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Spricht man mit einem Menschen in einer Sprache, die er versteht,
steigt ihm das zu Kopfe.

Spricht man mit ihm in seiner eigenen Sprache, so geht es ihm zu Herzen.

Nelson Mandela

Immer wenn Menschen zusammenkommen, kommunizieren sie miteinander. Das Hauptmittel dafür ist die Sprache. (Es gibt auch andere sehr wichtige Möglichkeiten der Kommunikation, aber die lass ich jetzt einmal beiseite).

Nicht erst seit der Verwirrung nach dem Turmbau zu Babel haben die Menschen Probleme mit der Sprache (Nach verschiedenen Schätzungen gibt es heute ca. 6000 verschiedene Sprachen auf der Welt, wobei historische Sprachen und Dialekte einbezogen sind)

Aber nicht nur die Sprachen der Völker (und ihr unterschiedlicher kultureller Hintergrund) erzeugen Probleme. Auch innerhalb eines Volkes gibt es unzählige Verständigungsschwierigkeiten. Denn auch innerhalb eines Volkes gibt es unterschiedliche "Sprachen", die Dialekte. Ein Ostfriese und ein Bayer bekommen sicherlich Probleme, es sei denn sie benutzen eine Kunstsprache, das Hochdeutsche.

Es gibt aber noch kleinere, nicht so offensichtliche "Sprachgruppen" in denen es oft große Verständigungsprobleme und Missverständnisse gibt: Die verschiedenen Gesellschafts- und Berufsgruppen, wie z.B. Arbeiter, Handwerker, Akademiker, Politiker, Beamte und dann eben auch die vielen Berufe.

Ich möchte das gerne an ein paar kleinen Beispielen aus meinem Leben erläutern:

Ich bin als "Arbeiterkind" drei Jahre zum Gymnasium gegangen. Dort saßen zu 80 % Schüler, die aus "gehobenen Verhältnissen" kamen. Ich hatte sehr wenige Freunde in dieser Zeit, denn ich gehörte nicht "dazu".

Nach einem "Karriereknick" machte ich die restlichen Schuljahre an der Realschule ab; wieder eine andere Klientel, mehr Kinder aus der Mittelschicht.

Und danach wurde ich zu einer Mauererlehre gezwungen (war ja immer noch ein Arbeiterkind, mit etwas Schulbildung). Es war unglaublich schwierig für mich, Männer zu duzen, die meine Väter hätten sein können. Und dieser Bildzeitungs-Bauarbeiter-Jargon (nein, ich bin nicht arrogant, das waren alles gestandene Kerle).

Während der letzten Schuljahre habe ich in einer Theatergruppe mitgespielt. Mit Beginn der Maurerlehre war damit natürlich Schluss. Aber nach einigen Monaten fragte der Leiter der Theatergruppe, ob ich nicht nebenbei wieder mitspielen würde. Dem habe ich begeistert zugestimmt. Ich bin genau dreimal hingegangen. Es ging nicht mehr, denn ich Verstand die Sprache der Gymnasiasten nicht mehr! Ihre Probleme und Gedanken empfand ich als lächerlich …

Eine weitere Sprachgemeinschaft war die Bundeswehr. In den ersten zwei Jahren war ich in einem Panzerbataillon, einer Kampfeinheit mit ziemlich hartem Drill. Meine Einheit bestand zur Hälfte aus Norddeutschen und zur anderen Hälfte aus Menschen aus dem "Ruhrpott". Schon in der ersten Nacht gab es viel durcheinander, schon allein wenn Witze erzählt wurden. Und auch der Alltag war geprägt von unzähligen, manchmal sehr lustigen Missverständnissen, die aber oftmals auch in einem bösen Streit endeten.

Und dann kamen die endlosen Jahre als Büromensch. Auch dort immer wieder firmeninterne Sprachgewohnheiten. Wie spreche ich mit Vorgesetzten, wie geht man mit Besserwissern, Intriganten, Klatschbasen um. Und wer ist ein wirklicher Kollege, womöglich Freund? Selbst innerhalb der Firma: Ein Programmierer denkt und spricht anders als ein Kaufmann, Kassierer oder ein Arbeiter im Lager.

Manchmal finde ich es phänomenal, dass Menschen sich trotz all dieser Unterschiede schließlich doch irgendwie verständigen.

Wie ist das möglich? Und was kann man selbst tun, um eine gute Verständigung zu ermöglichen?

Ich denke hierfür sind einige wertvolle menschliche Eigenschaften nützlich: Höflichkeit, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Offenheit, Vertrauen, Verständnis. Erkennen, welchen Hintergrund und welche Motive mein Gesprächspartner (Partner!) hat; verstehen, dass er meinen Hintergrund vielleicht nicht genau kennt.

Das wichtigste aber scheint mir ist: Zuhören! Wirklich zuhören, Interesse zeigen, Geduld haben und nicht den anderen ständig mit seiner eigenen Meinung zu "überfahren".
 
Ich würde gerne Ihre Meinung dazu hören.

Ihr Peter Milz
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