• Der volle Schreibtisch (Nickels Erlebnisse)

    Es war wieder einmal einer dieser Tage. Nickels Schreibtisch wurde voller und voller und den Überblick hatte er schon lange verloren. Alle 10 Minuten wurde er unterbrochen und aus seiner Arbeit herausgerissen.

    Da fiel Nickel ein, dass er seine Mittagspause völlig vergessen hatte und bemerkte wie sein Magen Geräusche machte. Er stellte sein Telefon um und ging zum verspäteten Essen.

  • Was für ein Plan?

    Was für ein Plan?

    Was für ein Plan?

    Die denkwürdigen Erlebnisse des Nickel Forster

    Nickel Forster stand neben seinem neuen Kollegen Justus Glatt. Er arbeitete im Innendienst und Nickel Forster hatte immer wieder mal mit ihm zu tun. Nach drei Monaten unterhalten sich die beiden zum ersten mal etwas näher. Genauer gesagt lauschte Nickel Forster der Urlaubsplanung von Justus Glatt.

    "Im Norden Kaliforniens verläuft ein alter Streckenabschnitt durch einen Wald, der nicht der Axt zum Opfer gefallen ist. Die Küsten-Sequoia, ein Baum dieser Region, wächst hier in 1500 Jahren zu einer Höhe von über 100 Metern und ist damit das höchste Lebewesen auf unserem Planeten. Dort werden wir auf einem kleinen Campingplatz übernachten."

    "Das klingt spannend", sagte Nickel.
    "Ja, ich freue mich auch schon. Noch 12 Wochen, dann geht es los!", erwiderte Justus Glatt.

    Nickel Forster lauschte fasziniert der über zwanzigminütigen Ausführung. Er konnte sich die Reise lebhaft vorstellen, die sein neuer, denkwürdiger Kollege machen würde. 

  • Fehlende Kaffeesahne (Nickels Erlebnisse)

    Die Bettdecke drückte Nickel Forster nieder und seine Nase ließ erahnen, wie kalt es außerhalb des Bettes war. Seine Gelenke knackten auf dem Weg zum Badezimmer, wo er sich durch die Morgentoilette kämpfte. Durch die Eisblumen am Fenster sah er, dass es schneite.

    Das Frühstück sollte ihn wärmen und seine Laune verbessern, aber fehlende Kaffeesahne verhinderte es. Kein Morgenkaffee und auch die Gedanken an den heutigen Arbeitstag waren wenig wärmend. Mit einem Seufzer verließ er die Wohnung.

  • Nur so (Nickels Erlebnisse)

    Gähnend stellte Nickel Forster den Strauß Blumen auf den einsamen Bistrotisch im Empfangsbereich und ging in sein Büro.

    Die Blumen waren von seinem Geburtstag. Sie sollten hier in der Firma stehen, wo er sie ab und zu sehen konnte, denn sein Schreibtisch war zu klein und schon voll genug.

    E-Mails, Post, Memos und Telefonate verschlangen Nickel Forsters Vormittag. Nun war es Zeit für eine Pause.

  • Das Leibgericht (Nickels Erlebnisse)

    Das zackige Klopfen schreckte Nickel hoch, der ganz in seine Arbeit vertieft war.

    Nach einem krächzenden "Herein" betrat sein Chef und ein ihm unbekannter Mann das Zimmer. Der Mann war groß und sehr gut gekleidet. Der blaue Anzug, die gelbe Kravatte und der Pilotenkoffer erinnerte Nickel an einen Versicherungsvertreter. Sein Chef stellte Nickel den Mann als den neuen Mitarbeiter im Vertrieb "Herrn Berghoff" vor. Etwas steif und frostig fiel der sich anschließende Smalltalk aus. Irgendwas störte Nickel an diesem komischen Vertriebler, aber er konnte nicht sagen was. Nach 15 Minuten war endlich alles vorbei und Nickel widmete sich wieder seinen Aufgaben.

  • Ungerechte Welt (Nickels Erlebnisse)

    Was für eine brutale Schönheit? Wie es wohl wäre, wenn …?

    Der Sportwagen parkte geduckt vor dem Mietshaus, in dem Nickel Forster wohnte. Den Wagen sah er hier noch nie, wahrscheinlich besuchte der glückliche Eigentümer jemanden in seiner Straße.

     

  • Zimmer 214 (Nickels Erlebnisse)

    Durch die automatische Glastür trat Nickel schweren Herzens in die Eingangshalle des städtischen Krankenhauses. Der Geruch des Äthers stieg in seine Nase und verstärkte seine Trauer, um seinen im Sterben liegenden Großvater.

    Man hatte Nickel telefonisch mitgeteilt, dass es sich höchstwahrscheinlich nur noch um wenige Tage oder auch nur Stunden handelte.

    Die Tür des Zimmers 214 wurde von einem vorsichtigen Klopfen getroffen. Ein leises, weibliches und scheinbar fröhliches "Herein" veranlasste Nickel einzutreten.

