Der Esel auf Probe – oder pass auf, mit wem du dich an den Futtertrog stellst
Ein Mann kaufte einen Esel, aber nicht gleich endgültig, sondern er machte eine Probezeit aus. Als er mit ihm in seinen Hof kam, wo schon mehrere Esel teils bei der Arbeit, teils bei der Abfütterung waren, ließ er ihn frei laufen.
Sogleich trottete der neue zu dem faulsten und gefräßigsten Gefährten und stellte sich zu ihm an die Futterkrippe. Da legte ihm der Mann den Strick wieder um den Hals und brachte ihn dem bisherigen Besitzer zurück.
"So schnell kannst du ihn doch gar nicht erprobt haben", wunderte sich der.
"O mir genügt, was ich gesehen und erfahren habe: Nach der Gesellschaft, die er sich ausgesucht hat, ist er ein übler Bursche!"
Aesop, griechischer Sklave und Fabeldichter, um 550 v. Chr.
Die Probezeit – frühe Form der Charakterprüfung
Die "Probezeit" ist hier kein Zufall. Sie ist das eigentliche Herzstück der Geschichte. Der Mann weiß: Worte täuschen. Versprechen auch. Also beobachtet er das Verhalten des Esels.
Und zwar nicht in einer Ausnahmesituation, sondern im Alltag. Kein Stress. Kein Zwang. Kein Druck. Der Esel darf einfach sein.
Der Esel hätte:
- arbeiten können
- sich neugierig umsehen können
- sich zu den fleißigen Tieren stellen können
Tut er aber nicht. Er entscheidet sich für Bequemlichkeit. Für Nähe zum Müßiggang. Für das Futter ohne Leistung.
Bedenke: Aesops Welt war herausfordernd
Zur Zeit Aesops war Überleben kein theoretisches Thema. Ein untaugliches Tier war kein pädagogisches Projekt, sondern ein Risiko.
Im Griechenland des 6. Jahrhunderts vor Christus war Überleben keine Metapher und kein philosophisches Gedankenspiel. Es war tägliche Praxis.
Missernten, Krankheiten, Unfälle, Kriege – all das gehörte zum normalen Lebensrisiko. Es gab kein soziales Netz, keine Versicherung, keinen Staat, der einsprang. Wer einen Fehler machte, bezahlte ihn oft nicht mit Geld, sondern mit Hunger, Verlust oder Tod.
Aesops Fabeln entstanden also in einer Welt, in der Fehlentscheidungen echte Konsequenzen hatten.
Umfrage: Ist das nicht unfair?
Zu schnell und zu hart?
Keine zweite Chance. Keine pädagogische Maßnahme. Keine Hoffnung auf Besserung.
Das wirkt kalt. Aber es ist konsequent.
Wie hättest du gehandelt? Wie beurteilst du die Entscheidung des Käufers, den Esel zurück zu bringen?
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Antwort 1
Es klingt so einfach. Erster Eindruck, versagen, zurückgeben. Aber dieses Ergebnis passt nicht zu einer Probezeit, sondern eher zum spontanen entscheiden.
Wenn ich die Probezeit trotzdem nutzen möchte, so kann ich mir in Ruhe das Verhalten des Esels in den entsprechenden Lebenslagen betrachten, und mir dann ein Urteil bilden. Vielleicht hat er viele Talente, die mir einmal nützlich sein könnten. Auch muss ich mir vorher überlegen, was meine Maßstäbe sind und meine Anforderungen, sonst habe ich keinen Eignungseindruck.
Antwort 2
ich hätte ihn auch zurück gebracht
Antwort 3
Oft ist der erste Eindruck der richtige.
Antwort 4
Ohne Erziehung kein Fleiß. Wer Futter gratis in Hülle und Fülle bekommt muss nicht arbeiten. Arbeiten ist anstrengend, und Disziplin muss man lernen wollen.
So gut ein Sozialstaat auch ist, er kann auch zur Faulheit verleiten.
Antwort 5
Der Esel konnte ja hungrig sein, weil er lange nichts bekommen hatte. Ich hätte ihm Zeit gegeben, sich satt zu fressen. Und beobachtet, was er danach tut. Wenn er beim faulen Esel geblieben wäre, dann weg mit ihm. Aber erst, sobald ich sicher bin, dass er satt ist.
Antwort 6
Ich hätte vermutlich einen weiteren Tag abgewartet und beobachtet.
Die Entscheidung kann ich verstehen.
Antwort 7
Ich hätte dem Esel wohl noch eine Chance gegeben. Denn es ist natürlich, dass sie fressen wollen. "Faul" ist unsere menschliche Bewertung. Wäre es ein menschlicher Arbeiter, nun, dann hätte ich es ggf. auch getan ...
Antwort 8
Ich hätte zunächst mit dem Esel gesprochen......
Antwort 9
Ich hätte genauso gehandelt. Ein Karma hat Wurzeln in der Vergangenheit, wird determiniert in der Gegenwart und wirkt in die Zukunft. Wenn ich eine wirksame Zukunft will, muss ich in der Gegenwart so handeln, wie ich es in Zukunft haben will.
Antwort 10
Ich hötte ihm eine zweite Chance gegeben, dann aber hätte ich ihn zurückgebracht.
Antwort 11
Richtig, der Staat machts ist dekadent, Eigenes handeln und Selbstverantwortung gepaart mit eigenständigem Denken sollte wieder normal werden. Wir sind alle an die lange Friedens/Wohlstandszeit gewöhnt.
Antwort 12
Mir käme es auf die Bedingungen des Handels an. Schon möglich, wenn ich in der Zeit gelebt hätte, dass ich kurzen Prozess gemacht hätte. Ich selbst hätte ihn dahin geführt, wo ich ihn haben wollte und ihn dann mit Futter belohnt. Fazit: ich hätte ihn 3 Tage beobachtet.

Äsop, Schedelsche Weltchronik (1493)
Äsop (auch Aesopus, Aesop, Aisop) war ein griechischer Sklave und Fabeldichter um 550 v. Chr. Sein Name wurde zum Gattungsnamen für die poetische Fabel, die als äsopische Fabel bezeichnet wird.
Weitere Fabeln von Aesop
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Und ...
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