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Unzufriedenheit als Motor deiner eigenen Entwicklung

Es gibt Tage und Wochen, da scheint einfach nichts zu laufen. Du hast das Gefühl, das Unglück geradezu anzuziehen. Du bist unzufrieden, haderst mit deinem Schicksal, ärgerst dich über andere, über dich selbst oder über die Umstände.

Manchmal sucht sich diese Unzufriedenheit dann ein Ventil: Du wirst gereizt, unfair, ungeduldig oder ziehst dich zurück. Das ist menschlich. Doch nur wenige nutzen genau diese Kraft produktiv für die eigene Weiterentwicklung.

Dabei steckt in Unzufriedenheit oft eine wichtige Botschaft.

Der deutsche Dichter Christian Friedrich Hebbel schrieb einmal:

„Und der ich bin, grüßt traurig den, der ich könnte sein!“

Genau an diesem Punkt stehen wir manchmal: Wir spüren den Abstand zwischen dem, was gerade ist, und dem, was möglich wäre. Zwischen dem Menschen, der wir im Moment sind, und dem Menschen, der wir sein könnten.

Der Ärger, die Ohnmacht oder die Enttäuschung, die du empfindest, haben deshalb nicht nur mit den äußeren Umständen zu tun. Sie zeigen dir auch etwas über deine Wünsche, Werte, Grenzen und ungelebten Möglichkeiten.

Die entscheidende Frage lautet:

Nutzt du diese Unzufriedenheit als Antrieb – oder bleibst du in ihr stecken?

Du kannst dich deinem Schicksal ergeben. Du kannst klagen, abwarten und anderen die Schuld geben. Oder du kannst deine Unzufriedenheit als Signal verstehen: Hier stimmt etwas nicht. Hier will etwas gesehen, verändert oder gelernt werden.

Inhalt: 

Übung: Handlungsanweisungen an dich selbst

Wenn du wieder einmal in einer solchen Phase bist, probiere die folgende Übung aus.

1. Nimm dir Blatt und Stift

Schreibe am besten mit der Hand. Das verlangsamt dein Denken und hilft dir, klarer zu werden.

Setz dich an einen ruhigen Ort und nimm dir einige Minuten Zeit. Es geht nicht darum, perfekte Antworten zu finden. Es geht darum, ehrlich mit dir selbst zu werden.

2. Notiere etwa zehn Fragen zu deiner aktuellen Situation

Schreibe Fragen auf, die dich gerade wirklich beschäftigen.

Zum Beispiel:

  • Was stört mich gerade am meisten?
  • Warum fühle ich mich blockiert?
  • Warum komme ich beruflich oder finanziell nicht so voran, wie ich möchte?
  • Was bedeutet Glück für mich?
  • Warum scheitern bestimmte Vorhaben immer wieder?
  • Wovor drücke ich mich?
  • Worüber ärgere ich mich immer noch?
  • Was vermeide ich?
  • Welche Entscheidung schiebe ich vor mir her?
  • Was müsste ich eigentlich lernen?

Wichtig ist: Formuliere die Fragen so, dass sie dich berühren. Sie dürfen unbequem sein. Genau dort liegt oft der Nutzen.

3. Beantworte jede Frage so kurz wie möglich

Nachdem du alle Fragen notiert hast, beantwortest du sie selbst. Versuche, deine Antwort möglichst knapp zu formulieren. Manchmal reicht ein Satz. Wenn möglich, reduziere die Antwort sogar auf ein einziges Wort.

Beispiele:

Was stört mich gerade am meisten?
Ich.

Warum habe ich nicht den Erfolg, den ich mir wünsche?
Mut.

Was bedeutet Glück für mich?
Ziele erreichen.

Warum scheitern meine Vorhaben?
Disziplin.

Warum ärgere ich mich immer noch?
Lernen.

Was vermeide ich?
Entscheidung.

Was fehlt mir gerade?
Klarheit.

