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Blinder Fleck in der Psychologie - einfacher Test für innere Stärke

Selbstbewusster zu werden und innere Stärke aufzubauen macht uns stärker und hilft uns, wenn schwierige Zeiten kommen sollten. Doch das ist gar nicht so einfach, denn um selbstbewusster zu werden, müssen wir unseren blinden Fleck verkleinern.

Allerdings ist der blinde Fleck der Persönlichkeitsanteil, der sich nur mit Hilfe unseres Umfeldes (quasi unser Spiegel) verkleinern lässt. Lesen Sie hier mehr zu einem einfachen und doch nicht so einfachen Weg, um als Persönlichkeit zu reifen.

  

(Bild: Blinder Fleck, Psychologie, Test)

Das Johari-Fenster

Jeder hat unbewusste Anteile, z. B. Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen, die uns selbst häufig gar nicht bewusst sind. Auch gibt es Aspekte unserer Persönlichkeit, die wir in der Regel vor anderen verbergen - weil diese uns peinlich oder unangenehm sind oder weil wir der Meinung sind, dass sie die anderen nichts angehen.

Die amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harry Ingham von der Universität von Kalifornien (1972) entwickelten ein grafisches Modell, das diese Fremd- und Selbstwahrnehmung auf eine einfache Weise abbildet.

Die Bereiche des Fensters zeigen auf, welche Aspekte uns und/oder unserer Umwelt bekannt oder nicht bekannt sind.

Seit den 70er Jahren spielt das Modell bei der gruppendynamischen Arbeit eine bedeutsame Rolle und gehört zum Standardrepertoire gruppendynamischer Modelle und Verfahren.

"Willst du die Weisheit dir erjagen, lerne Wahrheit erst ertragen!"

Sprichwort

Die öffentliche Person

Dieser Teil des gemeinsamen Wissens beinhaltet jene Aspekte des Verhaltens, die dem Betroffenen und seinem Umfeld bekannt sind. Da der Betroffene dieses Verhalten kennt, kann er es (bis auf unveränderbare Handlungen) verändern und die Reaktionen seiner Umwelt beobachten.

Die Privatperson (Unsere Geheimnisse)

Hier befinden sich die Aspekte des Denkens und Handelns, die jemand vor seiner Umwelt verbirgt oder nicht bekannt macht.

"Heimliche Wünsche", "empfindliche Stellen" und "tiefe Ängste" sind Beispiele. Bewusst kann jemand an diesen Punkten arbeiten, sie mit anderen besprechen und gezielt alternative Verhaltensmöglichkeiten erarbeiten.

Das "Coming out" (Herauskommen) von Homosexuellen ist ein Beispiel. Jahrelang können diese Neigungen im Bereich der "Privatperson", also verborgen vor der Umwelt, gelegen haben. Durch das Bekanntmachen wurde es zum Teil der "Öffentlichen Person".

Je nachdem, mit wem wir zusammen sind, ist dieser Bereich größer oder kleiner. Unser Partner oder bester Freund wissen zumeist mehr über diesen Bereich als andere Menschen. Je distanzierter wir zu jemandem sind, umso größer wird der Bereich der Privatperson. Aber egal wie gut wir jemanden kennen, meist bleibt ein kleiner Teil, den wir verbergen.

Das Unbekannte

Dieser Teil umfasst den unbewussten Bereich und ist weder dem Betroffenen noch seiner Umwelt unmittelbar zugänglich. In der Tiefenpsychologie wird dieser Anteil als "unbewusst" bezeichnet und kann dort zum Gegenstand der gewollten Entwicklung werden.

Beispiele sind verborgene Talente, ungenützte Begabungen, Traumata, Triebe oder Instinkte. Diese zeigen sich zwar in Verhaltensweisen, Antrieben oder psychosomatischen Reaktionen, aber deren Ursachen sind unklar. Weder dem Betroffenen noch seiner Umwelt sind sie bekannt.

Der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, war der Meinung, dass unser Denken und Handeln im Alltag zu 80 - 90 % von unserem Unbewussten gesteuert wird.

