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Aktiv zuhören lernen - so wirken Sie sympathischer, verbessern Beziehungen und …

Informationsüberfluss, Hektik und Stress führen häufig dazu, dass das aktive Zuhören zu kurz kommt. Entweder es wird nur mit "einem Ohr" zugehört, es werden voreilig Schlüsse gezogen oder es wird zu viel geredet und zu wenig zugehört.

Das ist schade, denn aktives Zuhören bringt viele Vorteile und zeigt echte Kommunikationskompetenz. Ob nun im Beruf oder im Privaten, aktives Zuhören ist ein wahres Wunderwerkzeug. Im folgenden Artikel erfahren Sie mehr über die Vorteile und welche Techniken und Übungen helfen können, um ein besserer Zuhörer zu werden. 

 
 

Punkt bp 1

Warum Zuhören wichtig ist

Wir zeigen dem Gesprächspartner Wertschätzung und Respekt, denn aktives Zuhören zeigt wahres Interesse am anderen. Das macht den anderen normalerweise glücklicher, denn er wird "gehört". Das wiederum führt dazu, dass dieser Gehörte gerne Zeit mit Ihnen verbringt und sich eher bestimmten Themen öffnet.

Außerdem beugen wir Missverständnissen und Streit vor. Da wir weniger vermuten und von uns ausgehen, entwickeln wir Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche des Gesprächspartners. Wir entwickeln Empathie.

Wir ziehen nicht zu schnell Schlüsse oder empfehlen Lösungen, die nicht passen. Gerade bei erfahrenen Menschen mit hohem Sendungsbewusstsein ist das ein Problem. Dann wird nicht aktiv zugehört und nachgefragt. Der so Handelnde geht nicht in die Tiefe, sondern meint schnell zu wissen, was der andere meint, was ihn bewegt, was die richtige Lösung ist etc.

Durch aktives Zuhören und Geduld erfahren wir mehr und können selbst oder gemeinsam bessere Lösungen finden und Entscheidungen treffen.

Durch Zuhören erhalten wir Informationen, neue Ideen, neues Wissen, andere Sichtweisen. Wer zuhört lernt mehr als der, der redet.

In Indien gibt es das Sprichwort: "Zuhören überzeugt mehr als argumentieren". Und in der Tat, Harvard-Professor William Ury konnte in Studien aufzeigen, dass Personen, die ihrem Gesprächspartner aktiv zuhören, bessere Verhandlungsergebnisse erzielen als die, die nur eigene Argumente und Lösungen aufzeigen. Wir überzeugen mehr durch aktives Zuhören als durch viel Reden.

Durch etwas Übung können wir so Gespräche steuern und die Beziehungsebene zum Gesprächspartner verbessern. Wenn das keine Gründe sind, ein wenig mehr und aktiver zuzuhören. Was sollten wir beim aktiven Zuhören tun und was sollten wir vermeiden?

Das gute Gespräch

2008 führte das Marktforschungsinstitut Allensbach eine Befragung bei 1.800 Deutschen durch. Es wurde gefragt, was für sie zu einem guten Gespräch gehört. 80 Prozent antworteten "zuhören".

"Wer es im Leben weit bringen will, muss zwei Dinge beherrschen: Lachen und zuhören können."

Aus der Mandschurei 

Punkt 2

Zuhören lernen: Do's und Don'ts

Die Einstellung

Wichtig ist die richtige Einstellung zum Gesprächspartner bzw. zu Gesprächen. Mit welcher Haltung hört also jemand zu? Wer den Wunsch hat, andere noch besser zu verstehen und Beziehungen zu verbessern und zu festigen, der hat eine gute Ausgangsbasis. Ob nun in der Partnerschaft, als Führungskraft oder als Verkäufer, wir kommunizieren. Je besser wir dies tun, umso stabiler sind Beziehungen, Verärgerung und Streit werden reduziert und wir werden mehr respektiert.

Körpersprache

Diese Haltung zeigt sich übrigens auch in der körpersprachlichen Haltung. Bin ich dem anderen wirklich zugewandt und zeige Blickkontakt oder bin ich eher abgewandt und schaue immer wieder auf meinen Rechner oder mein Smartphone? Zugegeben, das liest sich etwas übertrieben, aber beobachten Sie einmal in der Kommunikation Ihr Umfeld.

