Machiavellistisch handeln: Bedeutung und die dunkle Kunst der Macht
„Machiavellistisch handeln“ bedeutet heute meist, dass jemand sehr strategisch, berechnend und oft ohne große moralische Skrupel seine Ziele verfolgt.
Der Begriff geht auf den italienischen Politiker und Schriftsteller Niccolò Machiavelli zurück, dessen Werk Il Principe bis heute kontrovers diskutiert wird.
Heutige Verwendung: Im modernen Sprachgebrauch wird „machiavellistisch“ häufig verwendet, wenn Menschen manipulativ, machtbewusst oder taktisch vorgehen.
Besonders in Politik, Wirtschaft oder zwischenmenschlichen Konflikten taucht der Ausdruck oft auf. Meist ist der Begriff negativ gemeint und beschreibt Verhalten, bei dem Erfolg wichtiger erscheint als Moral oder Fairness.
Doch früher hatte der Begriff eine andere Bedeutung.
Der Begriff hatte früher eine andere Bedeutung
Heute versteht man darunter meist manipulatives oder skrupelloses Verhalten. Ursprünglich war Machiavellis Denken jedoch komplexer.
Er wollte nicht einfach „böse Herrscher“ fördern. Vielmehr versuchte er, Politik realistisch zu beschreiben.
Vor Machiavelli herrschte die Vorstellung vor, ein guter Herrscher müsse stets gerecht, ehrlich und tugendhaft sein.
Machiavelli beobachtete jedoch, dass die politische Wirklichkeit oft anders aussah. Wenn beispielsweise ein Nachbarstaat einen Angriff plante oder mächtige Rivalen einen Herrscher stürzen wollten, konnte offenes und vertrauensvolles Handeln aus seiner Sicht gefährlich sein.
In solchen Situationen waren manchmal geheime Bündnisse, strategische Täuschungen oder harte Entscheidungen nötig, um die Stabilität des Staates zu sichern.
Deshalb fragte Machiavelli weniger, wie Politik idealerweise sein sollte, sondern vielmehr, wie sie unter den tatsächlichen Bedingungen seiner Zeit funktionierte. Diese nüchterne Betrachtungsweise war für viele Zeitgenossen ungewohnt und trug entscheidend dazu bei, dass sein Name später mit skrupelloser Machtpolitik verbunden wurde.
„Wer überall gut sein will, wird unter so vielen Schlechten zugrunde gehen.“
Niccolò Machiavelli
Die Welt, in der Machiavelli lebte
Um Machiavelli zu verstehen, muss man seine Zeit kennen. Das Italien der Renaissance war politisch instabil. Mächtige Familien kämpften um Einfluss. Staaten wurden überfallen, Bündnisse wechselten ständig. Verrat gehörte beinahe zum politischen Alltag.
Machiavelli fragte sich deshalb: Wie kann ein Staat in einer solchen Welt überhaupt überleben?
Seine Antwort war radikal pragmatisch: Ein Herrscher darf nicht naiv sein. Er müsse bereit sein, hart, listig und flexibel zu handeln.
Berühmt ist seine Aussage, ein guter Herrscher müsse zugleich „Löwe und Fuchs“ sein:
- stark wie ein Löwe
- schlau wie ein Fuchs
Diese Mischung aus Macht und List prägt bis heute die Vorstellung vom „machiavellistischen Handeln“.
Beispiele für machiavellistisches Verhalten heute
In der Politik: Ein Politiker präsentiert sich öffentlich freundlich und volksnah, arbeitet aber hinter den Kulissen hart an Machtallianzen und taktischen Vorteilen.
Im Berufsleben: Ein Kollege streut gezielt Informationen, um Konkurrenten schlecht aussehen zu lassen und selbst aufzusteigen.
In Beziehungen: Jemand nutzt emotionale Manipulation, Schuldgefühle oder strategische Nähe, um Kontrolle über andere Menschen zu gewinnen.
In Serien und Filmen: Figuren wie Frank Underwood aus House of Cards gelten vielen als Paradebeispiele für machiavellistisches Verhalten.
Machiavellismus in der Psychologie
In der modernen Psychologie gibt es sogar den Begriff „Machiavellismus“. Er beschreibt eine Persönlichkeitseigenschaft.
Menschen mit stark ausgeprägtem Machiavellismus gelten oft als:
- manipulativ
- emotional distanziert
- strategisch
- kontrollierend
- zielorientiert
Der Begriff gehört dort zur sogenannten „Dunklen Triade“ der Persönlichkeit:
- Machiavellismus
- Narzissmus
- Psychopathie
Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder strategische Mensch automatisch problematisch ist. Aber extreme Ausprägungen können Beziehungen und Arbeitsumfelder stark belasten.
Synonyme für "Machiavellistisch handeln"
Synonyme für „machiavellistisch handeln“
Hier findest du typische Synonyme und verwandte Begriffe:
- skrupellos handeln
- manipulativ handeln
intrigant handeln - berechnend handeln
- taktisch handeln
- strategisch handeln
- hinterlistig handeln
- machtbewusst handeln
- kalt kalkulierend handeln
- opportunistisch handeln
- raffiniert handeln
- listig handeln
- verschlagen handeln
- zynisch handeln
- machtpolitisch handeln
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Was bedeutet "Machiavellistisch handeln" auf Englisch und in anderen Sprachen?
- Englisch: Machiavellian behavior
- Französisch: agir de manière machiavélique
- Italienisch: agire in modo machiavellico
- Spanisch: actuar de forma maquiavélica
- Türkisch: Makyavelist davranmak
- Esperanto: makiavele agi
Videos zu "machiavellistisch handeln"
Video: Die Dunkle Triade | Teil 2: Machiavellismus
Länge: 3:21 Minuten
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Ihre Herkunft haben die Ungeheuer Skylla und Charybdis Homers Werk Odyssee zu verdanken. Skylla hatte zwölf Füße sowie sechs Köpfe mit schrecklichen Gebissen und hauste in einer Felshöhle an einer Meerenge.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge lebte das Ungetüm Charybdis. Charybdis sog dreimal am Tage das Wasser ein und stieß es brüllend aus. Sie lauerten vorbeikommenden Seefahrer auf, um sie mit Haut und Haar zu verschlingen bzw. zu töten.
Wenn wir heute davon sprechen, dass wir "zwischen Skylla und Charybdis sein" wählen müssen, dann befinden wir uns in einer Situation, in der wir zwischen zwei Übeln wählen müssen. Eine alternative Schreibweise ist: "Zwischen Szylla und Charybdis sein"
Hier weiterlesen: Zwischen Skylla und Charybdis sein - Bedeutung
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