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Anmerkung: Diese Geschichte benutzt "alte" Worte, die heute nicht mehr üblich sind. Wir mussten es 2-mal lesen, was es für uns noch lehrreicher und interessanter machte.

Hoch wallte das goldene Weizenfeld und baute der Lerche ein Wohngezelt. Sie flog einst in Geschäften aus und kam erst am Abend wieder nach Haus. Da rief der Kindlein zitternde Schar:

"Ach, Mutter, wir schweben in großer Gefahr. Der Herr dieses Feldes, der furchtbare Mann, ging heut' mit dem Sohn hier vorbei und begann: 'Der Weizen ist reif, die Mahd muss geschehn. Geh, bitte die Nachbarn, ihn morgen zu mähn.'"

"Oh", sagte die Lerche, "dann ist es noch Zeit; nicht flugs sind die Nachbarn zu Diensten bereit."

Drauf flog sie des folgenden Tages aus und kam erst wieder am Abend nach Haus. Da rief der Kindlein zitternde Schar:

"Ach, Mutter, wir schweben in neuer Gefahr! Der Herr dieses Feldes, der furchtbare Mann, ging heut' mit dem Sohn hier vorbei und begann: 'Uns ließen die treulosen Nachbarn im Stich. Geh rings nun zu unsern Verwandten und sprich: Wollt ihr meinen Vater recht wohlgemut sehn, so helfet ihm morgen sein Weizenfeld mähn.'"

"Oh", sagte die Lerche, "dann ist es noch Zeit; nicht flugs ist die Sippschaft zur Hilfe bereit."

Drauf flog sie des folgenden Tages aus und kam erst am Abend wieder nach Haus. Da rief der Kindlein zitternde Schar:

"Ach, Mutter, wir schweben in höchster Gefahr! Der Herr dieses Feldes, der furchtbare Mann, ging heut' mit dem Sohn hier vorbei und begann: 'Uns ließen auch unsre Verwandten im Stich; ich rechne nun einzig auf dich und mich. Wir wollen, wenn morgen die Hähne krähn, selbander uns rösten, den Weizen zu mähn.'"

"Ja", sagte die Lerche, "nun ist's an der Zeit; Macht schnell euch, ihr Kinder, zum Abzug bereit! Wer Nachbarn und Vettern die Arbeit vertraut, dem wird nur ein Schloss in die Luft hingebaut; doch unter dem Streben der eigenen Hand erblüht ihm des Werkes vollendeter Stand."

Die Lerche entfloh mit den Kleinen geschwind, und über die Stoppeln ging tags drauf der Wind.

August Friedrich Ernst Langbein, deutscher Dichter, * 1757, † 1835 

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