• geschichten und fabeln

    Geschichten und Fabeln - Nachdenkenswertes für Jung und Alt

    Seit Jahrtausenden geben Völker ihr Wissen in Geschichten weiter. Ob der Indianer am Lagerfeuer, der Philosoph in der Wandelhalle an seine Schüler oder die Oma an ihre Enkel.

    Die Geschichten auf dieser Seite handeln von Menschen und Tieren auf ihren persönlichen Lebenswegen mit all den möglichen Problemen, Gefahren, Geheimnissen und Erlebnissen. Sie stammen von Schriftstellern aus aller Welt und aus unterschiedlichen Zeiten.

    Einige der Geschichten sind von uns erfunden oder auf Basis alter Geschichten neu formuliert worden. Andere Geschichten stammen aus der Feder begnadeter Autoren.

    Geschichten können uns erinnern, motivieren, nachdenklich machen oder auf andere Art und Weise bewegen. Bei jeder Geschichte trifft die Idee des Autors auf die Vorerfahrungen, Ideen, Wünsche, Ziele, Sorgen und Ängste des Lesers. Was daraus entsteht, kann somit sehr unterschiedlich sein.

    Beim Lesen, Zuhören oder beim Besprechen der Geschichten wünschen wir viel Freude und hilfreiche Erkenntnisse. Aber vorerst noch ein paar Informationen über Fabeln, Anekdoten und Kurzgeschichten.

    "Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne."

    Jean Paul

    Fabeln

    Fabeln sind in Versform oder Prosa verfasste, kürzere Erzählungen mit belehrender Absicht. Die Hauptrolle spielen zumeist Tiere, aber auch Pflanzen oder fabelhafte Mischwesen, die menschliche Eigenschaften besitzen und auch menschlich handeln.

    Besonders häufig kommen in Fabeln der Löwe, der Wolf, die Eule und der Fuchs vor. Die Fabeltiere verkörpern dabei menschliche Charakterzüge. Der Fuchs ist der Listige aber auch arglistige, der nur auf seinen Vorteil schaut. Die weise Eule, die dumme Gans, der mächtige und mutige Löwe, die hinterhältige Schlange oder die kleine, einfache Maus.

    Sie merken, dass wir heute auch in der Umgangssprache uns dieser Verbindungen bedienen. Der "Angsthase" oder die "dumme Gans" sind einigen von uns sicher bereits über die Lippen gegangen.

    Fabeln wollen eine Wahrheit oder eine Lehre vermitteln. Sie beziehen sich auf alltägliche, menschliche Charakterzüge und wie Gier, Unfairness, Neid oder Eitelkeit, aber auch Hilfsbereitschaft, Mut, Bescheidenheit und andere.

    Die Anekdote

    Die Anekdote ist ein literarisches Genre, das sich auf eine bemerkenswerte Begebenheit, meist aus dem Leben einer Person bezieht.

    Die wichtigsten Merkmale sind: die Pointe, die Reduktion auf das Wesentliche und die Charakterisierung einer oder auch mehrerer Personen.

    Der DUDEN beschreibt die Anekdote als kurze, meist witzige Geschichte, die eine Persönlichkeit, eine soziale Schicht, eine Epoche u. Ä. treffend charakterisiert.

    Drei Beispiele für Anekdoten

    Als sich Mark Twain auf einer Vortragstournee durch Europa befand, verbreitete sich das Gerücht, er sei gestorben. Mark Twain kabelte daraufhin die folgende Richtigstellung nach Amerika: "Nachricht von meinem Tode stark übertrieben."

    Der dänische Märchenautor Hans-Christian Andersen zog sich zumeist schlampig an. Einmal fragte ihn ein junger Giftpilz: "Dieses jämmerliche Ding auf Ihrem Kopf nennen Sie Hut?" Andersen blieb gelassen und antwortete: "Dieses jämmerliche Ding unter Ihrem Hut nennen Sie Kopf?"

    Am Stachus in München sprach ein Fremder den Schauspieler und Komiker Karl Valentin an. Er sagte: "Sie, wie weit ist es denn von hier bis zum Hauptbahnhof?" Valentin sagte: "Wenn Sie so weiter gehen wie bisher, sind es noch circa 40.000 Kilometer. Wenn Sie aber umdrehen, bloß fünf Minuten."

    Weitere Anekdoten finden Sie auf blueprints im Bereich "Humor und Anekdoten".

    "Je mehr ich las, umso näher brachten die Bücher mir die Welt, umso heller und bedeutsamer wurde für mich das Leben."

    Maxim Gorki

    Die Kurzgeschichte

    Ihren Ursprung hat die Kurzgeschichte in der amerikanischen Short Story. Wie der Begriff bereits sagt, ist das wesentliche Merkmal die Kürze der Geschichte.

