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Freunde finden, Frau und Hund

Freunde finden – Wo findet man Freunde (als Erwachsener)?

Als Kind und Jugendlicher ist es für die meisten Menschen ganz einfach, andere Leute kennenzulernen.  Die Freunde fliegen einem fast automatisch zu. Die Schule hilft nicht nur dabei, Fachwissen für das Leben zu vermitteln. Sie stellt uns vor allem zum ersten Mal vor echte soziale Herausforderungen, indem sie uns für mehrere Jahre mit unterschiedlichen anderen Menschen in einem Klassenraum zusammenwürfelt. Der Vorteil dabei: Daraus ergeben sich fast automatisch Freundschaften. Mit fortschreitendem Alter werden solche Gelegenheiten jedoch immer seltener. Um auch als Erwachsener Freunde zu finden, ist deshalb mehr Proaktivität gefragt als im Kindesalter.

 

Bist du auf der Suche nach Freunden?

 

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1. Was sind Freunde?

Schon die Philosophen der Antike wie beispielsweise Aristoteles oder Cicero haben sich damit auseinandergesetzt, eine gute Definition für Freundschaft zu finden.

Aristoteles sieht darin eine für die Gemeinschaft notwendige eigenständige Sozialbeziehung zwischen zwei Menschen. Als besondere Einflussfaktoren nennt er dabei die folgenden Faktoren:

  • Die beiden Menschen ähneln sich sehr (Gleichheit der Beteiligten)
  • Sie sind etwa im gleichen Alter
  • Sie sind gemeinsam aufgewachsen

Darüber hinaus stellte er fest, dass Freundschaften primär aus drei unterschiedlichen Gründen eingegangen werden: Entweder es erwartet sich jemand einen Nutzen davon, die Freundschaft verspricht einen Lustgewinn oder sie wird um des Wesens Willen eingegangen (also vereinfacht ausgedrückt: einfach, weil der oder die andere einem sympathisch erscheint).

Dazu muss jedoch erwähnt werden, dass das Altgriechische Wort „Philia“, auf das er sich dabei bezog, damals sowohl Freundschaft als auch Liebe bedeuten konnte. Vor allem hinter dem Lustgewinn dürfte deshalb wohl eher die Liebe beziehungsweise die Verliebtheit und nicht die Freundschaft im heutigen Sinn stehen.

Auch wenn sich Aristoteles und andere um eine exakte Definition bemüht haben: Eine Freundschaft ist letzten Endes das, was die Beteiligten daraus machen. Wikipedia definiert sie als ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis zueinander. Das trifft es im Kern sehr gut, der individuelle Gestaltungsspielraum ist dabei jedoch sehr groß.

Jede Freundschaft hat dabei für den Menschen, der sie eingeht, einen unterschiedlichen Wert. Sie beruht auf Freiwilligkeit und hat im Normalfall keine sexuellen Handlungen zum Ziel.

„Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt."

Otto von Bismarck (1815-1898), deutscher Politiker und Staatsmann

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2. Was zeichnet echte Freunde aus?

Aristoteles unterscheidet Freundschaften, die aus einem bestimmten Nutzen eingegangen werden von jenen, die nur um des Wesens Willen geschehen. Genau in dieser Definition lassen sich auch bereits die Merkmale echter Freundschaft erkennen.

Wenn es sich dabei um eine Beziehung handelt, die nur deswegen eingegangen wird, weil sich jemand daraus einen Nutzen erwartet, kann nicht von einer echten Freundschaft gesprochen werden.

Die echte, wahre Freundschaft basiert darauf, dass sie von keinem der Beteiligten in erster Linie eingegangen wird, weil er sich davon etwas erwartet. Folgende Merkmale deuten darüber hinaus darauf hin:

