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Kein Unternehmen existiert im luftleeren Raum. Es ist eingebunden in ein Umfeld (System), das maßgeblich zu seiner Leistungsfähigkeit beiträgt. Es gibt Zulieferer, Partner, externe Dienstleister bis hin zu den Familien der Mitarbeiter im Unternehmen. Lernen Sie, dieses Unternehmensumfeld bei der Auswahl Ihrer Ziele zu berücksichtigen.

 Wenn ein Unternehmen bzw. die handelnden Personen Ziele anstreben, dann ist dieses Umfeld mehr oder weniger davon beeinflusst. Die Unternehmensziele bzw. die Maßnahmen zur Erreichung angestrebter Zustände in der Zukunft haben Auswirkungen auf dieses Umfeld, die entweder positiv oder negativ sind. Diese Auswirkungen nicht zu berücksichtigen kann sehr gefährlich sein, gerade wenn man sich auf Kosten dieses Umfeldes optimiert oder wichtige Aspekte im Umfeld nicht berücksichtigt.

Beispiel

Ein Unternehmensziel betrifft die Zulieferer in der Gemeinde des Unternehmensstandortes, denn im Zuge der Maßnahmen zur Erreichung des Unternehmensziels kommt es zu massiven Entlassungen bei den Zulieferunternehmen, die seit Jahrzehnten eng mit dem Unternehmen zusammenarbeiten.

Die Einnahmen der Gemeinde sinken, der Ruf des Unternehmens wird mehr und mehr beschädigt, die lokale Presse „schlachtet das Thema aus“. Außerdem wächst die Verunsicherung der Mitarbeiter im Unternehmen, weil in Ihrem Umfeld dieses Thema immer wieder angesprochen wird. Die guten Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, weil sie dieses Vorgehen nicht gutheißen. Das Image des Unternehmens wird weiter beschädigt, weil man auf Zulieferer aus anderen Ländern ausweicht.

Die Aussage eines älteren Mitarbeiters in einem Zulieferunternehmens: „Seit 30 Jahren arbeiten wir nun als Zulieferer für dieses Unternehmen. Wir haben sie mit groß und erfolgreich gemacht. Natürlich haben wir auch gut verdient und sichere Aufträge gehabt, aber so geht man doch nicht miteinander um. …“


Vielleicht ist so etwas in Ihrem Unternehmen schon durch die Werte bzw. Unternehmensphilosophie gar nicht möglich. Aber auch wenn dieses Vorgehen nicht Ihren Werten widersprechen würde, so könnten sich die kurzfristigen Einsparungen, die in dem anfänglichen Ziel formuliert wurden, rächen. Das Umfeld „reagiert“ und die Auswirkungen zeigen sich häufig erst später bzw. lassen sich erst später beziffern.

Deswegen ist es ratsam, sich mit dem betroffenen Umfeld zu beschäftigen. Quantitative Ziele sollten „ökologisch“ sein, was auch die Komponente der Sozialverträglichkeit enthalten kann. Ihr Umfeld hat auch „zugelassen“, dass Ihr Unternehmen zu dem wurde, was es heute ist. Es ist Teil eines größeren Systems, in dem es sich bewegt und handelt. Berücksichtigen Sie dieses System, um langfristig den Erfolg Ihres Unternehmens zu sichern.

Systemischer Zielcheck:
Bevor Sie diesen Zielcheck durchführen, ist es ratsam zu definieren, wer Ihr relevantes Umfeld ist. Nehmen Sie sich Zeit für diese Aufstellung. Sie wird Ihnen helfen Konflikte zu vermeiden, aber auch Partner und Möglichkeiten für Ihre Zielerreichung zu finden bzw. zu gewinnen.

Beispiele für mögliche Betroffene im Umfeld (das System, in dem das Unternehmen eingebunden ist):

  • Zulieferer
  • Partnerunternehmen
  • Beteiligte Unternehmen
  • Externe Dienstleister
  • Freie Mitarbeiter
  • Familien Ihrer Mitarbeiter
  • Gewerkschaften
  • Gemeinde Ihres Firmenstandortes
  • Vertriebspartner

Nachdem Sie Ihr Umfeld definiert haben, überprüfen Sie bitte Ihre Ziele anhand der folgenden oder ähnlichen Fragen. Sie werden so nicht nur Fehler vermeiden, sondern auch wertvolle Informationen für die Zielerreichung erhalten. Visualisieren Sie bitte für alle Beteiligten an diesem Arbeitsschritt die relevanten Informationen.

Mögliche Fragen für einen systemischen Zielcheck:

  • Welche Entwicklungen beobachten wir in unserem Umfeld?
  • Wie beeinflussen diese Entwicklungen unser Unternehmen?
  • Welche Entwicklungen helfen unserem Unternehmen?
  • Was heißt das für unsere Ziele?
  • Welches unserer Ziele ist nachteilig für unser relevantes Umfeld?
  • Müssen wir hier Anpassungen vornehmen bzw. für Ausgleich sorgen?
  • Welche Ziele sind vorteilhaft für unser Umfeld?
  • Sollten wir diese Ziele nach außen kommunizieren?
  • Was ist in unserem Umfeld anders, wenn wir unsere Ziele erreicht haben?
  • Welche Reaktionen könnte das Anstreben unserer Ziele nach sich ziehen?
  • Was haben wir unserem Umfeld zu verdanken?
  • Wer soll in Zukunft nicht mehr zu unserem Umfeld gehören?
  • Wen wollen wir bewusst in unser Umfeld aufnehmen und fördern?
  • usw.

Nachdem Sie die Informationen gesammelt haben, passen Sie Ihre Ziele entsprechend den zusätzlichen Erkenntnissen und Ideen an. Dieser Zielcheck muss nicht zwangsläufig zu kleineren Zielen oder dem Streichen von Zielen führen. Auch das Gegenteil ist möglich, wenn Sie die zusätzlichen Ressourcen und Möglichkeiten des relevanten Umfeldes betrachtet haben.

Ziele zu haben heißt auch Verantwortung zu übernehmen. Diese haben wir nicht nur für unser Unternehmen, sondern auch für unser Umfeld, das uns ermöglichte, zu dem zu werden, was wir sind, und dabei hilft oder hindert, das zu erreichen, was wir in der Zukunft anstreben.

Über den Autor


Michael Behn, Trainer

Michael Behn arbeitet als Unternehmensberater, Trainer und Coach für mittelständische Unternehmen der IT-Branche, für Automobilzulieferer, Produktionsunternehmen und Banken sowie Einrichtungen auf dem Gesundheitssektor.

Schwerpunkte sind konzeptionelle Mitarbeiter- und Unternehmensentwicklung. Häufige Themen sind Vertrieb, Führung, Telefonservice, Teamkommunikation, Zeit- Selbstmanagement. Er hat mehrere Bücher geschrieben, Online-Kurse zu den Themen entwickelt und betreibt ein Onlineportal mit rund 14.000 Mitgliedern.

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