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So können Sie Lampenfieber überwinden - Tipps, Rituale, Übungen, Videos

Mussten Sie auch schon einmal eine Rede halten, ob privat oder beruflich, und Sie waren schrecklich nervös? Bei so manchem sind die Nächte davor schlaflos, alles im Kopf dreht sich um das kommende Ereignis. Dem einen schlägt es auf den Magen und den anderen plagen Kopfschmerzen. Schon beim Gedanken an das Ereignis kriegen viele Herzrasen.

Was können wir tun? Die schlechte Nachricht zuerst: Lampenfieber verschwindet nie ganz. Nun die gute: Den Umgang damit haben viele gelernt, dann können Sie das auch. Und so funktioniert es

Angst essen Seele auf

Menschen hören gerne einer guten Rede zu oder einer begeisternden Präsentation. Aber viele Vortragende stehen sich selbst im Weg. Sie wollen es perfekt machen, sie wollen nichts vergessen, sie überladen die zur Verfügung stehende Zeit, sie haben negative Gedanken, so mancher hat aber auch Angst zu scheitern. Dieser Angst sollte sich die- oder derjenige stellen, denn Sie wissen ja: "Angst essen Seele auf."

 

 
 

Punkt bp 1

Was ist eigentlich Lampenfieber?

Lampenfieber ist die Anspannung, Nervosität und der Stress, den jemand vor einem öffentlichen Auftritt, einer Prüfung oder einer gefährlichen Aufgabe erlebt.

Lampenfieber kann haben:

  • ein Redner vor seiner Rede
  • eine Schauspielerin vor ihrem Bühnenauftritt
  • ein Musiker vor seinem Auftritt
  • der Prüfling vor der Prüfung (blueprints-Artikel zum Thema)
  • eine Bewerberin vor ihrem Vorstellungsgespräch
  • ein Sportler vor seinem Wettkampf (blueprints-Artikel zum Thema)
  • etc.

Die Kamera- und Mikrofonangst sind mit dem Lampenfieber eng verwandt. Hier sind die Empfehlungen und Tipps aus unserer Sicht dieselben.

"Ich sehe diesem Tag mit einigen vollen Hosen entgegen."

Kurt Tucholsky

Punkt 2

Wie entsteht Lampenfieber?

Nehmen wir zum Beispiel an, dass Jim vor einer Gruppe demnächst einen Vortrag halten soll. Ob nun im Kreise der Familie, vor Freunden oder vor unbekannten Personen – das Kopfkino von Jim springt an und spielt unglückliche Filme.

Es spielen Klassiker wie "The big Blackout", "Er blamierte sich bis auf die Knochen", "Er verlor den roten Faden", "Grimmige Gesichter" oder "Es lachten ihn alle aus". Alles keine guten Filme, um sich auf einen Vortrag oder eine Präsentation vorzubereiten. Jim wird immer nervöser.

Wenn solche Filme starten, dann entsteht zumeist ein Teufelskreislauf, denn es entstehen Fluchttendenzen. Jim schüttet Adrenalin aus, der Blutdruck steigt, ein flaues Gefühl im Magen… und das alles schon bei dem Gedanken an die kommende Rede.

So verdirbt sich Jim nicht nur die Zeit vor dem Ereignis, sondern auch der Vortrag selber wird bei zu starken Auswirkungen des Lampenfiebers nicht besser.

Es sind also unsere Erfahrungen und unsere Gedanken, die das Lampenfieber zu einer sanften Brise der Anspannung oder zu einem beängstigenden Sturm der Verspannung machen.

95 % Prozent aller Musiker müssen laut Schätzungen mit Lampenfieber leben. (Quelle: Süddeutschen Zeitung) Selbst der große Elvis Presley bekannte sich dazu. Er sagte: "Ich kam niemals über das hinweg, was man 'Lampenfieber' nennt."