    Die Sprache ist zumeist schlicht und ungekünstelt. Die Sätze sind zumeist ebenfalls kurz und der Ton ist oft umgangssprachlich.

    Entstehung der Kurzgeschichte

    Ein Grund für die Verbreitung bzw. Entstehung des Genres "Kurzgeschichte" hängt eng zusammen mit dem Zeitschriftenwesen im 19. Jahrhundert. Zeitschriften ermöglichten den amerikanischen Autoren bessere Absatzmöglichkeiten als der Buchmarkt. Das Genre Kurzgeschichte entstand.

    In der englischsprachigen Literatur waren es zum Beispiel Edgar Allan Poe, F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und William Faulkner, die auch short stories schrieben.

     

    geschichten und fabeln 2

     

    Erste Kurzgeschichte der Weltliteratur

    Welche die erste Kurzgeschichte der Weltliteratur ist, ist nicht eindeutig zu beantworten. Zwei Geschichten gehören auf jeden Fall in den Kreis der Mitanwärter.

    Einige sehen Edgar Allan Poes Kurzgeschichte "Metzengerstein" als die erste Kurzgeschichte an. Sie erschien erstmals 1832 im "Philadelphia Saturday Courier". Die Geschichte handelt von den wohlhabenden, über den Tod hinaus verfeindeten Familien Berlifitzing und Metzengerstein. Zu Poe sehr passend, endet die Geschichte in einem flammenden Inferno.

    Andere hingegen denken, dass Washington Irvings Geschichten "Rip Van Winkle and The Legend of Sleepy Hollow" die ersten Kurzgeschichten der Weltliteratur sind. 1820 erschienen die Geschichten als Teil eines Sketch Books.

    Wie dem auch sei, Poes und Irvings Kurzgeschichten sind brillant und lesenswert.

    Kurzgeschichten in Deutschland

    Im deutschsprachigen Raum wurde die Kurzgeschichte erstmals um 1900 aufgegriffen. Hier musste diese moderne literarische Form sich zunächst gegen andere etablierte Kurzformen wie die Novelle, Anekdote und Kalendergeschichte durchsetzen. Eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Kurzgeschichte in Deutschland war die Gruppe 47. Die Gruppe 47 war ein Zusammenschluss von Schriftstellern der Nachkriegszeit. Seit 1950 wird der Preis der Gruppe 47 verliehen - einer der bedeutendsten Literaturpreise der Bundesrepublik.

    "Eine gut erzählte Geschichte macht aus den Ohren Augen."

    Chinesisches Sprichwort

    Kurzgeschichten heute

    2013 wurde die kanadische Schriftstellerin Alice Munro der Literaturnobelpreis verliehen. Das Spannende war, dass ihr Werk ausschließlich aus Kurzgeschichten besteht, was dem Genre Kurzgeschichte weltweit starke Aufmerksamkeit verschaffte.

    Das Internet hat zu einem weiteren Aufleben der Kurzgeschichten geführt. Ob die Verbreitung der klassischen Kurzgeschichten auf Portalen wie gutenberg.de bis hin zu Portalen, wo jeder seine Kurzgeschichten veröffentlichen kann, Kurzgeschichten sind beliebter denn je.

    Nun viel Freude beim Lesen der Kurzgeschichten, Geschichten, Fabeln und Anekdoten auf blueprints.de.

  • eber und fuchs

    Der Eber und der Fuchs

    Ein Fuchs sah einen Eber seine Hauer an einem Eichstamme wetzen und fragte ihn, was er da mache, da er doch keine Not, keinen Feind vor sich sehe?

    "Wohl wahr", antwortete der Eber, "aber gerade deswegen rüste ich mich zum Streit; denn wenn der Feind da ist, dann ist es Zeit zum Kampf, nicht mehr Zeit zum Zähnewetzen."

    Bereite dich im Glück auf das künftige Unglück, sammle und rüste in guten Tagen auf die schlimmern.

    Aesop, griechischer Sklave und Fabeldichter, um 550 v. Chr.

     

  • stute ackergaul

    Die Stute und der Ackergaul

    Eine hübsche Stute war Tag und Nacht auf der Weide und nie vor dem Pflug; ein Ackergaul aber weidete nur des Nachts und musste tagsüber pflügen.

    Die Stute sagte zum Ackergaul: "Warum rackerst du dich so ab? Ich an deiner Stelle würde einfach nicht hingehen. Und wenn dir der Bauer mit der Peitsche kommt, komm du ihm mit deinen Hufen!"

    Am andern Morgen tat der Ackergaul genau das, was ihm die Stute geraten hatte. Und der Bauer sah, wie störrisch der Ackergaul war, und nahm die Stute ins Geschirr, ehe sie recht merkte, was mit ihr geschah.

