Vision - das Bild von der Zukunftvisionen

Das deutsche Wort "Vision" kommt vom Lateinischen "videre = sehen" bzw. "visio = Schau". Die Vision ist eine wirklichkeitsnahe Vorstellung der gewünschten Zukunft.

Die Vision ist somit ein Bild von unserer Zukunft, für das wir uns begeistern und dann auch andere (z. B. unsere Mitarbeiter) begeistern können. Es bringt Klarheit und Richtung in das Handeln und Denken, denn wir wissen, was wir anstreben, wofür wir etwas tun und in welche Richtung wir uns bzw. unser Unternehmen entwickeln wollen.

Von einer Vision begeistert zu sein, ist wohl eines der ältesten, natürlichsten und grundsätzlichsten Prinzipien, mit denen Menschen sich selbst und andere begeistern und führen.

Dies belegt der folgende Ausspruch eines frühen indianischen Geschichtenerzählers: "Alle Dinge beginnen mit einer Vision, alle Dinge haben ihren Ursprung in der Vision, doch alle Dinge müssen dann auch noch ins Werk gesetzt werden. Alles, was ist oder entsteht oder erzeugt oder geschaffen wird, alles ist das Ergebnis eines Tuns oder Ausführens. Selbst die Vision ist nicht ohne Voraussetzung, wir müssen sie suchen, wir müssen Visionen und Träume suchen und unsere Träume dann leben."

Definitionen und Synonym

a. übernatürliche Erscheinung als religiöse Erfahrung
b. optische Halluzination
c. in jemandes Vorstellung besonders in Bezug auf Zukünftiges entworfenes Bild
(www.duden.de)

Mission: Erklärung einer Organisation über ihr Selbstverständnis

Strategie: Gesamtheit der Maßnahmen zur Zielerreichung.

Ideal, (positive) Utopie, Vision, Vorbild, Vorstellung, Zukunftsbild
(www.openthesaurus.de)

Wahrscheinlich kennen Sie einige Beispiele für Visionen, so das bekannte Zitat von Saint-Exupéry: "Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, die Holz beschaffen, Werkzeuge vorbereiten, Holz bearbeiten und zusammenfügen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer." Und so, wie dieses wunderbare Bild vom Meer jetzt möglicherweise in Ihnen aufblüht und Sie anzieht, so sollen alle Visionen vor dem geistigen Auge helle, klare und deutliche Bilder zukünftig gewollter Zustände erzeugen, die letztlich den Sog auslösen, mit dem wir uns motivieren und gerne bewegen.

Visionär und Vision

Der Zeit voraus zu sein, schafft Vorsprung

  • "Alle essen bei uns"
  • "Jeder Amerikaner hat sein Auto"
  • "Der Kunde betrachtet ein Bild, das soeben fotografiert wurde"
  • "Kunden können auch bei Nacht fotografieren"

Solche Visionen finden dann ihre Kunden, wenn sie "wirklichkeitsnah und realistisch" sind, also weder Utopie noch Spinnerei. Gerade bei Visionen gilt der Satz von Viktor Hugo: "Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

Diese zur Zeitqualität passenden Ideen zu erkennen und mit allen Kräften zu verwirklichen oder aber auch zu warten, bis "die Zeit reif ist", ist eine der obersten Top-Management-Aufgaben. Das wissen wir aus vielen moderierten Strategie- und Visionsworkshops, in denen Ideen und Bilder entstanden, von denen klar war, dass sie noch nicht "in die Zeit passen". Einige der von uns betreuten Unternehmen haben geheime Visionsdateien angelegt, die immer wieder gesichtet und an deren Inhalten immer wieder gearbeitet wird, so lange, bis klar wird, ob die Idee verwirklicht werden soll oder nicht.

Aus Visionen haben die kreativsten Köpfe Ideen entwickelt, die Wirklichkeit wurden.

Unternehmensvision Beispiel

Henry Ford schuf in einer kleinen Garage ein motorisiertes Vierrad. Er nannte es "A-Modell", das mit seinem Zweizylinder-Benzinmotor eine Leistung von acht PS brachte.

Seine Vision war: "Es wird ein Automobil für die Masse sein. Es muss groß genug für eine Familie sein, aber nur so groß, dass ein Unerfahrener es problemlos bedienen und pflegen kann, und nicht zu schwer, damit sein Verbrauch nicht so hoch ist."

