreichen. Man sagt auch: "Er ist alt wie Methusalem!"


(lat. "das andere Ich") Mit "alter Ego" bezeichnen wir "das andere zweite Ich".

Oftmals sagt man "Das ist mein anderes ich", wenn Freunde einen völlig neuen und widersprüchlichen Wesenszug an jemandem bemerken.


Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden bewährte und erfahrene alte schwedische Soldaten für das preußische Heer als Ausbilder angeworben. Sie verstanden sich besonders gut auf den Drill der Soldaten und wurden kurzweg nur "die alten Schweden" genannt.

"Alter Schwede" wird heute für einen Schlaumeier bzw. einen gerissenen Menschen verwendet oder auch als eine scherzhafte Anrede für einen Menschen, den wir mögen. "Na du alter Schwede, dass hast du ja mal wieder schlau gelöst!"

(NL 06 2006)

Eine -Amazone- ist nach einem griechischen Mythos ein Mitglied eines kriegerischen und männerfeindlichen Frauenvolkes in Asien. Nur einmal im Jahr hatten die Amazonen Umgang mit Männern benachbarter Stämme zur Erhaltung ihres Geschlechts. Anschließend wurden nur die Mädchen aufgezogen. Heute bezeichnet man mit -Amazone- auch eine Reiterin, eine männlich wirkende, kämpferische Frau oder eine knabenhaft schlanke Frau.
(lat. Liebe zum Schicksal) Geprägt wurde der Begriff "amor fati" von F. W. Nietzsche und bedeutet "die Bejahung des notwendigen Geschicks als Zeichen für menschliche Größe".

(grch., "in eine andere Zeit verlegen"), "Anachronismen" sind Sachen, Gegenstände, Ereignisse, Bräuche, Personen oder Denkmuster, die außerhalb ihrer natürlichen zeitlichen Ordnung stehen.

Bei William Shakespeare wird z.B. in 'Antony and Cleopatra' das Billardspiel erwähnt, das es zur damaligen Zeit noch gar nicht gab.

Heute werden "Anachronismen" häufig absichtlich eingesetzt, um komische oder satirische Effekte zu erzielen.

(NL 08.10.2007) 


(grch.), Ein 'Anagramm' ist >Umstellung der Buchstaben eines Wortes bzw. eines Satzes<. Wenn man aus allen Buchstaben eines Wortes oder Satzes ein neues Wort oder einen neuen Satz bilden kann, dann bezeichnet man das als ein 'Anagramm'. Beispiel: Lampe ist ein Anagramm zu Ampel und Palme.

(grch. das Emportragen) Eine "Anapher" ist eine eindrucksteigernde Wiederholung.

"Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll ..." ist ein Beispiel für eine Anapher.


Image(grch. an-ekdoton, "nicht herausgegeben") Eine "Anekdote" ist ein mündlich überlieferter und verkürzter Bericht über die Aussprüche oder das Verhalten einer bekannten Persönlichkeit.

Eine "Anekdote" zeichnet sich durch eine prägnante Knappheit aus, mit der Ereignisse pointiert dargestellt und Zusammenhänge blitzartig erleuchtet werden.

Beispiel: Der junge Theodor Fontane hatte sich ein möbliertes Zimmer gemietet. Am ersten Morgen nach dem Frühstück sagte er zu seiner Wirtin: "Wenn das heute früh Kaffee war, dann möchte ich von morgen ab Tee. Wenn es aber Tee war, dann bitte von jetzt ab Kaffee."

(NL 08.02.2010)


(lat. "vor den Toren") Wenn jemand "ante portas" ist, bedeutet das, er ist "im Kommen" bzw. "im Anmarsch".

(griech. Umnennung) Die "Antonomasie" ist eine Umschreibung des Eigennamens einer Person durch Nennung einer ihrer Eigenarten oder Charakteristika, zum Beispiel:

  • der Galiläer für Jesus
  • der Beherrscher des Meeres für Neptun
  • der Sonnenkönig für Ludwig XIV
  • Rächer der Gerechten für Robin Hood

Des Weiteren handelt es sich um eine "Anatomasie", wenn eine Person zum Beispiel als "kleiner Goethe" oder als "kleiner Beethoven" bezeichnet wird. Der Zweck ist die sprachliche Variation bzw. die ergänzende Charakterisierung einer Person.


