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Esel vor Steilküste


Einst sprach ein Vater zu seinem Sohn: "Komm, lieber Sohn, ich will dir die Torheit der Welt zeigen."

Er zog den Esel aus dem Stall und sie führten ihn an der Hand in das nächste Dorf. Da liefen die Bauern zusammen und riefen: "Seht doch, welche Narren da kommen. Führen den Esel an der Hand und keiner sitzt drauf." Nun machten sie sich auf in das zweite von fünf Dörfern, um die Torheit der Welt zu erkennen.

Als sie das erste Dorf hinter sich hatten, setzte sich der Vater auf den Esel und der Sohn führte das Tier an der Hand. Nach einer Weile kamen sie in ein anderes Dorf. Da sprachen die Bauern: "Seht nur, der Alte reitet und der arme Junge muss zu Fuße nebenher laufen."

Sie zogen weiter und als sie vor das dritte Dorf kamen, stieg der Vater ab, ließ den Sohn aufsitzen und er führte den Esel. Kaum waren sie etliche Schritte ins Dorf gekommen, da kamen die Bauern herbei gerannt und riefen: "Ei, der kräftige Junge reitet und lässt den armen alten Vater zu Fuß gehen!"

Sie gingen weiter und als sie zum vierten Dorf kamen, bat der Vater seinen Sohne, dass er sich hinten auf den Esel setze und er nahm vor ihm Platz. So ritten sie beide ins Dorf. Da kamen ebenfalls die Bauern zusammengelaufen, schimpften und schrien: "Pfui, diese Tierquäler! Sie sitzen alle beide auf dem Esel und wollen das arme Tier zu Tode reiten. Sollten wir nicht einen Stock nehmen und beide herunterschlagen?"

Als sie nun zum fünften Dorf kamen, sprach der Vater: "Lieber Sohn, es bleibt uns nur noch eins übrig, nämlich dass wir dem Esel die Beine zusammenbinden, ihn über eine Stange hängen und ihn tragen." Und so machten sie es. Aber wie sie nun zum fünften Dorf kamen, da verhöhnten die Leute sie, schalten sie unsinnige Narren und jagten sie mit Steinwürfen aus dem Dorf hinaus.

Da sprach der Vater zu dem Sohne: "Siehst du nun, lieber Sohn, die Torheit der Welt? Wie wir es auch gemacht haben, so ist es niemand recht. Es ist eben unmöglich, es jedem recht zu machen. Darum mache du es so, wie du es für recht hältst - und lass die Leute reden."

Autor: Johann Peter Hebel, deutscher Schriftsteller, Theologe und Pädagoge, * 1760, † 1826
Sprachlich angepasst an die heutige Zeit: Michael Behn

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