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helfersyndrom ueberwinden

So überwinden Sie das Helfersyndrom - Tipps und Übungen

Sie kennen sicher den Witz mit der älteren Dame, die am Straßenrand steht. Ein junger Mann kommt des Weges und hakt sich bei der Dame unter und begleitet sie über die Straße. Doch die Dame wehrt sich und zwar immer vehementer. Auf der anderen Straßenseite angekommen, geht der junge Mann seines Weges.

Eine andere Dame, die das Ganze beobachtet hat, fragt die ältere Frau: "Warum sind Sie denn so störrisch und undankbar zu dem jungen Mann gewesen? Er wollte Ihnen doch nur über die Straße helfen."

Darauf die ältere Dame: "Ich wollte aber gar nicht über die Straße."

Hilfsbereitschaft ist wichtig und wertvoll. Wenn der Wunsch zu helfen jedoch zu dominierend wird, dann wird es problematisch und das Resultat ist für die Betroffenen nicht immer komisch. 

Definition Helfersyndrom
Helfersyndrom als Begriff wurde vom Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer 1977 eingeführt. Er bezeichnet den Hang einer Person in zwischenmenschlichen Beziehungen, sich stets als Helfer anzubieten. Es ist häufig in sozialen Berufen anzutreffen, zum Beispiel bei Altenpflegern, Sozialarbeitern aber auch bei Therapeuten, Beratern ...

 
 

Punkt bp 1

Hilfsbereitschaft ist überlebenswichtig

Bereits als Kinder starten wir damit anderen zu helfen. Wir lernen, dass es positiv ist anderen zu helfen. Der eine mehr, der andere weniger. Sich gegenseitig zu helfen ist in einer Gesellschaft wichtig und der Kit, der uns zusammenhält und als Spezies erfolgreich macht.

Da sind die Menschen, die ein Ehrenamt ausüben, Feuerwehrmänner und Frauen, Nachbarschaftshilfe bis hin zu den vielen, kleinen Hilfsleistungen Tag für Tag. Das ist mit dem Begriff Helfersyndrom nicht gemeint, kann aber in Einzelfällen der Ausgangspunkt sein, nämlich dann, wenn das anderen Menschen helfen zu einer Sucht und häufig für beide Seiten zum Stress wird.

Aber wie kommt es dazu, dass aus positiver Hilfsbereitschaft etwas Negatives entsteht?

"Man kann den Menschen nicht auf Dauer helfen, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können und sollten."

Abraham Lincoln

Punkt 2

Wie entsteht das Helfersyndrom?

Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung, aber zumeist sind die Grundlagen dafür in der Kindheit gelegt worden. Wenn Kinder von ihren Eltern nur Anerkennung erfuhren, wenn sie hilfreich waren oder wer als Kind erlebt, dass der eigene Wert von der Anerkennung anderer abhängig ist, der entwickelt ein geringes Selbstwertgefühl und Schuldgefühle, wenn er nicht immer und stets hilfsbereit ist. Es besteht die Gefahr, dass ein Helfersyndrom entsteht.

"Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", formulierte Goethe, und dieser Glaubenssatz steckt in so manchem mit Helfersyndrom. Die Formel (Glaubenssatz) lautet also: "Wenn ich anderen helfe und meine Wünsche zurückstelle, dann bin ich gut. Dann habe ich einen Wert und mein Leben einen Sinn."

Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer geht noch einen Schritt weiter. Er ist der Auffassung, dass ein unbewusstes Motiv wirksam ist, was zum Helfersyndrom führen kann.

Ihnen wurde als Kind vermittelt, dass Sie für das Wohlergehen anderer verantwortlich sind. So wurden die eigenen Bedürfnisse immer unwichtiger und für Ihre späteren "Geholfenen" sind Sie quasi der fürsorgliche Elternteil, der Ihnen in der Kindheit fehlte.

Ihnen wurde als Kind vermittelt, dass sie für das Wohlergehen anderer verantwortlich sind. So wurden die eigenen Bedürfnisse immer unwichtiger und für die, denen sie helfen, sind sie quasi der fürsorgliche Elternteil, der ihnen selber in der Kindheit fehlte.

Sie wollen so Wertschätzung erhalten und sie fürchten sich, abgelehnt zu werden. Doch nicht immer stößt dieses Verhalten bei anderen Menschen auf Gegenliebe. Der "Helfer" gibt noch mehr Gas, sucht nach Bestätigung und überfordert sich körperlich und geistig. Der Lohn bleibt aus … eine ungute Spirale "von Aufopferung und Nicht-Dankbarkeit" wird in Gang gesetzt.