    Leo Tolstoi, russischer Schriftsteller, 1828 - 1910

     

  • tiger anmutig 564

    Im Dschungel herrscht angsterfüllte Aufregung. Der Tiger hat eine Liste geschrieben. Eine Liste des Todes. Viele der Dschungelbewohner haben Angst, auf dieser Liste zu stehen.

    Das alte Stachelschwein nimmt allen Mut zusammen und geht zur Höhle des Tigers und fragt ihn:

  • gorilla boese 8d 564

    An einem feuchten Wintertag beäugte ein Spatz aus seinem trockenen Nest heraus, wie ihm ein Gorilla missmutig im kalten Regen auf dem Ast gegenüber saß. In bestem Bestreben gab er dem Gorilla einen Rat. Hätte er mal besser geschwiegen...

  • kerze herz sw 564

    In ihrer Afrika-Zeit lebte Miss Rose auch bei einer Müllsammlerin namens Tabaka in Kapstadt. Merkwürdige Geschicke, für deren Erzählung hier nicht der Raum ist, hatten sie in das Armen-Ghetto der Riesenstadt am Südatlantik geführt.

    Miss Rose spürte sofort ein Gefühl der Verbundenheit bei ihrer Ankunft in Tabakas Blechhütte. Die alte Katze nahm es stets als ein gutes Zeichen, wenn ihr sofort eine Schale Milch hingestellt wurde. Miss Rose erkannte auch: Tabaka würde nicht mehr allzu lange leben.

    Eines Abends saß Tabaka mit ihrer Enkelin am Feuer. Beide trennten alte Kleidungsreste auf und sammelten verwertbare Stoffreste auf einem Haufen zwischen sich. Ein Schneider kaufte Tabaka diese Kleidungsreste ab und verwendete sie als Flicken.

    Miss Rose hatte es sich auf dem Stoffhaufen bequem gemacht und lauschte dem Gespräch zwischen Oma und Enkeltochter.

    "Weißt du Safira, in jedem von uns Menschen...

  • Anmerkung: Diese Geschichte benutzt "alte" Worte, die heute nicht mehr üblich sind. Wir mussten es 2-mal lesen, was es für uns noch lehrreicher und interessanter machte.

    Hoch wallte das goldene Weizenfeld und baute der Lerche ein Wohngezelt. Sie flog einst in Geschäften aus und kam erst am Abend wieder nach Haus. Da rief der Kindlein zitternde Schar:

    "Ach, Mutter, wir schweben in großer Gefahr. Der Herr dieses Feldes, der furchtbare Mann, ging heut' mit dem Sohn hier vorbei und begann: 'Der Weizen ist reif, die Mahd muss geschehn. Geh, bitte die Nachbarn, ihn morgen zu mähn.'"

    "Oh", sagte die Lerche, "dann ist es noch Zeit; nicht flugs sind die Nachbarn zu Diensten bereit."

  • Es war einmal ein König, dem kam der Gedanke, dass man niemals einen Fehlschlag erleiden könnte, wenn man stets im Voraus wüsste, wann jedes Ding zu beginnen sei, mit welchen Menschen man sich abzugeben habe und mit welchen nicht und welche der zu lösenden Aufgaben die allerdringendste wäre.

    Nachdem der König darüber nachgegrübelt hatte, ließ er im ganzen Lande verkünden, dass er denjenigen königlich belohnen wolle, der ihn lehren würde, wie man für jede Aufgabe die richtige Zeit finden könnte, welches die wichtigsten Leute seien und welche Aufgabe am dringlichsten sei.

    Da erschienen beim König gelehrte Leute und gaben ihm die verschiedensten Ratschläge. Einige meinten, man müsse sich ein Verzeichnis der Tage, der Monate und des Jahres machen und sich streng danach richten. Wieder andere behaupteten, dass es unmöglich sei, im Voraus zu wissen, welche Aufgabe zu einer bestimmten Zeit zu erledigen sei. Man müsse einfach stets auf den Gang der Dinge achten, um im gegebenen Augenblick das Notwendigste zu tun. Die dritte Gruppe behauptete, dass ein einzelner Mensch nicht in der Lage sei, immer die richtige Entscheidung zur rechten Zeit zu treffen. Deshalb brauche er weise Ratgeber, auf die er hören müsse, um dann entsprechend zu handeln. Die vierte Gruppe meinte, dass es Dinge gäbe, die keinen Aufschub zuließen. In solchen Fällen habe man sofort eine Entscheidung zu treffen, ohne die Meinung seiner Ratgeber einzuholen. Um aber zu wissen, was in solchen Fällen zu tun sei, müsse man im Voraus wissen, was geschehen würde, und das könnten nur Zauberer oder Wahrsager wissen.

Auch interessant