(grch., >Bestimmung<, >Definition<), Der 'Aphorismus' ist eine kurze Äußerung in Prosa, die einen Gedanken, einen Einfall oder eine Erkenntnis oder eine Ansicht auf geistreiche und pointierte Art in geschliffener Formulierung darlegt. Im Aphorismus findet sich meist viel Gedanke auf wenig Raum. Friedrich Nietzsche definierte den Aphorismus als 'Gedanken von der Art, welche Gedanken macht'.
'Aphrodisiaka' (das Aphrodisiakum) sind Stoffe, die den Geschlechtstrieb verstärken sollen. Tatsächlich ist eine solche Wirkung nur für wenige Stoffe gegeben, z.B. Opiumderivate (getrockneter Milchsaft der Samenkapsel des Schlafmohns). In den meisten Fällen handelt es sich um Aberglauben, wie beim Kakao, der Kartoffel, frischen Pilzen, Trüffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Avocados, Sellerie oder Mandeln.

(grch. unwiderleglich, notwendig) Wenn jemand durch die Art und Weise, wie er etwas kommuniziert, jeden Widerspruch von vornherein ausschließt, dann ist er "apodiktisch".

(NL 20.06.2010)


(grch.), Die 'Apstrophe' ist ein Begriff aus der Rhetorik. Es bezeichnet die Hinwendung des Redners zu anderen als den bisher angeredeten. (z.B. den Richter, Ankläger, leblose Dinge)
(lat., >innere Strebungen<), Als 'Appetenz' bezeichnet man besonders primäre Antriebe, die auf das Erreichen von Zielen gerichtet sind.
(grch., >Urbild<), 1. Geistigen Urbilder und Ideen (Philon u. Plotin), 2. In der analytischen Psychologie von C. G. Jung die im kollektiven Unterbewusstsein enthaltenen und vererbten Urbilder von menschlichen Vorstellungsmustern (z.B.: den Helden, die große Mutter, et cetera).
Der Ausdruck 'Argusaugen' geht zurück auf den vieläugigen Riesen 'Argus' aus der griechischen Mythologie. Dieser hundertäugige Riese war zum Wächter der Io (Geliebte des Zeus) bestimmt worden. So sind die 'Argusaugen' ein Ausdruck für >scharf beobachtende Augen< geworden.

(griech. Sage, Ovid) Der athenische Held Theseus erschlug den Minotaurus, ein Ungeheuer mit menschlichem Körper und Stierkopf, im Labyrinth zu Knossos. Mit Hilfe eines Fadens, den er von einem Knäuel abgewickelt hatte, fand er anschließend wieder in die Freiheit.

Das Knäuel hatte Theseus von der schönen Ariadne bekommen. Auf diesen "Ariadnefaden" geht übrigens unser Wort "Leitfaden" zurück.


(hebr.), Nach der Offenbarung 16, 16 ist 'Armageddon' der mythische Ort, an dem dämonische Geister die 'Könige der gesamten Erde' für eine großen Krieg versammeln.

(grch. Übung) "Askese" bezeichnete ursprünglich die Zucht, das Training und die Enthaltsamkeit des Athleten.

Heute wird im Allgemeinen die Enthaltsamkeit im ethischen Sinne darunter verstanden. "Asketische Übungen" sollen dazu dienen den Zustand des klaren Gleichmuts zu erlangen.


(grch., 'Asklepios'), 'Äskulap' war der griechische Gott der Heilkunde. Auf Bildern erscheint Äskulap meist als bärtiger Mann mit einem von einer Schlange umringelten Stab (Äskulapstab). Um 2100 v.Chr. wurde der Äskulapstab von den Sumerern als Zeichen der Ärzte eingeführt und gilt heute noch als Abzeichen des ärztlichen Standes.
(grch.), 'Astrologie' bedeutet ist die >Sterndeutung<, in der man versucht das Wesen und Schicksal der Menschen aus Gestirnstellungen zu deuten. Astronomie (grch., >Sternkunde,Himmelskunde<) hingegen ist die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung des Weltalls beschäftigt.
Attribution ist ein Begriff aus der Sozialpsychologie. Um das eigene Verhalten und das von Mitmenschen zu verstehen, vorherzusagen und kontrollieren zu können, verwenden wir unterschiedliche Erklärungsmuster bzw. kognitive Schemata. Die Attribution ist ein Denkvorgang, um den Ursachen von beobachtbaren Ereignissen auf den Grund zu gehen, und sie in die eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten einzuordnen. Hierzu zählt z.B., einem Menschen bestimmte Motive für sein Verhalten zuzuschreiben.

