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Kritik als Chance

Kritik als Chance - Selbstbewusster werden

Ob privat oder im Beruf - Kritik ist wichtig, um zu begreifen und zu reifen. Doch das mit der Kritik ist nicht so einfach, denn es sollten einige Regeln beachtet werden, damit Kritik Veränderungen auslösen kann. Denn eigentlich ist Kritik das, was uns wirklich vorwärtsbringt, wenn es dem Empfänger hilft sich weiter zu entwickeln. 
Generell sollte Kritik so vorgebracht werden, dass eine weitere gute Beziehung oder bessere Zusammenarbeit möglich ist. Ob Sie Ihrem Partner Feedback geben oder ein Mitarbeitergespräch führen, das hilfreiche Prinzip ist immer dasselbeProbieren Sie einmal die folgende bewährte Vorgehensweise. Sie und der Empfänger werden positiv überrascht sein und zusätzlich stärkt es das Selbstbewusstsein. 

Punkt bp 1 

Kritik ist Gold wert

Wichtig ist nicht, wie wir denken, dass wir wirken und was wir glauben mit unserem Tun auszulösen, sondern wie es auf andere wirkt und was wir auslösen. Wir müssen unser Verhalten gegen uns gelten lassen. Was hilft es, wenn wir es gut meinen, es aber negativ ankommt. So gesehen ist Kritik hilfreich, wenn wir uns weiter entwickeln möchten. 

Stellen Sie sich bitte vor, Sie hätten für eine halbe Stunde den besten Trainer oder Berater der Welt zur Verfügung für etwas, das Sie gerne tun. Würden Sie fragen, was Sie bereits gut machen oder was Sie besser machen können? Wahrscheinlich das Letztere - das wäre dann Kritik, denn genau das ist der Kraftstoff für unsere Weiterentwicklung.   

Punkt 2

Die Feedbackregel

Wichtig und extrem hilfreich ist, dass wir uns an einige Regeln halten, um die Kritik wirken zu lassen. Sie erzeugt dann zumeist Problembewusstsein und kann Motivation für Änderungen auslösen.  
 
Tragen Sie bitte Kritik entsprechend der Feedbackregel vor:
 
  1. Genaue Beschreibung des Sachverhaltes, der Situation
    • "Du hast zu mir gesagt ..."
    • "Wir haben 9.00 Uhr vereinbart. Du hast dich nicht gemeldet und kamst um 9.30 Uhr."
  2. Bewertung (Eindruck, Ergebnis, Frage, Wirkung, Gefühl)
    • "Das wirkte auf mich belehrend ..."
    • "Das hat mich geärgert."
  3. Tatsächliche oder mögliche Konsequenz des Verhaltens
    • "Das wird bei mir dazu führen ..."
    • "Das könnte mich veranlassen ..."

Achten Sie bei Schritt 1 darauf, dass der andere erinnert und versteht, worum es geht. Normalerweise wird er nicken und verbal bestätigen. Wichtig ist, dass Sie mit einer sachlichen Beschreibung starten und jede Emotion oder Bewertung vorerst zurückhalten. Das ist nicht einfach aber wirksam.

Beispiel aus einem Mitarbeitergespräch

Im letzten Teammeeting hast du zu Jonas gesagt, dass seine Idee vielleicht in seiner vorherigen Firma funktioniert hat und so ein Quatsch bei uns nicht funktioniert. (sachliche Beschreibung) Das war für mich eine Killerphrase und ich fand dein Verhalten Jonas gegenüber sehr angreifend. (Bewertung) Jonas und auch andere jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden sich wahrscheinlich in Zukunft mit Ideen zurückhalten."

Punkt 3

Kritik unter vier Augen

Kritik an persönlichen Sachverhalten sollte unter vier Augen stattfinden und nicht vor Publikum. Denken Sie bitte daran, dass Menschen häufig sehr empfindlich sind. Ob nun ein Mitarbeiter oder jemand im privaten Umfeld kritisieren Sie möglichst immer unter vier Augen. Jemand, der sich vor anderen bloß gestellt fühlt, wird nicht nur die Kritik nicht annehmen, sondern ist demotiviert und wird es höchstwahrscheinlich irgendwann "zurückzahlen". 

Konstruktive Kritik ist der Motor für unsere Entwicklung. Nutzen wir ihn. 

Punkt 4

Kritik im ruhigen und sachlichen Ton

Versuchen Sie, Kritikpunkte stets sachlich und in einem ruhigen Tonfall vorzubringen. Ansonsten wird Lernen und eine Lösung immer unwahrscheinlicher. Der Ton macht die Musik. Zu laut wird zumeist als aggressiv wahrgenommen. Das wiederum führt eher zur Ausschüttung von Adrenalin, als dass es Lernen ermöglicht. 

"Die meisten Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden."

Amerikanische Redensart

Punkt 5

Zeitlicher Abstand hilft häufig

Sind Sie noch zu verärgert, schlafen Sie lieber eine Nacht darüber, bis der größte Ärger verflogen ist. Sie wissen ja: "Kommt die Emotion, geht der Verstand." Im Zorn oder im Ärger werden häufig Dinge gesagt, die Beziehungen langfristig oder gar auf Dauer schädigen.

