Aufschieberitis-Gründe und was wir tun können

 6 Aufschieberitis-Gründe und was wir tun können

Es gibt Aufgaben, die wir immer wieder vor uns herschieben. Das kann Vorteile haben, aber auch Nachteile. Angenehmere Aufgaben werden vorher erledigt oder wir haben ein Ausreden-Arsenal, warum es zur Zeit nicht passt.

Lese hier Interessantes über das Phänomen Aufschieberitis, die Vorteile und Nachteile und wie du den 6 Aufschieberitis-Gründen begegnen kannst. Nutze die Aufschieberitis-Übung und auch die 20 Merksätze am Ende des Artikels. Oder schiebe das Lesen auf ;-)

Morgen reicht auch noch

"Eigentlich sollte ich den Kunden anrufen. Das wird kein einfaches Gespräch und vielleicht hole ich mir eine schlechte Nachricht ab. Naja, das reicht auch morgen Vormittag noch. Jetzt schreibe ich erstmal an meinem Artikel weiter." 

 

1. Schiebe-Aufgaben binden Zeit und Energie

Schiebe-Aufgaben binden Zeit und Energie, weil wir uns ständig mit Erklärungen beschäftigen, warum wir sie jetzt nicht durchführen können. Das Ausreden-Arsenal ist gigantisch und wäre so mancher nur halb so kreativ beim Lösen seiner Probleme, wäre das von großem Vorteil.

Die Aufgabe wird erneut auf den nächsten Tag, nächste Woche ... verschoben, was wiederum Zeit kostet.

Das schlechte Gewissen bleibt und bindet weitere Energie. Dabei kennen wir alle den Motivationsschub, den wir bekommen, wenn so eine Schiebe-Aufgabe endlich erledigt ist. Probiere einmal die kommende Schieberitis-Übung aus. 

Prokrastination (lat. procrastinare "vertagen")

Prokrastination bezeichnet eine Arbeitsstörung, die durch ein unnötiges Vertagen des Arbeitsbeginns gekennzeichnet ist. Das extreme Aufschieben bewirkt, dass das Fertigstellen der Aufgaben gar nicht oder nur unter starkem Druck zustande kommt.

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2. Die Aufschieberitis-Übung

Wir haben alle ausreichend Aufgaben, bei vielen ist der Stresslevel hoch und viele Aufgaben müssen parallel erledigt werden. Nur zu verständlich, dass die Aufgaben, die nicht ganz so angenehm sind, manchmal nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie sollten.

Das ist unproblematisch, wenn das Aufschieben nicht zu starkem Stress führt und vielleicht Aufgaben nicht in Angriff genommen werden, die für uns wichtig und essentiell sind. Wir müssen also prüfen, ob es Vorteile oder Nachteile hat, wenn wir aufschieben oder die Aufgabe oder das Vorhaben sogar ganz streichen.

Was können wir tun, um Schiebe-Aufgabe zu erledigen, wenn wir sie als wichtig erkannt haben oder das Aufschieben uns extrem stresst? Probiere die folgenden Schritte und Hilfsmittel aus, um Aufschieberitis-Stress auf Dauer zu verkleinern.

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3. Warum wird geschoben?

Kläre, warum du die Aufgabe immer wieder verschiebst. Kläre auch, was die Vorteile und was die Nachteile des Aufschiebens sind.

  1. Ist die Aufgabe wichtig oder unwichtig?
  2. Ist die Aufgabe unangenehm?
  3. Erscheint die Aufgabe zu groß?
  4. Fühlst du dich der Aufgabe nicht gewachsen?
  5. Hast du Angst zu scheitern?
  6. Hast du Furcht vor Erfolg?

Zu den einzelnen Gründen habe ich dir jeweils ein Hilfsmittel oder einen Denkansatz aufgeführt, die helfen können, die Aufgabe endlich durchzuführen.