Der Schießhund ist ein Begriff aus der Jägersprache. Er hat die Aufgabe, angeschossenes Wild aufzuspüren: Deswegen muss er genau aufpassen bzw. extrem aufmerksam sein.

Wenn wir heute die Redewendung "Aufpassen wie ein Schießhund" nutzen, dann meinen wir, dass etwas besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Wir müssen aufpassen bzw. sollten genau hinschauen, hören etc. 

Jim: "Du willst morgen einen Gebrauchtwagen kaufen."
John: "Ja, ich fahr zum Automarkt."
Jim: "Dann viel Glück. Da musst Du aber aufpassen wie ein Schießhund."


>Auguren< bildeten das altrömische Priesterkollegium, dessen Aufgabe es war, durch Deutung bestimmter Himmelserscheinungen (z.B. Vogelflug, Blitze) den Willen der Götter zu erkunden. Vor allem bei politischen und vor wichtigen privaten Entscheidungen wurden die >Auguren< befragt. Als >Augurenlächeln< bezeichnet man heute das Lächeln bzw. den Blick der Eingeweihten über die Leichtgläubigkeit der Menge. Beispiel: -Gerade deshalb aber haben sie ein besonders scharfes Auge dafür, wenn Journalisten und Politiker ein Augurenlächeln tauschen. Im Zusammenhang mit der Spendenaffäre gibt es wenig Anlass zur Genugtuung über die angeblich funktionierende Pressefreiheit.- (Auszug aus dem Artikel -Medien und Macht-, DeutschlandRadio Berlin)

"Auguren" bildeten das altrömische Priesterkollegium, dessen Aufgabe es war, durch Deutung bestimmter Himmelserscheinungen (z. B. Vogelflug, Blitze) den Willen der Götter zu erkunden. Vor allem bei politischen und vor wichtigen privaten Entscheidungen wurden die "Auguren" befragt.

Als "Augurenlächeln" bezeichnet man heute das Lächeln bzw. den Blick der Eingeweihten über die Leichtgläubigkeit der Menge.

Beispiel: "Gerade deshalb aber haben sie ein besonders scharfes Auge dafür, wenn Journalisten und Politiker ein Augurenlächeln tauschen. Im Zusammenhang mit der Spendenaffäre gibt es wenig Anlass zur Genugtuung über die angeblich funktionierende Pressefreiheit" (Auszug aus dem Artikel "Medien und Macht", DeutschlandRadio Berlin).


Der Ausdruck stammt ursprünglich aus dem Skatspiel wo ›Schneider werden‹ bedeutet, dass man weniger als 30 Punkte (Augen) hat. Wer beim Skat >aus dem Schneider ist‹ hat eine Punktezahl von mehr als 30. Früher war es auch eine sehr ungalante Redewendung für eine Dame, die über 30 Jahre alt ist, und so in der Meinung der Gesellschaft kaum noch für eine Heirat in Frage kam. Heute gebraucht man diese Redewendung, wenn jemand sich einer Verantwortung entziehen konnte bzw. eine schwierige Situation gemeistert hat. Er ist >aus dem Schneider<, weil er nichts mehr damit zu tun hat. Für ihn ist das Kapitel abgeschlossen.

Der Ausdruck bezieht sich auf das Französische "la main" (die Hand). Bekannt wurde er im und nach dem 1. Weltkrieg, als viele solche fremdsprachlichen Wendungen in die Umgangssprache gelangten und mit deutschen Wörtern versetzt wurden. Die phonetische Schreibweise ist typisch für das Zustandekommen derartiger Sprachanleihen.

Wenn jemand etwas ohne Anstrengung und ohne langes Nachdenken tut oder sagt, bzw. "etwas aus dem Ärmel schüttelt", dann tut er es "aus dem Lameng".


