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Stress ist in aller Munde. Er scheint schon zum guten Ton und Selbstverständnis des Gebraucht-Werdens zu gehören.

In diesem Beitrag stellt Ihnen der blueprints-Leser Volker Ziegler, Bundestrainer Tischtennis des Deutschen Behindertensportverbandes und Bundesligatrainer, drei Wege zur Stresssteuerung aus dem Spitzensport vor sowie drei Praxistipps, die nicht nur Spitzensportlern helfen.

Der Druck wächst

Zum beruflichen Zeitdruck, Qualitätsdruck und Komplexitätsdruck kommen sozialer Druck in Form von Abhängigkeiten, Verpflichtungen, Erwartungen und Statussicherung hinzu. Gefühle der Überforderung, der Hilflosigkeit, der Passivität und der Angst sind für Viele zeitweise oder dauerhaft die Folge.

Nachfolgend eine Betrachtung über die Möglichkeiten, sich dem Stress zu stellen, sich zu steuern und auch sich dem Stress zu verweigern.

Zur Geschichte des Stress-Begriffs

Dabei ist Stress, ein relativ junger Begriff, der erst vom österreichisch-kanadischen Mediziner Hans Selye zwischen 1936 und 1950 geprägt wurde, grundsätzlich nichts Negatives. Im Gegenteil: er bezeichnet die körperlichen und psychischen Antworten des Organismus auf Belastungen. Dieser Erregungszustand ist evolutionsgeschichtlich positiv und sichert das Überleben. U. a. führt er durch Hormonausschüttung zu höchstem Aktivierungsniveau und maximaler Reaktions- und Aktionsschnelligkeit.

Stress ist also grundsätzlich leistungsfördernd. Nur wurde dieser Mechanismus ursprünglich für Fluchttiere oder zum Kampf konzipiert – beides Verhaltensweisen, die in ihrer physischen Form im Business nicht kodexkonform sind – also nicht angemessen in diesem Bereich.

Wie ist nun Höchstleistung im beruflichen Alltag abrufbar? Von sportlichen Aufgabenstellungen wissen wir, dass dies nur im Korridor zwischen Unter- und Überforderung gelingt. Nicht nur Kinder finden wenig herausfordernde Aufgaben "langweilig" und überfordernde Situationen "doof" und verweigern sich.

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Karoshi

Die Parallelen zum Beruf sind leicht zu erkennen: Der Wechsel zwischen Belastung und Erholung ist das zentrale Steuerungsinstrument. Im Spitzensport ist dies auch die hohe Kunst des Trainerberufs, der Weg zum Erfolg! Sind Führungskräfte nicht auch idealerweise Coaches für sich selbst und ihre Mitarbeiter?

Dem gegenüber steht unsere Lebensweise mit hoher Schlagzahl und Leistungsdruck. Wir empfinden den daraus resultierenden Stress primär nicht als bedrohlich, doch er führt zu einer ständigen Aktivierung des Organismus. Für die Erholung bleibt immer weniger Zeit übrig. Aus biologischer Sicht ist dies eine erhebliche Dauerbelastung, die bis zum Kollaps führen kann.

Die Japaner haben dafür einen Begriff: Karoshi, Tod durch Überarbeitung. Im Sport spricht man von Übertraining und landläufig spricht man von "Burn-Out".

Nichts verleiht mehr Überlegenheit, als ruhig und unbekümmert zu bleiben.
Thomas Jefferson

Was tun?

Was können wir tun gegen die modernen Stressoren wie getaktete, arbeitsteilige Arbeitsplätze und "smarten Elektroschmuck", der scheinbar jederzeit Aufmerksamkeit und eine schnelle Reaktion verlangt? Was hilft gegen Lärm, optische Reize, auch elektromagnetische Strahlung als Folge der Urbanisierung? Können wir uns der Darstellung über Statussymbole (als Folge von mangelndem Selbstbewusstsein?) entziehen?

Drei Wege zur Stresssteuerung

Zur Stressbewältigung können wir erstens bei den Stressoren ansetzen (also die Welt verändern) oder zweitens beim Menschen ansetzen (also uns selbst und unsere Wahrnehmung der Situation verändern).

Die dritte Option besteht darin, in der Stresssituation die Erregung kurzfristig zu steuern. Hier ist Bewegung der Königsweg, da körperliche Aktivität den stressbedingt aus dem Gleichgewicht geratenen Hormonhaushalt wieder ins Lot bringt. "Stop-Codes" und "So tun als ob" als bewährte Techniken aus dem Leistungssport sind ebenso geeignet wie kurzfristige Atem-Entspannungsübungen und Refraiming (Umdeutung).