Punkt 3

Die unterschiedlichen Auswirkungen von Lampenfieber

Die beim Lampenfieber ausgeschütteten Stresshormone führen zu allen möglichen sichtbaren und nicht sichtbaren Auswirkungen.

Unser Körper wird auf Flucht, Kampf oder Kapitulation vorbereitet. Je nachdem sind die Auswirkungen sehr unterschiedlich. Hier eine Liste möglicher Auswirkungen:

  • Der Herzschlag erhöht sich, bis hin zu Herzrasen.
  • Manche haben den Eindruck, sie müssten gleich sterben.
  • Zittern, schwitzen oder mancher bekommt weiche Knie.
  • Erröten im Gesicht.
  • Den Eindruck, keine Luft mehr zu kriegen.
  • Verdauungsstörungen, Durchfall (Sie verzeihen: Jemand hat Schiss.)
  • Auch Heulkrämpfe kommen vor,
  • die Atmung wird flacher (auch Schnappatmung),
  • das Denken blockiert, komplexes Denken ist kaum mehr möglich.
  • Fokussierung, der Tunnelblick entsteht.

Leichtes Lampenfieber ist positiv und steigert unser Leistungsvermögen.

Punkt 4

Nutzen Sie Ihr Lampenfieber

Bitte bedenken Sie, dass ein gesundes Maß an Aufregung und Lampenfieber unser Leistungsvermögen steigert. Sogar routinierte Musiker oder Schauspieler kennen das Phänomen. Sie wissen jedoch, anders als so mancher Amateur, wie sie mit ihrer Aufregung umgehen und dass das Lampenfieber endet, sobald die ersten Töne gesungen oder die ersten Sätze gesprochen sind.

Der Rat ist also

Akzeptieren Sie Ihr Lampenfieber als etwas Hilfreiches und kämpfen Sie nicht dagegen an.

Das ausgeschüttete Adrenalin macht uns aufmerksamer, schärft unsere Sinne - wir sind voll und ganz bei der Sache.

Doch wie bei vielem im Leben ist die Dosis entscheidet. Zu starkes Lampenfieber, Stress - ja sogar Angst vor dem Versagen - führen bei manchem zu Schlaflosigkeit und totaler Übermüdung, lassen so manchen blockieren, andere vergessen den Text und es kann sogar die Stimme geschwächt werden.

Bei manchem verstärken sich die Ängste so sehr, dass es zu Depressionen oder zu posttraumatischer Belastungsstörung kommt.

Was also tun? Welche Übungen und Rituale nutzen die Profis? Hier eine Auswahl an wirkungsvollen Ideen aus der Praxis, um solchen Stresssituationen zu begegnen.

 lampenfieber ueberwinden 2Bekämpfen Sie das Lampenfieber nicht. Sehen Sie darin eher etwas Positives.

Punkt 5

Hilfsmittel, Übungen und Rituale gegen zu starkes Lampenfieber

Was hilft, um Lampenfieber auf ein gesundes Maß zu reduzieren? Was sollten wir tun, um es für uns leichter zu machen? Welche mentale Vorbereitung wirkt?

Vorbereitung und Einstimmung

Bauen Sie unbedingt viel zeitlichen Puffer ein. Seien Sie lieber eine Stunde eher da, denn der Verkehrsstau, die nicht funktionierende Technik und der falsch bestuhlte Raum kommen immer wieder vor. Geben Sie sich diesen Zusatzstress nicht, sondern nutzen Sie einen großen Puffer.

Die Zeit, die Sie dann zu früh da sind, nutzen Sie, um dort "anzukommen". Machen Sie sich mit dem Raum vertraut. Bewegen Sie sich durch den Raum. Setzen Sie sich in die letzte Reihe und betrachten (spüren) Sie den Raum. Was fehlt? Wird man Sie gut hören?

Natürlich haben Sie so auch ausreichend Zeit, um Technik und Materialien zu prüfen. Funktionieren die Schreiber? Hat der Beamer den richtigen Anschluss? Etc.

