Krokodilstränen weinen - Bedeutung, Herkunft und kuriose Fakten
Der Ursprung des Ausdrucks "Krokodilstränen weinen" liegt in einem uralten Mythos, der bereits im Mittelalter kursierte. Damals glaubte man, dass Krokodile beim Fressen ihrer Beute weinen würden. Das wurde als besonders hinterlistig und grausam gedeutet - denn wie kann jemand trauern, während er gleichzeitig tötet?
Dieser Glaube fand sich u. a. in mittelalterlichen Bestiarien, also Tierlexika mit symbolischer Bedeutung. Besonders populär wurde die Vorstellung durch den englischen Reisenden Sir John Mandeville, der im 14. Jahrhundert schrieb, Krokodile töten Menschen und würden dann "weinen und jammern". Später griff auch Shakespeare in "Othello" das Bild auf: "Each drop she falls would prove a crocodile." Sinngemäß übersetzt: "Jede Träne, die sie vergießt, würde sich als Krokodilsträne erweisen."
Heute weiß man, dass Krokodile tatsächlich Tränen absondern - allerdings hat das rein physiologische Gründe. Beim Fressen pressen sie Luft durch die Tränendrüsen, wodurch Flüssigkeit austritt. Kein Mitleid, nur Biologie.
Eine weitere Erklärung der Herkunft des Ausdrucks "Krokodilstränen weinen" soll auf eine weitverbreitete Sage aus dem Mittelalter zurückgehen. Man glaubte, dass Krokodile wie Kinder weinen und damit Menschen anlocken, um sie dann zu verschlingen.
Heutige Bedeutung: Wenn jemand "Krokodilstränen weint", dann meint man damit, dass diese Person zwar so tut, als ob sie traurig wäre, aber in Wirklichkeit keine echte Trauer empfindet. Die Tränen sind also nicht ehrlich gemeint. Es geht um gespieltes Mitleid, um Show, um Fassade.
Beispiele für die heutige Verwendung von "Krokodilstränen weinen"
- Wenn Manager nach Massenentlassungen Krokodilstränen weinen, ist das für viele Betroffene blanker Hohn. (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 12.03.2021)
- Krokodilstränen der Politik helfen niemandem. Wir brauchen Taten statt Worte. (Quelle: Der Spiegel, Kommentar zur Klimakrise, 2022)
- Die Krokodilstränen der Lobbyisten über vermeintlich zu harte Umweltauflagen sind unglaubwürdig. (Quelle: taz, 04.05.2023)
Kannst du noch eine heutige Verwendung von "Krokodilstränen weinen" ergänzen?
Kannst du eine heutige Verwendung ergänzen?
Vielen Dank für jedes Beispiel!
Synonyme für "Krokodilstränen weinen"
- Heuchlerisch trauern
- Gefälschte Tränen
- Unechte Gefühle zeigen
- Mitleid heucheln
- Trauershow abziehen
- Schauspielern
- Tränen vortäuschen
Kennst du noch ein Synonym zu "Krokodilstränen weinen"?
Kannst du ein (weiteres) Synonym ergänzen?
„Krokodilstränen sind das Make-up der Heuchler.“
Was bedeutet "Krokodilstränen weinen" auf Englisch und in anderen Sprachen?
- Englisch: crocodile tears
- Französisch: larmes de crocodile
- Italienisch: lacrime di coccodrillo
- Spanisch: lágrimas de cocodrilo
- Türkisch: timsah gözyaşları
- Esperanto: krokodilaj larmoj
Funfacts
- Krokodile haben Tränendrüsen - aber keine Tränen vor Rührung! Die Tränenflüssigkeit dient der Salzregulation.
- Im alten Ägypten galten Krokodile als heilig. Die Tränen wurden dort teilweise als reinigend interpretiert.
- Ein Krokodil kann bis zu 60 Zähne gleichzeitig haben, aber es ersetzt sie ständig.
- In der Popkultur ist der Begriff Dauergast. Von den Rolling Stones bis zu House of Cards - Krokodilstränen sind ein Symbol für manipulatives Verhalten.
