Füllwörter vermeiden – besser reden ohne Ähm, Äääh & Co.
Fast jeder von uns hat solche Lieblingswörter. Sie gehören zu unserem persönlichen Sprachstil - und das ist völlig okay. Problematisch wird es nur dort, wo zu viele "äääh", "ehm", "ok", "oder?", "ja, also" oder "halt" anfangen zu nerven und Zuhörende beginnen mitzuzählen.
Ob im Gespräch oder beim Vortrag: Füllwörter wirken. Und manchmal wirken sie eben nicht positiv.
Wenn du viel redest, andere führst oder beruflich Wirkung erzeugen musst, lohnt sich ein bewusster Blick auf deine Füllwörter. Und noch viel mehr lohnt sich ein Blick auf etwas, das oft übersehen wird: die Wirkung der Stille.
Kurz zusammengefasst
- Füllwörter sind normal, werden aber störend, wenn sie zu oft oder unbewusst auftreten.
- Viele nutzen sie, weil sie Stille vermeiden oder während des Sprechens denken müssen.
- Selbstaufnahmen und Feedback machen diese unbewussten Muster sichtbar.
- Stille ist das wirksamste Mittel, um klarer, souveräner und mit weniger Füllwörtern zu sprechen.
- Viele Füllwörter entstehen am Satzende: Stimme runter, Punkt setzen, Pause machen.
- Kurze Übungen wie Pausen planen, ruhig starten und regelmäßig trainieren verbessern deinen Redefluss nachhaltig.
Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.
Beispiele für typische Füllwörter und warum sie entstehen
Typische Füllwörter sind zum Beispiel "äh", "ehm" oder "ok". Neben diesen Laut-Füllern gehören auch häufig wiederholte Ausdrücke wie "ja", "also", "wirklich", "quasi", "wie schon gesagt", "übrigens", "prinzipiell" oder "halt" in diese Rubrik – vor allem, wenn du sie automatisch und unbewusst benutzt.
Ein Grund für diese Füllwörter ist, dass jemand die Peinlichkeit der Stille im Gespräch nicht ertragen kann. Die eigene Unsicherheit lässt uns die Denkpausen mit "Geräuschen" auffüllen, was komisch, unsicher bis hin zu "nervig" wirken kann.
Außerdem gibt es sogenannte Sprechdenker. Ihnen kommen Ideen und Gedanken während sie sprechen. Kommen Sie nicht weiter, hilft ihnen quasi das Füllwort Zeit zu gewinnen bis der Gedanke gefunden wurde.
Unser Sprechen ist teilweise in Programmen abgelegt und uns somit nur bedingt bewusst. Damit wir erkennen, ob Handlungsbedarf besteht, müssten wir uns von anderen Feedback holen oder zum Beispiel unsere Stimme während eines Telefonats aufzeichnen.
Wer viel redet und dessen Erfolg auch davon abhängt, wie er es sagt, dem empfehle ich die Füllwort-Übung wärmstens.
Trainiere dir deine Lieblingsworte nicht komplett ab. Lass ein paar Füllworte oder Flickwörter in der geschriebenen und gesprochenen Kommunikation. Nur wo sie zu viel sind, bedenke die Wirkung und ob weniger besser wäre.
Füllwörter im Bereich des blinden Flecks
Wie erwähnt, sind uns die Füllwörter meist gar nicht bewusst. Sie gehören somit zu den "blinden Flecken" in unserer Kommunikation (siehe auch Johari-Fenster). Versuche bitte einmal die folgende Übung, um die eigenen Füllwörter kennenzulernen und um diese in deiner Kommunikation zu reduzieren. Deine Art zu kommunizieren wird so klarer und interessanter. Deine Gesprächspartner werden dir lieber zuhören und dein Reden wirkt sicherer.