Kommen Sie im Raum an, so kommen Sie auch Schritt für Schritt "runter".

Es hat in Seminaren und Vorträgen auch den Nutzen, dass Sie immer vor den Teilnehmern da sind, denn von denen planen einige selber auch Puffer ein. So ist alles vorbereitet, wenn die ersten kommen. Das hat dann wiederum den Vorteil, dass Sie ein wenig Smalltalk mit den Ankommenden machen können.

Sie werden durch Fragen auch erkennen können, was gewünscht ist, wer sich auf was freut oder wer Ihnen besonders sympathisch ist.

"Es werden mehr Menschen durch Übung tüchtig als durch Naturanlage."

Demokrit

Übung macht den Meister und reduziert Lampenfieber

Es ist wichtig, möglichst gut zu beherrschen, was Sie tun werden, denn sonst mischt sich zum Lampenfieber noch die berechtigte Sorge, es nicht gut zu präsentieren, vorzutragen etc.

Deswegen üben, üben, üben, um durch gute Vorbereitung Zuversicht aufzubauen. Zuversicht, dass Ihnen als Könnerin oder Könner gelingen wird, was Ihnen Lampenfieber bereitet.

  • Arbeiten Sie Ihre Präsentation, Ihr Seminar, Ihren Vortrag detailliert aus
  • Sprechen Sie die Inhalte laut oder in Gedanken immer wieder durch
  • Üben Sie vor dem Spiegel
  • Tragen Sie es Ihrer Familie oder Freunden vor
  • Erstellen Sie ein kurzes Redeskript
  • Nehmen Sie gar das Gesprochene mit dem Smartphone auf
  • Oder nutzen Sie eine Kamera, um es hinterher auf Video zu betrachten
  • Holen Sie sich Feedback von einem Freund

Gerade am Start eines Vortrages oder einer Präsentation ist die Aufregung am größten. Deswegen ist es ratsam, den Start immer wieder zu üben. Sie bauen so Sicherheit auf und bitte denken Sie dran: "Gerade der Start ist wichtig, denn Sie haben keine zweite Chance für einen ersten Eindruck."

Beherrschen Sie Ihr Thema. Je besser vorbereitet Sie sind, umso gelassener können Sie mit dem Rest an Lampenfieber umgehen.

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Nur die guten Mittelchen

Von Mittelchen möchten wir dringend abraten. Ob nun Schlafmittel, Alkohol, Betablocker bis hin zu stärkeren Drogen - sie lösen das Problem nicht, sondern täuschen Entspannung vor. Kurzfristig kann es zu Fehlern kommen und mittel- und langfristig zu Abhängigkeiten und Krankheiten. Leider ist zum Beispiel die Musikszene voller Negativ-Beispiele, wo erst leichte und dann immer stärkere Drogen guten Musikerinnen und Musikern zum Verhängnis wurden.

Ein wenig Baldrian gegen Unruhe, Johanniskrauttee für die Nerven oder auch homöopathische Beruhigungsmittel sind Alternativen.

Bewegung und die BRAVO-Methode

Ob nun Treppen steigen, Dehnübungen, Gymnastik oder ein Spaziergang, moderate Muskelanspannung und -entspannung, Bewegung kann helfen, Adrenalin abzubauen - hilft zu entspannen.

Bei einem der Klassiker gegen Lampenfieber, der BRAVO-Methode, wird ebenfalls Bewegung genutzt.

Die BRAVO-Methode läuft folgendermaßen ab.

  1. Bewegung: Gehe hinter der Bühne zwei bis drei Minuten auf und ab.
  2. Ruhe: Kommen danach zur Ruhe und absolvieren ein paar entspannende Atemübungen.
  3. Affirmation: Rede dir selbst gut zu: "Ich schaffe das!", "Ich begeistere das Publikum.", "Ich werde strahlen.", "Ich bin ganz ruhig."
  4. Visualisierung: Stelle dir mit geschlossenen Augen vor, wie nach deinem Auftritt der Applaus des Publikums lauter und lauter wird.
  5. Offensive: Nun betrete die Bühne in der Überzeugung, es gut zu machen. 