Die Redensart stammt von der plötzlichen wunderbaren Bekehrung des Saulus auf seiner Reise nach Damaskus (Apostelgeschichte Kapitel 9). Saulus war einer der heftigsten Christenverfolger in Palästina gewesen. Der bekehrte Paulus hingegen hat den Glauben an Christus wie kein anderer Apostel bekannt. >Aus einem Saulus ein Paulus werden< verwenden wir heute, wenn jemand seine Meinung völlig ändert bzw. aus dem Bekämpfer einer Ansicht zu ihrem Verteidiger wird. Daher auch die Redewendung -Seinen Tag von Damaskus erleben-, wenn jemand ein anderer Mensch wird.
'Autogenes Training' ist ein von H. J. Schulz entwickeltes psychotherapeutisches Verfahren der konzentrativen Selbstentspannung. Durch stufenweise erlernbare autosuggestive Übungen erreicht der Trainierende die Beeinflussung von Muskelspannung, Puls, Atmung und eine allgemeine affektive und psychische Entspannung. Hierauf soll durch Selbstanalyse, innere Besinnung und Selbstfindung eine tiefere Beeinflussung der Persönlichkeit möglich werden.
(engl., bretonisch, Apfelinsel), >Avalon< ist das keltische Elysium (Land der Seligen), wohin Artus nach seiner Verwundung lebend entrückt worden sein soll und sein Schwert Excalibur erhielt. In >Avalon< sollen wunderbare Apfelbäume wachsen und als Herrscherin stellt die keltische Legende sich die Fee Morgana vor.
(Sanskrit, 'Avatara', >Herabstieg<), Als 'Avatare' werden im Hinduismus die verschiedenen menschlichen und tierischen Verkörperungen des Gottes Wischnu bezeichnet. In jeder Weltperiode inkarniert Wischnu, um die Guten zu retten und die Bösen zu bestrafen und so die göttliche Ordnung wiederherzustellen. Heute bezeichnet man als 'Avatare' auch virtuelle Personen, die nicht nur als Figur, sondern auch aus Persönlichkeit bestehen. Bekanntes Beispiel eines Avatars ist Lara Croft aus dem Computerspiel Tomb Raider.

Zurück geht diese Redewendung auf die Geschichte vom babylonischen Turmbau aus dem Alten Testament (Genesis 11, 1-9). Dieser Turm zu Babel (grch. "Babylon") sollte in den Himmel reichen, um selbst wie Gott zu sein. Gott selber verhinderte die Vollendung, indem er ihre Sprache so verwirrte, dass sie sich nicht mehr verstanden und den Bau nicht vollenden konnten. Das soll der Beginn der eigenen Sprachen der Völker gewesen sein.

Ein unverständliches Sprachdurcheinander bezeichnen wir in Anlehnung an diese Geschichte auch als "babylonische Sprachverwirrung".

(NL 22.03.2009)


Die Bezeichnung -Backfisch- für ein halbwüchsiges Mädchen kommt ursprünglich aus dem Englischen. In der Sprache der Fischer ist der -backfish- ein noch zu junger und magerer Fisch, der beim Einholen der Netze zurück (back) ins Meer geworfen wird. Gemeint ist ein Mädchen, das weder Kind noch Frau ist bzw. junge Mädchen, die noch nicht im heiratsfähigen Alter sind.
Diese Redensart entstand bei den kriegsmüden Soldaten am Ende des 1. Weltkrieges. Der Bahnhof wurde zum Symbol des Heimaturlaubs. Jedes Gespräch, das sich nicht auf die Heimkehr bezog, wurde mit dieser Redensart abgebrochen.

Wenn wir heute "nur Bahnhof verstehen", dann verstehen wir etwas nicht bzw. wollen etwas nicht hören.

"Bahnung" ist ein vom österreichischen Physiologen S. Exner (1846 - 1926) geprägter Begriff. Er besagt, dass psychophysische Funktionen (d. h.: Gedächtnis-, Assoziations-, Wahrnehmungsleistungen u. a.) um so flüssiger ablaufen, je häufiger sie wiederholt werden. Wenn wir also etwas lernen, bildet sich eine Verbindung zwischen Neuronen. Wird das Gelernte immer wieder aufgerufen bzw. wiederholt, spricht man von "Bahnung".