Blinder Fleck in der Psychologie – Test Selbstbewusster zu werden macht uns stärker, hilft unnötige Konflikte zu vermeiden und sich als Persönlichkeit weiter zu entwickeln. Doch das ist gar nicht so einfach, denn um selbstbewusster zu werden, müssen wir unseren blinden Fleck kennen und verkleinern. Allerdings ist der blinde Fleck der Persönlichkeitsanteil, der sich vor allem durch die Hilfe unseres Umfeldes (quasi unser Spiegel) erkennen lässt. Lese hier mehr über einen einfachen und doch so wirksamen Weg, um als Persönlichkeit zu reifen und lerne Beispiele für blinde Flecken kennen, die in Beziehungen oder der eigenen Entwicklung problematisch sein können.Beitrag: Blinder Fleck in der Psychologie – Test
Blinder Fleck in der Psychologie – einfacher Test für mehr Selbstbewusstsein
So mancher möchte selbst-bewusster werden. So geschrieben wird klar, dass das mit dem Wissen über uns selbst zu tun hat. Es gibt allerdings in der Selbstwahrnehmung Lücken, Verzerrungen und Schutzmechanismen, die verhindern, dass das Wissen über sich selbst vollständig und "richtig" ist. 1955 entwickelten zwei Amerikaner ein Modell, das in seiner zeitlosen Einfachheit noch heute hilft, das Thema Selbstbewusstsein zu beleuchten und Entwicklung zu ermöglichen. Nutze die Übungen und Anregungen, schätze dich auch selbst ein und werde selbstbewusster. Beitrag: Johari Fenster
Johari Fenster – der einfache, schwere Weg zu mehr Selbstbewusstsein
Umfragen zum Thema "Füllwörter vermeiden"
Welche Füllwörter benutzt du am häufigsten?
Hier die bisherigen Antworten anschauen ⇓
Die bisherigen Stimmen:
| Keine Ahnung - ich achte nicht darauf | 12 Stimmen |
| Äh / Ehm | 10 Stimmen |
| Ok | 7 Stimmen |
| Ja | 6 Stimmen |
| Halt / Quasi / Übrigens | 5 Stimmen |
| Also | 3 Stimmen |
Was ist für dich die größte Herausforderung beim Sprechen?
Hier die bisherigen Antworten anschauen ⇓
Die bisherigen Stimmen:
| Zu viele Gedanken gleichzeitig | 15 Stimmen |
| Angst den Faden zu verlieren | 13 Stimmen |
| Nervosität | 12 Stimmen |
| Etwas auf den Punkt bringen | 9 Stimmen |
| Zeitdruck | 6 Stimmen |
| Unbewusste Angewohnheiten | 6 Stimmen |
| Angst vor Stille | 3 Stimmen |
Die Füllwort-Übungen für besseren Redefluss
Nutze die folgende Übungen, um deine Füllwörter aufzuspüren, Alternativen zu überlegen und einzuüben.
Beobachte dich selbst. Gibt es "Füllwörter" auch in deiner Kommunikation? Komme deinen unbewussten Füllwörtern auf die Schliche und zähle die von dir verwendeten Füllwörter.
Nehme Gespräche z. B. am Festnetztelefon mit dem Smartphone auf. Danach bewertest du die Wirkung deines Gesprächs. Spüre die Füllwörter auf und erstelle eine Strichliste (7 x äh, 12 x ok ...)
Achtung
Achtung: Wenn du Gespräche aufzeichnest, brauchst du vorher die Zustimmung aller Beteiligten, sonst verstößt du gegen das Persönlichkeitsrecht. Am besten du zeichnest nur deine Stimme auf.
Übung 1: Alternativen suchen
Nach der Analyse überlege dir für die 3 häufigsten Füllworte Alternativen oder Synonyme. Mitunter kann eine Pause (also weglassen) die bessere Alternative sein.
Beispiel:
- OK = in Ordnung, genau, richtig ... oder weglassen
- Äääh oder Ehm = hm, lassen Sie mich nachdenken ... oder weglassen
- prinzipiell = weglassen oder Synonyme suchen (Synonyme auf Woxikon)
Notiere die Alternativen auf einem farbigen Zettel, den du zum Beispiel neben das Telefon legst oder vor persönlichen Gesprächen immer wieder anschaust.
„Es gibt nichts, was man mehr fürchten müsste, als eine durch einen Augenblick der Stille entstandene Leere.“
Johann Wolfgang von Goethe
Übung 2: Die Stille-halten-Routine
Diese Routine hilft dir, vor jedem Gespräch, Meeting oder Vortrag innerlich ruhiger und klarer zu werden. Sie dauert weniger als zwei Minuten – wirkt aber oft wie ein Reset-Knopf für deinen Redefluss.
- Drei tiefe Atemzüge: Atme bewusst ein und aus. Richte deine Aufmerksamkeit kurz nach innen. Mit jedem Ausatmen lässt du ein kleines Stück Anspannung los.
- Sage dir: Ich darf mir Zeit lassen: Dieser Satz holt dich aus dem inneren Druck und nimmt das Bedürfnis, sofort antworten oder losreden zu müssen. Du erlaubst dir damit eine ruhigere, bewusstere Kommunikation.
- Überlege dir drei Stellen, an denen du eine Pause setzen willst: Zum Beispiel nach einer Begrüßung oder nach einer wichtigen Aussage. Wenn du Pausen planst, gelingen sie viel natürlicher – und du vermeidest automatisch Füllwörter.
