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zeit frau tanz 6s 564

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.

Marie von Ebner-Eschenbach

 

(Unsere) Zeit ist heutzutage ein bewegendes Thema. Wir merken es an der Tatsache, dass das Wort "Zeit" (nach einer bestimmten Zählart) das häufigste Substantiv der Deutschen ist.

Vielleicht liegt es an der allgegenwärtig empfundenen Überforderung, dass die uns zur Verfügung stehende Zeit einen solchen Stellenwert in unserem Leben einnimmt. Oder auch daran, dass die Zeit zu den größten Wundern unseres Universums zählt. Sie ist ein Mysterium, das wir als ganz selbstverständlich hinnehmen.

Eines ist klar: Unsere Zeit ist begrenzt. Lassen Sie uns darum Gedanken großer Geister zur sinnvollen Nutzung unseres Zeitkontingents anschauen, die erfreulicherweise auch den Zeiten der Muße großen Stellenwert einräumen. Sie erhalten Inspirationen für Ihre eigene Zeitverteilung und motivierende Argumente, eigenständig zu priorisieren.

Am Ende erwartet uns dann das Geheimnis der vergessenen Zeit und mögliche Pfade dorthin.

 

Arbeitszeit – das goldene Kalb der Moderne

"Zeit ist Geld"

schrieb Benjamin Franklin in seinem Buch "Ratschläge für junge Kaufleute" (1748) und bahnte damit den Weg für eine Einstellung, die jede Zeit der Pause als (unnötig) kostspielig ansieht.

Denken wir darüber nach. Zeit ist doch deutlich mehr Wert als Geld. Verlieren wir etwas Geld, können wir es durch andere Projekte oder neue Kunden zurückgewinnen. Verlieren wir dagegen Zeit, ist diese für immer verloren.

 

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Ein Mysterium für die Wissenschaftler

Physikalisch gesehen definiert Zeit die Abfolge von Ereignissen, hat im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung. Gemäß der einsteinschen Relativitätstheorie bildet die Zeit mit dem Raum eine vierdimensionale Raumzeit, in der sie mathematisch gesehen die Rolle einer Dimension erhält.

Die von Seiten der Achtsamkeits-Verfechter vielgepriesene Gegenwart an sich ist nur in einem einzigen Punkt definierbar, während andere Punkte der Raumzeit, die weder in der Vergangenheit noch der Zukunft dieses Punktes liegen, als nur "raumartig getrennt" von diesem Punkt bezeichnet werden.

 

Hmm – schön und gut, aber hilft uns das weiter? Nicht sonderlich. Wir halten fest: Kein Forscher weiß, wie die Zeit in die Welt gekommen ist geschweige denn, wie wir unsere Zeit sinnvoll nutzen sollten.

 

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Die Wahrheitslieber und -sucher

Was sagt die Philosophie zum Thema Zeit? Hier heißt es, die Zeit beschreibt das Voranschreiten der Gegenwart aus der Vergangenheit kommend und zur Zukunft hinführend. Zeit ist die vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommene Form des Wandels oder der Abfolge von Ereignissen. Diese Veränderungen begründen den Eindruck einer "Richtung der Zeit".

Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das kostbarste stehlen: die Zeit.

Napoleon

 

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Und die Religion?

Stellvertretend sei hier ein bekannter Vers aus der Bibel zitiert, hinter dem große Lebensweisheit steckt:

Der Prediger Salomo (Buch Kohelet)

Alles hat seine Zeit

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

  • geboren werden hat seine Zeit,
  • sterben hat seine Zeit;
  • pflanzen hat seine Zeit,
  • ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;
  • töten hat seine Zeit,
  • heilen hat seine Zeit;
  • abbrechen hat seine Zeit,
  • bauen hat seine Zeit;
  • weinen hat seine Zeit,
  • lachen hat seine Zeit;
  • klagen hat seine Zeit,
  • tanzen hat seine Zeit;
  • Steine wegwerfen hat seine Zeit,
  • Steine sammeln hat seine Zeit;
  • herzen hat seine Zeit,
  • aufhören zu herzen hat seine Zeit;
  • suchen hat seine Zeit,
  • verlieren hat seine Zeit;
  • behalten hat seine Zeit,
  • wegwerfen hat seine Zeit;
  • zerreißen hat seine Zeit,
  • zunähen hat seine Zeit;
  • schweigen hat seine Zeit,
  • reden hat seine Zeit;
  • lieben hat seine Zeit,
  • hassen hat seine Zeit;
  • Streit hat seine Zeit,
  • Friede hat seine Zeit.

