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goldener HügelEr gilt als Erfinder des Begriffs "Philosophie", der Liebe zur Wahrheit. Zwei Jahrtausende vor der Erdumrundung von Francis Drake (Start: 1577) postulierte er als Zeitgenosse Buddhas die Kugelform unserer Welt. Seine Reisen führten ihn von Ägypten bis in keltische Gebiete. Heraklit - ebenfalls im gleichen Zeitraum lebend - schrieb, er habe mehr Studien betrieben als irgendein anderer Mensch zuvor. Damit nicht genug: Aristoteles sah ihn als Begründer der modernen Mathematik, noch heute lernt jeder/e Schulgänger/in seinen berühmten Satz zum Thema ebene rechtwinklige Dreiecke. Arzt soll er auch noch gewesen sein. Da wundert es nicht, dass seine Anhänger ihn irgendwo zwischen Erdenkind und Gott ansiedelten. 

Wir sprechen von Pythagoras.

Und dieser Pythagoras war nun überzeugt davon, dass die Seele des Menschen unsterblich sei ...

Was folgerte er daraus? Das wird erkennbar an den berühmten goldenen Versen:

 rolle angeschnitten 650

Die Goldenen Verse des Pythagoras

oder: Die goldenen Sprüche (hier als PDF-Download zum Ausdruck)

  1. Ehre vornehmlich die unsterblichen Götter,
  2. einen jeden nach seinem Range; Achte den Eid
  3. und ehre auch die edlen Helden sowie die Götter der Unterwelt mit den empfohlenen Opfern.
  4. Ehre deine Eltern, die Alten und die nächsten Verwandten.
  5. Mach dir zum Freund, wer an Talenten der weitaus Beste ist.

  6. Lasse dich führen durch sanfte Worte und nützliche Taten.
  7. Grolle nicht bei geringem Verschulden,
  8. wann immer du kannst. Denn muss man, so kann man, was die Pflicht fordert.
  9. Das merke dir und lerne, Folgendes zu beherrschen:
  10. Des Bauches Gelüst, die Schlafsucht, die Wollust

  11. und den Zorn. Treib weder alleine noch mit anderen
  12. Schändliches; prüfe hier vor allem immer zunächst dich selbst.
  13. Übe Gerechtigkeit in Wort und Tat;
  14. Hüte dich davor, dass dein Benehmen nicht unüberlegt erfolgt.
  15. Sondern führe dir stets vor Augen, dass Alle dem Tode verfallen.

  16. Mal erwirbst du ein Gut, bald siehst du es wieder verloren.
  17. Es gibt Leid, dass durch göttliches Geschick über dich kommt;
  18. was dir hierdurch beschieden, ertrage es willig ohne Murren;
  19. Du darfst, wenn es dir möglich ist, dein Los lindern, doch erwäge:
  20. Das Schicksal sendet dem Guten nur wenig Leid.

  21. Der Mensch hört viel Gutes und Schlechtes im Leben, Wahres und Unwahres.
  22. Höre nicht auf jede Rede, verschließe dich aber auch nicht vor allem Wort.
  23. Wenn Lügen dich treffen, dulde sie gelassenen Gemüts.
  24. Erfülle jedoch alles, was ich dir nun sage, in jeder Hinsicht.
  25. Weder Worte noch Taten eines anderen mögen dich dazu verleiten,

  26. etwas zu tun oder zu reden, was deinem besseren Wissen widerspricht.
  27. Überlege vor deinem Handeln, auf dass es nicht töricht werde.
  28. Unbesonnenes Reden und Handeln sind Sache des Gecken;
  29. Du vollführe nur das, was später nicht in Reue endet.
  30. Tue nichts, was über dein Wissen geht; lerne jedoch alles, was notwendig ist.

  31. So wird süß dir das Leben.
  32. Vernachlässige nicht deine Pflicht, dich um deinen Leib zu kümmern;
  33. Speise und trinke mit Maß und übe den Körper.
  34. Mit Maß meine ich, was später keine Schmerzen verursacht.
  35. Gewöhne dich nie an Schmutz in deinem Leben, doch schwelge nicht;

  36. Hüte dich vor Taten, die dir den Neid anderer bescheren.
  37. Meide unzeitgemäßen Prunk, wie gemeine Seelen dies zu tun pflegen;
  38. Meide aber auch schmutzigen Geiz; Maß ist in allem das beste;
  39. Tue nur das, was dir keinen Schaden bringt - überlege vor der Tat.
  40. Nie senke der Schlaf sich auf deine matten Augen,