Der Kollege

"Ein Kollege von mir will seit über 20 Jahren ein Buch schreiben. Zuerst war der Grund des Schiebens die Kinder, die erst die Schule beenden sollten. Danach war es seine Unterstützung der Kinder im Studium, dann die Jobsuche und mittlerweile ist es der Ruhestand, den er abwartet. Ich bin gespannt, was er dann als Erklärung parat hat, um das Buchprojekt zu verschieben."

 

Vorteil: Auf der anderen Seite hat er sich um seine Kinder gekümmert.

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3.1. Wichtig oder unwichtig

Wie hoch ist die Wichtigkeit oder die Priorität der Aufgabe. Hierzu möchte ich dir zwei Werkzeuge empfehlen. Das Eisenhower-Prinzip und das Pareto-Prinzip. Sie werden dir helfen einzuschätzen, ob es eine wirklich wichtige Aufgabe ist. Wenn es eine wichtige Aufgabe ist, dann könnten dir die folgenden Denkansätze und Werkzeuge helfen.

Ist es keine wichtige Aufgabe, dann delegiere sie, entscheide, ob du diese überhaupt machen willst oder führe die Aufgabe durch, wenn du dir Zeit dafür nehmen willst. So nimmst du auch etwas Druck raus.

Ich schau nur nochmal schnell auf Facebook, was da so los ist. Dann starte ich aber wirklich.

 

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3.2. Unangenehmes schieben

Ein Konfliktgespräch, eine Beschwerde, die Matheklausur vorbereiten oder andere unliebsame Aufgaben sind natürliche Beigaben zu unseren Aufgaben.

Wenn diese Aufgaben wichtig für unsere Beziehungen oder unseren Erfolg sind, dann empfehle ich, diese Aufgaben als Training oder als Spiel zu sehen. Es sind Aufgaben, bei denen ich etwas über mich lernen oder etwas dazulernen kann. Und wenn es nur die Erkenntnis ist: "Ich kann mich überwinden!". Das führt häufig zu einem gestärkten Selbstwertgefühl.

Der Vorteil des Aufschiebens ist – wir gewinnen Zeit. Manchmal relativiert sich das Problem oder eine anfangs dringliche Aufgabe wird unwichtig. Leider fallen Matheklausuren selten komplett aus. ;-)   

Die Arbeitskollegin

"Seit einer Woche ärgere ich mich über meine Arbeitskollegin. Sie hat mich vor versammelter Mannschaft vorgeführt. Ich höre das Lachen immer noch. Heute werde ich es ihr sagen ... spätestens morgen."

Nachteil: Eine mögliche dauerhafte Beziehungsstörung. Vorteil: Wir reagieren weniger emotional, wenn wir es dann ansprechen. Außerdem kann es ein Einzelfall gewesen sein. Die Zeit wird dies zeigen.  

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3.3. Große Aufgaben schieben

Häufig werden Aufgaben nicht begonnen, weil sie so groß und unüberschaubar erscheinen. Die Motivation, diese großen Aufgaben zu erledigen ist klein, weil das Erfolgserlebnis so fern erscheint.

Deswegen solltest du diese Aufgabe in Teile zerlegen (Montag: 2 Stunden Informationen sammeln, Dienstag: 1 Stunde zum Thema telefonieren etc.). So bekommt deine Vorgehensweise eine Struktur und du hast "kleine Motivationsschübe", weil du Teilaufgaben erledigst. Mache aus einer großen Aufgabe mehrere kleine.

So ließe sich auch das Projekt "eigenes Buch" endlich starten. Der erste Schritt ist das Zerlegen des Buchprojekts in kleine Schritte. Dann den Kalender nutzen und dort die Salamischeiben eintragen.  

Lese hierzu auch die Salamitaktik.

Vorteil: Viele haben eh zu viel auf ihrem Aufgabenblock oder auf ihren To-do-Listen. Aufschieberitis verhindert hier eine weitere Überbelastung.  