Aus einem kleinen Pfad ist durch häufige Nutzung ein Weg entstanden, der schneller ist.

 


(grch. banausos, "Handwerker") Ein Banause ist ein für künstlerisches Empfinden und höhere Lebensart unempfänglicher Mensch.
(grch., basileos, -kleiner König-), Der >Basilisk< oder Schlangenkönig ist ein Mischwesen aus Drachen und Hahn. Man berichtet über dieses Fabeltier es hätte den tödlichen Blick, der dann sinngemäß als >Basiliskenblick< in unsere Sprache Einzug fand. In der Zoologie versteht man unter einem Basilisken eine kleine Leguanart. Der Helmbasilisk trägt einen dreilappigen Hautkamm auf dem Hinterkopf, weshalb man wohl diese völlig harmlose Echsenart nach dem schrecklichen Basilisken der Fabel benannte. Kennen Sie jemanden mit Basiliskenblick?

Bauernregeln sind meist in Form von Reimen dargebotene volkstümliche Regeln. Sie betreffen verschiedene Bereiche des bäuerlichen Lebens, so etwa das Wetter, die Ernte, Krankheiten der Tiere u.ä.

Die Ursprünge der Bauernregeln lassen sich bis weit vor Christus zurückverfolgen. Die meisten Regeln und Sprüche, wie z.B. "Bringt der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut", stammen aus dem Zeitraum 13. - 14. Jahrhundert.

Bauernregeln beruhen zum Teil auf Aberglauben, aber auch auf Beobachtungen und Erfahrungen, die im Laufe der Zeit gesammelt wurden.

(NL 12.07.2009)


Wie ein "begossener Pudel" verwenden wir heute, wenn jemand sehr kleinlaut bzw. beschämt dasteht. Das komische Aussehen des sich vor Nässe schüttelnden Tieres, ließ dieses Bild zur Redensart werden.

Der Name Pudel wurde im 18. Jahrhundert übrigens aus Pudelhund gekürzt.

(NL 09.04.2008) 


Die Redensart hat ihren Ursprung in Shakespeares Hamlet. Dort heißt es (II, 2): -Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr, dass er um sie soll weinen-. Hekuba war die Mutter Hektors, der in Homers Werk der Ilias zu Andromache sagt, ihn bekümmere das Leid der Trojaner, des Priamus und selbst seiner Mutter Hekuba weniger als das ihre. Heute, wenn auch selten genutzt, sagt man >Bei mir Hekuba!<, wenn man mit einer gewissen Selbstironie seine Ahnungs- und Interesselosigkeit bekundet. Ich hab' kein Interesse, weiß von nichts - >Bei mir Hekuba!<.
(franz., 'belles lettres', >schöne Literatur<), Als 'Belletristik' bezeichnet man im weitesten Sinne Unterhaltungsliteratur bzw. schöngeistige Literatur. Gemeint sind vorwiegend Erzählungen und Romane in Abgrenzung zur wissenschaftlichen oder Fachliteratur.
(hebr., der Fliegenherr), Der 'Belzebub' ist der oberste der Dämonen. Das Sprichwort: 'Den Teufel durch den Belzebub austreiben' (Matth. 12,24) bedeutet soviel wie >Schlimmes durch Schlimmeres bekämpfen wollen<.
(1. Moses 35,18.24), 'Benjamin' ist der jüngste der zwölf Söhne Jakobs. Heute bezeichnen wir ebenfalls den jüngsten Sohn bzw. den Jüngsten einer Gemeinschaft als 'Benjamin'.

"Kirke" bzw. "Circe" war eine Zauberin der griechischen Mythologie und die Tochter vom Sonnengott Helios. In Homers Odyssee verwandelte sie die Begleiter von Odysseus durch ihren Gesang in Schweine.

Daher der Begriff "bezirzen" für "jemanden verzaubern bzw. verführen".


Dieses Sprichwort geht zurück auf den Roman "1984" von George Orwell, der 1949 in London seine Erstveröffentlichung hatte. Der Satz steht auf einem Propagandaplakat und bedeutet: "Der Große Bruder beobachtet dich."