Das Unbekannte selber zu erkennen ist kaum möglich. Mit Hilfe psychotherapeutischer Verfahren ist es aber teils möglich.

"Mensch, erkenne dich selbst, dann weißt du alles."

Sokrates

Blinder Fleck

Hier befindet sich der Anteil des Verhaltens, den jemand selbst über sich nicht weiß oder wahrnehmen will.

Die Umwelt hingegen nimmt diese Verhaltensweisen wahr. Diese Gewohnheiten, Vorlieben, Abneigungen, Vorurteile und Verhaltensweisen könnten wir uns, anders als das Unbekannte, jedoch bewusst machen. Dazu müssen wir Hinweise in Form von Feedback aufnehmen oder aktiv erfragen. Auch Verärgerung und Konflikte können helfen, Anteile dieses Bereichs (blinder F.) zu erkennen und Entwicklung zu ermöglichen.

Da wir in diesem Fall mehr über unser Verhalten und unsere Wirkung wissen, wird dieser Bereich verkleinert. Nun haben wir die Möglichkeit, wo gewollt, Veränderungen in unserem Verhalten herbeizuführen.

Johari-Fenster - Beispiele für blinder Fleck:

  • Arrogant wirkendes Auftreten
  • Abwehrende Verhaltensweisen bei Kritik
  • Eindruck von Gesprächspartnern, dass wir nicht zuhören
  • Unbewusste Gewohnheiten (sprachlich, körpersprachlich)
  • Belehrende Kommunikation, Eigene "Wahrheit" verkünden
  • Vorurteile
  • Nur immer das Negative sehen (extremer Pessimismus)
  • Killerphrasen bei neuen Ideen anderer
  • Eitles Auftreten
  • Übertrieben unterwürfiges (devotes) Verhalten
  • Alles sehr persönlich nehmen

 

Die Psychologen Ethan Zell von der Universität von North Carolina und Zlatan Krizan von der Iowa State Universität werteten 22 Meta-Studien zum Thema Selbstwahrnehmung aus und kamen zu folgendem Ergebnis: Der Großteil der mehr als 200.000 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer hatten erhebliche Schwächen bei ihrer Selbsteinschätzung. Die Stärken wurden regelmäßig überschätzt und die Schwächen wurden übersehen oder unterschätzt.

 

Drei Übungen, um selbstbewusster zu werden und innere Stärke aufzubauen

1. Aktiv Feedback einholen - Fremdwahrnehmung aktivieren

Wer mehr über sich erfahren möchte, für den ist die Umwelt ein wertvoller Helfer. Sie spiegelt unser Verhalten. Dieser Spiegel wird gut nutzbar, wenn wir Kritik und Anerkennung wahrnehmen oder gar aktiv erfragen, um mehr über das eigene Wirken und Handeln wahrzunehmen.

So erhalten wir die Entscheidungsmöglichkeit, ob wir Verhaltensweisen ändern wollen oder nicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Selbstbewusste weniger emotional reagiert, da er seine Schwächen, Empfindlichkeiten und Tretminen kennt.

Deswegen empfehlt sich immer wieder Rückmeldungen zum eigenen Tun und Lassen von unserem Umfeld einzuholen. Die Kritik und Anerkennung von anderen Menschen ist für "das Lernen über uns" wichtig - ein wichtiger Aspekt unserer Selbstfindung und unserer inneren Stärke.

Aus diesem Grund ist es ratsam, bei Kritik nicht beleidigt und bei Lob oder Anerkennung nicht euphorisch zu sein, sondern es als eine Meinung wahrzunehmen, die uns zu einem besseren Selbstbild verhilft. Es geht bei Feedback nicht um Wahrheit, sondern um Wahrnehmung.

"Wir lieben die Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir."

Mark Twain

 

2. Potentialanalyse nutzen

Um innere Stärke aufzubauen und den eigenen, erfolgversprechenden Weg zu finden, ist die Kenntnis der eigenen Potentiale und Talente erforderlich.