Entspannung

Diverse Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Atemübungen, progressive Muskelrelaxation oder Meditation können enorm hilfreich sein.

Hier eine einfache Atemübung. Üben Sie diese Technik täglich mindestens eine Woche lang. Sie werden die Übung nicht mehr missen wollen - nicht nur bei Lampenfieber.

4-7-11-Methode

Diese Methode nutzt und empfiehlt  Thomas Loew, Professor für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Regensburg. 

Wichtig bei dieser Methode ist, dass die Ausatmung länger sein soll als die Einatmung. Die Übung sollte mindestens elf Minuten durchgeführt werden.

Anleitung:
Schritt 1: Setzen Sie sich auf einen Stuhl. Wichtig ist, dass Sie mit aufrechtem Rücken sitzen. Sie können sich auch leicht anlehnen. Legen Sie die Hände in den Schoß.

Schritt 2: Stellen Sie Ihre Uhr oder Ihren Smartphone-Countdown auf 11 Minuten (bis zu 15 Minuten).

Schritt 3: Schließen Sie die Augen und atmen Sie bewusst.

Nachdem Sie die Augen geschlossen haben, atmen Sie bitte wie folgt:

  • 4 Sekunden einatmen - beim Einatmen bewegt sich Ihre Bauchdecke nach außen, locker füllen nicht "aufblasen"
  • 7 Sekunden ausatmen - beim Ausatmen bewegt sie sich zurück
  • Sie atmen ganz tief und bewusst in den Bauchraum (Zwerchfellatmung)

Schritt 4: Konzentrieren Sie sich auf den Atem. Ihnen werden anfangs immer wieder Gedanken durch den Kopf gehen. Lassen Sie die Gedanken los, sie sollen später wiederkommen. Sie werden immer ruhiger.

Schritt 5: Wenn der Wecker klingelt und Sie wieder "zurück sind", dann öffnen Sie nicht gleich die Augen. Strecken Sie sich und dehnen Sie Ihre Arme und Beine. Öffnen Sie langsam Ihre Augen und kommen Sie zurück in das "Hier und Jetzt".

Schritt 6: Sie werden merken wie entspannt Sie nun sind. Regen und recken Sie sich und Sie sind fit für Ihre Herausforderung.

Kurzformel:

  • 4 Sekunden einatmen
  • 7 Sekunden ausatmen
  • 11 Minuten Dauer, um zur Ruhe zu kommen und Zwerchfellastmung zu trainieren

Ob nun direkt vor der Veranstaltung, als gekürzter Bestandteil der BRAVO-Methode (siehe oben) oder auch so mal zwischendurch, wenn der Energielevel unten ist - eine wunderbare, hilfreiche Methode. Zum wissenschaftlichen Hintergrund dieser Methode siehe auch diesen Spektrum-Artikel.

Glaubenssätze - alternative Filme abspielen

Hilfreich kann es sein, seine Glaubenssätze auf den Prüfstand zu stellen. Unser Kopfkino vor so einem angsteinflößenden Vortrag etc. spielt häufig Filme, die das Ganze noch verstärken. Einige Filme hatten Sie oben bereits kennen gelernt. 

Glaubenssatz/Film im Kopfkino  Alternative
Du vergisst etwas und das ist peinlich. Die anderen wissen nicht, was kommt. Von daher kannst du auch etwas vergessen.
Du musst das perfekt machen,
sonst …
Du bist gut vorbereitet. Gleich zeigst du, was du kannst. Du machst es einfach bestmöglich und versuchst zu begeistern.
Du wirst dich mal wieder blamieren. Du bist gut drauf, hast trainiert und kennst den Ablauf. Nun zeige ich, was ich kann.
Auch dein Vater ist kein guter Redner. Du wirst jedes Mal besser als Redner.
Das böse Publikum!