Passende Artikel zum Thema "Menschenkenntnis" auf blueprints
Vorgetäuschtes Verhalten lässt sich über körpersprachliche Signale herausfinden. Hier findest du Beiträge zum Thema auf blueprints.
Körpersprache hilft das Verhalten anderer Menschen zu deuten und besser zu verstehen.
Menschen sagen nicht immer, was sie wirklich meinen, denn Prozesse der Sozialisierung, der Abgewöhnung und der Unterdrückung haben zur Versagung natürlicher Empfindungen geführt. Häufig werden wahre Gedanken und Empfindungen verschwiegen.
Hier eine Übung und ein Leitfaden, die dabei helfen können, die Körpersprache besser zu verstehen und die eigene Kommunikation zu verbessern.
Wenn wir uns mit einem Menschen unterhalten oder in einer Gruppe kommunizieren, achten wir fast ausschließlich darauf, WAS wir sagen. Die meisten beschränken ihre Achtsamkeit darauf, was sie sagen. Dabei senden wir auf vielen Wegen, gerade wenn wir nichts verbal sagen, pausenlos Signale an unsere Umwelt: mit unserem Körper.
Die folgenden 9 Körpersprache-Signale sind Aspekte, die uns sympathischer wirken lassen. Es wäre ungerecht, sie als psychologische Tricks zu verurteilen, nur weil wir damit Menschen manipulieren könnten. Vielmehr sollten wir sie als Unterstützung von positiven Anliegen verstehen (und auch nur dafür einsetzen).
Noch ein kniffliges Wort gefällig?
Seine Herkunft verdankt diese Redewendung einer Sage von Johannes Rothe. Er berichtet vom Landgraf Ludwig von Thüringen (1140 - 72), der anfänglich so milde geherrscht haben soll, dass die Mächtigen im Lande übermütig wurden und das Volk ausbeuteten und quälten.
Während eines Jagdausfluges verirrte sich jener Landgraf und fand bei einem Schmied im Thüringer Wald Unterkunft. Auch dieser wurde von den Oberen aufgrund der Milde des Landgrafs ausgepresst. Der Schmied, der den Landgraf nicht erkannte, habe, während er nachts immer wieder auf seinen Amboss schlug, auf die Lässigkeit des Grafen geflucht und mit jeden Schlag gefordert: "Nun werde hart". Immer wieder soll er geklagt haben: "... du böser, unseliger Herr! Was taugst du den armen Leuten zu leben? Siehst du nicht, wie deine Räte das Volk plagen?"
Aufgrund dieses Erlebnisses soll der Landgraf alsbald für Zucht und Ordnung im Lande gesorgt haben.
Die heutige Form des Sprichworts "Landgraf, werde hart!" stammt aus Wilhelm Gerhards (1780 - 1858) Gedicht "Der Edelacker".
Heutige Verwendung 1: Die Aufforderung "Landgraf, werde hart!" gilt als Ermahnung an einen allzu milden Vorgesetzten oder an eine Regierung, strenger gegen Unrecht und Missstände vorzugehen.
Heutige Verwendung 2: Wir nutzen den Ausdruck auch, um Menschen aufzufordern, sich Herausforderungen mit Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen zu stellen. Es geht darum, keine Angst vor Schwierigkeiten zu haben, sondern sich ihnen mutig zu stellen und den eigenen Weg zu gehen.
Anregungen zum Erweitern des eigenen Wortschatzes
Wir öffnen morgens die Augen und fangen an zu denken, zu schreiben oder zu sprechen. Wenn wir nicht gerade als Tiefseetaucher in der Nordsee arbeiten, kommunizieren wir, bis wir wieder ins Bett gehen und die Augen schließen.
Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass in unserem Kulturkreis durchschnittlich 16.000 Wörter am Tag gesprochen werden. Es macht einen Unterschied, ob ich das mit einem großen oder einem kleinen Wortschatz tue.
Ein größerer Wortschatz hat viele weitere Vorteile. Aber was können wir unternehmen, um ihn mit Freude und Spaß zu erweitern? Damit auch für dich etwas dabei ist, zeigen wir 20 verschiedene Möglichkeiten auf. Viel Spaß beim Erweitern deiner Lexik.
Bücher zum Erweitern des eigenen Wortschatzes
-
-



