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menschen die ich nicht mag

Kennen Sie auch Personen, die Sie zur Weißglut treiben? Menschen, die Sie nicht mögen? Nun können wir diese Menschen nicht alle meiden, denn manchmal sind es Arbeitskollegen, Geschäftspartner, Kunden oder gar Familienmitglieder.

Wir müssen trotzdem mit diesen Menschen auskommen und zwar möglichst so, dass wir die Souveränität wahren und nicht zu viel Energie verlieren. Was können wir tun und was sollten wir unterlassen, im Umgang mit diesen Personen?

Die folgenden Anregungen sollen Ihnen dazu dienen, die Situation zu analysieren. Lernen Sie etwas über Ihren Konflikt mit der Person und damit über sich. So werden Sie Möglichkeiten finden, besser mit diesen Menschen umzugehen, die Sie nicht mögen, und als Persönlichkeit reifen


"Wenn du dir selber eine Freude machen willst, dann denk an die Vorzüge deiner Mitmenschen."

Mark Aurel

 

Da wir die Person nicht ändern können, bleibt uns aber die Möglichkeit, unsere Einstellung zu ihr bzw. zu solchen Konflikten zu prüfen. Vielleicht sind es unsere Glaubenssätze, also Annahmen wie die Welt funktioniert, die für uns zu Problemen führen.

Folgende Glaubenssätze können helfen, die Situation mit der "nicht gemochten Person" zu verändern. Die Glaubenssätze sind bewusst in der zweiten Person formuliert. So sind sie wirksamer und löschungsresistenter.

  • Erziehung, Kulturkeis und unterschiedliche Wertesysteme führen zu verschiedensten Persönlichkeiten.
  • Jeder hat das Recht auf Andersartigkeit. Auch Du.
  • Herausfordernde Personen sind Trainingspartner. Sie helfen Dir, reifer zu werden und nicht nur älter.
  • Du bist nicht der Maßstab.
  • Nicht jeder mag Dich.

Weitere hilfreiche Glaubenssätze, Impulse und Übungen lesen Sie nun im Einzelnen.

"Miss nicht den Nächsten nach dem eignen Maß!"

William Shakespeare

 

wenn ich nicht mag

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Der Filter - wen ich nicht mag, den mag ich nicht

Wir Menschen neigen nicht nur zum Vorurteil, sondern wir haben auch die Tendenz zu bestätigen, was wir schon immer wussten.

Wenn wir jemanden nicht mögen, dann nehmen wir vor allem die Informationen auf, die das bestätigen. Ein "Filter" entsteht. Die gleiche Information, Aussage, Begebenheit etc. wird anders bewertet, ob ich jemanden mag oder nicht.

Die "Wahrnehmungsfalle" führt dazu, dass unsere Meinung immer und immer wieder bestätigt wird. So festigen sich unsere Meinung und das scheinbare Wissen über diese nicht gemochte Person. Eine Schublade, aus der sie nur schwer wieder rauskommt.

Aus diesem Grund ist es wertvoll, die eigene Meinung immer von neuem auf den Prüfstand zu stellen. Zugegeben - Meinungen oder Vorurteile zu verändern ist schwer, aber es ist schaffbar und lohnt sich. Einstein schrieb dazu einst: "Es ist einfacher ein Atom zu spalten als ein Vorurteil."

Übung: Suchen Sie mal bei einer von Ihnen nicht gemochten Personen nach positiven Aspekten, Informationen, Stärken … Machen Sie sich den Wahrnehmungsfilter beim nächsten Treffen bewusst und probieren Sie die Sicht auf diese Person anzupassen.

 

"Wenn mancher Mann wüsste, wer mancher Mann wär,
Tät' mancher Mann manchem Mann manchmal mehr Ehr."

Karl Simrock, Die deutschen Sprichwörter. Sprichwort 1818
(Das gilt auch für die Damen der Schöpfung!)

 

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Der Eigenanteil und Reiz-Reaktionskreislauf

Wie wir auf andere wirken und sie damit beeinflussen, ist uns nicht immer bewusst. Dies können Wortwahl, Gestik, Mimik, Vorurteile oder ablehnende Verhaltensweisen sein. Manchmal reicht schon eine unbewusst gesendete verbale Bestrafung oder "Du-Depp-Aussage" am Beginn einer Bekanntschaft, um die Beziehung nachhaltig zu stören.

Es ist also auch möglich, dass wir immer wieder unbewusst Reize senden, die den anderen dazu veranlassen, selbst Verhaltensweisen zu zeigen, die bei uns negativ ankommen. Ein "Reiz-Reaktionskreislauf" ist entstanden, der nicht dazu führt, dass die Beziehung besser wird.

Was uns dabei helfen kann diesen Kreislauf zu stoppen, ist, den Eigenanteil zu erkennen und dann unser Verhalten zu ändern. Diesen "blinden Fleck" aufzuspüren ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung.