Schauplatz des Romans ist London im Jahr 1984, Hauptstadt der Supermacht "Oceania", die mit "Eurasia" und "Eastasia" sich die Welt teilt und in ständigem Krieg miteinander liegen. An der Spitze des Regimes steht der gottesähnliche, allgegenwärtige und allwissende "Große Bruder" (big brother), dem als Erzfeind und Verkörperung des Bösen der Verräter Emmanuel Goldstein gegenübersteht.

Durch die Überwachung und Kontrolle seiner Bürger in Perfektion ist "der Große Bruder" heute eine Metapher für eine allmächtige, alles überwachende Staatsgewalt.


(frz.), Das Wort 'bigott' kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie >frömmelnd<, >blindgläubig< oder >scheinheilig<.
Im Gegensatz zu anderen Grasarten besitzen Binsen keine Knoten. Eine Binsenwahrheit (auch Binsenweisheit) ist demnach eine "glatte Sache" ohne Verwicklungen und Verknotungen, d.h. ohne Schwierigkeiten.

Die Feststellung "Das ist eine Binsenwahrheit" bezieht sich auf einen zwar richtigen, aber so selbstverständlichen Satz, dass es sich nicht lohnt, ihn auszusprechen oder gar zu diskutieren. Es ist also eine Wahrheit, die überall so bekannt und verbreitet ist wie die Binsen.

Im Gegensatz zu anderen Grasarten besitzen Binsen keine Knoten. Eine Binsenwahrheit (auch Binsenweisheit) ist demnach eine "glatte Sache" ohne Verwicklungen und Verknotungen, d. h. ohne Schwierigkeiten.

Die Feststellung "das ist eine Binsenwahrheit" bezieht sich auf einen zwar richtigen, aber so selbstverständlichen Satz, dass es sich nicht lohnt, ihn auszusprechen oder gar zu diskutieren. Es ist also eine Wahrheit, die überall so bekannt und verbreitet ist wie die Binsen.


Bionik bezeichnet die Anlehnung der Entwicklung und des Baus von technischen sowie elektronischen Anlagen an die Funktion von biologischen Systemen.

Es setzt sich zusammen aus "biology" und "electronics".

DUDEN: Bionik ist eine angewandte Wissenschaft, die technische, besonders elektronische Probleme nach dem Vorbild biologischer Funktionen zu lösen versucht.

Beispiele: Delphinhaut - Beschichtung von Unterwasserfahrzeugen, Kletten (Pflanzen) - Klettverschluss.

Zum blueprints-Artikel: Wie auch Sie mit Bionik Probleme lösen

 

 


"Bis in die Puppen" ist ursprünglich eine Berliner Redensart. Der Baumeister von Knobelsdorff stellte 1741 am großen Stern im Berliner Tiergarten Statuen aus der antiken Mythologie auf. Für die Berliner wurde somit der Platz zum Puppenplatz. Da der Weg damals von der Stadt bis zum Platz ziemlich weit war, nutzten die Berliner das Sprichtwort "bis in die Puppen" für "wer weiß wie weit" und später wurde dann auch für "wer weiß wie lange" daraus. Viele werden dieses Jahr Weihnachten und Silvester wieder "bis in die Puppen" feiern.

(NL 18.12.2007) 


Die Farbe Blau als Augenfarbe ist bekannt als Sinnbild der Treue, Durchsichtigkeit und Unverstelltheit. Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist die Entwicklung seiner Regenbogenhaut noch nicht abgeschlossen. Da für die Farbe blau am wenigsten Farbpigment nötig ist haben Neugeborene zunächst immer blaue Augen. So verband man mit der blauen Augenfarbe zugleich die Vorstellung von -naiv- und -unschuldig-. Wenn uns jemand als >blauäugig< bezeichnet, dann ist er der Meinung wir seien -naiv, unerfahren, harmlos, gutgläubig bzw. unkritisch-. Unverhohlener Spott liegt hingegen in der Wendung -Man hat ihn (sie) nicht seiner (ihrer) schönen blauen Augen wegen genommen- (z.B. bei der Auswahl von Bewerbern).

