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Geborgenheit schaffen - der sichere Hafen gegen Missmut, Stress und Angst

Geborgenheit: Ein Zustand, wo wir uns behütet und wie in einem sicheren Hafen fühlen. Es durchfließt unseren Körper und unsere Seele. Wir erleben absolute Entspanntheit und eine Art inneren Frieden.

Wie können wir in einer scheinbar unsicheren Welt, die vermeintlich so voller Veränderungen, Gefahren und "Unzufriedenmacher" ist, für uns ein Gefühl der Geborgenheit - ein Vertrauen in uns und diese Welt - erschaffen? 

 
 

Punkt bp 1

Warum ist Geborgenheit für uns so wichtig

Was gibt Geborgenheit? Als Grundpfeiler von Geborgenheit werden in der Psychologie Sicherheit und Schutz sowie menschliche Wärme, Vertrauen, Akzeptanz und Liebe gesehen.

Dieses komplexe Gefühl der absoluten Geborgenheit hatten wir im Mutterleib und in der frühkindlichen Erziehung, wenn wir eben Wärme, Schutz und Liebe unserer Eltern genießen durften.

In einer scheinbar "feindlichen Welt" voller Gefahren, Probleme, Leistungsdruck, Veränderungen, Konflikte … ist es wichtig, ob für jung oder alt, solche Kraft- und Ruhemomente zu haben, um sich dem Leben zu stellen.

Zum Thema "Geborgenheit" wurde 1957 einer der umstrittensten Versuche der Verhaltensforschung durchgeführt. Der amerikanische Forscher Harry Harlow wollte die These prüfen, dass "sich geborgen" fühlen für uns extrem wichtig ist.

Junge Rhesusaffen wurden dazu alleine in einen Käfig gesperrt. In ihm befanden sich zwei sehr unterschiedliche Mutterattrappen.

Die eine war lediglich aus kaltem Draht und bot dem Jungaffen Futter an. Die andere Attrappe war eine kuschelige Version, bot aber keine Milch.

Das aufgeregte Affenbaby rannte zur Drahtmutter, um kurz zu trinken. Dann sauste es zurück zur kuscheligen Mutterattrappe, um sich an diese zu schmiegen. Das Rhesusbaby verließ die kuschelige Attrappe immer nur, um an der Drahtattrappe zu trinken, suchte aber jeweils Schutz und Geborgenheit bei der "Mutter aus Stoff".

Harry Harlow folgerte aus den Versuchsreihen, dass nur das Füttern alleine nicht ausreicht, um den Nachwuchs glücklich zu machen. Er sucht vor allem Geborgenheit.

Dies ist ein Zustand, den wir auch im Erwachsenenalter suchen. Wie können wir nun durch andere, aber auch alleine, das Gefühl der Geborgenheit erfahren? Was sollten wir tun, um diese Ruhe und Glücksmomente zu erleben?

Eigentlich ist das ganz einfach - aber leider nur "eigentlich". 

Für Kinder ist Geborgenheit von größter Bedeutung

Wer als Kind nicht ausreichend Geborgenheit erfahren und somit kein Vertrauen aufgebaut hat, der entwickelt eher Verlust-, Bindungs- und Zukunftsängste. Deswegen unser Tipp an alle Eltern: "Kuscheln Sie mit ihrem Baby was das Zeug hält. Geborgenheit ist für Kinder extrem wichtig."

 

"Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da."

Goethe

Punkt 2

Welche Möglichkeiten gibt es?

Das Gefühl der Geborgenheit entsteht durch bekannte und bewährte Muster. Ob nun körperliche Berührung, Gerüche, Musik oder Rituale.

Lesen Sie nun ein paar Möglichkeiten, die helfen können, das Gefühl zu erzeugen. Hier funktionieren wir alle ein wenig anders. Es hat mit unserer Kindheit zu tun, mit den Erfahrungen, die wir gemacht haben. Mit dem, was wir als beruhigend, tröstend und beschützend erlebt haben.

Im nächsten Punkt können sie dann aus einer für Sie passenden Idee eine Übung entwickeln.

1. Rituale

Manchmal sind es die ganz einfachen Tätigkeiten, die täglichen Aktivitäten, die Sicherheit und Struktur vermitteln.