  • Bedingungslose Akzeptanz: Jeder, der einen guten Freund hat, kennt das schöne Gefühl, angenommen zu werden – ganz unabhängig von seinen Schwächen und Fehlern. Niemand braucht sich innerhalb dieser Freundschaft zu verstellen und kann so sein, wie er ist.
  • Ehrlichkeit: In vielen Situationen ist es angenehmer, sich mit einer kleinen Lüge aus der Affäre zu ziehen. Jemand anderem die Wahrheit zu sagen, erfordert hingegen Courage und eine enge Bindung. Das nehmen die meisten Menschen nur dann in Kauf, wenn ihnen der andere Mensch sehr wichtig ist.
  • Treue und Vertrauen: Egal, was man gerade macht. Ein guter Freund ist für einen da. Das bedeutet nicht, dass man sich ständig sieht. Gute Freundschaften können auch längere Phasen von Wochen oder Monaten ohne persönlichen Kontakt überdauern. Zu erkennen ist das, wenn nach langer Abwesenheit sofort wieder das alte Vertrauensverhältnis besteht. Das bedeutet auch, man kann sich sicher sein, dass Freunde Dinge für sich behalten, die ihnen im Vertrauen erzählt werden.
  • Verzeihen: Auch in Freundschaften kann es manchmal krachen. Das gehört zu menschlichen Beziehungen einfach dazu. Gute Freunde zeichnet aus, dass sie danach wieder unbekümmert aufeinander zugehen und spätestens nach ein paar Wochen über den Konflikt lachen können.

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3. Warum brauchen wir Freunde?

Menschen sind Rudeltiere und verkümmern, wenn sie allein sind. In der Geschichte des Menschen war es in vielen Phasen überlebensnotwendig, die Verbindung zu seiner Horde oder seinem Stamm aufrechtzuerhalten. Die Isolation führte auf lange Sicht meistens zum Tod.

Oft ist von angeblichen Versuchen an Babys zu hören, die zwar gefüttert wurden, aber keine soziale Zuwendung erhielten und daraufhin verstarben. Obwohl es zu diesen Studien keine Quellenangaben gibt, ist dieses Phänomen unter der Bezeichnung „Hospitalismus“ bekannt. Darunter werden alle Symptome verstanden, die auftreten, wenn Kindern in den ersten zwei Jahren ihres Lebens keine dauerhafte emotionale Zuwendung zukommt.  Die Folge davon sind vermehrte körperliche Krankheiten, Desinteresse an der Umwelt sowie eine verzögerte Entwicklung.

Ähnliche Symptome zeigen sich auch bei Erwachsenen, die keine Beziehungen zu anderen Menschen haben. Genauso wie andere Menschen Hunger empfinden, haben diese Menschen ein verstärktes Gefühl der Einsamkeit. Laut Wissenschaftlern aus den USA und Australien konnte mithilfe von Gehirnscans nachgewiesen werden, dass bei Menschen, die einsam sind, die gleichen Regionen im Gehirn ansprechen wie bei körperlichem Schmerz.

Forscher sind überzeugt, dass die Einsamkeit ähnlich schädliche Auswirkungen hat wie Rauchen, Übergewicht oder Bewegungsmangel. Wir brauchen unsere Freunde also buchstäblich, um zu überleben.  

"Von allen Geschenken, die uns das Schicksal gewährt, gibt es kein größeres Gut als die Freundschaft - keinen größeren Reichtum, keine größere Freude."

Epikur (341-270 v. Chr.), griechischer Philosoph

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4. Warum haben viele Erwachsene keine Freunde?

Viele Erwachsene, die als Kinder viele Freunde hatten, stellen irgendwann in ihrem Leben fest, dass ihnen die meisten davon im Laufe des Lebens abhandengekommen sind. Sie bemerken, dass sich eine gewisse Leere in ihrem Leben eingestellt hat.

Neue Freunde zu finden fällt ihnen plötzlich jedoch viel schwerer als im Kindesalter. Die Unbeschwertheit, ohne Hintergedanken auf andere Menschen zuzugehen, ist einfach nicht mehr vorhanden. Viele haben Angst davor, dass sie sich blamieren oder bei anderen einen schlechten Eindruck hinterlassen könnten, wenn sie ihr Herz zu sehr öffnen. Sie setzten sich unter Druck und befürchten, dass andere Menschen dahinter nur billige Anbiederungsversuche wittern.

Erschwerend kommt hinzu, dass jeder bereits seinen festen Freundeskreis zu gefunden haben scheint und kein gesteigertes Interesse daran hat, diesen aktuell zu erweitern. Viele Erwachsene haben einen festen sozialen Kontext, z. B. Familie und Beruf, und sind deswegen nur noch selten in Situationen, in denen sie überhaupt neue Leute kennenlernen könnten. 

