Die wilde Ziege und der Weinstock
Eine wilde Ziege flüchtete vor den Hunden des Jägers in einen Weinberg und versteckte sich unter den Blättern eines alten Weinstocks. Die Hunde rannten vorbei und die Ziege entkam ihren Verfolgern. Doch dann machte sie einen fatalen Fehler.
Kaum glaubte sie sich außer Gefahr, machte sie sich auch gleich über die Reben her. Sie fraß die Blätter, die kurz zuvor ein Versteck waren und ihr das Leben retteten. Das Fressgeräusch der wilden Ziege machte den Jäger aufmerksam, der weit hinter seinen Hunden herangepirscht war. Er entdeckte auch bald die Ziege und erlegte sie.
"Ach!" seufzte die Ziege sterbend, "mit Recht habe ich diese Strafe verdient, weil ich meinen Beschützer mit schnödem Undank belohnte."
Es ist das größte Unrecht, Wohltaten mit Übel zu vergelten; der Undankbare entgeht selten der verdienten Strafe.
Aesop, griechischer Sklave und Fabeldichter, um 550 v. Chr.
Warum passt die Fabel auch noch heute
Wir leben in einer Kultur des Nehmens. Wir greifen zu, lange bevor wir innehalten.
Wir verwenden die Gedanken anderer, nutzen Beziehungen, reizen Systeme bis an ihre Belastungsgrenzen aus, verbrauchen Natur, als wäre sie unerschöpflich, und behandeln fremdes Eigentum oft, als stünde es uns selbstverständlich zu.
Und während wir nehmen, merken wir häufig erst im Nachhinein, dass wir genau an dem Ast sägen, der uns trägt.
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Aesops radikale Ehrlichkeit
Aesop war Sklave. Er wusste, wie abhängig Menschen voneinander sind. Und wie gefährlich es ist, diese Abhängigkeiten zu missachten.
Seine Fabeln sind keine Moralpredigten. Sie sind Überlebenswissen.
Warum magst du diese Geschichte? (oder auch nicht?)
Warum magst du diese Geschichte oder auch nicht?
Ich mag Geschichten, die mir nichts erklären – sondern mich erwischen. Diese Fabel ist so eine.
Sie fragt nicht: „Was ist richtig?“
Sie fragt: „Was zerstörst du gerade, obwohl es dich schützt?“
Und diese Frage bleibt.
Markus K., ein blueprints Leser
Weshalb schrieb man früher Fabeln?
- Kritik ohne Gefahr
Fabeln erlaubten es, Mächtige zu kritisieren, ohne sie direkt zu benennen. Tiere waren ein sicherer Umweg zur Wahrheit. - Verständlich für alle
In Zeiten geringer Bildung mussten Inhalte einfach, bildhaft und schnell erfassbar sein – auch ohne Lesen. - Lernen ohne Belehrung
Fabeln zeigten Folgen von Handlungen, statt Regeln zu predigen. Das wirkte nachhaltiger. - Emotionale Distanz durch Tiere
Tiere verletzen den Lesenden nicht – sie ermöglichen Selbsterkenntnis ohne Abwehr. - Verdichtete Lebenserfahrung
Komplexe Erfahrungen wurden auf kurze, einprägsame Geschichten reduziert. - Leicht weiterzugeben
Fabeln ließen sich mündlich erzählen, anpassen und weiterentwickeln – ideal für eine Erzähl-Kultur. - Für Kinder und Erwachsene zugleich
Die Geschichte war einfach, die Bedeutung tief – doppelte Wirkung mit minimalem Aufwand.

Äsop, Schedelsche Weltchronik (1493)
Äsop (auch Aesopus, Aesop, Aisop) war ein griechischer Sklave und Fabeldichter um 550 v. Chr. Sein Name wurde zum Gattungsnamen für die poetische Fabel, die als äsopische Fabel bezeichnet wird.
Weitere Fabeln von Aesop
Der alte Löwe und der Fuchs - Fabel von Aesop
Der alte Löwe und der Fuchs
Ein greiser, schwacher Löwe lag in seiner Höhle und war nicht mehr in der Lage Beute zu jagen.
Er war im Begriff zu verhungern. In seiner Not ließ der Löwe in seinem Reich die Nachricht von seinem nahen Tode verbreiten. Er befahl allen Untertanen, an die königliche Höhle zu kommen, wo er von jedem persönlich Abschied nehmen wolle.
Hier weiterlesen: Der alte Löwe und der Fuchs - Fabel von Aesop
Die Fabel von den beiden Fröschen - Aesop
Die Fabel von den beiden Fröschen – Aesop | eine Motivationsgeschichte
Zwei Frösche gingen auf Wanderschaft, denn die heiße Sommersonne hatte ihren Tümpel ausgetrocknet. Gegen Abend erreichten sie einen Bauernhof, wo eine große Schüssel Milch zum Abrahmen aufgestellt worden war. Sogleich hüpften sie hinein und ließen es sich schmecken. Was keine gute Idee war.
Hier weiterlesen: Die Fabel von den beiden Fröschen - Aesop
Fabel - "Der Hund und das Stück Fleisch" - Aesop
Der Hund und das Stück Fleisch von Aesop
Ein großer Hund hatte einem kleinen, schwächlichen Hündchen ein dickes Stück Fleisch abgejagt. Er brauste mit seiner Beute davon. Als er über eine schmale Brücke lief, fiel zufällig sein Blick ins Wasser. Wie vom Blitz getroffen blieb er stehen, denn er sah unter sich einen Hund, der gierig seine Beute festhielt.
Hier weiterlesen: Fabel - "Der Hund und das Stück Fleisch" - Aesop
Und ...
- Der Löwe und das Mäuschen – Moral
- Die Schildkröte und der Hase - Fabel von Aesop
- Fabel - Der Fuchs und die Trauben - von Aesop
- Der Löwe und die Mücke von Aesop
- Zwei Freunde und ein Bär
- Fabel Eber und der Fuchs – Aesop
- Fabel - Der kluge Dichter - Aesop
- Der Pfau und die Dohle
- Die traurige Geschichte vom wilden Hund - Aesop
- Drei Stiere und der Löwe - eine Fabel von Aesop
- Der Fuchs und der Esel von Aesop
- Fabel: Der Wolf und der Kranich
- Die wilde Ziege und der Weinstock | Interpretation
- Der mit Salz beladene Esel Bedeutung
- Der Ochsentreiber und Herkules | Aesop
- Der Fuchs und der Holzhacker - eine Fabel über Heuchler
- Der Esel auf Probe (von Aesop)
Begründer der Fabeldichtung: Aesop | Deutsch | Textanalyse und -interpretation
Länge: 2:00 Minuten
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Bücher über Aesops Fabeln
Fabeln, Geschichten und Weisheiten von Aesop
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