 

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3.4. Sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlen

Diese Aufgabe wurde uns vielleicht delegiert oder die Umstände erfordern, dass wir uns dieser Aufgabe annehmen.

Auch in diesem Fall empfehle ich, die Aufgabe als persönliches Trainingsprogramm zu sehen. Diese Aufgabe bringt uns weiter, weil wir etwas dazu lernen dürfen und wir sie trotz Unsicherheit lösen müssen. Das Erfolgserlebnis wird also umso größer und wir haben uns wieder ein Stück weiterentwickelt.

Vorteil des Aufschiebens: Ich gewinne Zeit für die Vorbereitung der Aufgabe. Ich sammle Wissen und Ideen, um die Aufgabe zu realisieren.    

Probleme, die wir ignorieren, verschwinden leider selten. Meist holen sie sich Verstärkung.

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3.5. Aufschieben aus Angst zu scheitern

Projekte und Aufgaben enthalten das Risiko des Scheiterns. Wird die Angst vor dem Scheitern zu groß, entsteht zwangsläufig eine Schiebe-Aufgabe.

Wir fliehen vor der Aufgabe, um uns vor möglichem Misserfolg zu schützen. Aber sogenannte Misserfolge sind ein wichtiger Bestandteil unserer Entwicklung. Lese hier, wie Misserfolge uns stärken.

Vorteil des Aufschiebens: Ich gewinne Zeit, um zu prüfen, ob die Aufgabe wichtig genug ist oder das Ziel ausreichend anziehend. 

„Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.“

Antoine de Saint-Exupéry (1900 - 1944), französischer Humanist und Schriftsteller

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3.6. Schieben aus Furcht vor Erfolg

Klingt komisch, oder? Aber in meiner Coachingpraxis und in meinen Seminaren ist das ein ganz normales Thema.

Der US-amerikanische Psychologe Abraham Harold Maslow hat als einer der Gründerväter der Humanistischen Psychologie dieses Problem untersucht und ihm einen Namen gegeben: Jonas-Komplex! Lese hier über den Jonas-Komplex und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt.

Wir leben in einer Gesellschaft mit einem Mittelmaß-Dilemma. Haben wir Erfolg, befürchten wir Neid und Missgunst, scheitern wir, befürchten wir Gesichtsverlust und Schadenfreude.

Ich wünsche viel Erfolg dabei zu erkennen, wo Aufschieben Vor- und Nachteile hat und da, wo es hilft, Aufschieberitis zu verkleinern. Ich selbst arbeite ständig daran, denn ich kenne meine Pappenheimer – ich kenne mich ;-)

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4. 20 Merksätze, um Aufschieberitis zu begegnen

Diese Merksätze gelten auch generell, aber hier helfen sie, um Schiebe-Aufgaben zu reduzieren.

Reflektiere bitte, was der Satz für dich bedeutet. Was löst er in dir aus?

Weiter unten haben wir eine Version zum Downloaden hinterlegt, die du als Erinnerung ausdrucken kannst.

  1. Beginne sofort. Schaffe Fakten.
  2. Plane Aufgaben vor.
  3. Entscheide und setze Prioritäten.
  4. Reduziere Perfektionismus.
  5. Setze dich weniger unter Druck.
  6. Nutze die Salamitaktik.
  7. Räume auf, aber übertreibe es nicht.

  8. Nehme dir nicht zu viel auf einmal vor.
  9. Belohne dich.

  10. Schaffe Abwechslung beim Arbeiten.
  11. Starte den Tag mit einer Schiebe-Aufgabe.

  12. Immer nur eine Sache zurzeit.
  13. Sage auch mal bewusst NEIN.

  14. Weniger Facebook, Pinterest und Co.
  15. Vergesse die Pausen nicht.

  16. Was sind deine Ziele?
  17. Misserfolge gehören dazu.

  18. Hole dir Unterstützung.
  19. Bleibe dran. Schritt für Schritt.

  20. Lass Erfolg zu!

 

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