Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

mach es nicht allen recht

Es allen recht machen wollen - versuchen Sie das bitte nicht

Wer das Patentrezept für Scheitern sucht, der sollte genau das probieren: "Versuchen Sie es, allen recht zu machen". Wie formulierte es Franz-Josef Strauß einst so treffend: "Everybody's Darling is Everybody's Depp".

Menschen, die es jedem recht machen möchten, haben einen schweren Stand, denn das ist nicht möglich und raubt viel Energie. Außerdem führt dieses Verhalten häufig zu dem, was der Handelnde gerade nicht will. Lesen Sie hier, warum diese Verhaltensweise quasi eine Falle ist und was wir dagegen tun können. Zeitkonto und Selbstwertgefühl werden es Ihnen danken.

 
 

"Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann."

Robert Bosch, deutscher Industrieller,
Ingenieur und Erfinder, * 23.09.1861, † 12.03.1942

 

Aussagen von Personen mit der "Mach-es-allen-recht-Einstellung"

Die folgenden Aussagen, so erschreckend sie klingen, sind Teil der Realität von Frauen und Männern, die sehr stark unter der besagten Einstellung leiden.

  • Andere sind wichtiger als ich.
  • Wenn ich nicht sofort helfe, bin ich ein schlechter Mensch.
  • Ich kann nichts ablehnen, denn jemand könnte mir böse sein.
  • Vor Ablehnung fürchte mich.
  • Ich will immer jedem sofort helfen. (Auch wenn sie es nicht möchten.)
  • Ich mache mir häufig Sorgen darüber, was andere über das denken, was ich tue oder sage.
  • Die Meinung anderer spielt eine zentrale Rolle in meinem Leben.
  • Ich gehe jedem Konflikt aus dem Weg. Ich habe Angst, andere zu verletzen. Dann fühle ich mich nicht gut.
  • Manchmal habe ich sogar Angst, dass ich meine Meinung sagen könnte.
  • Wenn jemand in meiner Nähe lacht, denke ich oft, dass jemand über mich lacht.
  • Meine Meinung ist weniger wert als die Meinung anderer.
  • Mein Leben ist dann gut, wenn alle mich mögen.

Wir merken, wohin das führen kann. Anerkennung und Wertschätzung sind selten die Folge, sondern man erntet eher Mitleid und wird zum Teil ausgenutzt.

Böse Stimmen nennen solche Menschen sogar Ja-Sager oder Menschen mit akutem Helfersyndrom. Es entsteht quasi ein Teufelskreislauf, weil nicht erkannt wird, dass das eigene Verhalten das verstärkt, was man eben nicht möchte. Die Person gibt also noch mehr "Gas" und die Spirale zum Negativen bzw. zum Ungewollten dreht sich weiter. Es kann so weit gehen, dass andere uns nicht mehr achten und wir gar unsere Selbstachtung verlieren.

Dass dies schlimmstenfalls zu Burnout und Depressionen führen kann, kann sich jeder vorstellen, und es sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Ein Beispiel aus dem Privaten

Es gibt zum Mittag Kartoffelbrei. Nur für Hannes gibt es die Extraportion Kroketten, weil er Kartoffelbrei nicht ganz so gerne mag. (Er ist nicht allergisch oder ihm wird schlecht, wenn er ihn isst ...). Die Köchin (mit ihm verwandt) möchte es jedem recht tun. Sie kann nicht Nein sagen.

Nun wird die Köchin noch länger in der Küche stehen als üblich. Andere hätten auch mit Vergnügen Kroketten gegessen, sagen aber nichts. (Sie hat doch schon genug zu tun!)

Der Krokettenesser ist glücklich - der Rest der Gruppe ist verärgert. Häufig sind die mit den Extrawünschen auch noch diejenigen, die vergessen "Danke" zu sagen.

Ein Beispiel aus dem Berufsleben

Als ich, Michael Behn, meine Trainerlaufbahn begann, wurde mir genau dieser Glaubenssatz immer wieder zum Verhängnis und raubte extrem viel Energie. Ich versuchte, es allen recht zu machen und litt darunter, wenn mir Teilnehmer zeigten, dass ihnen Sequenzen im Seminar oder Inhalte nicht gefielen.

Dies zeigten sie zumeist körpersprachlich oder durch Nebengespräche. Wenn ich es bemerkte, versuchte ich sie wieder zu integrieren, es ihnen recht zu machen.

