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Smartphone

Ab 2020: Krankenkassenbonus für Nicht-Smartphone-Nutzer?

Das kluge Telefon birgt große Tücken, wenn der Umgang entartet und die Nutzung zur Sucht wird. Doch es gibt eine Lösung. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Sie Ihr Smartphone klug einsetzen.

Ding-Dong … Ooops Moment! Kommt gerade eine Nachricht auf WhatsApp rein. ... Schade, war nicht wichtig. Wo war ich? Ach, ja ... ;-)

Aber lassen Sie mich anders anfangen.

Smombie und Joe Black

Das Jugendwort des Jahres 2015 ließ aufhorchen. Wenn auch nicht die Jugendlichen, die das Wort häufig gar nicht kannten. Smombie ist der Gewinner. Es setzt sich zusammen aus Smartphone und Zombie (Untoter). In der Tat kein schönes Bild, das wir nun mit diesem Wort assoziieren. Denn, wer nur noch auf sein Smartphone starrt und von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, ist ein Untoter mit Telefon.

Das geht mir persönlich etwas zu weit. Aber das Leben vieler wurde zunehmend von den Smartphones verändert, teils negativ und teils positiv. Der Umgang will, wie bei allen Werkzeugen, gelernt sein - ich trainiere täglich. ;-)
Für diejenigen, die damit aufwachsen, ist es ein kaum noch wegzudenkender Teil des Alltags. Das Smartphone ist hier für viele einer der persönlichsten und wichtigsten Gegenstände ihres Lebens.

In manchen Ländern der Welt ist es sogar die Grundlage der geschäftlichen Kommunikation und die alleinige Möglichkeit, an den Chancen der globalen Vernetzung und Geschäftsmöglichkeiten zu partizipieren. Deswegen ist eine generelle Verurteilung bis hin zur Verteufelung des Smartphones aus meiner Sicht völlig unangebracht.

Eine Anmerkung zum Smombie:
Mir fällt in dem Zusammenhang immer ein wenig schönes Bild aus dem Film "Meet Jo Black" ein. In einer Einstellung sehen wir, wie ein verträumter Brad Pit auf der Straße steht und dann von einem Wagen überfahren wird. Nein, ein Smartphone hatte er nicht vor dem Gesicht, aber möglich wäre es gewesen.

Eine Kommunikations-Revolution

Vor einiger Zeit war ich geschäftlich in Kopenhagen. Das Führungsseminar sollte erst später beginnen, so hatte ich Zeit für ein ausgiebiges dänisches Frühstück im First Hotel.

Während der ersten Tasse Kaffee beobachtete ich am Nachbartisch vier Japaner, die vor ihren überfüllten Tellern saßen und, anstatt sich zu unterhalten, auf ihre Smartphones starrten. Einer der Herren hörte nebenbei noch Radio Tokyo, was er aber nach kurzer Zeit abstellte, denn irgendwann bemerkte er die bösen Blicke von den Nachbartischen.

Im Seminar ging es dann weiter. Stumm gestellte Telefone werden immer wieder von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gezückt, um E-Mails, WhatsApp, Facebook und andere Dienste zu checken. (Das lag vielleicht auch an meinem Seminar. Da aber meine Trainerkollegen vom gleichen Phänomen berichten …!)

Auf dem Flug zurück nach Stuttgart erschienen mir viele Mitfliegende fast verzweifelt, dass sie vom Datenstrom abgekoppelt waren. Mein Nachbar las aus lauter Verzweiflung die Verkaufsangebote der Fluggesellschaft. Andere hielten ein Buch in der Hand oder unterhielten sich. Na, da schau an!

Das Fahrwerk war kaum ausgefahren, da wurden flugs wieder die Smartphones gezückt, um den Flugmodus zu deaktivieren und schnell wieder in die Datenflut einzutauchen. Gott sei Dank kannten alle den Weg zum Ausgang, sonst hätte es schreckliche Zusammenstöße von Trolli-Fahrern im Flughafengebäude gegeben.

DUDEN, Definition: Smartphone, Smart Phone, das
Wortart: Substantiv, Neutrum
Mobiltelefon mit Touchscreen und zusätzlichen Funktionen wie GPS sowie der Möglichkeit, Apps darauf zu installieren
SYNONYME ZU SMARTPHONE = Mobiltelefon

500 Milliarden Euro Schaden

Auf dem Eco-Jahreskongress 2013 wurden verblüffende Zahlen vorgestellt. Der wirtschaftliche Schaden durch E-Mails, Twitter, Facebook und Co. soll bei weltweit 500 Milliarden Euro liegen. Auch wenn viele Firmen auf den geschäftlich genutzten Rechnern private E-Mails und die Nutzung der sozialen Dienste etc. verbieten, so ist das Smartphone die flexible Lösung.