Das interessierte und wertschätzende Publikum! Sie fiebern mit.

Das wird eine Blamage, wenn ich eine Blockade habe. Alles ist Training. Auch diese Stresssituation.
   

 

Wiederholen Sie die positiven Sätze wie ein Mantra, um die negativen Gedanken zu unterbinden und positive Energien freizusetzen. Aber bitte denken Sie dran, dass sich die positive Einstellung mit einer guten Vorbereitung verbinden sollte, um beste Ergebnisse zu ermöglichen. Nur der Glaube versetzt keine Berge, ein wenig Schaufeln müssen wir auch.

"Die Seele hat die Farbe deiner Gedanken."

Marl Aurel

Der Fluchttendenz aktiv begegnen

Ein Problem bei Vorträgen und Präsentationen ist der Umgang mit Fluchttendenzen. Diese führen dazu, dass wir zu schnell sprechen (dann sind wir früher fertig). Jedoch fördern schnelles Reden und hektische Bewegungen nicht das Verstehen der Zuhörer und wirken nicht souverän. Sollte das dann sogar eine Zuhörerin oder ein Zuhörer uns sprachlich oder körpersprachlich rückmelden, könnte das unsere Nervosität noch verstärken.

Was tun, um das zu vermeiden? Bemühen Sie sich um eine langsamere Redegeschwindigkeit, denn es wird immer noch schnell genug sein. Machen Sie bewusst Pausen. Das hilft dem Publikum beim Nachdenken über das Gehörte und gibt Ihnen eine Pause. Pausen an der richtigen Stelle wirken souverän.

Zu schnelles Reden führt auch häufig zur Schnappatmung und trocknet den Mund- und Rachenraum aus (siehe auch oben "4-7-11-Technik"). 

US-Talkmaster Dick Cavett Rat

"Nehmen Sie Lampenfieber nicht so tragisch! Es dringt weniger nach außen, als Sie denken. Sie sollten einfach wissen: Von dem, was Sie fühlen, sieht der Zuschauer nur ein Achtel. - Wenn Sie innerlich ein bisschen nervös sind, sieht das kein Mensch. - Wenn Sie innerlich sehr nervös sind, sehen Sie nach außen ein bisschen nervös aus. - Und wenn Sie innerlich total außer Kontrolle geraten sind, wirken Sie vielleicht ein wenig bekümmert. Nach außen dringt alles weit weniger krass, als Sie es selbst empfinden. Jeder, der in einer Talkshow erscheint, sollte sich selbst daran erinnern: das, was er tut, sieht besser aus, als er es empfindet ... Ihre Nerven mögen Ihnen tausend Elektroschocks verpassen, der Zuschauer sieht bloß ein paar Zuckungen."

Das persönliche Ritual

Ob Sportler, Musiker, Redner … die meisten haben ein Ritual, um ihrem Lampenfieber zu begegnen. Ob nun die BRAVO-Methode (siehe oben), die Alexander-Technik (siehe Kasten) oder ein anderes persönliches Ritual, wichtig ist das Ritual an sich, weil es uns das Gefühl der Sicherheit vermittelt.

Alexander-Technik: Der australische Schauspieler Matthias Alexander (1869 - 1955) verlor immer wieder durch starke Angst-Attacken während der Aufführung seine Stimme. Das war für den Shakespeare Darsteller eine Bedrohung für seine erfolgreiche Bühnenkarriere.

Mit Hilfe von Spiegeln stellte er fest, dass allein der Gedanke an das Rezitieren bereits eine Anspannung der Nacken-Muskeln und eine flache Atmung durch eine gekrümmte, nach vorne gebeugte Haltung hervorrief. Er entwickelte die Alexander-Technik, welche heute noch an großen Musik- und Schauspielschulen wie der "Royal Academie of Drama and Music" in England gelehrt wird.

