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Gut gewählte Unternehmensziele können der Firmenentwicklung einen deutlichen Schub nach vorn geben. Bei der Auswahl, der Formulierung und der Kommunikation der Unternehmensziele gilt es viele Punkte zu berücksichtigen. Insbesondere der Punkt Verantwortung sowie Langfristigkeit kommt hierbei oft zu kurz.

John F. Kennedy wünschte der Sowjetunion Paroli zu bieten und als Antwort auf deren Erfolg mit dem Sputnik einen Menschen auf den Mond zu bringen. Diesen Wunsch formulierte er folgendermaßen: „Unsere Nation sollte sich zum Ziel setzen, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen zum Mond und wieder heil zur Erde zurückzubringen!“

Mit diesem Ziel gab Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 in einer Rede vor dem amerikanischen Kongress offiziell den Startschuss zum bis dahin größten Raumfahrtprojekt der USA.

Seine Vision: „der Mensch auf dem Mond“, der Wunsch, besser zu sein als die Sowjets, das Ziel, einen Menschen vor dem Ende des Jahrhunderts auf den Mond und zur Erde zurückzubringen und der Wert, es möge „heil“ geschehen, wurde Wirklichkeit.

Kennedys Vision führte zu einer immensen Anzahl von Erfindungen und neuen Entwicklungen, die auf dem Weg zum Ziel, sozusagen als Abfallprodukte, zustande kamen. Am 21. Juli 1969 sahen mehr als eine halbe Milliarde Menschen im Fernsehen, wie Neil Armstrong mit den Worten "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit", die Mondfähre Apollo 11 verließ und den Mond betrat.

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Checkliste: Ziele im Unternehmen

Das Ziel – die Beweggründe sollen hier nicht vertieft werden – löste Motivation in den USA aus und sorgte in acht Jahren für mehr technische Entwicklungen als 60 Jahre Technikgeschichte zuvor.

Nun wollen Unternehmen bzw. die verantwortlichen Unternehmer selten auf den Mond.

Unternehmensziele sind eher erdgebunden und meist nicht politisch motiviert. Aber das Beispiel zeigt sehr gut auf, wie ein klar kommunizierter Wunsch und die daraus formulierten Ziele Kräfte bündeln und Motivation für das Erreichen auslösen.

Zielbereiche von Unternehmen

Ein Wunsch, der jedes Unternehmen treibt, ist es, langfristig Rendite zu erwirtschaften. Sie ist die Grundlage der Existenz eines Unternehmens und muss unbedingt und klar als Ziel formuliert sein.

Die Inhalte der Ziele müssen die Stärken und Schwächen bzw. Potentiale des Unternehmens und dessen Umfeld berücksichtigen. Kenntnisse über den Markt, die Konkurrenz, Zielgruppen und politische Entwicklungen sind wichtige Informationen, die bei der Erarbeitung von Unternehmenszielen zu berücksichtigen sind.Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren. (André Gide)

Die möglichen Zielbereiche eines Unternehmens sind sehr unterschiedlich und hängen unter anderem mit der Gesellschaftsform, Größe, den Wünschen der Verantwortlichen, dem Markt, den Produkten und Dienstleistungen, dem Status quo etc. zusammen. Die folgende Aufzählung weist auf häufig in Zielen auftretende Bereiche hin.

Beispiele für Zielbereiche

  • Umsatz, Ertrag, Rendite, Shareholder Value
  • Rücklagen, Investitionen, Kredite
  • Produkt- bzw. Dienstleistungsmix
  • Marktdurchdringung, Marktpräsenz, Marktauftritt
  • Partner, Kooperationen, Fusionen
  • Standort, Produktionsort
  • Mitarbeiterzahl, Organisationsstruktur
  • Qualitative Aspekte der Führung (aus den Werten)
  • Vertriebsmodelle
  • Entlohnung, Rentenmodell
  • Qualifikation der Mitarbeiter

Da die Unternehmensziele das Fundament der Arbeit mit Zielen im ganzen Unternehmen darstellen, ist es hier besonders wichtig, „kraftvolle und eindeutige Ziele“ zu finden, zu formulieren und zu kommunizieren.

Je konkreter die Ziele formuliert sind, umso wirksamer wird die Steuerung des Unternehmens. Abteilungen bzw. Mitarbeiter erhalten zeitliche, quantitative und qualitative Bezugspunkte für die Formulierung eigener Ziele. Wie sollten sonst in diesen Bereichen eigene Ziele formuliert, verwirklicht und der Erfolg gemessen werden und Kontrolle und Feedback möglich sein?

Unternehmensziele und Verantwortung

Wer pflanzt schon Bäume, unter deren Schatten er nie sitzen wird? Wer denkt bei seinen Handlungen an die Folgen in zehn Jahren, wenn er schon lange nicht mehr im Unternehmen ist? Leider führt solches Denken bzw. diese Sichtweise oft dazu, dass Ziele zu kurzfristig und Werte und Visionen oft gar nicht formuliert werden. „Nach mir die Sintflut“, scheinen manche Manager zu denken.Jeder ist für alles vor allen verantwortlich. (Fjodor Michailovitsch Dostojewskij)

Verantwortung zu übernehmen für sein Tun und für sein Unterlassen zeichnet verantwortungsvolle Unternehmensführer und Führungskräfte aus. Sie schielen nicht nur nach persönlichen Vorteilen und verstecken ihre wahren Absichten nicht hinter salbungsvollen Absichtserklärungen.

Aus Visionen Unternehmensziele abzuleiten, zu formulieren und zu kommunizieren ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Diese Herausforderung wird von „reifen“ Persönlichkeiten aktiv angenommen, um das langfristige Bestehen im Markt und den Erfolg der handelnden Menschen im Unternehmen zu sichern.

