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Seit Stunden saß ich am Schreibtisch und brütete über der Programmliste meines neuen Programmes. Ich bin Programmierer und das ganze Haus saß mir im Nacken, weil mein Programm dauernd abstürzte. Und mein Chef hüstelte alle halbe Stunde in meinem Büro herum und fragte: "Geht´s denn wohl? Finden Sie´s?"
 
Nein. Es ging nicht und ich fand den Fehler nicht. Zum X-ten Mal durchsuchte ich Zeile für Zeile die Programmbefehle an derselben Stelle. Aber ich fand nichts.
 
Entmutigt blickte ich zum Fenster, wo eine dicke Fliege saß, die mich schon die ganze Zeit  mit ihrem Gebrumme nervte. Sie versuchte verzweifelt, ins Freie zu gelangen. Immer wieder brummte sie vergeblich vor die große Scheibe, krabbelte etwas herum und versuchte es erneut auf die gleiche Weise. Links neben der großen Scheibe war ein schmaler Rahmen und daneben ein weit offen stehender Fensterflügel. Sie brauchte nur über den - dunklen - Rahmen zu krabbeln oder ein wenig ihre Flugrichtung zu ändern - und schon wäre sie in der Freiheit. Aber sie flog immer wieder gegen die große Scheibe.
 
Schließlich stand ich auf, nahm ein Blatt Papier und scheuchte die Fliege damit zum offenen Fensterteil. Schwupp - sauste sie in die Freiheit! "So einfach kann es gehen!", dachte ich.
 
Als ich zu meinem Programm zurückkehren wollte, packte mich der Frust und ich beschloss erst mal in die Kantine zu gehen und mir etwas zu trinken zu holen.
 
Nach einer Weile kam ich zurück: Meine dicke Programmliste lag wunderbar verteilt auf dem Tisch, über dem Stuhl und zum größten Teil auf der Erde. Es hatte wohl Durchzug gegeben. Seufzend sammelte ich die Liste wieder ein und ordnete sie. Da fiel mein Blick auf den Programmanfang, wo die Datendeklarationen und Definitionen stehen.
 
Und plötzlich sah ich es. Ich hatte mich bei einer Definition vertan! Dort saß der Fehler und nicht in den Befehlszeilen, die ich schon hundertmal kontrolliert hatte. - So einfach ist es manchmal …!
 
Während ich den Fehler korrigierte, dachte ich darüber nach, wie oft wir genauso handeln wie die Fliege. Wenn wir vor einem großen Problem stehen, versuchen wir immer wieder mit aller Kraft, aber immer denselben Methoden, dagegen anzurennen. Doch wir "brummen" immer wieder vor die Wand, stoßen uns die Nase blutig, holen Luft und versuchen es erneut.
 
Wenn wir stattdessen einmal einen Moment innehalten würden, mal vom Problem zurücktreten würden, mal einen anderen Blickwinkel wählen würden - dann könnten wir vielleicht die kleine Tür sehen, die am Ende der Mauer in die Freiheit führt …
 
Wenn Sie sich das nächste Mal so richtig in ein Problem verbissen haben, dann probieren Sie es mal: Denken Sie an die Fliege!

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