  • Der Projektbericht (Nickels Erlebnisse)

    ImageNoch eine Stunde Zeit, dann war der Abgabetermin für den Projektbericht. Sein Chef wird ihn in der Luft zerreißen, wenn er diese jämmerlichen vier Seiten vorlegt. Aber was sollte er noch schreiben? Die Krawatte schnürte ihm die Luft ab und auf seiner Stirn bildete sich kalter Schweiß, während er in seinem Büro hin und her lief.

    Er ging zum Fenster und schaute hinaus. Der Himmel war klar, die Sonne schien und ein Schwarm Vögel zog nach Süden. Nickel Forsters Blick folgte ihrem Flug.

    Ein zackiges Klopfen holte ihn zurück ins Büro.

    "Herein!"

    Nickel Forsters Chef betrat das Zimmer.

  • Der Pfandbon (Nickels Erlebnisse)

    ImageNickel Forster hatte vergessen für seinen Besuch Kaffee und Gebäck zu besorgen. Außerdem war die Sprudelkiste leer und so machte er sich in der Mittagspause auf den Weg zum Supermarkt.

    Kurze Zeit später stand er vor einem jener Wundergeräte, die vollautomatisch Pfandkisten gegen Pfandbelege tauschen. Als er seinen Bon entnahm, lag ein zweiter im Ausgabefach.

    "Ein Glückstag. 7,17 Euro kann ich gut gebrauchen", dachte Nickel Forster.

    Doch während er Kaffee und Gebäck kaufte, ließ ihm der Bon keine Ruhe. Er zog ihn aus seiner Jackentasche und suchte den wahren Eigentümer.

    Nickel Forster hastete durch die Reihen und fragte Leute, ob sie Pfandflaschen abgegeben hätten. Manche Reaktionen gaben ihm das Gefühl etwas Unmoralisches zu tun, aber er ließ sich nicht entmutigen.

  • Lampenfieber (Nickels Erlebnisse)

    Image Es ist so lächerlich. Er hatte diesen Vortrag schon so oft gehalten. Er konnte ihn im Schlaf und er hatte so viele gute Feedbacks bekommen.

    Aber Nickel Forster schnürte es den Magen zu. Er war aufgeregt und ein Nebel umgab ihn seit Tagen. Dieser Nebel mischte sich mit allem. Jeder Gedanke, jedes Gespräch und jede seiner Aktionen wurden von diesem unangenehmen Gefühl durchtränkt.

    Noch drei Tage: Die Folien werden zum x-ten Mal gesichtet und leicht verbessert. Die Notizen zu den Folien leicht ergänzt.

    "Alibi und Selbstberuhigung. Nichts anderes", überlegte Nickel Forster.

  • Der schreckliche Wälzer (Nickels Erlebnisse)

    Es war einer dieser Tage, die den Verkauf von Antidepressiva förderten. Handfeuerwaffen verloren ihre Eigentümer und Katzen würden sogar Hunde ins Haus lassen, wenn sie nicht das Problem mit dem Türgriff hätten.

    So ein Tag war heute in Nickels Leben. 24 Stunden, die zu füllen waren, auch wenn es ihm schwer fiel. Als Kind hatte ihn sein Opa immer wieder daran erinnert: "Geld kannst du verlieren und verschwenden Nickel, aber mit 'Zeit' solltest du das nicht tun, denn sie ist für immer verloren. Geld kannst du wiederbeschaffen – Zeit nicht. Nutze deine Zeit!"

     

  • Große Schuhe (Nickels Erlebnisse)

    ImageDie dampfende Silhouette der Stadt war kaum noch zu erkennen als Nickel eine Pause einlegte. Er setzte sich auf die Bank an den alten Eichen und erst jetzt bemerkte er, wie erschöpft er war. Es war ein langer Spaziergang und er hatte viel nachgedacht.

    "Manchmal stellt das Leben dir große Schuhe hin und du glaubst: Das schaffst du nicht! Dann musst du sie anprobieren und einlaufen. Irgendwann, vielleicht bald, aber erst viel später liegt ein Stück Weg mit den Schuhen hinter dir und es fühlt sich gut an."

    Diese Zeilen hatte er irgendwann gelesen und dieser Eindruck von "großen Schuhen" beschäftigte Nickel seit Tagen.

    Er sollte einen Unternehmensbereich aufbauen. Er würde verantwortlich sein für Scheitern oder Gelingen. Ablehnen konnte er eigentlich nicht, denn so eine Gelegenheit würde er vielleicht nie wieder bekommen. In Nickels Kopf fuhren die Gedanken wild umher und eine Befürchtung mischte sich mit der nächsten. Ein schreckliches Gefühlsgebräu.

    Dann knackte es mehrmals hinter ihm im Unterholz. Grunzen und Quieken wurde immer lauter. Nickel versteinerte, als eine Rotte Wildschweine grußlos an ihm vorbeizog und auf der anderen Seite des Weges wieder im Wald verschwand.

    Noch lange starrte er auf die Stelle, wo die Wildschweine wieder im Wald verschwunden waren. Er wusste nicht, was jetzt anders war als vorher, aber ihm war klar, dass er die Schuhe probieren musste. Er wusste, dass die Zeilen des unbekannten Autors sonst nie aus seinem Kopf verschwinden würden.

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