Das Problem:

  1. Wir werden durch das Smartphone ständig aus der Arbeit herausgerissen (Sägeblatt-Effekt).
  2. Wir sind häufig abgelenkt (Und ich rede nicht nur von WhatsApp-Lesern am Steuer während der Autobahnfahrt - das ist fahrlässig!).
  3. Wir sind ständig erreichbar und viele erliegen dem Druck und antworten stets umgehend.
  4. Wir sind immer privat und geschäftlich erreichbar, auch wenn der Betriebsrat noch so wettert.

Der Branchenverband Bitkom ermittelte, dass 77 % der Angestellten auch außerhalb der vereinbarten Arbeitszeiten erreichbar sind. Davon sind 30 % jederzeit, 32 % zu bestimmten Zeiten und 15 % in Ausnahmefällen erreichbar.

Smartphones sind Produktivitätskiller

Der Juniorprofessor Alexander Markowetz von der Universität Bonn hat mit Hilfe einer App die Handy-Nutzung von 60.000 Personen ausgewertet (2014/15). Sein Fazit: "Smartphones machen abhängig, unproduktiv und unglücklich."
Die Datenbasis lieferte die App "Menthal", die die Smartphone-Nutzung aufzeichnet und die Daten anonymisiert an die Server der Forscher übermittelt. Sie wurde von Informatikern und Psychologen der Universität Bonn zu Forschungszwecken entwickelt und bis dato (2015) von rund 300.000 Personen runtergeladen.

Nach der Auswertung von 60.000 Datensätzen ergibt sich folgender Stand:

  • 53 Mal am Tag aktivieren die Besitzer ihr Handy.
  • Alle 18 Minuten unterbrechen sie ihre jeweilige Tätigkeit.

Problematisch sind die ständigen Unterbrechungen, denn sie erlauben es nicht, sich einer Tätigkeit vollauf zu widmen. Der Sägeblatt-Effekt führt zu Frustration und die Erfahrung von Flow, dem Aufgehen in einer Aufgabe, wird verhindert.

Herr Markowetz bemerkt: "Derzeit reagieren viele Unternehmen mit ungeeigneten Maßnahmen." Viele Konzerne statten ihre Mitarbeiter mit Tablets und Smartphones aus und ermöglichen ihnen völlige Flexibilität. Das kann die Abhängigkeit und Burnout-Gefahr verstärken. Er warnt, dass der Produktivitätsverlust immens sei und die wachsende Krankheitswelle Unternehmen teuer zu stehen kommen werde.

Empfehlungen und Ideen für den Umgang mit dem Smartphone

Das Problembewusstsein ist bei vielen Nutzern nicht gegeben. Außerdem ist es ja gerade "IN" und ich gehöre dazu, wenn das Smartphone ständig genutzt wird.

Erster Schritt: Die Reflexion

Der erste Schritt kann eine Selbstanalyse und Selbstreflexion sein.
Möglichkeit: Installieren Sie die App Menthal auf Ihrem Smartphone und analysieren Sie nach einer Woche Ihre Handynutzung. Die Möglichkeiten der App Menthal sind vielfältig und die Anwendung einfach.

Die Gratis-App Moment zeigt iPhone- und iPad-Nutzern ihr Anwendungsverhalten auf.

Wer nicht noch eine App installieren möchte, der kann es auch mit der klassischen Strichliste versuchen.

Zweiter Schritt: Die Übung

Werten Sie Ihr Ergebnis aus. Auf verschiedenen Webseiten finden Sie hierzu Empfehlungen und Vergleichszahlen.
Wenn Sie Ihr Handy mehr als 80-mal am Tag in die Hand nehmen, gehören Sie auf jeden Fall zu den "Extremhäufig-Nutzern". In einigen Beiträgen wird sogar von Handysucht geschrieben und von Abhängigkeit.

DUDEN, Definition: Sucht
übersteigertes Verlangen nach etwas, einem bestimmten Tun; Manie
HERKUNFT: mittelhochdeutsch, althochdeutsch suht = Krankheit

Wenn Sie sich selbst testen möchten, ob eine zu starke Beziehung zu Ihrem Smartphone entstanden ist, dann lassen Sie es morgen mal im Nachtschrank und beobachten Sie unter anderem den eigenen Grad an Hilflosigkeit und verzweifeltem Suchen.