Das gelang manchmal. Was aber häufiger passierte war, dass der Rest der Teilnehmer unzufriedener wurde, weil ich es einzelnen recht machte. Ein energieraubender Teufelskreislauf entstand. Ich musste mir etwas überlegen.

Einen alternativen Glaubenssatz entwickeln

Mein Glaubenssatz "Mach es allen recht" änderte ich in: "Es ist unmöglich, es jedem recht zu tun. Tue alles für die, die sich entwickeln wollen. Den anderen lässt du ihr Problem, achtest aber darauf, dass sie die Gruppe nicht stören". Klingt etwas sperrig, aber die Einstellung habe ich verinnerlicht und dies war für mich extrem hilfreich.

"Sie wollen es allen recht machen - das wäre mir nicht recht!"

Was können wir tun gegen diesen Energieräuber?

Hier gibt es, wie so oft, viele Wege und Möglichkeiten. Es hängt von der Stärke des Antreibers ab, von unserem Umfeld, von der Größe unseres Veränderungswunsches und der eigenen Konsequenz im Tun. Auch hier gilt: Patentrezepte gibt es nicht. Zu komplex sind unser Denken und Verhalten sowie die Wechselwirkung mit dem relevanten Umfeld.

Verändere den Glaubenssatz

Eine Möglichkeit wäre, den wirksamen aber negativen Glaubenssatz zu ändern. Hier finden Sie zum Thema Glaubenssätze Anregungen und Übungen auf blueprints.de

Wichtig ist, dass der neue Glaubenssatz an etwas geankert wird, was uns immer wieder daran erinnert. Leider neigen wir dazu in alte Handlungsweisen zurück zu fallen, wenn die neue Verhaltensweise noch nicht gut genug verankert ist. Das alte "Programm" muss mit der Zeit verlernt werden und das neue Programm sich als besser und stabil erweisen.

Das Gedankenspiel

Bedenken sollten wir das folgende: "Machen wir es einem recht, dann stört das fast immer einen anderen."

Versuchen wir also es jenem recht zu machen, wird dies wiederum jemanden anderen stören. Dies kann viele Gründe haben. Zum Beispiel,

  • weil er unsere ungeteilte Aufmerksamkeit möchte,
  • weil er nicht der erste in der Reihe war, dem wir geholfen haben,
  • weil er die Person nicht mag, der wir es recht gemacht haben,

Da es immer jemanden geben wird, dem missfällt oder nur nicht gefällt, was wir tun, sollten wir versuchen es uns selbst recht zu tun und den Menschen, die uns besonders wichtig sind und sich ebenso verhalten. 

"Wer sind unsere wahren Freunde, mit wem wollen wir Zeit verbringen, auf wessen Meinung legen wir am meisten Wert? Sich selbst und denen könnten wir versuchen es recht zu machen, aber nicht allen."

 

Machen Sie es auch sich recht - Ihre persönlichen Werte

Es geht hier nicht um Egoismus. Das wäre der entgegengesetzte Pol.

Es geht darum, den Wunsch nach ewigen Streicheleinheiten und überall beliebt sein zu wollen, zu verändern.

Wir sollten nicht aus Angst vor Ablehnung unsere eigenen Werte außer Acht lassen. Also Dinge tun, die wir eigentlich als nicht richtig ansehen. So verlieren andere die Achtung vor uns und wir selbst auch.

Das eigene Wertesystem immer wieder zu erkennen und zu prüfen, kann hierbei sehr hilfreich sein. Hier finden Sie einen Betrag und eine Anleitung zum Thema "persönliche Werte".

"Einer der wichtigsten Menschen in unserem Leben schaut uns morgens aus dem Spiegel beim Zähneputzen zu."

 

Trainieren Sie Ihre Einstellung - tragen Sie seelisches Make-up auf

Wir sollten akzeptieren, dass nicht jedem alles gefallen kann, was wir tun. Dies ist natürlich leichter geschrieben als gesagt. Ein Tipp: Absolvieren Sie täglich Ihr persönliches Training für mehr Selbstwertgefühl.

Trainieren Sie täglich ein wenig Gleichmut:

  • Nicht jedem gefällt das Essen auf Ihrer Party - na und?
  • Nicht jedem gefällt, dass Sie keinen englischen Rasen vor dem Haus haben - na und?
  • Ihre Art zu leben gefällt nicht jedem - na und?
  • Nicht alle beurteilen Ihre Ziele und Ihr Tun als richtig - na und?
  • Nicht alle finden Ihren Vortrag spitze - na und?
  • Nicht alle mögen diesen Artikel - na und? ;-)
  • Nicht alle sind mit Ihrer Form der Kindeserziehung einverstanden - na und?