Zeichen senden

Aufmerksamkeitszeichen sendet der aktive Zuhörer verbal und nonverbal. Durch Bestätigungen wie "aha", "ok", "interessant" oder körpersprachliches Nicken, das leichte Öffnen des Mundes oder Hochziehen der Augenbrauen signalisieren wir, dass wir zuhören. Im beruflichen Kontext signalisiere ich auch durch Notizen machen, dass das Gesagte für mich wichtig ist.

Zeit nehmen

Sich für Gespräche ausreichend Zeit nehmen, sollte daraus resultieren. Es sei aber trotzdem nochmal erwähnt. Auch ist es hilfreich, bei manchen Themen den richtigen Rahmen zu schaffen. Zwischen Tür und Angel fördert bei vielen Themen nicht unbedingt die Gesprächsbereitschaft.

Ausreden lassen

Ein weiterer Aspekt - Wir sollten den anderen möglichst ausreden lassen und nicht ständig unterbrechen bzw. selber Sätze des anderen beenden.

Auch ist es wichtig, Stille in Gesprächen auszuhalten. Bitte nicht nach einer Frage zu schnell mögliche Antwortalternativen nennen oder gar die Frage für den anderen beantworten. Lassen Sie Ihrem Gesprächspartner Zeit, nachzudenken und zu formulieren. Dem anderen dabei helfen wird selten als wertschätzend erlebt und verfälscht das Ergebnis.

Empathie entwickeln

Je mehr wir uns in die Gefühlswelt des anderen hineinversetzen, umso mehr Empathie entwickeln wir. Wir nehmen quasi die Sicht des anderen ein und können so eher seine Motive, Wünsche, Sorgen oder Nöte erkennen.

Vorurteilsfreier zuhören

Wir Menschen neigen zum Vorurteil. Was wir dann tun ist selektives Zuhören. Wir hören nämlich immer das heraus, was unser Vorurteil bestätigt. Das kann aktives Zuhören verhindern.

Wir müssen nicht jeden mögen und nicht alles gut heißen. Aber eine Chance sollten wir unseren Gesprächspartnern immer wieder geben und versuchen ein wenig vorurteilsfreier zuzuhören.

Mark Twain formulierte es so vortrefflich: "Der einzige Mensch, der sich vernünftig verhält, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal Maß, wenn er mich sieht, während alle anderen immer wieder die alten Maßstäbe anlegen."

Aktives Zuhören nach Rogers

Laut dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers ist beim Aktiven Zuhören der emotionale Inhalt einer Nachricht wichtiger als der Sachliche. Deswegen sollte die Aufmerksamkeit eher auf der Seite des "Herzens" und nicht der der "Vernunft" gerichtet sein. Außerdem würde keine Technik helfen, wenn der Zuhörer nicht eine Haltung der Authentizität und des Verständnisses annimmt.

"Lerne zu reden; aber lerne auch zuzuhören."

August von Platen-Hallermünde

Punkt 3

Noch besser zuhören lernen: Aktiv zuhören

In meinen Seminaren üben wir vor allem die folgenden Techniken, die sich bei aktivem Zuhören anbieten. Die Techniken sind das Interpretieren, Verbalisieren, Paraphrasieren, nd-Technik und das Nachfragen.

Da beim aktiven Zuhören nicht nur die Sache verstanden werden soll, sondern auch die Gefühle und Emotionen, die mitschwingen, ist es wichtig, auf die Körpersprache des anderen zu achten. Betonung, Gestik und Mimik helfen "zwischen den Zeilen zu lesen".

Interpretieren

Beim Interpretieren formulieren Sie, was Sie glauben, was der Partner auf der Sachebene gemeint hat. Sie wiederholen es mit eigenen Worten, um zu prüfen, ob Sie es richtig verstanden haben.

  • "Dir ist also wichtig, dass …?"
  • "Du bist der Meinung, dass …?"
  • "Verstehe ich es richtig, dass …?"
  • "Sie möchten also eine einfache Bedienung?"
  • "Du machst dir also Gedanken, ob …?"
  • "Du möchtest, dass wir den Vortrag zusammen vorbereiten?"