Die Alexandertechnik wird in Kursen gelehrt. Der Unterricht verläuft in einem sehr langsamen, quasi meditativen Tempo, in dem sich der Schüler seiner Empfindungen auch bei kleinsten Haltungs- und Bewegungsunterschieden bewusst werden kann. Der Lehrer gibt Empfehlungen für optimalere Verhaltensmöglichkeiten. Die Grundhaltung ist die aufrechte Haltung bei gleichzeitig größtmöglicher Gelöstheit der Muskulatur. Lehrer finden sich hier.

Mein persönliches Ritual (Michael Behn) ist ein ritualisiertes Stimmtraining. Der Vorteil von diesem persönlichen Stimmtraining ist, dass ich in der Zeit das Kopfkino ausschalte, ich häufig lächeln muss und zudem tue ich noch etwas für bessere Betonung und klarere Aussprache. Mein persönliches Stimmtraining (Checkliste) als PDF finden Sie im blueprints Artikel zum Thema Training der Stimme. Es geht mit und ohne Korken.

Zum Download

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PDF  Leitfaden: Stimmtraining

Positive Blicke tanken

Gerade am Anfang eines Vortrags erscheinen so manchem die vielen Augen, die auf einem ruhen, unheimlich. Sie wirken kritisch, unfreundlich … Achtung in einigen Sekunden startet das innere Kopfkino …

Hier kann es hilfreich sein sich ein oder zwei Personen zu suchen, die Ihnen wohlgesonnen sind und durch ihre positive Ausstrahlung Ihnen Sicherheit oder ein gutes Gefühl geben. Am besten wäre, wenn eine links und eine rechts in der Zuschauermenge sitzt, damit Ihr Blick immer wieder über alle Zuhörer schweifen kann. Blickkontakt ist für eine positive Wirkung immens wichtig.

Es gibt aber auch kleine Begleiterscheinungen, die sich leicht in den Griff bekommen lassen. Man muss sie nur kennen.

Tipp: Vorher Kaugummi kauen

Der Psychologe Serge Onyper von der St. Lawrence Universität fand heraus, dass sich die Leistung von Studenten verbessert, wenn diese fünf Minuten vor einer Prüfung Kaugummi kauen. Außerdem hilft das Kaugummi die Sprechwerkzeuge spürbar zu mobilisieren.

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Die kleineren Begleiterscheinungen von Lampenfieber in den Griff bekommen

Gerade in der Startphase entstehen bei Lampenfieber Begleiterscheinungen, die Sie durch einfache Maßnahmen in den Griff bekommen.

Die zitternden Hände

So mancher zittert, wenn er Angst hat. Die ist gerade an den Händen gut wahrzunehmen. Da wir die Hände nicht in die Hosentaschen oder Ähnliches stecken sollten, ist es ratsam, sich zu überlegen, wie wir die Hände beschäftigen können.

Nutzen Sie zum Beispiel Moderationskarten, auf denen Sie auch gerne Stichworte notieren können, um sich an Inhalte oder Vorgehensweise zu erinnern. Bitte nehmen Sie mehrere Karten. Bei einer überträgt sich das Zittern zu sehr und es würde so noch besser sichtbar werden. Die andere Hand nutzen Sie dann zum Gestikulieren.

Starkes Herzklopfen

So manchem klopft am Anfang einer Rede das Herz bis in den Hals. Hier empfiehlt sich die Zwerchfellatmung bewusst zu nutzen. Atmen Sie bewusst so, dass sich beim Einatmen der Bauch nach außen dehnt und beim Ausatmen wieder nach innen. So atmen Sie tief in den Bauch und versorgen den Körper mit viel Energie. Merksatz: Nicht in den Brustkorb, sondern in den Bauch atmen!

Sie sollten diese Form der Atmung ein wenig üben. Nutzen Sie beispielsweise die "4-7-11-Technik", die weiter oben beschrieben wurde. So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe.