Impuls: Beschäftigen Sie sich mit dem Johari-Fenster und verkleinern Sie Ihren blinden Fleck. Auch dieser Beitrag zum Thema Kommunikationsverhalten kann für den Eigenanteil sensibilisieren.

 

den mag ich nicht weil 

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Projektionen - den mag ich nicht, weil ich gerne so wäre

Ein weiterer Grund, warum wir Personen nicht mögen, ist ein Abwehrmechanismus, der als Projektion bezeichnet wird. Projektion bedeutet, dass wir Anteile unseres Innenlebens auf eine andere Person projizieren.

Stellen Sie sich eine junge Frau vor. Nennen wir sie Nadine. Sie wäre manchmal gerne ein klein bisschen weniger bescheiden und würde gerne mal ihre Erfolge aufzeigen. Der Konflikt besteht aber darin, dass Nadine in der Kindheit gelernt hat, immer schön bescheiden zu bleiben (siehe Glaubenssätze).

Nun löst Nadine diesen Konflikt dadurch, dass sie jemanden sucht, der das Verhalten zeigt, was sie sich eigentlich wünscht. Diese Person mag Nadine dann nicht, weil sie das Verhalten zeigt, was Nadine gerne zeigen möchten, sie sich aber verwehrt.

Übung: Prüfen Sie, ob eventuell eine Projektion vorliegt, wenn Sie jemanden partout nicht mögen. 

"Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen."

Sigmund Freud

 

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Souveränität üben

Wer auf Personen trifft, die er nicht mag, der gerät in Gefahr emotional zu werden. Wir verlieren in der Emotion schnell die Kontrolle über unser Tun und Lassen. Das Problem ist, dass wir dann in Konfliktsituationen kopflos reagieren, den Konflikt verstärken oder die Beziehung verschlechtern.

Wer seine Souveränität verliert, der raubt sich selbst viel Lebensenergie und verbaut sich den Weg, Konflikte zu lösen oder auf eine von uns nicht gemochte Person einen vernünftigen Blick zu haben. Die Geschichte im unteren Kasten zeigt, wie es auch anders gehen kann.

Lesetipp: Wer an diesem Thema arbeiten möchten, der findet Anregungen im Beitrag "Gelassen werden - 9 Anregungen, 1 Übung".

 

Eine Geschichte aus dem Coaching

Ein langjähriger Kunde, der seit längerem an seiner hitzigen, aufbrausenden Art arbeitete, erzählte mir folgende Geschichte: "Wissen Sie, ich komme aus einfachen Verhältnissen und bin auch kein reicher Mann. Ich kann gut leben und mag meinen Beruf. Eines Tages besuchte ich mit meinem Kumpel, ein extrovertierter, etwas lauter und wohl situierter Mann, einen Freund von ihm. Dieser Freund war reich, sehr reich ... Irgendwie störte mich dieser Typ mit seinem lauten Hoppla-hier-komm-ich-Auftreten.

Wir drei saßen im Hafen und eine Bekannte meines Freundes setzte sich zu uns. Etwas später fing der besagte Freund an, sich über die Bekannte meines Kumpels lustig zu machen. Sie merkte es nicht und so wurde er immer unverschämter in seinen Aussagen. Ich merkte, wie mir das Adrenalin in Richtung Kopf stieg.

Als sie zur Toilette ging, sagte ich: 'Ich finde es nicht in Ordnung wie Du mit ihr umgehst. Das finde ich sehr respektlos.'

Er erlebte es nicht so und ich sollte mich hier mal nicht als Moralapostel aufspielen. Da wurde ich in meinen Aussagen etwas deutlicher.

Darauf schien ihn die Emotion zu übermannen und er sagte: 'Kein Wunder, dass Du kein Geld hast und auf keinen grünen Zweig kommst. Du bist ein Weichei und wirst nie zu Geld kommen.' Das war unsachlich, hatte jedoch gesessen. Aber ich merkte bereits 2 - 3 Sekunden nach seinem Ausspruch, dass diese Worte ihn scheinbar mehr verletzt hatten als mich.

Ich blieb ruhig, gab ihm Recht und sagte, dass ich mich ab nun mit Kritik an ihm zuhalten würde. Die Folge war, dass er ab dem Zeitpunkt um meine Verzeihung und meine Zuneigung buhlte, was mich zwar auch etwas störte, mir aber zeigte, dass ich auch anders reagieren kann als böse und laut zu werden. Und es zeigte mir auch, dass es anders als zu Zeiten meiner Wutausbrüche meist besser funktioniert. Ich hatte ein Quäntchen Souveränität gewonnen."

vorbild sein 

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Vorbild sein - Kategorischer Imperativ

Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füge keinem anderen zu. Das ist zwar nicht der kategorische Imperativ von Kant aber die Idee ist ähnlich. Wir sollten uns bewusst machen wie verletzend es ist, wenn wir abgelehnt und verletzt werden.