Verbalisieren

Beim Verbalisieren geben Sie wieder, was Sie meinen, dass der Partner bei der Aussage wohl fühlte. Wir reagieren quasi auf gezeigte Emotionen oder Gefühle bei einer Aussage. Deswegen ist der bewusste Empfang der nonverbalen Signale hier sehr wichtig - Ton, Mimik, Gestik …

  • "Dich nervt also, dass sich die anderen mit dir nicht abstimmen?"
  • "Nun bist du frustriert, weil du den Urlaub verschieben musst."
  • "Wenn du davon erzählst, klingst du begeistert."
  • "Das klingt so, als ob du sauer bist."
  • "Die Druckfunktion vieler Hersteller ärgert Sie und Sie wünschen hier eine bessere Funktionalität?"

Paraphrasieren

Beim Paraphrasieren wiederholen Sie fragend eine Sequenz wortwörtlich, was der Gesprächspartner sagte, um über diesen Aspekt mehr zu erfahren.

  • Ihr Gesprächstpartner: "Ich frage mich, ob ich das überhaupt noch zu Ende bringe. Das bringt doch alles nichts."
  • Sie: "Das bringt doch alles nichts?"

Es ist auch möglich, nur ein Wort fragend zu wiederholen. Das nennt sich dann nd-Technik.

  • Ihr Gesprächspartner: "Eigentlich wollte ich den Urlaub stornieren."
  • Sie: "Stornieren?" oder "eigentlich?"

Ich-Aussage

Bei der Ich-Aussage geben Sie eigene Eindrücke, Empfindungen, Meinungen oder Vermutungen wieder und beginnen mit "ich".

  • "Ich bin überrascht, dass du das so siehst."
  • "Ich sehe das folgendermaßen."
  • "Ich schätze die Situation anders ein."

Nutzen Sie lieber keine Du-Aussagen. Die wirken zumeist belehrend und überheblich. So werden Gespräche eher frostiger - die Beziehungsebene wird gestört.

  • "Du musst das so sehen."
  • "Du solltest es mal so sehen."
  • "Das siehst du falsch!"

Nachfragen

Wichtig sind natürlich auch Nachfragen, falls Begriffe unklar sind, Aspekte nicht verstanden werden oder weitere Details wichtig sind.

  • "Was meinst du mit …?"
  • "Aus welchem Grund …?"
  • "Bis wann hättest du dir die Lösung gewünscht?"

Wichtig ist bei all diesen Techniken, dass Sie mit der Einstellung genutzt werden, den anderen besser zu verstehen. Wirklich aktiv zuzuhören. Durch die Techniken und ihre Haltung aktivieren Sie das Gespräch und Sie erfahren mehr über Gründe, Motive, Probleme und Konflikte. Gerade am Anfang dauern Gespräche dann länger und sind vielleicht auch anstrengender. Aber jedes verstandene Problem, jeder gelöste Konflikt etc. spart in der Zukunft Energie sowie Zeit und ermöglicht mehr Freude und Erfolg in Gesprächen.

Vier Seiten einer Nachricht

Der deutsche Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun hat zum Thema ein weiteres hilfreiches Modell entwickelt. Er unterteilt Aussagen in eine sachliche Aussage, die Aussage auf der Beziehungsebene, eine Appellebene und die Selbstoffenbarungsebene. Dieses Modell hilft ebenfalls, das aktive Zuhören zu verbessern. Hier eine Buchempfehlung zum Thema sowie eine Buchzusammenfassung auf blueprints.

"Zuhören können ist der halbe Erfolg."

Calvin Coolidge

 

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Das Zuhören lernen, wie geht das?

Punkt 4

Übungen, um das aktive Zuhören immer besser zu lernen

Hierzu möchten wir Ihnen kurze Übungen vorstellen, die Sie im Privaten wie im beruflichen Bereich zeitnah nutzen können.

Übung 1: Zeichnen Sie beim nächsten Telefonat auf, was Sie sagen und fragen. Wenn sie das Festnetztelefon benutzen, könnten Sie zum Beispiel Ihr Smartphone zum Aufzeichnen nutzen. Bitte nicht das Gesagte des anderen aufzeichnen, dass verstößt gegen den Datenschutz. Es sei denn, Sie hätten die Erlaubnis eingeholt.