  41. ehe du jedes Werk des Tages dreimal durchdacht hast:
  42. Worin habe ich gefehlt? Was habe ich getan? Was habe ich wieder meine Pflicht unterlassen?
  43. Beginne bei der ersten Handlung des Tages und gehe sie durch bis zur Letzten.
  44. Hast du Schlimmes getan, bereue es; war es eine edle Tat, dann freue dich.
  45. Darin bemühe dich, betreibe es mit Sorgfalt, liebe es und mache es dir zur Angewohnheit.
    (Tipp hierfür: Download Leitfaden Tagesplanung und Tagesrückschau)

  46. Dies wird dich auf den Pfad der göttlichen Tugend führen;
  47. Wahrlich, ich schwöre es bei dem, der unserer Seele die Vierzahl eingab, Urquell des ewigen Seins.
  48. Doch ehe das Werk du beginnest,
  49. Flehe um gutes Gedeihen bei den Göttern.
  50. Wenn du dies errungen hast, dann erkennst du die unsterblichen Götter und ihre Verbindung zum Wesen der sterblichen Menschen;

  51. Auch wie alles zergeht und wie es regiert wird;
  52. Soweit es dir zusteht, wirst du erkennen, wie die Schöpfung überall gleich gestaltet ist.
  53. Dann wirst du keiner trügerischen Hoffnung mehr erlegen, nichts wird dir verborgen bleiben,
  54. du wirst erkennen, dass des Menschen eigene Schuld die Ursache des Leidens ist,
  55. diese Toren, die das Glück nicht erkennen, auch wenn es ihnen nahe ist, noch es verstehen.

  56. Nur wenige kennen die Erlösung von dem Übel.
  57. Torheit und Verblendung verwirren ihre Sinne.
  58. Gleich einem rollen Rad eilen sie von hier nach da und kommen doch nicht an des Leidens Ende.
  59. Denn im Verborgenen schadet die Zwietracht, diese leidige Gefährtin des Menschen;
  60. Hüte dich davor, diese zu erwecken, entweiche vor ihr und entfliehe!

  61. Vater Zeus! Jeder wäre unzähligen Leides befreit,
  62. wenn jeder von Selbsterkenntnis durchdrungen wär!
  63. Du aber verzage nicht, denn der Mensch ist göttlicher Art;
  64. und die heilige Natur offenbar und lehret ihn alles.
  65. Wenn dir hiervon etwas zuteilwird, wirst du beherrschen, was ich dir bis hierher empfohlen.

  66. Geläuterten Sinnes bewahrst du deine Seele vor diesen Leiden.
  67. Enthalt dich des Fleischgenusses und der Bohnen, übe dich in den Weihen des Körpers,
  68. Wenn deine Seele sich löst, erwäge jegliche Vorschrift,
  69. Stelle an vorderste Front deine Vernunft als sichere Lenkerin;
  70. Wenn du dann deine sterbliche Hülle abstreifst, dich in den freien Äther emporschwingst,

  71. wirst du unsterblich sein, unvergänglich, göttlichen Wesens.

Sprachlich angepasst von Peter Bödeker

Anmerkung: Laut Bruno Nardini (Das Handbuch der Mysterien und Geheimlehren) sind die kursiven Zeilen die verbürgtermaßen ältesten Textteile der Verse und damit altpythagoräischen Ursprungs.

Es sind weitere Anekdoten von Pythagoras überliefert. Dass er Vegetarier war, verwundert nach obigen Zeilen kaum. Wunderlicher erscheint da schon die Überzeugung der Pythagoreer, dass Bohnen dumm machen. Auch Wahrsagefähigkeiten wurden dem umtriebigen Griechen zugeschrieben.

Wie wir den Versen entnehmen können, entsprach für Pythagoras genau wie für Buddha die Reinkarnation einem Sühneprozess. Er ging davon aus, dass er zum vierten Mal lebe.

Der Mensch sei ursprünglich göttlicher Natur und darum wohne in ihm die Fähigkeit, die wahren Ursachen seines Leides zu erkennen und hierdurch auch zu beenden. Gemeint sind die menschlichen Leidenschaften, ausufernde Wünsche und die Unfähigkeit zur gedanklichen Selbstbeherrschung.

Dieses Leid zu überwinden gelinge durch ethische Lebensführung, wie sie in den goldenen Versen empfohlen wird. Demjenigen, der die darin gegebenen Ratschläge beherzige, werde ein "Aufstieg in den freien Äther" versprochen, wo er - so enden die obigen Zeilen - unsterblich das Leben eines Gottes führen wird.

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