 

Und dann ergänzt Salomo noch etwas destruktiv:

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.

Dennoch, dies sind sehr tiefsinnige Verse, die an vielen Stellen im Leben hilfreich ihre Wirkung entfalten können. Das Leben ist nun mal kein Ponyhof und in schweren oder traurigen Zeiten ist es für viele ein tröstlicher Gedanke, dass dies seit undenklichen Zeiten eben "dazugehört".

 

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Vom Pessimismus zum Carpe Diem

Das Buch Kohelet ist über weite Passagen von tiefem Pessimismus geprägt, die Interpretationen gehen auseinander. Im Zentrum steht jedenfalls die Frage nach dem menschlichen Glück. Koheleth (Salomo) muss als Sucher der Weisheit vor dem Hintergrund seiner Zeit gesehen werden.

Sein Fazit:

Alle irdischen Genüsse führen letztlich nur zur Leere, der Tod löscht letztendlich jede Errungenschaft des Lebens aus.

Aber seine Schlussfolgerungen daraus können uns bei unserer Zeit-Priorisierung helfen:

Salomo (Kohelet) empfiehlt uns, das Leben zu nutzen und jeden Tag als einzigartig zu genießen, da die Zukunft ungewiss sei.

Welch moderne Sicht der Zeitnutzung: Carpe Diem. Auch bei den Epikureern findet sich eine derartige Denkweise.

 

Das zum mehr theoretischen Zeit-Hintergrund. Wenden wir uns nun der praktischen Seite der Zeit zu.

 

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Uns fehlt ein Zeitorgan

Forschungsergebnisse der Hirnforschung, Molekularbiologie und Psychologie führen zu dem Schluss, dass

  • Empfindungen,
  • Gedanken,
  • Erinnerungen,
  • Zeitgefühl und
  • Bewusstsein

im Menschen so eng miteinander verknüpft sind, dass sie im Erleben normalerweise nicht getrennt werden können, sondern ineinander übergehen.

Zeitgefühl, Gedanken und menschliches Bewusstsein
treten nur gemeinsam zutage.

Wir besitzen also keinen Sinn für Zeit, erfahren diese nur durch obige Phänomene.

Die Zeit verweilt lange genug für denjenigen, der sie nutzen will.

Leonardo da Vinci

 

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Wie die Zeit im Flug vergeht

Wir empfinden die Länge einer Zeitdauer in Abhängigkeit davon, was innerhalb dieser Zeitspanne geschieht. Ereignisreiche Zeiträume vergehen wie im Fluge, erscheinen kurz. Zeiten, in denen kaum etwas passiert, werden tendenziell als (quälend) lang empfunden.

Trügerische Erinnerung

Interessanterweise erscheint uns dies in der Retrospektive umgekehrt. Ereignisreiche Zeiten mit vielen Informationen werden als laaaange abgespeichert. Ereignisarme Zeiten führen zu einer geringen Informationsabspeicherung im Gedächtnis und werden so subjektiv als kurz bewertet.

Wir brauchen viele Jahre bis wir verstehen, wie kostbar Augenblicke sein können.

Ernst Ferstl


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Meine Zeit sinnvoll nutzen

 

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Das Geheimnis der vergessenen Zeit


Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich [...] sind wir alle nur sterblich.

Jean-Luc Picard (Raumschiff Enterprise)

Fazit

  • Zeit ist nicht übertragbar
  • Zeit ist nicht lagerbar
  • Zeit vergeht und lässt sich von niemandem aufhalten

Zeit ist eine begrenzte Ressource – verteilen wir Sie mit Bedacht. Der Begriff "Zeitmanagement" ist allerdings irreführend. Wir können die Zeit nicht managen. Wir können nur uns selbst in der Zeit managen. Der Lohn, der winkt, löst Freude aus: Mehr leben, entspannter leben und zufriedener leben. 

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