So kann es zur totalen Erschöpfung, psychosomatischen Erkrankungen bis hin zu Burnout oder zur Depression kommen. Eine therapeutische bzw. psychologische Unterstützung ist beim letzteren dann unvermeidlich.

Die Seele leidet und der Körper schreit auf.

 

Tim Bendzko - Nur Noch Kurz Die Welt Retten (Offizielles Video)

 

Was sind nun die "Warnsignale" des Helfersyndroms? Woran können wir es erkennen?

Punkt 3

Woran erkennen wir das Helfersyndrom?

Die Folgen dieser ständigen Überforderung, gepaart mit einem schlechten Gewissen und einem Selbstverlust, münden nicht selten in Depression und Burnout.

Hier nun einige Hinweise und Symptome, die auf ein Helfersyndrom hinweisen könnten. Nehmen Sie es auch als kleinen Test für sich. Sollten Sie häufig bei den Punkten sich erkennen, dann könnte eine leichte Korrektur nicht schaden.  

  • Die Bedürfnisse der anderen stehen im Vordergrund.
  • Die Welt ist erst in Ordnung, wenn Sie anderen helfen - wenn Sie gebraucht werden.
  • Der Helfer macht sich unentbehrlich. Es kommt zur Abhängigkeit zwischen Helfer und Geholfenem.
  • Große Nachsicht mit den Schwächen anderer und keine Nachsicht mit den eigenen.
  • Betroffene können im Alltag nicht "Nein" sagen.
  • In Beziehungen, in denen Sie nicht die Wirksameren sind, halten Sie sich fern.
  • Sie fragen nicht, ob Sie helfen sollen. Hilfsbedürftigkeit ist nicht notwendig.
  • Sich selbst etwas Gutes tun, erzeugt ein schlechtes Gewissen.
  • Sie halten andere oft für undankbar, weil Sie nicht merken, dass Ihre Hilfe zu weit geht oder nicht gewollt ist.
  • Sie fühlen sich ungerecht behandelt, Sie leiden und werden melancholisch, wenn Sie nicht stets Dank erfahren oder man sogar bewusst Ihre Hilfe ablehnt.
  • Sie entwickeln das Gefühl, selber nobel und selbstlos zu sein.
  • Sie sind auf das Helfen fixiert. Sie helfen auch da, wo niemand nach Hilfe gefragt hat, was eine Beziehung belasten kann.
  • Sie fühlen sich egoistisch, wenn Sie nicht zuerst an andere denken. 

"Hilf denen, die sich selbst nicht helfen können!"

Sprichwort

 helfersyndrom ueberwinden 2

Nicht nur dem Partner helfen ist wichtig. 

Punkt 4

Warum kann das Helfersyndrom problematisch sein?

Das Helfersyndrom ist keine psychische Erkrankung, kann aber im schlimmsten Fall dazu führen. Wer das Phänomen kennt und seine Grenzen nicht erkennt, der kann in einer tiefen Depression enden. Hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass dann unbedingt die Hilfe eines Psychologen oder Psychotherapeuten notwendig ist. Das Aufarbeiten eines Traumas ist so möglich.

Für viele ist dieser Schritt aber immer noch mit einem großen Makel behaftet. Wer aber so mit der Zeit sein Selbstwertgefühl wiedergewinnt, seine Persönlichkeit weiter entwickelt und ein realistisches Selbstbild aufbaut, um wieder glückliche Beziehungen zu haben und etwas für seine seelische und körperliche Gesundheit getan hat, der wird den mutigen Schritt sicher nicht bereuen.

Punkt 5

Wie das Helfersyndrom überwinden?

Damit es gar nicht so weit kommt, können wir einige Maßnahmen immer wieder durchführen.

Verbesserung des Selbstbildes

Hierbei geht es darum, sich immer wieder klar zu machen, dass der eigene Wert nicht nur von der Anerkennung anderer abhängig ist. Merksatz: "Ich bin wertvoll und gut. Das muss man mir nicht ständig sagen." Einen weiterführenden Beitrag, um davon unabhängig zu werden, finden Sie hier: Mich selbst mögen lernen (Selbstliebe)

Selbstwertgefühl stärken

Dies ist generell hilfreich, um selbstbewusster das Leben zu meistern. Hier finden Sie Übungen zum Thema sowie eine Reflexions- und Merkkarte als PDF zum Download. Selbstwertgefühl stärken - die 6 Säulen und 6 Übungen

Es auch sich Recht machen

Hört sich profan an, fällt vielen aber, wie erwähnt, schwer. Merksatz: "Wenn es mir gut geht, geht es auch anderen gut. So etwas ist ansteckend." Auch hierzu finden Sie einen Beitrag auf blueprints. Es allen recht machen wollen - versuchen Sie das bitte nicht.