Trockener Mund beim Reden

Wenn Stress entsteht produzieren wir weniger Speichel. Außerdem führt eine zu flache und schnelle Schnappatmung zu einem weiteren Austrocknen des Mund- und Rachenraumes.

  • Trinken Sie ausreichend und regelmäßig Wasser vor und während des Vortrags. Bauen Sie es als Pause in den Vortag ein - es werden zumeist eh zu wenig Pausen gemacht.
  • Stilles Wasser ist zu bevorzugen, denn zu viel Kohlensäue könnte zu Aufstoßen führen und übersäuert zudem den Körper.
  • Lieber Tee mit Honig für die Stimmbänder als Kaffee.
  • Außerdem sollten Sie bei Vorträgen und Präsentationen eher Zwerchfellatmung praktizieren. Mit ein wenig Übung wird Ihr Stresslevel und Ihr Publikum es Ihnen danken (siehe auch Atemübung).
  • Generell bitte daran denken: Wasser trinken. Gerade Ihr Gehirn braucht Wasser, Wasser, Wasser!

Die belegte Stimme

So manchem schlägt der Stress sogar auf die Stimmbänder. Die Stimme klingt rau oder heiser. Mancher muss sich dann auch häufig räuspern. Hier ist eine Tasse Tee mit Honig ratsam oder trinken Sie warmes, stilles Wasser. So werden die Stimmbänder wieder geschmeidig. 

"Reden lernt man durch reden."

Marcus Tullius Cicero

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Anregungen für Präsentationen und Reden

Viele Präsentationen sind eher betreutes Vorlesen. Die Inhalte auf den PowerPoint Folien werden dabei vorgelesen anstatt die Inhalte der Folien als roten Faden oder Unterstützung zu nutzen.

Versuchen Sie bitte mehr zu erzählen, versuchen Sie freier zu werden, von den Inhalten auf Folien. Wir Menschen lieben Geschichten, gute Zitate, passende Beispiele und Anekdoten.

Geschichten und Bilder bleiben eher in Erinnerung und schaffen positive Resonanz. Das wird Ihnen Ihr Publikum rückmelden, was wiederum Ihnen ein gutes Gefühl gibt. Ihre Sicherheit wird größer und das Lampenfieber wird kleiner und kleiner.

Hier finden Sie noch einige weitere Anregungen für Ihre nächste Präsentation oder Ihren nächsten Vortrag.

Präsentation Auftreten: 10 Förderer und 10 Hemmer für Präsentationen


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Literatur, Zitate und Videos zum Thema Lampenfieber

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Download: Merksatzkarte zum Thema Lampenfieber reduzieren

Hier finden Sie die Merk- und Reflexionskarte zum Thema. Die Karte ist im Quartettformat (6 x 9 cm), passt also bequem in die Jackentasche oder in die Geldbörse.

 

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Zusammenfassung: Lampenfieber überwinden

Lampenfieber gehört zum Vortrag wie die Reifen zum Auto. Es hilft uns, ein höheres Leistungsniveau zu erreichen, wir sind aufmerksamer und bereiten uns besser vor.

Sobald das Lampenfieber aber zu stark wird, sollten wir Maßnahmen, Übungen und Rituale nutzen. Das Lampenfieber wird so nicht verschwinden, aber wir können besser damit umgehen, es quasi kontrollieren. Wenn wir nun noch Zeit und Energie investieren, um uns gut vorzubereiten, wir mehr erzählen und Beispiele, Geschichten und Anekdoten nutzen, dann steht einer begeisternden Rede oder Präsentation nichts mehr im Weg. Das wünschen wir Ihren Zuhörern und Zuschauern und Ihnen viel Erfolg bei der Vorbereitung und Durchführung.

 

Wenn Sie nach oben scrollen, finden Sie jeweils den Text markiert, der gerade vorgelesen wird.

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