Ob es nun das gemeinsame Frühstück mit der Familie, das wöchentliche Treffen mit dem Gesangsverein, der Spaziergang mit dem Partner oder der sonntägliche Ausflug mit der Familie ist. Aber auch das Schaumbad oder das erneute Ansehen des "Kleinen Lords" - Rituale geben Sicherheit und Stabilität - wir fühlen uns geborgen.

Problem: Leider fallen so manche Rituale in Familien und Partnerschaften der allgemeinen Hektik, den vielen Anforderungen, Trennungen etc. zum Opfer - mehr Stress, weniger kraftgebende Rituale … die Negativ-Spirale dreht sich. Nicht nur für Kinder kann das problematisch sein. Hier ein paar Ideen für Rituale, um in den Tag zu starten.

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Geborgenheit durch Nähe (Lemuren, aus der Gruppe der Feuchtnasenaffen)

2. Gehalten werden bzw. Berührungen

Werden wir gehalten oder gar umarmt, schafft das Vertrauen, spendet uns Trost und beruhigt die Nerven. Dabei werden nämlich Signale ans Gehirn gesendet, die die Ausschüttung von Botenstoffen veranlassen, unter anderem dem Glückhormon Oxytocin - Spitzname "Kuschelhormon". Oxytocin stärkt unter anderem das Vertrauen in andere Menschen, reduziert Stress und Angst.

Vom Philosophen Ludwig Wittgenstein erzählt man sich eine interessante Geschichte. In einem seiner Werke erklärt er, das Gefühl "absolut geborgen zu sein" sei ihm wohl vertraut … lesen Sie hier weiter

3. Freundschaften

Eine Freundin oder einen Freund zu haben und Gespräche zu führen oder gemeinsamen Aktivitäten zu gestalten, ist eine weitere Möglichkeit. Erinnern Sie noch die Gespräche mit Ihrer liebsten Freundin oder Ihrem besten Freund? Das ist auch in reiferen Freundschaften nicht anders.

4. Lieblingsmensch

Wir sind soziale Wesen. Der Kontakt zu unseren Mitmenschen ist extrem wichtig. Menschen können uns Kraft rauben oder Kraft geben. So gibt es wahrscheinlich auch bei Ihnen einen Lieblingsmenschen, der Ihnen das Gefühl der Geborgenheit gibt. Die großartige Namika singt über so einen Lieblingsmenschen.

5. Vertrauen aufbauen

Vertrauen in unsere Mitmenschen wäre ein sehr förderlicher Faktor für ein Gefühl der Geborgenheit. Wenn Sie dieses Vertrauen irgendwann verloren oder nie besessen haben, können Sie es langsam wieder aufbauen. Suchen Sie bewusst den Kontakt zu Menschen, die vertrauenswürdig sind. Haben Sie ein wenig Mut und orientieren Sie sich bei der Suche nach diesen Menschen an deren Werten. 

6. Dankbarkeit und Wertschätzung kultivieren

Bereits Cicero betonte, dass Dankbarkeit die Mutter aller Tugenden ist. Einmal in uns kultiviert, können wir eine Vielzahl von Früchten vom Baum der Dankbarkeit genießen.

Doch wie fördert sie unser Gefühl der Geborgenheit? Ganz grundlegend, und zwar indem wir unseren Blick weg von den Unsicherheiten und Unzuverlässigkeiten des Lebens hin auf die Unterstützung, die wir auf vielen Ebenen erleben dürfen, lenken.

Diese Unterstützungen gibt es in jedem Leben - es fängt bei der Krankenversicherung an und hört beim Schutz durch die Polizei noch lange nicht auf. Lesen Sie hierzu auch den Artikel zum Thema Dankbarkeit.
 

7. Geborgenheit geben

Wenn Sie ein Mensch sind, der zuverlässig und hilfsbereit ist, bei dem andere sich geborgen fühlen können, wird dies auch Ihrem Gefühl der Geborgenheit helfen.

Fragen Sie sich also hin und wieder: Wie kann ich Geborgenheit geben? Wie kann ich meinen Mitmenschen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln?

8. Meditation

Regelmäßige Meditation führt auf Dauer zu innerer Stabilität, fördert die Gesundheit und erzeugt das Gefühl der Geborgenheit. Lesen Sie hier mehr zum Thema.

9. Natur

So mancher fühlt sich in der Natur ruhig und geborgen. Ob nun im Schatten unserer großen Brüder, den Bäumen, oder am Meer, wo die sanfte Dünung uns an Kindheitstage erinnert. Die Natur ist eine Quelle der Kraft. Lesen Sie hierzu auch: 5 erstaunliche Wege, auf denen die Natur unseren Geist heilt.