Wer formuliert die Unternehmensziele?

Auch wenn beim Erarbeiten und Formulieren der Ziele sowie im späteren Planungsprozess verschiedene Personen beteiligt sind, so kann letztendlich nur derjenige die Ziele festlegen bzw. „ja“ zu ihnen sagen, der für das Erreichen bzw. Nichterreichen im Risiko steht. Und das ist der Unternehmer bzw. die Summe der Kapitalgeber, die z.B. bei Aktiengesellschaften durch die Aufsichtsräte vertreten sind.

Dass sich der verantwortliche Unternehmer Rat, Ideen und Anregungen holt, um diese Ziele realistisch, klar und sinnvoll zu gestalten, entbindet ihn nicht davon, die Verantwortung zu übernehmen, denn er wird die Auswirkungen auf sein Unternehmen erfahren. Er kann sich über das Erreichen freuen und wird beim Nichterreichen mit den Konsequenzen umgehen müssen.

Hier liegt aber auch häufig die Crux, denn angestellte Manager oder Geschäftsführer in Unternehmen erfahren diese Konsequenzen häufig nicht oder nur bedingt. Bei der positiven Entwicklung des Unternehmens werden sie gefeiert, aber bei einer negativen Entwicklung tragen sie die Konsequenzen, wenn überhaupt, nur bedingt.

Deswegen kann es sinnvoll sein, den Managern und Geschäftsführern nur eine empfehlende oder beratende Funktion beim Erarbeiten langfristiger Ziele einzuräumen. Das letztendliche Verabschieden sollte bei den Unternehmern, den Kapitaleignern bzw. deren Vertretern, den Aufsichtsräten, liegen, die im Risiko stehen.

Wenn aber Kapitaleigner keine Vision haben, können sie logischerweise keine Formulierung von klaren, dem Erreichen dieser Vision dienenden Zielen fordern. Sie sind häufig vom Tagesgeschäft des Unternehmens weit entfernt und delegieren diese wichtige Aufgabe.

Es soll Manager oder Geschäftsführer geben, die die Messbarkeit ihrer Leistung verhindern, indem sie sich weigern, Ziele klar und genau zu fixieren.

Unternehmensziele zu erarbeiten, zu kommunizieren und an ihrer Erreichung zu arbeiten ist die Basis langfristig erfolgreicher Unternehmensführung. Sie bedarf des Weitblicks und der Verantwortung, die klar zugeordnet werden muss.

Zeiträume der Unternehmensziele

Als Zeitraum für langfristige Ziele werden häufig 3 - 5 Jahre angegeben. Dies mag für manche Unternehmen und Märkte zutreffend sein, reicht aber oft nicht aus, um einem Unternehmen eine stabile Richtung zu geben.

Vielmehr stellt sich die Frage: „Was ist in unserem Markt ein langfristiger Zeitraum, der weit genug gefasst ist, um in unserem Unternehmen zukunftsweisende und -sichernde Entwicklungen bzw. Veränderungen zu realisieren?“

Diese Frage wird ein kleines Unternehmen im IT-Sektor wahrscheinlich anders beantworten als ein großes Unternehmen in der Automobilindustrie.

Der Zeitraum für mittelfristige Ziele stellt einen „Meilenstein“ auf dem Weg zum langfristigen Ziel dar. Er kann zur Vereinfachung in der Mitte des Zeitraums zu langfristigen Unternehmenszielen gesetzt werden.
Als kurzfristige Ziele der Unternehmensführung bietet sich häufig das Kalenderjahr bzw. das Geschäftsjahr an. Es können aber auch Saisonziele oder Aktionsziele als Unterziele sinnvolle Zeiträume sein.

Unternehmensziele im Fluss der Zeit

Ziele zu formulieren und für die Zukunft zu planen, ist ein Prozess, der sein Ende erst mit der Auflösung des Unternehmens findet.

Folgendes Schaubild stellt stark vereinfacht einen solchen Prozess der Unternehmensziele im Fluss der Zeit dar.

Image 

In diesem Beispiel wird jeweils zum Zeitpunkt des mittelfristigen Planungshorizontes (mittelfristige Ziele) erneut geplant. Aus den ehemals langfristigen Zielen werden zu diesen Zeitpunkten die mittelfristigen Ziele und neue langfristige Ziele werden erarbeitet. Natürlich müssen diese Zeitpunkte auch zur Zielerreichungskontrolle (Ergebnis/Ziel) und der Zielkontrolle (Ziele noch realistisch und erstrebenswert) genutzt werden.
Wird ein solcher Zielplanungsprozess im Unternehmen fortgeführt, die Erfolge gefeiert, die Misserfolge bzw. Abweichungen analysiert, aus Fehlern gelernt und den Mitarbeitern zeitnah kommuniziert, dann erleben die Mitarbeiter ein positives Vorbild zur Arbeit mit Zielen und eine Grundlage für Unternehmenserfolg ist gegeben.

 

 

Über den Autor


Michael Behn, Trainer

Michael Behn arbeitet als Unternehmensberater, Trainer und Coach für mittelständische Unternehmen der IT-Branche, für Automobilzulieferer, Produktionsunternehmen und Banken sowie Einrichtungen auf dem Gesundheitssektor.

Schwerpunkte sind konzeptionelle Mitarbeiter- und Unternehmensentwicklung. Häufige Themen sind Vertrieb, Führung, Telefonservice, Teamkommunikation, Zeit- Selbstmanagement. Er hat mehrere Bücher geschrieben, Online-Kurse zu den Themen entwickelt und betreibt ein Onlineportal mit rund 14.000 Mitgliedern.

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