In den 100 Jahren nach dem Start seiner Unternehmungen produzierte die Ford Motor Company weltweit fast 300 Millionen Fahrzeuge und ist der drittgrößte Automobilhersteller der Welt, der circa 325.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Brüder Albrecht: Die Idee zweier Brüder war: "Wir verkaufen qualitativ hochwertige Produkte möglichst preiswert." Mit dieser Idee, dem konsequenten Umsetzen der geeigneten Maßnahmen und der Vorbildfunktion für ihre Mitarbeiter schafften es die beiden Brüder an die Spitze der deutschen Wirtschaft. Der Name des Unternehmens ist ALDI (Albrecht Discount).

Heute gehören die Brüder Albrecht zu den reichsten Menschen der Welt. In der Liste der Personen mit dem größten Privatvermögen des US-Magazins "Forbes" standen sie im Jahr 2005 auf Platz 8 (Karl Albrecht) und auf Platz 20 (Theo Albrecht).

Prof. Dr. h.c. Artur Fischer: Seine Unzufriedenheit damit, dass man nachts nicht fotografieren konnte, motivierte ihn, das Blitzlicht zu erfinden. Eine weitere Unzufriedenheit mit den am Bau gegebenen Befestigungsmöglichkeiten machte ihn zum "Herrn der Dübel".

Die heutige fischer holding GmbH & Co. beschäftigt weltweit 3.300 Mitarbeiter und hat in 19 Ländern ihre Produktionsstandorte. Heute steht Artur Fischer dem Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison bei der Anzahl der Patente kaum mehr nach (1086/1064).

Beitrag auf blueprints zum Thema Spinner und Vision

Vision und Management

Wären Manager wirklich in der Lage, visionär zu handeln, wären wohl viele der Managementprobleme und Kapitalvernichtungen in der Vergangenheit nicht geschehen. Häufig handeln Manager nur strategisch und leider oft auch aus Eigennutz, Eitelkeit und Absicherung der eigenen Funktion. Bei solchen Bestrebungen sind dem Unternehmen nützliche Visionen nahezu unmöglich. Dann geht es z. B. nur darum, möglichst viele Unternehmen zusammenzukaufen, um möglichst groß zu sein. Dies wird nicht selten als visionär "verkauft". Wenn jedoch das Kartenhaus hinterher zusammenbricht, dann spricht keiner mehr von einem Visionär, sondern jeder zu Recht von einem größenwahnsinnigen Versager, der für seine "gute" Arbeit auch noch eine gigantische Abfindung erhält.

Verführung und Selbststeuerung

Seit jeher haben immer wieder Visionäre Einzelne und Massen mit Schein- und Trugbildern in falsche Richtungen geführt. Diese Visionäre nannten sich, wie sich erst später nach viel Leid herausstellte, zu Unrecht Führer, denn eigentlich hätte man sie Verführer nennen müssen. Weil "wir verführt wurden", sprechen wir Deutschen auch von einer "Führungskraft" und nicht wie im Englischen vom "Führer" (leader). Wir sehen aber auch an den Negativbeispielen der Geschichte, welche enormen Energien in Visionen stecken.

In der Vergangenheit reduzierten viele Lehren den Menschen auf Tugenden wie z. B.: Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Treue, Tapferkeit u.a.

Sie merken, dass diese Tugenden mit dem Begriff der Vision zunächst nur wenig zu tun haben. Denn der Mensch wird so reduziert auf - möglicherweise an sich wünschenswerte - charakterliche Strukturen der gängigen Moral, wobei wir ja wissen, dass Charakter das von außen Eingeprägte, Eingefurchte ist, also den Menschen oft sogar unfähig macht, erfolgreich im Sinne einer eigenen Vision zu sein. Heute nutzen insbesondere Sekten und autoritär-dogmatische Regime vorgebliche Tugenden, um Menschen unmündig und klein zu halten.

Der Erfolgreiche wächst im Rahmen seiner pubertären oder späteren Entwicklung über seinen in der Erziehung erworbenen Charakter hinaus, indem er vorgegebene Normen kritisch prüft, eigene Werte sucht und den Weg zur Selbstfindung selber und eigenverantwortlich gestaltet. Nur wenn er das schafft, ist er auch in der Lage, mit Visionen zu leben. Er ist fähig, sein Leben mit seinen eigenen Begeisterungspotentialen zu gestalten, aus seinen Visionen Sinn zu ziehen, seine Mitmenschen dafür zu begeistern und seine Visionen erfolgreich zu realisieren.

Ein Beispiel, das dies illustriert, ist die Anekdote von dem Steinmetz, der beobachtet wurde, wie er in gebückter Haltung an einem Dom saß, Steine behaute und einfügte. Ein Passant fragte ihn im Vorübergehen: "Sagen Sie mal, wie schaffen Sie diese harte Arbeit? Sie behauen den ganzen Tag immerfort diese schweren Steine und dabei schauen Sie noch so begeistert und so glücklich!". Der Steinmetz antwortete darauf: "Was heißt hier Steine behauen. Ich arbeite mit daran, einen Dom zu bauen zur Ehre Gottes - und was könnte schöner sein?" Das Bild von Gottes Dom war in diesem Fall die Vision, die den Steinmetz unermüdlich und begeistert eine für andere scheinbar belanglose und strapaziöse Arbeit verrichten ließ.