Einen längeren Atem benötigen wir bei der zweiten Option, wenn wir uns selbst und unsere Wahrnehmung der Situation verändern wollen. Bausteine hierfür sind Kompetenzen erwerben, das Kennenlernen der eigenen inneren Antreiber und (auch hier) regelmäßiger Sport als Ausgleich.

Ein Stop-Code ist ein Wort, das der Sportler in einer kritischen Situation innerlich zu sich selbst sagt. Es ist quasi ein Anker, um Kontrolle über das eigene Handeln wieder zu erlangen - es bringt den Anwender quasi wieder auf das Gleis.

So tun als ob ist eine Technik, die die Wechselwirkung zwischen physischer und psychischen Zuständen nutzt. Es hilft dem Sportler den kritischen Zustand zum Positiven zu verändern.

Wenn Sie zu diesen Techniken Fragen haben, schreiben Sie mir bitte. (Volker Ziegler, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Drei Praxistipps

Trotz der Kürze dieses Artikels möchte ich auf drei Aspekte zusätzlich eingehen: auf Konzentration versus Multi-Tasking, auf die Wichtigkeit von Pausen und das "Anders sein".

1. Konzentration

Ohne Konzentration sind Höchstleistungen nicht zu erzielen. Ohne die Möglichkeit, sich bedingungslos in eine Sache zu vertiefen, ist auch der Zustand des "Flow", in dem man sich im Tunnel befindet und Aufgaben scheinbar mühelos bewältigt, nicht erreichbar. Multi-Tasking hingegen verhindert diese Ausführungsqualität. Im Business wie im Sport. Gerne beweise ich Ihnen das in der Praxis.

Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer.
Ovid, römischer Epiker

2. Pausen

Für Höchstleistungen ist das oben genannte Prinzip von Belastung und Erholung eine weitere Voraussetzung. Ideal sind größere Pausen alle 2 Stunden oder zumindest die von der Sportwissenschaft so genannten "lohnenden Pausen", bei denen eine 80 %-ige Regeneration erreicht wird (bereits eine nur 10- bis 15-minütige Auszeit an einem stillen Ort, kann im Alltag diesen Effekt erreichen).

Aber auch Mikropausen mit Bewegung (denn statisch gelingt weniger) oder die Mikropausen für die Augen (Blicksteuerung) sind kein Zeitverlust, sondern lohnende Investitionen.

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3. Der eigene Weg – anders sein

Zum Abschluss zwei persönliche Fragen:

  1. Sind die Persönlichkeiten, die Sie bewundern, angepasst oder "eigen"?
  2. Warum gönnen nicht auch Sie sich manchmal Ihren ganz eigenen Weg, mit Ecken und Kanten und Ihren individuellen Stärken und Schwächen?

Im Sport müssen für den Erfolg die Stärken entwickelt werden um Punkte zu erzielen und Tore zu schießen. Das Ausgleichen von Schwächen führt zu Mittelmaß, die ständige Beschäftigung mit Schwächen führt zu Entmutigung. Im Sport spielen wir dann "gegen die Niederlage".

  • Distanzieren Sie sich einfach von scheinbar Wichtigem und Dringendem: legen Sie Ihre eigenen Prioritäten fest.
  • Sie bestimmen, wem oder was Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken. Lassen Sie "Unrat" vorbeischwimmen.
  • Ignorieren Sie Gerüchte. Jeder Satz, der nicht zu Ihnen direkt gesprochen wird, ist nicht existent. Das ist schon ein großer Schritt in Ihrem persönlichen Stressmanagement hin zur Spitzenleistung.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihre beruflichen wie privaten Ziele erreichen. Das ist Erfolg. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Erfolge dann auch genießen. Das ist Glück.

Volker Ziegler arbeitet seit mehr als 20 Jahren hauptamtlich als Trainer. Nach seinem Studium der Sportwissenschaften in Hamburg arbeitete er mit Ausnahmeathleten wie Nicole Struse, Irene Ivancan und dem mehrfachen Paralympicssieger Jochen Wollmert. Seit 2013 ist er Bundestrainer Tischtennis des Deutschen Behindertensportverbandes. 2015 wurde Volker Ziegler als einer von drei Trainern für den Table Tennis World Star Coach Award des Internationalen Tischtennis-Verbands ITTF in Dubai nominiert. 2004 gründete er die Fa. sportspartner, die seither Unternehmen in den Bereichen Personalentwicklung, Stressmanagement und Lösungen aus dem Leistungssport berät und unterstützt.

Weitere Informationen und Anregungen: http://de.wikipedia.org/wiki/Volker_Ziegler und www.sportspartner.de sowie auf www.blueprints.de.

 

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