Diese sind uns nicht immer bewusst. Was in der einen Rolle eine Stärke und vorteilhaft ist, kann in einer anderen eine Schwäche und nachteilig sein.

Nehmen wir als Beispiel den Buchhalter, der durch hohe Redegewandtheit und seine starke Extravertiertheit im Unternehmen auffällt, weil diese Eigenschaften in der Rolle des Buchhalters nicht als Stärken erwartet werden. Würde die gleiche Person in den Außendienst wechseln, sähe das anders aus.

Nutzen Sie den folgenden Leitfaden, um Ihre Stärken und Schwächen zu analysieren und Ihren blinden Fleck ein klein wenig zu verringern. (siehe Bild: Blinder Fleck, Psychologie, Test)

Zum kostenlosen Download auf blueprints.de

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PDF  Analyse-Leitfaden

 

 

3. Freie Einschätzung der Stärken und Schwächen

Ein hilfreicher Test ist die freie Einschätzung von Stärken und Schwächen. Gehen Sie dazu folgendermaßen vor:

  1. Notieren Sie Ihre Stärken und Schwächen auf einem Blatt Papier. Lassen Sie sich bitte Zeit für die Übung und betrachten Sie sich kritisch selbst. Versuchen Sie mindestens jeweils 10 kleine bis größere Stärken und Schwächen zu finden und gewichten Sie die gefundenen.

    Nutzen Sie dazu folgende Bewertung:
    A: sehr stark ausgeprägte Stärke oder Schwäche und im Alltag relevant
    B: stark ausgeprägte Stärke oder Schwäche und im Alltag relevant
    C: vorhandene Stärke oder Schwäche und im Alltag kaum relevant

    Beispiel: A-Schwäche: Furcht vor Ablehnung; Lampenfieber, B-Schwäche: etwas eitel

  2. Nun bitten Sie einen Freund oder eine Freundin Ihre Stärken und Schwächen ebenso einzuschätzen. Die ABC-Einschätzung wird hier nicht immer möglich sein aber bitten Sie ihn/sie trotzdem. Den Hinweis, dass Sie mit dem Ergebnis wertschätzend umgehen und sich für die kritische Beurteilung bedanken, lasse ich weg. ;-)

  3. Wenn Sie die Bewertungen nun neben einander legen, können Sie Ihre Entwicklungspotenziale ein wenig besser einschätzen. Meist treten signifikante Abweichungen von Selbst- und Fremdeinschätzung auf. Sie werden sehen, wo jemand Sie stärker einschätzt als Sie selber und manchmal werden Sie etwas erfahren, was Ihr Wissen ergänzt. Auf jeden Fall werden Sie selbstbewusster und die Übung wird Ihre innere Stärke erhöhen oder festigen.

 

Vorsicht bei Persönlichkeitstest
Persönlichkeitstests sind immer eine starke Vereinfachung. Jedoch sind wir Menschen komplexe Wesen, die sich nicht in Schubladen sortieren lassen. Da gibt es zum Beispiel Rote, Grüne und Gelbe. Das mag als Start, sich mit der eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen, hilfreich sein. Aber passen Sie auf, dass Sie nicht in der Schublade bleiben und die Einschätzung zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird.

 

Innere Stärke aufbauen

Nutzen Sie die Werkzeuge, um innere Stärke aufzubauen. Sie werden selbst-bewusster werden, weil Sie mehr über Ihre Wirkung sowie Ihre Stärken und Schwächen erfahren.

Sobald Sie Ihre blinden Flecken aufdecken, haben Sie die Möglichkeit, an sich zu arbeiten. Sie können freier und weniger ängstlich auftreten und sich als Persönlichkeit Schritt für Schritt weiter entwickeln.

"Volk und Knecht und Überwinder,
Sie gestehn zu jeder Zeit:
Höchstes Glück der Erdenkinder
Sei nur die Persönlichkeit."

Goethe

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Frage: Welche Erfahrungen mit Fremdwahrnehmung und Selbstwahrnehmung haben Sie gemacht?

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