Wenn die Handwerker am Montag nicht arbeiteten und stattdessen den blauen Feiertagsrock anzogen, sprach man vom "blauen Montag". Er stand damit im Gegensatz zum "grauen Alltag".

Wenn wir heute einen "blauen Montag machen", dann gehen wir nicht arbeiten bzw. lassen wir die Arbeit ruhen.


(von engl., blue-stocking), Blaustrumpf ist eine Spottbezeichnung für gelehrte aber unweibliche Frauen. Es geht zurück auf eine Gesellschaft in London, die seit 1750 bei Lady Montagu dem Kartenspiel eine geistvolle Unterhaltung vorzog. Man trug dort mitunter blaue Wollstrümpfe statt der üblichen schwarzen Seidenstrümpfe (the blue-stocking society).


Zurück geht dieser Begriff auf die französische Bezeichnung -Bohemien- für eine Gruppe von romantischen, antibürgerlichen Schriftstellern und Künstlern, die sich um 1830 in Paris zusammenfanden. Mit >Boheme< bezeichnet man heute Menschen (meist Künstler, Literaten) aber auch deren Lebensstil, der außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen anzusiedeln ist.

Das Sprichwort "Bonjour Tristesse" geht zurück auf den Titel des 1954 erschienenen Romans der französischen Schriftstellerin Francoise Sagan.
Thema des Werkes ist das Lebensgefühl von Menschen in einer Gesellschaft des Überflusses und des Luxus in den 50er-Jahren.

Heute benutzen wir das Sprichwort "Bonjour Tristesse", wenn etwas besonders Trostloses beschrieben werden soll.

Frank: Die Fußball-EM ist vorbei.
Michael: Bonjour Tristesse!


Das Wort "Bonmot" kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie "eine geistreiche Wendung" bzw. "ein geistreicher Ausspruch".

Diese geistreiche, treffende bzw. witzige Wendung bezieht sich entweder auf einen individuellen Fall oder ist eine allgemeine Lebensweisheit.

Beispiel: Das "Bonmot" -Geld stinkt nicht- verdanken wir Kaiser Vespasian. Als sein Sohn Titus ihn eines Tages entsetzt fragte, ob es wahr wäre, dass er auf den Urin aus öffentlichen Toiletten eine Steuer erhöbe (Urin wurde zum Gerben und Bleichen verwendet), hielt der Kaiser seinem Sohn eine Münze unter die Nase und fragte, ob er etwas röche. Titus verneinte und Vespasian bemerkte: "Da hast Du es, Geld stinkt nicht!"


(engl., >Geistesblitz<), -Brainstorming- ist eine in den 50er Jahren vom amerikanischen Werbefachmann Alexander Osborn entwickelte Technik zur Anregung kreativen Denkens in Gruppendiskussionen. Bei dieser Kreativitätstechnik äußern die Teilnehmer ihre Gedanken zu einem Problem spontan. Kritik ist untersagt, damit die Ideenfindung nicht gehemmt wird. Die Auswertung der Einfälle erfolgt in einer späteren Phase.
(engl., >Geistesblitz<), -Brainstorming- ist eine von A. F. Osborn entwickelte Technik zur Anregung kreativen Denkens in Gruppendiskussionen. Die Teilnehmer äußern spontan ihre Gedanken zu einem Problem, wobei Kritik untersagt ist, damit die Ideenfindung nicht gehemmt wird. Beim -Brainwriting- werden im Gegensatz zum -Brainstorming- die Ideen nicht innerhalb einer Gruppe laut ausgesprochen, sondern von jedem Teilnehmer auf ein Stück Papier geschrieben und anschließend zusammengeführt. Dieses Methode hat den Vorteil, dass es schüchterne bzw. ruhige Gruppenteilnehmer leichter haben, ihre Ideen einzubringen.

Als Brimborium bezeichnete man im 16. Jahrhundert ein Gebet, das sich durch Murmeln und schnelles, undeutliches Sprechen auszeichnete. Brimborium stammt von dem französischen Wort "brimborion" (Lappalie) ab, das wiederum auf das mittelfranzösische Wort "breborion", "briborion" (Zauberformel, Zaubergebet, Kleinigkeit ohne Wert) zurückgeht.