Diese kurzen Antworten wirken manchmal hart. Aber gerade ihre Klarheit kann hilfreich sein. Sie bringen auf den Punkt, was du vielleicht längst weißt, aber bisher nicht ausgesprochen hast.

4. Formuliere daraus kurze Handlungsanweisungen

Nun verwandelst du jede Frage und jede Antwort in eine konkrete Handlungsanweisung an dich selbst.

Nutze die Kernbotschaft, die in deiner Frage und deiner Antwort verborgen ist.

Beispiele:

Ich → Arbeite an dir.
Mut → Sei mutiger.
Ziele erreichen → Arbeite konsequent an deinen Zielen.
Disziplin → Handle disziplinierter.
Lernen → Lerne, gelassener zu werden.
Entscheidung → Triff die notwendige Entscheidung.
Klarheit → Schaffe Klarheit, bevor du weiterläufst.
Vermeidung → Geh den nächsten kleinen Schritt.

Formuliere die Sätze kurz, direkt und aktiv. Sie sollen dich nicht beschämen, sondern aufrichten.

Nicht:
„Ich bin undiszipliniert und bekomme nichts hin.“

Sondern:
„Arbeite heute an einem kleinen Schritt.“

Nicht:
„Ich habe wieder versagt.“

Sondern:
„Lerne daraus und mach weiter.“

Nicht:
„Ich weiß nicht, was ich will.“

Sondern:
„Nimm dir Zeit für Klarheit.“

Mach deine Handlungsanweisungen sichtbar

Schreibe deine wichtigsten drei bis fünf Handlungsanweisungen auf einen kleinen Zettel. Lege ihn an einen Ort, an dem du ihn in den nächsten Tagen immer wieder siehst: an den Schreibtisch, an den Spiegel, ins Notizbuch oder neben den Bildschirm.

Dieser Zettel soll dich erinnern, wachrütteln und stärken. Nicht als Druckmittel, sondern als Orientierung.

Vielleicht stellst du fest: Viele Antworten kennst du bereits. Du musst sie nur ernst nehmen.

Unzufriedenheit kann dann zu einem Wendepunkt werden. Sie zeigt dir, wo du nicht mehr ausweichen solltest. Sie macht sichtbar, was dir fehlt. Und sie kann dir die Energie geben, etwas zu verändern.

Ergänzende Frage: Was darf bleiben?

Es gibt allerdings auch einen zweiten Weg: Nicht jede Unzufriedenheit verlangt sofort nach Veränderung. Manchmal geht es nicht darum, härter zu kämpfen, sondern etwas anzunehmen.

Deshalb ergänze deine Übung am Ende um zwei Fragen:

Was kann ich konkret verändern?
Was sollte ich im Moment akzeptieren lernen?

Denn Entwicklung besteht aus beidem: aus mutigem Handeln und aus kluger Akzeptanz.

Du musst nicht alles sofort lösen. Aber du kannst heute beginnen, deine Unzufriedenheit nicht nur zu beklagen, sondern sie als Hinweis zu nutzen.

Vielleicht liegt genau darin ein Schlüssel für deinen Erfolg, deine Gelassenheit und dein Glück.

Ein umgekehrter Weg liegt in der Akzeptanz der Umstände. Siehe dazu den Artikel: Wie werde ich mit meinem Leben zufrieden - Übung in 6 Schritten.

 

 

Geschrieben von

Michael Behn
Michael Behn

Michael arbeitet als Trainer und Coach im Bereich Kommunikationstraining und Selbstmanagement. Er arbeitet bundesweit für kleine und mittelständische Unternehmen. Schwerpunkt sind Führungstrainings, Verkaufstrainings und das Thema Zeit- und Selbstmanagement. Er ist Gründer von blueprints, was seit dem Jahr 2000 eine Leidenschaft von ihm ist. -> Michael Behn auf Xing: https://www.xing.com/profile/Michael_Behn/web_profiles ||| Beraterprofil: https://www.behn-friends.de/fileadmin/user_upload/PDF/bf-Trainer-_und_Beraterprofil-Michael-Behn-19U.pdf

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