Menschen, die eine Vision in sich tragen, brauchen und können im herkömmlichen Sinne nicht mehr geführt werden. Diese Menschen managen sich selber, tun voller Energie das, was notwendig ist, um den Weg zur Erreichung der Vision zu gestalten, und kommen beharrlich in der Verwirklichung ihrer Vision vorwärts.

Zitate und Aphorismen

Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen.
Jonathan Swift

Für eine wahre Vision gäbe ich allen Reichtum der Welt hin und alle Taten der Großen.
Henry David Thoreau

Wer keine Vision hat, vermag weder große Hoffnung zu erfüllen, noch große Vorhaben zu verwirklichen.
Thomas Woodrow Wilson

Das Training visionären Denkens und Handelns

Um mit Visionen führen zu können, müssen Manager begreifen, dass sie Zukunft nur gestalten können, wenn sie eine Art präkognitive Fähigkeit entwickeln. Gemeint ist die wissenschaftlich nur schwer fassbare Fähigkeit, fast hellsichtig künftige Strukturen zu erschauen. Dieses Vorgehen unterscheidet sich natürlich von der in der Wirtschaftspraxis üblichen und gängigen Trendextrapolation. Vom Ergebnis her kommt dieses Denken allenfalls der im strategischen Management genutzten Szenariotechnik nahe. Hierbei ist die Vorgehensweise jedoch nicht logisch rational, sondern intuitiv und assoziierend.

Eine Vision ist nichts, das man rein analytisch erreichen kann. Denn Analyse ist per Definition "Zerlegen und Zergliedern". Visionäres Denken erfordert den gegenläufigen Prozess, nämlich die Erzeugung von Bildern.

Visionäre Fähigkeiten kann man sich erarbeiten. Notwendig ist ein Training der rechten Hirnhemisphäre. Von ihr sagen Gehirnforscher, dass hier Bilder erzeugt werden und analoges, kreatives sowie ganzheitliches Denken möglich ist.

Meditative Übungen helfen beispielsweise unsere wohl vertraute jetzige Wirklichkeit zu verlassen, die uns häufig für Neues blind macht. Die Übungen führen uns heraus aus der seitherigen in mögliche zukünftige Welten. Visionäres Denken hat zu tun mit Einfällen und Szenarien, die sich bilden und die wir gedanklich mit Handlungen verknüpfen, damit diese Bilder nicht nur in der inneren, sondern auch in der äußeren Welt Wirklichkeit werden.

Viele Visionen oder Einfälle kommen auch aus der Not heraus, etwas gestalten zu müssen, oder aus der Einsicht und dem Drang, etwas besser machen zu wollen. Deshalb hilft es oft auch, sich die jetzt belastende, negative Situation in allen Einzelheiten vorzustellen und erst, wenn das Erleben vollständig ist, Bilder zuzulassen, die zeigen, wie es ist, wenn die Probleme gelöst und die Konflikte bearbeitet sind.

Autoren: Horst Rückle und Michael Behn, hr-know-how-pool 

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Kommentare  

Gabriele Wegge
#1 Gabriele Wegge 2015-07-19 09:21
Diese Sicht aus vs. Perspektiven auf dieses Thema gefällt mir sehr. Schon als Kinder können wir uns Dinge vorstellen und in unserem Sinn "ausmalen".. und so auf ein Ziel zuarbeiten, um es zu erreichen - phantastisch! - Diese Fähigkeit beflügelt uns im Alltag - beim Kochen, bei der Gartenarbeit. Ich las etwas über Polarforscher, die sich verlaufen hatten. Einer der Männer hatte das "Bild" von seiner Verlobten ständig vor Augen. Der Gedanke an sie, seine Liebe und sein Wunsch, sie wiederzusehen, kam ihm die Kraft, durchzuhalten, als alle anderen aufgeben wollten. Vision - sehen - sich etwas vorzustellen war auch die Triebkraft von den Menschen, die im Hebräerbrief Kapitel 11 der Heiligen Schrift aufgeführt werden. Hier in Verbindung mit etwas, das ihnen augenscheinlich keinen "materiellen" Vorteil verschaffte. Als Produkt einer blinden Evolution frage ich mich, was sich diese dabei "gedacht" hat, als sie den homo sapiens mit dieser Fähigkeit ausstattete..
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