Kritik ist eine Einschätzung oder Meinung über uns, aber keine Wahrheit. Wir können dann entscheiden, ob wir etwas ändern sollten. Ein Problem haben wir immer dann, wenn wir es nicht wissen und eine Änderung wichtig wäre.     

Punkt 6

Kritik ist keine Zwangsbelehrung

Genau das sollte Kritik nicht sein - eine demotivierende Zwangsbelehrung. Die Idee von Kritik ist, dass wir dem anderen helfen, sein Verhalten bewusst zu erkennen und aus unserer Sicht mögliche Konsequenzen seines Tuns oder Verhaltens aufzuzeigen. Der Kritisierte kann dann entscheiden, ob er es ändern will.

Beispiel aus einer privaten Situation

Du hast heute Morgen zu Johannes im Auto gesagt, dass er sich nicht immer so mimosenhaft anstellen soll. (Beschreibung des Gesagten) Das vor seiner Freundin zu sagen und die Verallgemeinerung fand ich unfair (Bewertung). Johannes könnte über deinen Kommentar verärgert sein und sich in Zukunft überlegen, ob er dir so etwas Sensibles erneut anvertraut."

Punkt 7

Möglichkeit selbstbewusster zu werden

Werden Sie kritisiert, dann sehen Sie hierin auch die Chance zu reifen. Sie lernen etwas über sich und haben die Möglichkeit besser zu werden. So eine Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen. Reagieren Sie positiv auf hilfreiche Kritik. Bedanken Sie sich lieber, als dass Sie sich rechtfertigen.

Hören Sie zu, denn Sie können durch Kritik den blinden Fleck verkleinern und selbstbewusster werden. Anregungen zum Thema "Der blinde Fleck - eine kurze Übung für mehr Selbstbewusstsein" haben wir im folgenden Artikel zusammengestellt:

Der blinde Fleck

Der blinde Fleck

 

der blinde fleck

Der blinde Fleck - eine kurze Übung für mehr Selbstbewusstsein 

Die folgende kurze Übung ist eine Demonstration des blinden Flecks in unseren Augen, aber auch in unserem Bewusstsein.

Die Stelle, an der der Sehnerv (Nervus opticus) in die Netzhaut (Retina) eintritt, ist blind. Der Punkt liegt beim rechten Auge rechts im Gesichtsfeld und beim linken Auge links. Wir benutzen an dieser Stelle normalerweise die Sehinformation des anderen Auges.

Der Beitrag wird Ihnen aufzeigen, wo der blinde Fleck liegt, was er mit unserem Verhalten zu tun hat und wie wir selbstbewusster werden können

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Kritik und Anerkennung

Denken Sie bitte dran, dass Feedback geben aus Kritik und Anerkennung besteht. Soll heißen, erwischen Sie den anderen auch mal dabei, wenn er etwas gut macht, dann sprechen Sie auch Anerkennung aus. Die Reihenfolge sollte hier übrigens ebenso sein wie bei Kritik (siehe Punkt 2).

Punkt 9

Lernen für die Zukunft

Ringen Sie gemeinsam um eine Lösung. Sehen Sie Kritik als Chance, die gemeinsame Zukunft besser zu gestalten, voneinander zu lernen und sich weiter zu entwickeln.  

"Der Standpunkt macht es nicht: die Art macht es, wie man ihn vertritt."

Theodor Fontane

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Umfrage zu Kritik

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte, die bei Kritik berücksichtigt werden sollten?

 

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Merk- und Reflexionskarte zum Thema

Hier finden Sie die Merk- und Reflexionskarte zum Thema. Die Karte ist im Quartettformat (6 x 9 cm), passt also bequem in die Jackentasche oder in die Geldbörse.

  • Sie haben kurz und kompackt die wichtigsten Punkte zum Thema.
  • Sie können die Karte als Gedankenstütze mitnehmen.
  • Durch die Kurzform merken Sie sich das Wesentliche leichter.
  • Sie können sich verschiedene Merkkarten für Ihre Bedürfnisse zusammenstellen.

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blueprints-Pareto-Tipp "Kritik als Chance"

Ein blueprints-Pareto-Tipp fasst kurz und knapp zusammen, was die wichtigsten Anregungen zum Thema sind. Es ist eine Art Merksatz, an den wir bei verschiedenen Gelegenheiten in der Guten-Morgen-Gazette erinnern.  

"Kritik kann uns helfen zu begreifen und zu reifen. Anerkennung und Lob tun gut, aber was uns wirklich hilft ist Kritik. Wenn Sie kritisieren, dann beschreiben Sie bitte, was passiert ist, danach bewerten Sie es aus Ihrer Sicht und dann zeigen Sie mögliche Konsequenzen des jeweiligen Verhaltens auf. Tragen Sie Kritik ruhig und sachlich vor. Reden Sie nicht um den 'heißen Brei' oder machen Sie Kritik durch vorherige Anerkennung oder Lob leichter vertragbar. Das wirkt eher manipulativ."

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Literatur zum Thema

Wenn Sie nach oben scrollen, finden Sie jeweils den Text markiert, der gerade vorgelesen wird.

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