Leben Sie so, wie es Ihren Zielen, Werten und Vorstellungen entspricht und berücksichtigen Sie die Menschen, die Ihnen wertvoll sind. Betrachten Sie Ihren Umgang mit der Ablehnung oder Kritik einzelner als persönliches Training zu mehr Selbstbewusstsein und mehr Gleichmut.

Zusammenfassung: Es allen recht machen wollen - versuchen Sie das bitte nicht

Die Meinung anderer zu achten und zu respektieren ist der soziale Kit, der uns das Zusammenleben ermöglicht. Die wenigsten möchten ständig außen vor sein, sich vor anderen stets blamieren oder unentwegt streiten.

Wer jedoch fortwährend darauf achtet, ob das eigene Verhalten nicht gefallen könnte, wer versucht es immer jedem recht zu tun, der wird in seinem Leben viele Ängste ausstehen müssen und viel Energie verschwenden. Häufig erreicht jemand, der das versucht, genau das Gegenteil, auch wenn ihm das niemand sagt.

Außerdem wird man leicht zum Spielball derer, die so etwas ausnutzen.

Es ist nicht sinnvoll, jedem gerecht werden zu wollen, denn häufig machen wir es dadurch den meisten eben nicht recht. Außerdem bleiben meist die dahinterliegenden Wünsche nach Harmonie und Anerkennung unerfüllt.

Probieren Sie die in diesem Beitrag beschriebenen Maßnahmen, um aus "Mach es allen recht" zum Beispiel "Lebe ein selbstbestimmtes Leben, mit Werten und Selbstbewusstsein" zu machen.

  1. Verändere den problematischen Glaubenssatz.
  2. Nutzen Sie das Gedankenspiel "Es wird immer jemanden stören".
  3. Machen Sie es auch sich recht - Ihre persönlichen Werte.
  4. Trainieren Sie Ihre Einstellung - tragen Sie seelisches Make-up auf.

Eine wunderbare Geschichte zum Thema stammt aus der Feder des deutschen Schriftstellers, Theologen und Pädagogen Johann Peter Hebel (* 1760, † 1826).

Man kann es nicht allen Leuten recht machen

Einst sprach ein Vater zu seinem Sohn: "Komm, lieber Sohn, ich will dir die Torheit der Welt zeigen."

Er zog den Esel aus dem Stall und sie führten ihn an der Hand in das nächste Dorf. Da liefen die Bauern zusammen und riefen: "Seht doch, welche Narren da kommen. Führen den Esel an der Hand und keiner sitzt drauf." Nun machten sie sich auf in das zweite von fünf Dörfern, um die Torheit der Welt zu erkennen.

Lesen Sie hier weiter.

Teilen macht Freude:

Wenn Sie nach oben scrollen, finden Sie jeweils den Text markiert, der gerade vorgelesen wird.

Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Auch interessant

Das war ein Beitrag aus der

GUTEN-MORGEN-GAZETTE

Lesefreude und spannendes Wissen seit über 15 Jahren

Aktuelle Inhalte der Gazette vom 14.04.2019

  • Tagesplan erstellen - die 7 Geheimnisse guter Planung
  • Bildzitat des Tages
  • Wort der Woche
  • Mini-Kurs: Die besten Tipps zum Abnehmen (gratis)
  • Was ist denn das?
  • Rätsel von Samuel Friedrich Sauter
  • Wortsuche
  • Humorige Anekdote
  • Beliebtester Beitrag der letzten Gazette

 

Möchten Sie die Gazette jeden Sonntag früh kostenlos erhalten? 

Wenn Sie unseren Newsletter abonnieren, speichern wir Ihre E-Mail-Adresse und senden Ihnen diesen regelmäßig zu. Beim Öffnen der E-Mail und Anklicken der Links erfolgen statistische Erhebungen. Details dazu finden Sie im Punkt "Newsletter" unserer Datenschutzerklärung. Mit dem Abonnieren erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

Die Abmeldung ist jederzeit möglich, z.B. mit einem Link unten in jedem Newsletter.

jeden Sonntag / kostenfrei / unabhängig

Anregungen durch Sinngeschichten, Fabeln, Artikel ...

Wissen und Wortschatz mit Freude vergrößern

Lesespaß und Humor von Schriftstellern, Philosophen und anderen großen Denkern