Hinterher analysieren Sie nun Ihr Gespräch. Wie viele Fragen haben Sie gestellt? Wo haben Sie aktiv zugehört und wo eher vermutet? Wo hätten Sie schweigen anstatt reden sollen? Wie hoch war Ihr Redeanteil? Das bewusste Reflektieren des eigenen Kommunikationsverhaltens schafft Problembewusstsein und hilft bei der Weiterentwicklung. Sie verkleinern Ihren blinden Fleck und werden selbstbewusster in Ihrer Kommunikation.

Übung 2: Für das nächste wichtige Gespräch notieren Sie bitte für jede oben vorgestellte Technik des aktiven Zuhörens mögliche Fragen und Aussagen. Nehmen Sie sich dafür 20 Minuten Zeit und versuchen Sie, im Gespräch die Aussagen und Fragen in ähnlicher Form zu nutzen.

Übung 3: Zeichnen Sie Ihre Aussagen bei einem Telefonat auf, das Sie wie in Übung 1 vorbereitet haben. Was fällt Ihnen auf? 

Übung 4: Bitten Sie jemanden nach einem Gespräch um Feedback. Zum Beispiel könnten Sie fragen: "Hattest du den Eindruck, dass ich dir gut zuhöre?" "Was hat dir gefehlt?" 

Dazu bedarf es etwas Mut. Aber der Preis, den Sie erhalten, ist höhere Kommunikationskompetenz, die Sie immer und immer wieder nutzen können. 

Aus dem Seminar 

Manchmal werde ich im Seminar gefragt: "Wie sage ich jemandem, der nicht zuhören kann, dass er nicht zuhören kann?" 

Hm - eine kniffelige Angelegenheit. Zum einen sollten Sie dem anderen nicht unterstellen, dass er es nicht kann. Vielleicht will er es ja nicht oder vielleicht denkt er, dass er zuhört.

Wenn Sie glauben, dass ihr Feedback zu einer positiven Änderung führen könnte, dann sollten Sie es versuchen. Denken Sie dabei an die Feedbackregeln. Hier finden Sie einen Beitrag zum Thema Feedback.

Ansonsten ist eine weitere Möglichkeit ein gutes Vorbild zu sein. Zeigen Sie das Verhalten, dass Sie sich wünschen.

"… der gütige Wunsch eines einzigen Freundes, der dir durch zehn Minuten mit aufrichtigem Interesse zuhört, ist eine wirkliche lebendige, hilfreiche Macht ..."

Prentice Mulford

Punkt 5

Download: Merksatzkarte zum Thema Zuhören lernen

Hier finden Sie die Merk- und Reflexionskarte zum Thema. Die Karte ist im Quartettformat (6 x 9 cm), passt also bequem in die Jackentasche oder in die Geldbörse.

Zum Download

Pfeil

PDF  Merkkarte: Zuhören lernen

 

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Zuhören lernen in der Familie und Zuhören lernen in der Grundschule sind wichtig für Kinder.

 Punkt 6

Literatur, Zitate und Videos zum Zuhören lernen

Punkt 7

Fazit

Aktives Zuhören ist ein großartiges Werkzeug, um unser Umfeld besser zu verstehen, gute Lösungen mit anderen zu finden, Konflikte zu lösen und die Beziehungsebene zum Gesprächspartner zu verbessern.

Wie kann ich zuhören lernen? Vier Techniken und vier Übungen haben wir vorgestellt. Ob im Privaten oder im Beruf - probieren Sie es unbedingt aus. Sie werden überrascht sein - und zwar positiv. ;-)

Lernen Sie noch besser zuzuhören. Es lohnt sich. Ob Sie Ihren Kindern noch besser zuhören, Ihrem Partner, Ihren Arbeitskollegen … Zuhören ist der Schlüssel zu wichtigen Informationen und stabilen Beziehungen

 

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Das ist schade, denn Zuhören ist so hilfreich und wertvoll. Lesen Sie hier (teils bissige) Gedanken zum Thema und probieren Sie die Zuhör-Übung.

 

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