Ein persönliches Beispiel

Als Kind war ich jede mögliche Minute draußen in der Natur. Am liebsten am See oder im Wald. Hier fühlte ich mich frei, unbekümmert und mit mir im Reinen.

In einer schweren Phase in meinem Leben als Erwachsener erinnerte ich mich an diese Zeit und die Momente voller Freiheit und Kraft. Anfangs zwang ich mich, etwas länger im Wald zu bleiben. Etwas zu bauen, zu entdecken oder nur zu sein. Immer mehr genoss ich diese Zeiten und fand immer mehr Entspannung - fand wieder zu mir. So entstanden bei mir Rituale, die mir das Gefühl der Geborgenheit schafften.

10. Kraftorte aufsuchen

Für manchen gibt es Orte, die einem Kraft geben und Schutz bieten. Das kann eine Bank im Wald sein, ein Museum, ein Friedhof oder das Sitzen auf einem Findling.

Der Kraftort könnte auch in der Phantasie, in einem Tagtraum, aufgesucht werden. Hauptsache, es fühlt sich gut an. 

11. Glaube

Auch der Glaube gab und gibt vielen Menschen das Gefühl der Stabilität und Geborgenheit. Das Ritual des Gebetes, das gemeinsame Singen etc.

Problem: Bei manchen Glaubensrichtungen gab es "moralische Erschütterungen". So verlor so mancher den Glauben und musste sich andere Möglichkeiten suchen.

12. Musik

So manches Lied verbinden wir mit bestimmten Situationen und Gefühlen. Auch das Hören einer Musik-Lieblingsliste kann das Gefühl der Geborgenheit vermitteln.

13. Düfte

So wie wir mit bestimmten Gerüchen wie Zimt, Nelken und Mandarine die Weihnachtszeit verbinden, so kann es Gerüche geben, die in der Erinnerung mit dem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit verbunden sind.

Es gibt natürlich weitere Möglichkeiten, die dem Einzelnen helfen. Spüren Sie in der nächsten Übung auf, was es bei Ihnen ist und "tanken Sie auf". 

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Wie Geborgenheit finden?

Punkt 3

Übung: Geborgenheit für Erwachsene schaffen

Am besten Sie notieren Ihre Ideen in einem Dokument oder schreiben es auf ein Blatt Papier. Schreiben bringt Klarheit, fördert den kreativen Prozess und ermöglicht die ständige Weiterentwicklung der eigenen Übung. So könnten Sie vorgehen.

Schritt 1: Rückbetrachtung

Wobei haben Sie sich früher sicher und geborgen gefühlt?

Wie hat sich das angefühlt? Was waren Ihre Gedanken?

Schritt 2: Selbstwahrnehmung

Bitte notieren Sie, woran Sie merken würden, dass Sie sich geborgen und sicher fühlen. Woran können Sie Geborgenheit fühlen? Wie fühlt es sich an?

Schritt 3: Ideensammlung

Was könnten Sie heute tun, um das Gefühl wieder zu erzeugen? Nutzen Sie die Ideenliste im vorherigen Kapitel oder eine ganz persönliche Vorgehensweise.

Schritt 4: Probieren

Testen Sie, welche der möglichen Vorgehensweisen am ehesten das Gefühl der Geborgenheit für Sie erzeugt. Welche Vorgehensweise trägt am besten dazu bei, Schritt 2 zu erreichen?

Schritt 5: Ritualisieren

Nun versuchen Sie regelmäßig die Aktivitäten in Ihren Alltag zu integrieren, die dieses Gefühl der Geborgenheit immer wieder erzeugen. Ob es der Spaziergang ist, ein Schaumbad, das Sitzen auf einer Bank am See oder das Schaukeln auf dem alten Spielplatz. Regelmäßigkeit ist hier der Schlüssel zur kraftvollen Wirkung.

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Fazit: Geborgenheit schaffen

Was bringt uns wieder in die Mitte und lässt ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit unsere Seele durchfließen? Welchen Rückzugsort, welches Ritual oder was gibt Ihnen dieses wichtige und komplexe Gefühl?

Spüren Sie es auf und nutzen Sie es regelmäßig, um immer wieder Kraft zu tanken für die Herausforderungen, die da draußen auf Sie warten.

 

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