
Eine kleine Koan-Sammlung mit Erläuterungen
Im Zen gibt es die Tradition, mittels eines Koans den Schüler zu kleinen Erleuchtungserfahrungen zu führen. Das logische Denken soll "überwunden" werden. Es handelt sich um paradoxe Rätsel, Kurzgeschichten oder Denkaufgaben, die (auch) beim Meditieren "gelöst" werden sollen.
Koan-Handhabung im buddhistischen Kloster
- Der Schüler lernt das Koan auswendig.
- Der Schüler beschäftigt sich ständig mit dem Koan.
Er/sie versucht, das Koan zu lösen oder zu begreifen, indem er es mit Körper und Geist erfasst, bzw. mit beidem nach einer Lösung sucht. - Der Lehrer befragt den Schüler zum Koan.
Wenn der Schüler die richtigen Antworten gibt, erhält er das nächste Koan.
Letztendlich soll eingesehen werden, dass der Intellekt dieser Aufgabe nicht gewachsen ist. Das Denken soll sich leerlaufen. Eine Lösung findet sich nur "jenseits des Intellektes", mittels "eintauchen", "versenken" oder "hineinempfinden". Der Koan sollte auch im Alltag präsent gehalten werden. Die Lösung ist gefunden, wenn es zu einer "Erleuchtungserfahrung" kommt.
Ansätze zur intellektuellen und meditativen Arbeit mit dem Koan
- Zunächst bearbeitet der Schüler den Koan mit dem normalen Denkvermögen: Was genau ist mit der Aussage im Koan gemeint? Was kann man sich alles darunter vorstellen?
- Ist die Aussage im Koan eventuell sogar falsch? Nein, vermutlich nicht, dann wäre der Koan nämlich nutzlos.
- Nun wird der Schüler die einzelnen Wörter des Koans durchgehen. Was wäre z. B., wenn diese (leicht) anders lauten würden?
- Jetzt denkt der Schüler über Sprache selbst nach und muss sich den wahren Objekten hinter der Wahrheit zuwenden. Könnte mit dem jeweiligen Begriff etwas anderes gemeint sein, als man auf den ersten Blick vermutet?
- Jetzt überlegt der Schüler, ob ein Begriff auf ihn bezogen sein könnte. Beispiel: Könnte der Hund im Koan "Mu von Joshu" für das eigene Ich stehen?
- Dann nimmt der Schüler das Koan mit in seine Meditation und meditiert über diese Überlegungen.
- Ein Koan gilt oft als gelöst, wenn eine Dualität oder ein scheinbarer Widerspruch vom Schüler überwunden ist.
Nach und nach entsteht an dieser Stelle eine Koan Sammlung. Die neuen Koan findest du stets in der blueprints Guten-Morgen-Gazette.
Unsere Koan-Sammlung

Koan: Dir fehlt nichts
Ein Hilfesuchender kam zum Meister Tao-hsin und sagte:
„Bitte helft mir.“
Daraufhin Tao-hsin:
„Was fehlt dir?“
„Diese Frage ist zu schwierig. Bitte helft mir.“
Tao-hsin sagte:
„Dir fehlt nichts.“
Enttäuscht verließ der hilfesuchende Mann Tao-hsin.
Was für ein schlechter Meister Taohsin war.

Koan: Dein ursprüngliches Gesicht
Was war dein ursprüngliches Gesicht,
ehe dein Vater und deine Mutter
dich in diese Welt setzten?
Hinweis: Es handelt sich um ein sogenanntes Hosshin-Koan.

Koan: Was ist Buddha?
Ein Mönch fragte einmal Meister Tozan:
"Was ist Buddha?"
Tozan sagte:
"Drei Pfund Flachs."
Hinweis: Buddha gilt im Zen als unerreichbar heilig. Flachs hingegen (in einem anderen Koan gar ein "Scheißstock" ist profan und beliebig.
Koan: Der Ton einer Hand
Wenn man in beide Hände klatscht,
entsteht ein Ton.
Wie ist der Ton
beim Klatschen einer Hand?
Kennst du einen Koan, den du in unsere Sammlung aufnehmen würdest?
Das Mu von Joshu
Ein Mönch fragte einmal Meister Joshu:
"Hat ein Hund die Buddha-Natur oder nicht?"
Joshu sagte:
"Mu!"
Das Koan "Das Mu von Joshu" ist eines der bekanntesten und wird oft als erstes Koan gegeben, das ein Zen-Schüler in der Rinzai-Tradition studieren muss. Es soll nicht unbedingt gelöst werden, stattdessen soll schon die geistige Arbeit damit tiefe Einblicke und Erhellungen fördern.