Weitere Stärken finden und nutzen

Es mag durchaus die Stärke eines Menschen mit Helfersyndrom sein "zu helfen". Doch, um sich vom Zwang zu befreien, wieder in ein ausgewogeneres Verhältnis zu kommen und als Betroffener  Gefühle der Selbstwirksamkeit zu erleben, ist es wichtig, andere Stärken ebenfalls zu kennen und zu nutzen. Hier finden Sie Anregungen und eine Übung (auch zum Download) zum Thema: Meine Stärken und Schwächen.

Anerkennung aus anderen Aktivitäten erhalten

Wer den Eindruck hat, dass er nur über das Helfen Anerkennung erhält, der sollte weitere Wege suchen, um diese zu erhalten. Vielleicht ist es der Sport, eine künstlerische Begabung oder der Beruf, wo wir Anerkennung erhalten könnten. Auch hier ist wichtig, dass wir das gesunde Maß nicht überschreiten. Eine Sucht durch eine andere zu tauschen wäre wenig hilfreich.

Nein sagen üben

Das ist keine einfache Übung für Menschen mit leichtem oder schweren Helfersyndrom. Die Angst, vermeintlich nicht gemocht zu werden, sitzt tief. Aber wer es probiert merkt schnell, dass die Konsequenzen gar nicht so schlimm wie befürchtet ausfallen. Wie so häufig ist der Ton entscheidend und wie das Nein begründet wird. Aber so etwas müssen wir erleben und nicht nur lesen. Hier finden Sie eine kurze Geschichte und eine Übung zum Thema Nein-sagen

Selbst Hilfe annehmen

Auch hier haben Betroffene Probleme. Hilfe annehmen fällt ihnen schwer. "Ich bin der, der hilft. Ich bin stark. Ich schaffe das alleine", sind dann mögliche Gedanken. Das mag sein. Aber für jene mit diesen Gedanken ein Merksatz: "Ich bin stark und kann auch um Hilfe bitten. Wurde mir geholfen, bedanke ich mich! Auch das gehört zu guten Beziehungen - ob privat oder beruflich."

"Ich möchte Hilfe geben und keine Hilfe bekommen."

Gespräche über das Thema

Zum einen werden viele so merken, dass sie nicht alleine sind und eventuell gute Ideen erhalten. Wir haben alle unsere kleinen "Macken" und "Dellen". Allein das zu erkennen, kann helfen, sich auch ein wenig mit sich und anderen auszusöhnen. Das wiederum führt dazu, dass wir uns ein wenig mehr mögen - ein guter Start gegen das Helfer-Syndrom.

Literatur oder weitere Artikel zum Thema

Ob nun als Buch oder gute Artikel im Web, lesen hilft auf dem Weg zu neuen Wegen und Lösungen. Eine Liste von Büchern finden Sie unten.

"Suche immer zu nützen! Suche nie, dich unentbehrlich zu machen."

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

 Punkt 6 

Zusammenfassung

Versteckt im Mantel der Hilfsbereitschaft kommt es daher - das Helfersyndrom.

Eigentlich ja eine großartige Eigenschaft, anderen zu helfen, altruistisch zu sein, aber wie bei fast allem - die Dosis macht es.

Wer bei sich bemerkt, dass er es immer wieder ein wenig übertreibt mit dem Helfen, dem empfehlen wir nach weiteren Anzeichen für ein Helfersyndrom zu suchen. Bestätigt sich die erste Einschätzung, sind verschiedenste Maßnahmen hilfreich, um die Hilfsbereitschaft zu dosieren und die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.

Helfende Menschen brauchen wir mehr denn je in unserer Gesellschaft. Das richtige Maß ist entscheidend, um sich selbst nicht aufzuopfern, enttäuscht zu werden und Beziehungen zu verschlechtern.

Punkt 7

Filmbeiträge und Literatur

Literatur

Was bedeutet Helfer-Syndrom? Wie kann jemand sich vom Helfersyndrom befreien? Wie kann man das schaffen?

Wenn Sie nach oben scrollen, finden Sie jeweils den Text markiert, der gerade vorgelesen wird.

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