Der Allgemeinheit bekannt wurde es durch Goethes Faust - Mephistopheles.

Wenn wir heute das Wort "Brimborium" verwenden, dann meinen wir unnützen Aufwand betreiben, überflüssiges Tun, Getue.

Mephistopheles:
Ihr sprecht schon fast wie ein Franzos;
Doch bitt ich, lasst's Euch nicht verdrießen:
Was hilft's, nur grade zu genießen?
Die Freud ist lange nicht so groß,
Als wenn Ihr erst herauf, herum
Durch allerlei Brimborium,
Das Püppchen geknetet und zugericht't
Wie's lehret manche welsche Geschicht.

Urfaust von Goethe, 1775 - 1776

(NL 15.02.2010)


(lat., 'panem et circenses'), Der Begriff >Brot und Spiele< entstand nach einem Zitat des römischen Satirikers Iuvenal (67 - 127). Im kaiserlichen Rom gab es viele Festtage, Gelegenheitsfeste und nicht zuletzt die Geburtstage der Kaiser, an denen Spiele veranstaltet wurden. Wagenrennen, Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen wurden zur Begeisterung, aber sicherlich auch zur Disziplinierung der Massen inszeniert. Durch diese Spiele sowie durch Geld- bzw. Getreidespenden versuchten die Kaiser die Gunst der Bevölkerung zu erhalten und gleichzeitig, durch die Repräsentation von Reichtum, ihre Macht zu festigen. >Brot und Spiele< ist so ein Sprichwort für politisches Desinteresse geworden.
Nach der griechischen Sage war Pandora die erste Frau auf Erden. Zeus ließ sie vom Gott Hephaistos formen und mit vielen Vorzügen und Reizen versehen. Doch da Prometheus das Feuer entwendete, ließ er als Strafe Pandora ebenfalls mit einem Tongefäß ausrüsten, das alles Übel der Erde enthielt. Als Prometheus' Bruder Epimetheus Pandora zur Frau genommen hatte, wurde das Gefäß geöffnet und alle Übel kamen zum Vorschein. Nur die Hoffnung blieb im Gefäß zurück. Heute ist die >Büchse der Pandora< der Inbegriff alles Unheil Bringenden.

Der französische Philosoph Johannes Buridan (um 1300) soll in einem seiner Werke das Problem der Willensfreiheit mit einem Esel verglichen haben, der genau in der Mitte zwischen zwei Bündeln Heu verhungert, weil er sich nicht für einen Haufen entscheiden kann.

Demnach bezeichnen wir heute einen Menschen, der sich bei der Wahl zwischen zwei gleichwertigen Gegenständen bzw. Zuständen nicht entscheiden kann als "Buridans Esel".


Das Wort "Busen" wird nicht nur im wörtlichen Sinne als Bezeichnung für die Brust, insbesondere die weibliche verwendet, sondern als poetischer Begriff; speziell in älteren literarischen Texten.

In Goethes Veilchen:
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!

oder in der Arie des Tamino in Mozarts Zauberflöte:
Ich möchte sie dann voll Entzücken
an meinen heißen Busen drücken

"Busen" steht in den Redensarten gleichsam für das Innerste des Menschen. Ein "Busenfreund" ist somit ein sehr guter Freund, der unserem Innersten am nächsten ist.


 
 

Teilen macht Freude:

 

Auch interessant

Das war ein Beitrag aus der

GUTEN-MORGEN-GAZETTE

Lesefreude und spannendes Wissen seit über 15 Jahren

Aktuelle Inhalte der Gazette vom 18.11.2017

  • Dankbarkeit pflegen
  • Zitat der Woche
  • Wort der Woche
  • Eine Fabel von Aesop
  • Anregung für die kommende Woche
  • Geflügeltes Wort
  • Scharade-Rätsel von Paula Dehmel

 

Möchten Sie die Gazette jeden Samstag früh kostenlos erhalten? 



(jederzeit mit einem Klick kündbar)

jeden Samstag / kostenfrei / unabhängig

Anregungen durch Sinngeschichten, Fabeln, Artikel ...

Wissen und Wortschatz mit Freude vergrößern

Lesespaß und Humor von Schriftstellern, Philosophen und anderen großen Denkern