Die fortschreitende Digitalisierung hat unsere Kommunikationsfähigkeiten in den letzten Jahren noch zusätzlich verringert. Viele Menschen finden es heute schon fast befremdlich, wenn andere mit ihnen in einer Kneipe zu sprechen beginnen. Der gute alte belanglose Smalltalk ist so gut wie ausgestorben.

Das Vertrauen in andere Menschen scheint ebenso gesunken zu sein. Viele vermuten bei Kontaktversuchen von vornherein eine böse Absicht einer anderen Person. 

Viele Menschen haben außerdem eine Wunschvorstellung davon, wie ihre perfekte Freundschaft aussehen sollte. Diese teils hohen Erwartungen stellen eine zusätzliche Bürde dar.

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5. Warum verliert man Freunde?

Freunde verliert man in erster Linie deshalb, weil man sich nicht um die entsprechenden Beziehungen gekümmert hat. Auch wenn gute Freunde einem vieles verzeihen, sind Freundschaften kein Selbstläufer und müssen gepflegt werden wie eine wertvolle Pflanze.

Vor allem ab einem Alter von etwa 30 Jahren zerbrechen viele Freundschaften. Dafür gibt es keinen konkreten Anlass, in den meisten Fällen laufen sie eher aus. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein.

Viele Menschen stürzen sich beispielsweise in den Beruf und konzentrieren sich auf ihre Karriere. Anstelle der bisherigen Freunde wird viel Zeit mit den Kollegen verbracht. Eine Zeit lang sieht es so aus, als wären diese nun die wahren Freunde. Das ist allerdings meistens nur so lange der Fall, bis der Job gewechselt wird.

Andere Menschen stürzen sich voll auf ihre Beziehung und ins Familienleben. Gerade in der ersten Phase der Verliebtheit verbringen die meisten Menschen gerne sehr viel Zeit mit ihrem neuen Partner. Bei manchen bleibt das aber dauerhaft so und das erweiterte Familienumfeld rückt in den Lebensmittelpunkt. Oft fehlt dann einfach die Zeit oder die Energie, sich noch mit Freunden zu treffen.

In vielen Fällen haben auch Umzüge in andere Orte, Städte und Länder dazu geführt, dass der ursprüngliche Freundeskreis verlorengegangen ist. Mit Tools wie Skype oder Zoom lassen sich heutzutage die Beziehungen zwar auch über große Distanzen recht gut aufrechterhalten, doch ein persönliches Treffen ist auch heute noch unersetzbar.

Alte Freundschaften wiederbeleben 

Es ist möglich, dass man sich seinen ehemaligen Freunden wieder annähert, z. B. weil sich eure Lebenssituationen verändert haben. Es kann jedoch auch sein, dass man sich inzwischen einfach zu weit voneinander entfernt hat. Es empfiehlt sich deshalb im Zweifelsfall, sich einfach mal wieder auf einen Kaffee treffen und zu reden. Wichtig ist, keine große Erwartungen zu haben. Während dem Treffen schaut man, ob der Funke wieder überspringt.  

"Freundschaft ist wie Geld, leichter gewonnen als erhalten."

Samuel Butler (1835-1902), britischer Schriftsteller 

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6. Wo lernt man neue Freunde kennen?

Wer neue Freunden sucht, sollte sich in Situationen begeben, in denen er neue, unbekannte Menschen kennenlernen kann. Das bedeutet in der Regel, die eigene Komfortzone, also den eigenen sozialen Kontext, zu verlassen. Wichtig ist außerdem, offen zu sein und die Bereitschaft, sich auf andere einzulassen. 

Neue Freunde sind vor allem und besonders gut dort zu finden, wo die eigenen Interessen liegen. Ein guter Anknüpfungspunkt sind beispielsweise Sportvereine Tanzkurse oder ehrenamtliche Tätigkeiten. 

Nach langer Zeit sein altes Hobby wiederzubeleben ist ebenfalls eine gute Strategie. So ist es möglich, neue Personen beispielsweise in einer Reisegruppe, in einem Schauspielkurs oder im Chor zu finden.

Der Besuch von Konzerten bietet ebenfalls die Möglichkeit, Gleichgesinnte zu finden. Bestimmte Künstler haben in vielen Städten organisierte Fangemeinschaften, denen man sich zunächst online und in weiterer Folge auch bei Treffen und Konzerten anschließen kann.