Fragen zu Ihrem Tag ohne Smartphone:

  • Fehlt Ihnen das Ding-Dong und Ping-Pang?
  • Ärgern Sie sich im Laufe des Tages, dass Sie diesen Artikel gelesen haben?
  • Fühlen Sie sich alleine, ausgeschlossen oder abgekoppelt?
  • Fragen Sie sich, was Sie nun auf dem stillen Örtchen nebenbei machen?
  • Wird die Fahrt in der S-Bahn unendlich lang?
  • Können Sie es nicht abwarten, bis Sie Ihr Smartphone wieder in der Hand halten?
  • Haben Sie an diesem Tag weniger oder mehr geschafft?
  • Sind Sie stärker oder weniger gestresst?
  • Wie oft haben Sie danach gegriffen oder gesucht, bis Sie sich erinnerten, dass Sie es heute nicht dabei haben?

Bitte notieren Sie, was Ihnen im Laufe des Tages rund um Ihr fehlendes Smartphone widerfährt.

Eine Startvariante

Vielleicht ist Ihnen ein ganzer Tag ohne Smartphone zu viel. Dann starten Sie bitte mit einem Kinobesuch, der Fahrt zum Baggersee oder einem Treffen mit Freunden.
Übrigens: Wissen Sie, wie im Hotel- und Restaurantbereich der Auto-Schlüssel und das Smartphone auch genannt werden, wenn es auf dem Restauranttisch liegt?

Proletenbesteck!

Das passiert Ihnen an dem Abend ohne Smartphone jedenfalls nicht. ;-)

Dritter Schritt: Die Smartphonediät

In den USA sind bereits die digitalen Eliten dabei Methoden zu entwickeln, um eine Smartphonediät zu machen. Herr Markowetz schildert eine Idee, wie der unterbewusste Reflex der permanenten Smartphone-Nutzung unterbrochen werden kann.

Eine konkrete Technik ist folgende: Nutzen Sie Ihr Smartphone zu Hause nur dann, wenn Sie auf einem unbequemen Küchenschemel sitzen. Hm, nicht schlecht. Nur haben die meisten keinen unbequemen Küchenschemel. Deswegen hier eine Sammlung von Ideen.

Ideen zur Einschränkung oder Bewusstmachung der Smartphone-Nutzung

  1. Verbinden Sie die Nutzung mit etwas Gesundem. Bevor Sie das Smartphone (SP) in die Hand nehmen, müssen Sie eine Dehnübung machen. (Idee von Susanne)
  2. Erst wenn Sie eine Aufgabe beendet haben, dürfen Sie das SP nutzen. (Idee von Peter)
  3. Da ich immer zu wenig Wasser trinke. Immer erst ein Glas Wasser trinken … (Idee von Michael)
  4. Ich lass das SP zu Hause, wenn ich abends mit Freunden ausgehe. (Sabine)
  5. Bevor ich das SP nutze, überlege ich, worüber ich heute dankbar sein kann. (Inge, oder ich mache eine kurze Atemübung, ich lächle jemand an)
  6. Langsam anfangen und bei Aufgaben, die z. B. eine halbe Stunde oder länger dauern, einen Timer nutzen und das Handy auf Flugmodus stellen. Beispiel: Wenn ich eine dreistündige Aufgabe erledigen muss und Angst habe, viel zu verpassen, dann stelle ich den Timer. Immer nach einer Stunde stelle ich den Flugmodus aus und prüfe, ob etwas Wichtiges anliegt. (Oliver)
  7. Wenn ich heftiger WhatsAppler bin, beschränke ich mein Hobby auf die Freizeit oder so - denn die können obige Tipps nicht nutzen, ohne zu platzen (Wasser), sich die Glieder auszurenken (Dehnübungen) oder sie würden als WhatsAppler nicht mehr erst genommen (Peters Vorgehen)

Rituale für Ihren Erfolg

Das Verbinden von Aktionen kann Ihnen helfen, eine ritualisierte Vorgehensweise für Ihre persönliche Smartphone-Diät zu entwickeln.
Ein weiterer Vorteil ist, dass die gekoppelte Aktion (Wasser trinken, dehnen …) Sie unterstützt, gesund zu bleiben, Ihre Ziele anzustreben, Aufgaben zu erledigen oder gar Unangenehmes fertig zu stellen.

Wichtig ist, dass Sie konsequent sind. Lassen Sie sich an Ihr Ritual erinnern. Ob nun von Outlook oder Ihrem Partner, wichtig ist der bewusste Umgang mit dem Smartphone. Es ist wie bei allen Werkzeugen. Selten ist das Werkzeug schlecht, sondern der Umgang damit und den kann jeder lernen.

Ding-Ding … Gluck-Gluck … ah, bekomme ein Bild von meiner Schwägerin ... meine Nichte und ihre ersten selbst gebackenen Keksen. ;-)

Autor: Michael Behn, blueprints Team, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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