Auch, wenn wir Meinungen nicht teilen, anders über das Leben denken und unsere Werte sich von denen einer anderen Person unterscheiden, der Umgang sollte möglichst wertschätzend bleiben und nicht verletzen.

Jede Verletzung, die wir anderen zufügen, verletzt auch immer mehr oder weniger uns selbst. 

Immanuel Kants Kategorischer Imperativ:

"Handle so, dass der Beweggrund deines Willens jederzeit als Grundsatz einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."

 

 
 

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Masken und Schutzmechanismen

Wir zeigen nicht immer unsere Sorgen, Nöte und Ängste. Wir legen uns Masken zu, die unser verletzliches Selbst verbergen. Wir nutzen Schutzmechanismen, um uns vor Verletzungen zu bewahren und innere Spannungen abzubauen.

Personen, die distanziertes, arrogantes Verhalten zeigen, sind nicht selten schüchtern und haben ein geringes Selbstbewusstsein. Personen, die viel reden, sind häufig unsicher und haben ein geringes Selbstwertgefühl. Personen, die laut und angeberisch auftreten, fehlt häufig Anerkennung für Leistungen - und das zumeist seit sie Kinder waren (siehe Glaubenssätze oder innere Antreiber).

Von den meisten Menschen sehen wir nur die Maske. Auch das sollte uns bewusst sein, wenn wir auf Menschen treffen, die wir nicht mögen.

Anregung: Wir sollten nicht versuchen alle zu mögen, aber wir sollten bedenken, dass jeder seine Geschichte hat, die ihn oder sie prägte. Jeder hat seine Verletzungen, Sorgen, Nöten und Ängste so wie wir auch - dieses Bewusstsein kann einen dann im Urteil über andere etwas milder stimmen.

"Misstraue Deinen Vorurteilen."

Es geht noch extremer und gefährlicher. Wie singen die Ärzte zu diesem Thema so passend:

Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe.
Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.
Du hast nie gelernt dich zu artikulieren.
Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit.

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Thematisieren des Themas

Zumeist gehört dazu etwas Mut, aber es kann hilfreich sein etwas mehr über die nicht gemochte Person zu erfahren. Wer an einer Verbesserung der Situation interessiert ist, dem steht natürlich der Dialog als Möglichkeit zur Verfügung.

Der Ausgang ist ungewiss, denn wer solche Themen anspricht, muss damit rechnen, dass es nicht funktioniert oder gar ein finaler Strich unter eine mögliche Verbesserung gezogen wird.

Generell ist es hilfreich, mehr über nicht gemochte Personen zu erfahren. So können wir Verhaltensweisen besser verstehen und einordnen. Dieser Kontakteffekt kann dazu führen, dass eine Annäherung möglich ist. Außerdem können wir die oberen Punkte 1 - 5 für uns noch besser verstehen und eventuell etwas über uns selbst lernen.

"Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es auf jeden Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht."

Hermann Hesse

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Meiden oder Flucht - wenn es nicht anders geht

Es kann aber sein, dass trotz allem Verständnis oder aller Bemühungen wir uns einfach nicht wohl fühlen. Die Zusammentreffen mit dem Menschen, den wir nicht mögen, rauben uns Energie, verärgern uns oder ähnliches. Ein ewiger, unbelehrbarer Miesepeter, ein unerträglicher Oberlehrer, ein notorischer Wichtigtuer … wo kein Wille zu Veränderung ist, ist auch kein Weg.

In diesem Fall, falls es machbar ist, könnten wir einer möglichen Eskalation mit Kontaktvermeidung oder Flucht begegnen. 

"Merkmal großer Menschen ist, dass sie an andere weit geringere Anforderungen stellen als an sich selbst."

Marie von Ebner-Eschenbach

 

menschen ich nicht mag chance

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Menschen, die ich nicht mag, haben eine Chance verdient

Denken Sie bitte an die zuvor angesprochenen Themen Kategorischer Imperativ (5) und Glaubenssätze. Wenn wir aus diesen beiden Themen einen Leitsatz entwickeln müssten, dann könnte er lauten:

"Gib auch Menschen eine Chance, die Du nicht magst, denn eines Tages könntest Du Dir wünschen, dass jemand Dir eine Chance gibt."

Einerseits ist es wertschätzend und die meisten von uns nicht gemochten Menschen verdienen diese Chance. Wer dies versucht, übt sich auch ein wenig in Demut und söhnt sich mit den eigenen Fehlern und Schwächen aus, denn hiervon haben wir alle genügend in unserem Rucksack.

Wir können nicht jeden mögen und mit allen Menschen klar kommen, aber wir können es versuchen. So reifen wir als Persönlichkeit und machen diesen Planeten ein klein wenig besser.

Wenn Sie nach oben scrollen, finden Sie jeweils den Text markiert, der gerade vorgelesen wird.

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