• Rätsel - Wie heißt das Ding?

    raetsel schiller 564

    Wie heißt das Ding, das Wen'ge schätzen,
    Doch ziert's des größten Kaisers Hand,
    Es ist gemacht, um zu verletzen,
    Am nächsten ist's dem Schwert verwandt.

    Kein Blut vergießt's und macht doch tausend Wunden,
    Niemand beraubt's und macht doch reich,
    Es hat den Erdkreis überwunden,
    Es macht das Leben sanft und gleich.

    Die größten Reiche hat's gegründet,
    Die ältesten Städte hat's erbaut,
    Doch niemals hat es Krieg entzündet,
    Und Heil dem Volk, das ihm vertraut.

    Fremdling, kannst du das Ding nicht raten,
    So weich aus diesen blühenden Staaten!

    Friedrich von Schiller (1759 - 1805)  

  • Rätsel - Ein Gebäude von uralten Zeiten

    Ein Gebäude steht da von uralten Zeiten,
    Es ist kein Tempel, es ist kein Haus,
    Ein Reiter kann hundert Tage reiten,
    Er umwandert es nicht, er reitet's nicht aus. 

    Jahrhunderte sind vorübergeflogen,
    Es trotzte der Zeit und der Stürme Heer,
    Frei steht es unter dem himmlischen Bogen,
    Es reicht in die Wolken, es netzt sich im Meer.

    Nicht eitle Prahlsucht hat es getürmet,
    Es dienet zum Heil, es rettet und schirmet.
    Seinesgleichen ist nicht auf Erden bekannt,
    Und doch ist's ein Werk von Menschenhand.

    Was ist gesucht?

    Friedrich von Schiller, * 1759, † 1805

  • Die Scheibe | Turandot-Rätsel von Friedrich Schiller

    Friedrich Schiller Turandot-Rätsel

    Die Scheibe | Turandot-Rätsel von Friedrich Schiller

    Was beschreibt Friedrich Schiller hier?

    Ich drehe mich auf einer Scheibe,
    Ich wandle ohne Rast und Ruh,
    Klein ist das Feld, das ich umschreibe,
    Du deckst es mit zwei Händen zu -
    Doch brauch ich viele tausend Meilen,
    Bis ich das kleine Feld durchzogen,
    Flieg ich gleich fort mit Sturmes Eilen,
    Und schneller als der Pfeil vom Bogen.

    Friedrich Schiller – Die Turandot-Rätsel

  • Rätsel - Die sechs Geschwister

    Wir stammen, unser sechs Geschwister,
    Von einem wundersamen Paar,
    Die Mutter ewig ernst und düster,
    Der Vater fröhlich immerdar.

    Von beiden erbten wir die Tugend,
    Von ihr die Milde, von ihm den Glanz;
    So dreh'n wir uns in ew'ger Jugend
    Um dich herum im Zirkeltanz.

    Gern meiden wir die schwarzen Höhlen
    Und lieben uns den heitern Tag;
    Wir sind es, die die Welt beseelen,
    Mit unsers Lebens Zauberschlag.

    Wir sind des Frühlings lust'ge Boten
    Und führen seinen muntern Reihn;
    Drum fliehen wir das Haus der Toten,
    Denn um uns her muss Leben sein.

    Uns mag kein Glücklicher entbehren,
    Wir sind dabei, wo man sich freut,
    Und lässt der Kaiser sich verehren,
    Wir leihen ihm die Herrlichkeit.

    Was wird gesucht?

    Friedrich von Schiller, * 1759, † 1805

  • Rätsel - Baum der Kinder

    Rätsel - Baum der Kinder

    Rätsel - Baum der Kinder

    Der Baum, auf dem die Kinder
    Der Sterblichen verblüh'n,
    Steinalt, nichts desto minder
    Stets wieder jung und grün.
    Er kehrt auf einer Seite
    Die Blätter zu dem Licht,
    Doch kohlschwarz ist die zweite
    Und sieht die Sonne nicht.
    Er setzet neue Ringe,
    So oft er blühet, an,
    Das Alter aller Dinge
    Zeigt er den Menschen an.
    In seine grüne Rinden
    Drückt sich ein Name leicht,
    Der nicht mehr ist zu finden,
    Wenn sie verdorrt und bleicht.
    So sprich, kannst du's ergründen
    Was diesem Baume gleicht?

    Was ist gesucht?

    Friedrich von Schiller, * 1759, † 1805

  • Rätsel - Ein Vogel ist es

    raetsel vogel schiller 564 2

    Ein Vogel ist es, und an Schnelle
    buhlt es mit eines Adlers Flug;
    ein Fisch ist's und zerteilt die Welle,
    die noch kein größ'res Untier trug.
    Ein Elefant ist's, welcher Türme
    auf seinem schweren Rücken trägt;
    der Spinnen kriechendem Gewürme
    gleicht es, wenn es die Füße regt;
    und hat es fest sich eingebissen
    mit seinem spitz'gen Eisenzahn,
    so steht's gleichwie auf festen Füßen
    und trotzt dem wütenden Orkan.

    Was ist das?

    Friedrich von Schiller (1759 - 1805)

  • Rätsel - Das Bild auf zartem Grunde

    Raetsel Bild auf zartem Grunde 564

    Kennst du das Bild auf zartem Grunde?
    Es gibt sich selber Licht und Glanz.
    Ein andres ist's zu jeder Stunde,
    und immer ist es frisch und ganz.
    Im engsten Raum ist's ausgeführet,
    der kleinste Rahmen fasst es ein;
    doch alle Größe, die dich rühret,
    kennst du durch dieses Bild allein.
    Und kannst du den Kristall mir nennen?
    Ihm gleicht an Wert kein Edelstein;
    er leuchtet, ohne je zu brennen,
    das ganze Weltall saugt er ein.
    Der Himmel selbst ist abgemalet
    in seinem wundervollen Ring;
    und doch ist, was er von sich strahlet,
    noch schöner, als was er empfing.

    Was ist gesucht?

    Friedrich von Schiller, * 1759, † 1805

  • Rätsel - Zwei Eimer sieht man ab und auf

    Zwei Eimer sieht man ab und auf
    in einem Brunnen steigen.
    Und schwebt der eine voll herauf,
    muss sich der andre neigen.
    Sie wandern rastlos hin und her,
    abwechselnd voll und wieder leer.
    Und bringst du diesen an den Mund,
    hängt jener in dem tiefsten Grund;
    nie können sie mit ihren Gaben
    im gleichen Augenblick dich laben.

    Was ist gesucht?

    Die Turandot Rätsel, Friedrich von Schiller, * 1759, † 1805

  • Rätsel - Es führt dich meilenweit von dannen

    Es führt dich meilenweit von dannen
    Und bleibt doch stets an seinem Ort.
    Es hat nicht Flügel auszuspannen
    Und trägt dich durch die Lüfte fort.
    Es ist die allerschnellste Fähre,
    Die jemals einen Wandrer trug,
    Und durch das größte aller Meere
    Trägt es dich mit Gedankenflug;
    Ihm ist ein Augenblick genug.

     

    Was ist gesucht?

    Friedrich von Schiller, * 1759, † 1805  

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