Auch der Entschluss, sich weiterzubilden, kann sehr hilfreich sein. Wer beispielsweise in einem Seminar eine neue Sprache lernt, findet schnell das Gespräch mit anderen Menschen. Etwa, wenn es darum geht, die Gründe für das Erlernen der Sprache auszuloten.

Ein Haustier kann ebenfalls der Schlüssel zu einem neuen sozialen Leben sein. Denn nicht nur die Vierbeiner selbst sind sehr gute Freunde, sie erleichtern auch den Zugang zu anderen Menschen. Beispielsweise beim Spaziergang mit dem Hund wird man oft von anderen Hundebesitzern angesprochen und kann so auch künftige gemeinsame Ausflüge vereinbaren.

Zum Freunde finden bieten sich für Eltern besonders folgende Orte an: 

  • Krabbelgruppe
  • Spielplatz
  • Babyschwimmen, Stillcafé o. Ä. 

In der heutigen Zeit bietet das Internet zahlreiche Möglichkeiten, Menschen kennenzulernen und sich zu vernetzen. Egal ob Dating-Portale, Facebookgruppen oder Blogs: Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt und es ist für jeden etwas dabei.

Wichtig ist auch, die eigenen Erwartungen und Wünsche nicht zu hoch zu schrauben. Es ist wie in der Liebe. Wenn es funkt, dann hat man einen neuen Freund fürs Leben gefunden. Andernfalls vielleicht nur einen Kumpel oder einen netten Gesprächspartner. Das ist schließlich auch schon ein Fortschritt.

Den ersten Schritt gehen

Vielen Menschen fällt besonders der erste Kontaktversuch schwer. Sie sind unsicher, schüchtern und wissen nicht, wie sie ein beispielsweise ein Gespräch anfangen sollen. Doch genau darin liegt oft das Problem und deswegen ist es umso wichtiger, solche Situationen zu suchen. Auch für die soziale Fähigkeit, auf andere zuzugehen, gilt: Übung macht den Meister.

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7. Wie oft sollte man Freunde treffen?

Es gibt keine allgemeine Regel, wie oft man Freunde treffen sollte. Viele Menschen haben Freude daran, ihre Freunde mehrmals pro Woche zu treffen. Andere sind damit zufrieden, wenn sie höchstens ein bis zwei Mal im Monat oder noch seltener persönlichen Kontakt zu ihren Freunden haben.

Um Beziehungen aufrechtzuerhalten, ist es jedoch wichtig, entsprechende Signale auszusenden. Eine einfache, nette Nachricht oder die Nachfrage nach dem Befinden ist in solchen Fällen schon ausreichend.

Wer die meiste Zeit mit seiner Arbeit oder der eigenen Familie beschäftigt ist und die Freunde dennoch nicht vernachlässigen möchte, sollte sich dafür ein regelmäßiges Zeitfenster in seinem Kalender eintragen. So ist es möglich, beispielsweise immer am ersten Freitag im Monat einen Tisch in seinem Stammlokal zu reservieren und die Treffen so zu „ritualisieren“.

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8. blueprints-Pareto-Tipp: Freunde finden

Ein blueprints-Pareto-Tipp fasst kurz und knapp zusammen, was die wichtigsten Anregungen zum Thema sind. Es ist eine Art Merksatz, an den wir bei verschiedenen Gelegenheiten in der Guten Morgen Gazette erinnern.

"Neue Freunde zu finden fällt einem besonders als Erwachsener schwierig. Wichtig ist, offen für andere zu sein und seine Erwartungen nicht zu hoch anzusetzen. Der einfachste und beste Weg, um neue Kontakte zu knüpfen, ist über deine Interessen und Hobbys mit Menschen ins Gespräch zu kommen."

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9. Mehr zum Thema auf YouTube, Amazon und Co.

Das Internet ist voller Tipps, Ratgeber und Anleitungen. Wir präsentieren dir im Folgenden eine Auswahl.

Tedtalk: I have no friends - Courtney Ryman (Englisch)

Länge: 16 Minuten

Youtube-Videos zum Thema

Länge: 8 Minuten

Länge: 15 Minuten

Länge: 13 Minuten

Bücher auf Amazon zum Thema



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