- Starte bewusst ruhig: Beginne etwas langsamer als sonst. Eine halbe Sekunde mehr Stille am Anfang verändert deine gesamte Wirkung: Du klingst ruhiger, überlegter und souveräner.
Mit dieser Übung verankerst du Ruhe im Körper, Klarheit im Kopf und Selbstsicherheit in deiner Stimme. Und sie sorgt dafür, dass Stille für dich "keine bedrohliche Stille" mehr ist, sondern ein Werkzeug, dass dich souveräner wirken lässt und den Zuhörenden eine verdiente Pause gönnt.
Tipp von Elvira Schiemenz-Höfer, Dozentin für Rhetorik und Personalführung für Führungskräfte
"Ich beobachte immer wieder in meinen Seminaren und Workshops, dass Personen, die sich z. B. anderen vorstellen sollen oder Einzelbeiträge halten, sehr unter Stress stehen. Sie haben Redeangst, bzw. Lampenfieber. Wir sind es gewohnt im Dialog zu sprechen.
Wer nun allerdings vor anderen sprechen soll, im Monolog, gerät schnell unter Stress und spricht eher schnell und pausenlos – mit Füllwörtern. Somit sprechen Sie eher schneller und machen „Schlangensätze, /Girlandensätze, Endlossätze.
Diese entstehen, da die Sprechenden Angst haben einen Punkt zu machen, um eventuell den Faden zu verlieren. Diese Endlossätze entstehen, da die Stimme am Satzende oben bleibt und nun Füllwörter, wie „äh, und, em, etc.“ eingesetzt werden.
Dann wird weitergesprochen.
Für die Zuhörer ist das allerdings erschwerend, denn sie können den Inhalten ohne Punkte und Pausen schwer folgen, denn alle Inhalte kommen hintereinander weg.
Was wir lernen sollten, sind kurze Sätze mit einem Inhalt/ einer inhaltlichen Botschaft zu formulieren, dann die Stimme senken einen Punkt und eine kurze Pause machen. Dann kommt der nächste Satz mit einem neuen Inhalt.
Z.B. „Ich bin Elvira Schiemenz-Höfer und wohne in Freiburg im Breisgau.
Vom Beruf her bin ich Dozentin für Rhetorik und Personalführung für Führungskräfte.
Rhetorik beschäftigt sich damit, wie wir vor anderen verständlich und überzeugend sprechen.
Dabei kommt es nicht nur auf den Inhalt, die Worte, sondern auch die passende Stimme, die passende Mimik sowie den passenden Einsatz der Hände an.“
Nun können die Zuhörer den Inhalten folgen und das Gesagte verstehen.
Übung 3: Satzende landen lassen (30 Sekunden)
Manchmal entstehen Füllwörter nicht „im Kopf“, sondern ganz praktisch am Satzende. Darauf hat mich die Rhetoriktrainerin Mag. Elvira R. Schiemenz-Höfer aufmerksam gemacht: Wenn wir am Ende eines Satzes keinen Punkt setzen, sondern mit der Stimme „oben“ bleiben, klingt das wie ein offener Halbsatz.
Und genau in dieser Mini-Lücke rutschen dann gern „äh“, „also“ oder „ok“ rein – als Zeitbrücke.
Merksatz: Satz beenden = Stimme senken + Punkt + kurze Pause.
So geht’s:
- Sprich einen Satz bewusst zu Ende.
- Beim letzten Wort senkst du die Stimme leicht.
- Dann machst du Punkt.
- 1 Sekunde Pause.
- Erst dann sprichst du weiter.
Tipp: Du kannst das direkt in deine Pausen-Routine einbauen: Drei Atemzüge → erster Satz bewusst langsam → Punkt & Pause.
An dieser Stelle nochmals "Danke" an Frau Schiemenz-Höfer für den hilfreichen Impuls.
Übung macht den Meister
Nach zwei Wochen zeichne erneut deine Stimme während eines Telefonats oder während einer Präsentation auf. Vergleiche das Resultat mit dem vorherigen Mal.
Wie beim Sport wird auch bei diesem Training nicht das Anfangen belohnt, sondern das Durchhalten. Mach weiter, bis du zufrieden bist!
blueprints-Pareto-Tipp: Füllwörter vermeiden
„Sprich bewusster langsamer und gönn dir kleine Pausen – sie sind die eleganteste Art, Füllwörter automatisch zu reduzieren. Je ruhiger du startest, desto klarer wirkst du. Kleine Stille, große Wirkung."
Videos zu "Füllwörter vermeiden"
Video: Ähm … Also … Genau! Wie wir Füllwörter loswerden
Länge: 4:19 Minuten
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